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Mit Details die Phantasie der Leser anregen

Ohne Details sind Geschichten und Texte vor allem eines: Nackt und leblos. Es sind die Details, mit denen Sie Ihre Geschichten Gestalt annehmen lassen und die Phantasie Ihrer Leser anregen. Es sind die Details, mit denen Sie sie für Ihre Texte und Ihre Welt begeistern.

Mit Details schreiben

Geschichten und Texte sind zunächst einmal eines: Ein Meer von Buchstaben und Worten. Druckerschwärze auf dem Papier.

Damit diese Druckerschwärze lebendig wird und für den Leser Gestalt annimmt, braucht sie Details. Details, die aus nackten Worten Bilder machen. Details, die die Phantasie Ihres Lesers anregen, ihn eine Geschichte sehen, schmecken und erleben lassen.

Dann wird er sich auch begeistern, fesseln und in Ihre Welt ziehen lassen.

In diesem Sinne könnten Sie natürlich zum Beispiel schreiben, dass für die Altvorderen die Welt flach war. Völlig richtig. Allerdings sind Ihre Texte dann auch ziemlich bald ziemlich flach. 😉

Schreiben Sie dagegen, dass für die Altvorderen die Welt eine Scheibe war, von der man herunterzufallen drohte, wenn man ihren äußeren Rändern zu nahe kam, erzeugen Sie ein Bild.

Ein Bild, das der Leser deutlich vor Augen hat. Ein Bild, mit dem Sie von ihm nicht verlangen, Ihren Äußerungen blind zu vertrauen, sondern das ihm Details zeigt, die er selbst sehen und verstehen kann.

Details finden

Wie finden Sie jetzt Details?

Ganz einfach. Merkregel Nummer Eins: Beobachten Sie.

Setzen Sie Ihre Sinne ein und achten Sie einmal ganz bewusst darauf, was Sie sehen, hören, riechen oder schmecken. Versuchen Sie dann, diese Wahrnehmungen so konkret wie möglich zu beschreiben.

Bleiben Sie dabei bei den bloßen Tatsachen und verzichten Sie auf Beurteilungen oder Interpretationen. Das Interpretieren und Verarbeiten soll ja der Leser übernehmen.

Wenn das Beobachten nicht reicht, können Sie auch zu Erinnerungen, Beschreibungen anderer Autoren oder Ihrer Phantasie greifen. Achten Sie allenfalls darauf, nicht zu viel Gewicht auf Ihre Vorstellungskraft zu legen. Wie heißt es so schön: Die besten Geschichten schreibt das Leben.

So hinreißend und bezaubernd können Sie beispielsweise einen Dreijährigen gar nicht beschreiben, wenn Sie ihn nicht vorher selbst gesehen haben oder Ihnen zumindest jemand detailliert (!) davon erzählt hat. Es ist das Echte, das Authentische, was ihm seinen Reiz gibt. Wenn Sie nur bei Ihrer Phantasie bleiben, können Ihre Texte schnell unglaubwürdig oder klischeehaft werden.

Beispiel:

Der Junge saß in der Ecke und spielte mit seinem neuen Spielzeugauto. (Ohne Details.)

Der Junge saß in der Ecke. Ein dünner Speichelfaden lief ihm aus halb geöffnetem Mund unbemerkt über das Kinn, während er sein neues Spielzeugauto betastete. Sieh an, die Räder ließen sich drehen. Schneller und immer schneller. Ein Summen brach sich aus ihm Bahn. Brumm, flüsterte er, brumm. (Mit Details.)

Achtung: Geben Sie Ihren Lesern nicht zu viele Details vor. Wenn Sie alles bis ins Kleinste beschreiben, regen Sie die Phantasie nicht an, sondern engen sie ein. Lassen Sie ihnen genug Spielraum, Ihr Bild mit eigenen Bildern und Gedanken zu ergänzen.

Üben Sie das Ganze gleich einmal mit der folgenden Übung.

Übung: Mit Details die Phantasie der Leser anregen

Sie müssen nicht gleich mit einer Szene arbeiten. Fangen Sie ruhig mit einem Gegenstand, einem Kleidungsstück oder etwas ähnlich Bewegungslosem an. Beschreiben Sie zum Beispiel einen Bleistift, einen Kuli oder Ihre Tastatur. Achten Sie auf die Einzelheiten. Machen Sie ein Spiel daraus und versuchen Sie, zuerst 5, dann 10, dann 20 Details zu finden.

Markieren Sie in einem zweiten Schritt die aussagekräftigsten Details. Also die Einzelheiten, die das Wesen Ihres Gegenstands, seine wichtigsten Merkmale am besten wiedergeben.

Überarbeiten und kürzen Sie Ihren Text anschließend, bis er genug Details enthält, um Ihrem Leser ein Bild zu bieten, aber nicht so viele, um ihn damit zu erschlagen.

Regen Sie seine Phantasie an und lassen Sie ihn den Rest selbst suchen. Umso bereitwilliger wird er Ihnen folgen und sich in Ihre Welt ziehen lassen.

© 2008 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 13.06.08

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