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Mehr Zeit: Wie Sie in 7 Schritten Ihre heiligen Projekt-Kühe schlachten

Die meisten Projekte neigen dazu, sich aufzublähen. Hier kommt noch ein Detail dazu, und dort. Das Fatale daran ist, dass viele Details gar nicht sein müssten. Wenn Sie mehr Zeit und weniger Stress haben wollen, sollten Sie lernen, solche mentalen Blockaden zu erkennen, ans vermeintlich Eingemachte zu gehen und Ihre „heiligen Kühe“ zu schlachten. Dazu habe ich sieben Tipps für Sie.

„Wie kann man eigentlich gleichzeitig aktiv und faul sein?“ Das fragte mich eine Teilnehmerin, die in einem meiner Kurse herausgefunden hatte, dass sie die Löwen um ihr lässiges Ruhen in der Sonne beneidete. Eine andere Teilnehmerin, die mit ihrem Internet-Projekt kurz vor dem Start stand, hatte mit diversen Projektdetails und „Problemen der letzten Minute“ zu kämpfen.

Und da ich selbst seit etwa einem Jahr dabei bin, mein Geschäft und meine Arbeit neu zu gestalten, sagte ich beiden das Gleiche:

  • Und werft Eure „heiligen Projekt-Kühe“ raus. Also all das, was nur vermeintlich sein muss, was unantastbar zu sein scheint – und was Euch doch um Kopf und Kragen bringen oder zumindest Eure Ruhe in der Sonne kosten kann.

Und da ich weiß, wie schwer es ist, sich von solch vielleicht sogar innig geliebten Wesen zu verabschieden, habe ich hier ein paar Tipps für Sie, wie Sie Ihre heiligen Projektkühe schlachten. 😉

Schritt 1: Analysieren Sie den Ist-Zustand

Wir Menschen sind so gestrickt: Meistens bringt uns erst irgendein Frust dazu, uns das, was wir tun, einmal genauer anzusehen und mögliche Knackpunkte zu bemerken.

Vielleicht ärgern Sie sich, dass Sie immer weniger Zeit für sich und das Private haben. Vielleicht wollen Sie schon längst einen neuen Kurs einschlagen und andere Dinge verfolgen. Vielleicht haben Sie sehr groß geplant, nur leider (im Moment) die nötigen Ressourcen dafür nicht. Oder Sie geraten einfach beim Anblick träge in der Sonne dösender Raubkatzen ins Schwärmen.

Egal, was: Irgendetwas stimmt nicht (mehr) – und Ihre Aufgabe ist es, herauszufinden, was.

Spüren Sie dazu auch ruhig in sich hinein. Beobachten Sie sich selbst. Gefühle wie Frust oder Ärger, der unangenehme Eindruck, dass Ihnen alles über den Kopf wächst, oder sehnsüchtig-assoziatives Träumen sind Versuche unseres Unbewussten, uns auf ein Ungleichgewicht aufmerksam zu machen.

Schritt 2: Machen Sie sich Ihre Ziele klar

Wo wollten Sie ursprünglich eigentlich hin, bevor Ihr Projekt die vielen schönen Ideen und Kühe hinzugewann? Wissen Sie das noch? Was waren Ihre Ziele? Welchem Zweck sollte welche Tat dienen? Und interessanter vielleicht: Sind das auch noch Ihre heutigen Ziele?

Projekte neigen dazu, sich aufzublähen, und Ideen neigen dazu, sich einzuschleichen. Bevor Sie sich daran machen, Ihre heiligen Kühe zu enttarnen, sollte Ihnen glasklar sein, welchen Sinn und Zweck Ihr Handeln hat. Nur so können Sie herausfinden, ob das, was Sie da tun, überhaupt nötig ist.

Schritt 3: Erkennen Sie mögliche Blockaden

Heilige Kühe sind vor allem deshalb heilige Kühe, weil wir sie für unantastbar halten. Vielleicht lieben wir sie. Vielleicht haben wir uns daran gewöhnt. Vielleicht wollen wir uns – und anderen – damit etwas beweisen. Vielleicht glauben wir, dass wir sie brauchen und dass es nicht ohne sie geht.

