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Mit Freiem Schreiben kreative Reden halten

Wer eine Rede oder einen Vortrag halten – und schreiben – muss, hat dazu oft nur bestimmte, an der Oberfläche seines Bewusstseins liegende Ideen im Kopf. Kreativer werden Ihre Reden, wenn Sie Ihre Inspiration mit der kreativen Schreibtechnik „Freies Schreiben“ ankurbeln.

Ich gebe zu, ich bin egoistisch. 😉 Ich gebe nicht zuletzt deshalb so gern Kurse, weil ich aus ihnen auch für mich immer wieder neues Wissen und Ideen herausziehen kann. Gerade, wenn Teilnehmer auch ihre eigenen Projekte mitbringen, kann sich so mancher fruchtbare kreative Prozess entfalten.

Dieser Tipp ist ein Beispiel dafür und so ein kreatives Seminarergebnis.

Mit Brainstorming erste Ideen für die Rede finden

Die Ausgangssituation war folgende: Eine Teilnehmerin* meines Kreatives-Schreiben-Kurses schlug sich damit herum, eine Rede zum Thema „Zeitmanagement“ halten zu wollen.

Da sie aber nicht gerade eine ausgeprägte Begeisterung fürs Reden halten mitbrachte, beschäftigte sie diese Herausforderung bereits seit Wochen. Kein Wunder, dass sie die Gelegenheit ergriff und den Kurs gleich in diesem Sinne für ihre Zwecke nutzte.

Beim ersten Brainstorming kamen schon einige gute Argumente zusammen. Es fanden sich Dinge wie: Nutzen von Zeitmanagement, Zeitmanagement bei der Arbeit, Zeitmanagement privat, Hindernisse beim Zeitmanagement und natürlich ihre Tipps für ein erfolgreiches Zeitmanagement.

Das Ganze schön in einem Bogen durchkomponiert, logisch nachvollziehbar, klar gegliedert.

Allerdings auch noch etwas, sagen wir, gebremst. Sie hatte so lange über das Thema nachgedacht, dass sie sich nicht mehr weit genug davon lösen konnte, um den einen oder anderen kreativen neuen Ansatz zu finden.

Mit Freiem Schreiben kreative Reden schreiben

Also sind wir die Sache anders angegangen und haben zum Freien Schreiben (auch Free Writing oder Automatisches Schreiben) gegriffen.

Denn beim Freien Schreiben geht es nicht darum, dass sich etwas logisch, schön oder sinnig anhört. Gedanken wie „ich muss jetzt etwas Vernünftiges sagen, es muss zum Thema passen“ sind hier passé – und können einen deshalb auch nicht in den Trott stereotyper, genormter Reden zwingen.

Das Freie Schreiben ist vielmehr gut darin, uns einen Zugang zu unserem Unterbewusstsein zu eröffnen. Mit seiner Hilfe können wir auf Gedanken und Ideen zugreifen, die unser innerer Zensor normalerweise vielleicht wegfiltern würde, noch bevor wir sie bewusst zu Papier gebracht haben. Das Aus für so manche schöne Idee.

Alles, was Sie dazu tun müssen, ist schreiben. Nicht mehr und nicht weniger. Mit einer kleinen Einschränkung: Sie dürfen nicht aufhören. Schreiben Sie 10 bis 15 Minuten lang ohne anzuhalten frei von der Leber weg. Dieser Zwang zum Schreiben hält Ihren inneren Zensor dermaßen in Atem, dass er nicht mehr dazu kommt, Sie kontrollieren und Ihre Vortragsideen ausbremsen zu wollen.

Das tat meine Teilnehmerin dann auch. Wobei sie das „ohne Punkt und Komma schreiben“ meiner Hilfestellung wörtlich nahm und selbst die Worte ohne abzusetzen in eins durchschrieb. *schmunzel*

Egal, denn bei diesem wilden Drauflosschreiben zum Thema „mein Zeitmanagement und ich“ kamen die schönsten Sachen zusammen. Anekdoten wie über Generationen weitergegebene Sinnsprüche ihrer Familie, anschauliche Beispiele, ihre eigenen entwaffnenden kleinen Schwächen beim Umgang mit der Zeit, ihre Motivation, sich deshalb eingehender mit dem Thema zu beschäftigen, und anderes mehr.

Alles Dinge, die eine Rede verbessern, ihr einen lockeren, unterhaltsamen Tonfall geben, mit farbigen Beispielen würzen, für manche überraschende Wendung sorgen, kurz: die Rede lebendiger gestalten und damit das Publikum in Bann schlagen können.

Nicht zuletzt bekamen ihre Motivation und ihr Selbstbewusstsein Auftrieb: Sie hatte jetzt klar vor Augen, warum sie diese Rede halten wollte und was sie zu sagen hatte. Ein kleiner Schubs, um etwas leichter vor Publikum aufzutreten.

Der Mix macht’s …

Und damit wir uns nicht missverstehen: Das freie Schreiben allein kann Ihnen noch nicht zu einer gelungenen Rede verhelfen. Für ein komplettes Redekonzept ist es nicht gemacht.

Aber Sie können damit Ihr Vortragsthema aus einer anderen Perspektive betrachten, Ideen für Ihre Rede sammeln, vielleicht sogar völlig neue Ansätze gewinnen. Und sei es den Ansatz, sich selbst als Aufhänger in den Vortrag mit einzubringen: Immer eine gute Methode, um die Identifikation Ihrer Zuhörer zu erhöhen. 😉

Anschließend können Sie diesen Gedankenstrom ja auf wichtige Kernthemen abklopfen, diese aus dem Text herausziehen, logisch strukturieren und weiterbearbeiten.

Vielleicht etwas mehr Spielraum und eine kreative Abwechslung, wenn Sie das nächste Mal eine Rede schreiben. Viel Erfolg bei Ihrem Auftritt.

* Teilnehmer und Beispiel sind leicht verfremdet, um reale Personen zu schützen.

© 2008 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 11.07.08

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