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Mit Edward de Bonos OPV die Perspektive wechseln

von Heike Thormann

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Ladenhüter, Konflikte oder unglaubwürdige Texte – sie alle haben eines gemeinsam: Ein fehlendes Einfühlungsvermögen. Wenn Sie nicht am Kundenbedarf vorbeientwickeln oder sich in Auseinandersetzungen aufreiben wollen, lernen Sie, die Perspektive zu wechseln und die Sichtweise des anderen einzunehmen. Edward de Bonos Methode OPV kann Ihnen dabei helfen.

Wissen, was im Kopf des anderen vorgeht …

Wissen, was im Kopf des anderen vorgeht – das ist ein alter Traum. Ein Traum mit handfesten Vorteilen.

Sind Sie selbstständig oder arbeiten in Marketing und Produktentwicklung? Fein. Dann könnten Sie das Wissen über Kundenbedürfnisse für Ihre Produkte nutzen.

Wollen Sie bessere Entscheidungen treffen? Dann dürfte es Gold wert sein, die Interessen und Reaktionen der Beteiligten abschätzen zu können.

Ihr Kontakt zu Familie, Freunden und Bekannten könnte konfliktfreier, weil weniger anfällig für Missverständnisse werden.

Selbst als Autor würden Ihre Texte davon profitieren. Wäre es doch etwa für einen Knastroman hilfreich, wenn Sie sich in einen Gefängnisinsassen einfühlen, damit glaubwürdiger schreiben könnten.

Die Perspektive wechseln …

Nur – leider können wir keine Gedanken lesen. Wir können nicht wissen, was im Kopf des anderen vorgeht, solange derjenige es uns nicht selbst sagt.

Was also tun?

Lernen Sie, die Perspektive zu wechseln und in den Schuhen des anderen zu gehen. Versuchen Sie, die Welt aus den Augen von Gefängnisinsasse oder Konfliktpartner zu sehen.

Edward de Bonos OPV: Aufmerksamkeit lenken …

Eine Methode, die Sie dafür nutzen können, ist die von Edward de Bono entwickelte OPV-Methode.

(OPV für Other People’s Views. Im Deutschen vielleicht nicht ganz treffend mit „anderer Leute Meinungen“ wiedergegeben. Geht es bei dieser Methode doch weniger um Meinungen als vielmehr um Sichtweisen und Perspektiven.)

Das Ziel von OPV: Ihre Aufmerksamkeit bewusst zu lenken, um sich so in die Lage anderer Menschen zu versetzen.

Dazu gehen Sie folgendermaßen vor:

Angenommen, Sie wollen eine Entscheidung treffen. Vielleicht spielen Sie mit dem Gedanken, in Ihrer Gegend ein Seminarhaus aufzumachen. Dort wollen Sie eigene Kurse anbieten und die Räume auch an andere Trainer und Berater vermieten.

Im ersten Schritt überlegen Sie, wer alles von Ihrer Entscheidung betroffen sein könnte. Nehmen Sie sich Stift und Papier und listen Sie auf:

  • Ehe- oder Lebenspartner
  • Kinder oder Enkelkinder
  • Banken und Kreditinstitute
  • das örtliche Handwerk
  • der lokale Handel
  • die Gastronomie
  • Trainer und Berater
  • andere Seminaranbieter
  • Seminarteilnehmer
  • und so weiter, und so fort.

Werden Sie ruhig so konkret wie möglich. Je genauer Sie Situation und Beteiligte erfassen können, desto besser.

Im zweiten Schritt gehen Sie jetzt die einzelnen Gruppen durch. Überlegen Sie, wie jede von ihnen Ihr Projekt “Seminarhaus” vielleicht sehen und beurteilen würde.

Also zum Beispiel:

  • Die Gastronomie wäre vielleicht begeistert, denn sie könnte mit den zu erwartenden Teilnehmern gutes Geld verdienen.
  • Andererseits wäre es aber auch möglich, dass nur Anbieter in unmittelbarer Nähe des Seminarhauses von diesem profitieren.
  • Manche Lokale würden vielleicht sogar Einbußen haben, weil ihr angestammter Kundenstrom abnehmen könnte. (Das heißt, Leute, die andere Seminaranbieter besuchen oder einfach nur für einen Bummel in die Stadt statt ins Seminar gehen.)
  • Möglicherweise wäre das Seminarhaus aber auch so erfolgreich, dass vermehrt Teilnehmer von weiter weg anreisen und damit die gesamte örtliche Gastronomie ankurbeln.
  • Oder das Seminarhaus könnte sich entschließen, sich ein eigenes Lokal mit Übernachtungsmöglichkeit zuzulegen und damit in Konkurrenz zu örtlichen Angeboten zu gehen.
  • Und so weiter, und so fort.

(Nebenbei: Ob die Perspektive der Gastronomie für Ihre Entscheidung wirklich relevant ist, steht noch auf einem anderen Blatt. Hier müssten Sie gegebenenfalls gewichten und bewerten.)

Sie sehen das Prinzip?

Bewusstsein für Möglichkeiten schärfen …

Versuchen Sie, den Standpunkt der jeweils Beteiligten einzunehmen und die Auswirkungen Ihres Plans „Seminarhaus“ von allen Seiten abzuklopfen.

Damit haben Sie zwar keine Garantie, dass jemand tatsächlich so denkt. Und erst recht können Sie nicht in die Zukunft sehen, welche Ihrer Szenarien Wirklichkeit werden.

Das ist aber auch gar nicht der Punkt.

Bei OPV geht es einzig darum, Ihr Bewusstsein für Möglichkeiten zu schärfen. Für die Möglichkeit, was Kunden wollen, Entscheidungen bewirken und Familienmitglieder sagen.

So wissen Sie zwar immer noch nicht, was im Kopf des anderen vorgeht. Aber Sie sind ein gutes Stück näher dran.

Üben Sie mal …

Wenn Sie wollen, dann üben Sie den Perspektivwechsel mit OPV doch gleich einmal ein. Sie können sich dazu selbst ein Szenario ausdenken oder zu meinen Vorgaben greifen:

  • Sie wollen ein norwegisches Holzhaus in einem typischen genormten Neubauviertel bauen.
  • Sie sind Besitzer einer kleinen Eckkneipe und werden mit dem neuen Rauchverbot konfrontiert.
  • Ihr Kind soll wegen „geistiger und körperlicher Reife“ ein Jahr eher als üblich eingeschult werden.

© 2008 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 04.03.08

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