Doch selbst Liebe lässt sich „dosieren“ – oder genauer: Ich kann mir überlegen, wie intensiv ich mich ihr widmen will. Und ob etwas wirklich unbedingt nötig ist, wäre sowieso dringend zu überprüfen.

Wenn Sie herausfinden wollen, ob etwas wirklich nötig ist, können Sie sich zum Beispiel fragen, wie die Konsequenzen aussähen, wenn Sie es nicht mehr tun würden. (Oder wenn Sie es nur noch halb tun würden und so fort.)

Oder Sie fragen sich, wie wertschöpfend das ist, was Sie tun. Wie sehr trägt es zum Gesamtwohl dessen bei, was Ihnen wichtig ist?

Ein anderer Ansatz wäre es, grundsätzlich zu überlegen, ob es auch Alternativen dafür gäbe.

Hauptsache, Sie lernen, die scheinbare „Unantastbarkeit“ Ihrer heiligen Kühe zu hinterfragen. Denn oft sind diese in Wirklichkeit Blockaden und wir haben nur noch nicht gelernt, mental und tatsächlich über sie hinauszugehen.

Schritt 4: Setzen Sie Ihre Ressourcen optimal ein

So, Sie haben Ihre Ziele, und Sie haben hinterfragt, wie notwendig und sinnvoll das ist, was Sie jeweils tun. Eventuell haben Sie auch schon nach Alternativen dafür gesucht.

Überlegen Sie nun, worin Sie wirklich gut sind, was Ihre kostbarsten Ressourcen sind und was Sie ohne großen Aufwand beibehalten können, um das große Ganze zu stützen.

Zum einen hilft Ihnen das wieder, Ihre heiligen Kühe zu erkennen. (Wenn diese nicht zu ihren kostbaren Ressourcen gehören.) Und Sie können mit Hilfe Ihrer Stärken Projekt-Kühe, die Sie nicht völlig kippen können, so weiterbetreiben, dass es Ihnen möglichst wenig Mühe macht.

Einmal ein praktisches Beispiel. Nehmen wir an, Sie wollen das oben erwähnte Internet-Projekt betreiben. Ihr Kerngeschäft sind Produkte. Gleichzeitig wollen Sie aber auch mit einem Online-Magazin Ihre Kompetenz demonstrieren sowie Leser ziehen und binden.

Wie umfangreich muss dann dieses Magazin sein? Welche Form muss es haben? Wann erfüllt es seinen Zweck – und wann wird es zu einer „heiligen Kuh“ und zu einem unantastbaren Selbstzweck? Und wenn Sie das Magazin nicht völlig knicken wollen, wie können Sie es mit Ihren Stärken so betreiben, dass es Ihre Ressourcen möglichst wenig belastet?

(Eine Antwort wäre zum Beispiel, es als Kern einer Community zu sehen und eher die Community zu steuern, statt das Magazin geduldig mit Artikeln zu bestücken.)

Wissen Sie, was ich meine? Nehmen Sie den Nimbus des Unantastbaren von Ihren Projektideen („das muss aber so sein“) und setzen Sie Ihre Ressourcen überlegt und optimal ein. Und das bedeutet: Tun Sie das, worin Sie wirklich gut sind. Dort, wo es wirklich sinnvoll ist. Und nur so viel, wie auch nötig ist.

Schritt 5: Werfen Sie alles raus, was nicht wertschöpfend genug ist

Daraus dürfte sich auch der nächste Schritt ergeben: Werfen Sie alles raus, was nicht zielführend ist oder was Ihre Ressourcen unnötig über Gebühr belastet.

Wenn zum Beispiel Ihr Kerngeschäft Produkte sind, gehört Ihre Zeit den besagten Produkten und deren Verkauf, nicht über Gebühr einem lediglich unterstützenden Magazin. Wenn Ihre Stärke das Netzwerken und der persönliche Kontakt zu Kunden und Lesern ist, wären das überlegenswerte Alternativen zu einem sonst klassischen artikelbasierten Magazin.

