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Mit der 6-W-Methode besser lernen und merken

Oft vergessen wir neues Wissen deshalb wieder, weil wir es gar nicht richtig wahrgenommen und verarbeitet haben. So bleibt es uns fremd und geht schnell wieder verloren. Mit der 6-W-Methode können Sie Informationen besser erfassen und damit leichter lernen und sich merken.

„Wer hat was wann wo wie warum getan?“

Diese klassische Frage aller Fragen treibt nicht nur Journalisten an, für die die sogenannte 6-W-Methode deshalb zum alltäglichen Handwerkszeug gehört.

Mit den sechs W-Fragen „wer was wann wo wie warum“ können Sie auch

  • Informationen in ihre Teile zerlegen
  • ihre wesentlichen Bestandteile erkennen
  • Verbindungen ziehen und Zusammenhänge verstehen
  • neues Wissen verarbeiten und damit besser lernen und merken.

Schritt 1: Verschaffen Sie sich einen Überblick. (Vorwissen aktivieren)

Sehen Sie sich Ihren Lernstoff an. Worum geht es? Was sollen Sie lernen? Einstein und die Relativitätstheorie – also Wissenschaft, Physik, eventuell Geschichte.

Stimmen Sie sich gedanklich darauf ein: Wo haben Sie schon von Einstein gehört? (Vielleicht im Kino.) Was fällt Ihnen dazu ein? (Vielleicht das berühmte Bild, auf dem ein gar nicht würdiger Wissenschaftler mit wirrem Haar aller Welt die Zunge herausstreckt.)

So bereiten Sie „Anker“ vor, mit denen Sie das neue Wissen verknüpfen können. Alles, was Sie jetzt erfahren, wird Ihnen nicht mehr völlig fremd sein, und Sie können es deshalb leichter lernen.

Schritt 2: Stellen Sie Fragen mit der 6-W-Methode. (Zusammenhänge erkennen)

Erarbeiten Sie sich Ihren Lernstoff mit der 6-W-Methode. Nehmen Sie die sechs W-Fragen und richten Sie an Ihren Lernstoff die Frage: Wer (hat) was wann wo wie warum (getan)?

In diesem Sinne könnte Ihre Antwort also lauten: Einstein (wer) hat die Relativitätstheorie (was) 1905 [die spezielle] beziehungsweise 1916 [die allgemeine] (wann) in der Schweiz / Deutschland (wo) abgeschlossen / veröffentlicht, mit deren Hilfe er zum Beispiel anhand von Licht und Lichtgeschwindigkeit (wie) den Zusammenhang von Raum und Zeit beschreiben konnte (warum).

Sie könnten Ihre Perspektive aber auch ausdehnen und Ihren Lernstoff fragen:

Wer war alles beteiligt? – Antwort: Einstein als Begründer der Theorie, Wissenschaftskollegen und Öffentlichkeit, die jeweils entsprechend reagierten.

Wo findet die Theorie ihre praktische Anwendung? – Antwort: Man konnte mit ihrer Hilfe die Abweichungen in den Bahnbewegungen der Planeten erklären, sie bildet den Hintergrund für Experimente mit Elementarteilchen in modernen Teilchenbeschleunigern, und so weiter, und so fort.

Warum war die Theorie in der Wissenschaftswelt von Anfang an so erfolgreich? – Antwort: Weil sie offene Fragen damaliger Experimente erklären konnte, mit weiteren Entdeckungen wie der Quantentheorie schlüssig zusammengebracht werden konnte, deshalb schnell von führenden Wissenschaftlern anerkannt wurde, und dergleichen mehr.

So nehmen Sie das neue Wissen Stück für Stück auseinander, können Einzelheiten erkennen und Zusammenhänge herstellen. Ihr Lernstoff ist keine abstrakte Größe mehr, sondern in viele kleine Informationshäppchen heruntergebrochen, deren Struktur Sie viel leichter aufnehmen und verstehen können.

Praxistipp: Wenn Sie möchten, können Sie hier auch mit einer Tabelle, Mind Map oder Ähnlichem arbeiten und die 6 Ws ganz wortwörtlich herausschreiben, sammeln und untersuchen. So lange, bis Sie ein Gefühl für die Sache bekommen haben und neue Inhalte grundsätzlich mit dieser Brille wahrnehmen.

Schritt 3: Fassen Sie Ihre Ergebnisse zusammen. (Wiedergeben können)

Aber egal, ob Sie nun Stichpunkte herausschreiben, Markierungen nutzen oder ein Thema gedanklich aufarbeiten: Fassen Sie Ihre Ergebnisse zusammen und üben Sie, Ihren Lernstoff mit eigenen Worten wiederzugeben.

Damit fügen Sie die Teile Ihres Puzzles zu einem Ganzen, bis sie ein neues, konkretes Bild ergeben. Ein Bild, das Sie selbst geschaffen haben und das all die Verbindungen in sich trägt, die Sie gezogen haben.

Also: Setzen Sie Einstein samt seiner herausgestreckten Zunge in die Schweiz. Lassen Sie ihn die Relativitätstheorie entwickeln und mit Raum und Zeit spielen. Lassen Sie ihn die Antwort auf ungelöste Fragen finden, deren Auswirkungen wir heute etwa in der Raumfahrt oder bei gigantischen Teilchenbeschleunigern sehen.

Denn erst das, was wir mit eigenen Worten wiedergeben können, haben wir verstanden. Erst das, was wir greifbar vor Augen haben, können wir immer wieder aus unserem Gedächtnis holen.

So haben Sie nicht nur die klassische Journalistenfrage „Wer (hat) was wann wo wie warum (getan)?“ beantwortet. So haben Sie Ihre Informationen auch wahrgenommen und verarbeitet, altes mit neuem Wissen vereint.

Mit anderen Worten: Gute Karten, dieses Wissen auch zu behalten.

© 2007 Heike Thormann, Erstveröffentlichung

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