Finden Sie den Weg, der zu Ihnen und Ihren Zielen passt. Tun Sie etwas nicht nur deshalb, weil andere das ebenfalls tun oder „weil man das so macht“. Es sei denn, Sie haben genug Ressourcen, um sich hier von anderen helfen zu lassen. Doch selbst dann müssen Sie das nötige Geld dafür zunächst einmal über Ihr Kerngeschäft einbringen – und natürlich auch genügend Zeit in die Steuerung Ihrer Helfer investieren.

Oder anders formuliert: Warum kaufen wir bei Otto? Wegen der Produkte. Würden wir noch mehr Produkte bei Otto kaufen, nur weil Otto ein eigenes Magazin hat? Und wenn ja, würde diese Mehreinnahme die zusätzlichen Ausgaben für das Magazin rechtfertigen? Sehen Sie, was ich meine?

Achtung: Wenn Sie zu dem Schluss kommen, dass Sie Ihr Magazin sehr wohl brauchen, weil dieses zum Beispiel als Marketingkanal in nennenswertem Anteil zum Wohl Ihres Geschäfts beiträgt, ist das natürlich etwas anderes. Dann ist es ja auch keine heilige Kuh mehr, sondern eine tragende Säule. 😉

Extra-Tipp: Wenn Sie wollen, können Sie Ihre rausgeworfenen Ideen ja zunächst einmal sammeln. So manches Detail kann zwar jetzt zu viel des Guten sein, sich aber in Zukunft als nützlich erweisen. Vielleicht möchte Otto ja irgendwann einmal einen Ableger gründen und braucht dafür ein Magazin. Dann ist es gut, wenn es entsprechende Pläne bereits in seiner Schublade hat.

Schritt 6: Setzen Sie sich Limits

Es ist wohl typisch menschlich: Wenn wir Zeit in eine Sache stecken, dann frisst sie auch soviel Zeit, wie wir in sie stecken. (Oder auch noch mehr. Auf jeden Fall nicht weniger. ;-))

Setzen Sie sich deshalb Limits oder Grenzen. Wenn Sie beispielsweise nur zehn Stunden in der Woche für Ihr Magazin haben, dann haben Sie nur zehn Stunden. Und die „Not“ wird Ihre Kreativität aktiv werden lassen, diese zehn Stunden bestmöglich zu nutzen. Ihre „Kuh“ wird dann zwar immer noch in ihrem Stall stehen – doch sie wird jetzt Ihnen dienen, und nicht umgekehrt.

Oder Sie schieben Ihre Ideen erst einmal auf. Geben Sie sich sozusagen Zeit zum Abkühlen. Wenn Sie nach, sagen wir, sechs Monaten immer noch ganz begeistert von Ihrem Magazin sind, dann holen Sie diese Idee wieder hervor und überprüfen Sie sie. Doch aus Erfahrung kann ich Ihnen jetzt schon sagen: Die meisten Ideen haben sich bis dahin längst erledigt.

Schritt 7: Steuern Sie Ihre Projekte, laufen Sie nicht blind drauflos

Wofür haben wir unseren Kopf mitbekommen? Zum Denken. Und warum machen wir das so selten? Weil es Arbeit macht, weil wir zu dicht im Geschehen sind, weil wir gar nicht erst auf die Idee kommen. 😉

Gewöhnen Sie sich deshalb am besten an, alles, was Sie (beruflich) tun, auf seinen Sinn und Gehalt hin zu überprüfen. Folgen Sie Ihrem Herzen, aber geben Sie ihm Ihren Verstand an die Hand. Wenn Sie Ihre Projekte grundsätzlich kritisch hinterfragen, haben heilige Kühe deutlich weniger Chancen, sich unerkannt in Ihrem Stall zu tummeln.

Sorgen Sie für genug Abstand beziehungsweise zusätzliche Perspektiven, um Ihre eigene Betriebsblindheit („das muss aber so sein“) zu erkennen.

Und halten Sie immer wieder Zwischenschau, überprüfen Sie Ihren Kurs und justieren Sie gegebenfalls nach.

Oder anders formuliert: Steuern Sie Ihre Ziele und Projekte. Laufen Sie nicht blind darauflos. Wenn heilige Kühe erst einmal groß und fett geworden sind, sind sie verflixt schwer wieder loszuwerden. In diesem Sinne: Wehren Sie den Anfängen. 😉

© 2011 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 04.10.11

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