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Von Japan lernen: Mit Kaizen kreativer arbeiten

Kreativität im Job ist gefragt, nur wird sie oft durch die Verhältnisse am Arbeitsplatz und in den Unternehmen ausgebremst. Mit einigen Grundelementen der japanischen Managementmethode Kaizen können Sie hier gegensteuern und kreativer arbeiten.

Es ist schon paradox – Kreativität wird mittlerweile zwar als Erfolgsfaktor erkannt und am Arbeitsplatz gefordert. Aber wenn sie dann in die Arbeit eingebracht werden will, machen persönliche Blockaden wie unternehmerische Bedingungen ihr oft genug den Garaus.

Mit Elementen der japanischen Managementmethode Kaizen können Sie hier gegensteuern. Denn Kaizen bedeutet vor allem eines: Das Streben nach ständiger Verbesserung – und das ist gut für Ihre Kreativität.

1. Verbessern und kreative Grundhaltung fördern

Verbesserungen sind nicht neu. Wir wollen am Markt bestehen, unsere Kunden zufrieden stellen, uns im Job bewähren – und dazu arbeiten wir an uns und unseren Produkten. Auf Unternehmensebene übertragen sogar mit speziellen Abteilungen wie Forschung und Entwicklung oder Qualitätsmanagement, beziehungsweise Einrichtungen wie dem betrieblichen Vorschlagswesen.

Kaizen geht allerdings noch einen Schritt weiter: Seine Anhänger wissen, dass nichts so beständig ist wie der Wandel – und dass man für diese Veränderungen flexibel bleiben muss. Vor allem aber glauben sie, dass, wer eine hohe Qualität zu bieten hat, zu einem guten Teil praktisch schon von selbst Erfolg hat.

Entsprechend belassen sie Veränderungen und Verbesserungen nicht in der Verantwortung von einzelnen, sondern verankern sie nach Möglichkeit in der gesamten Unternehmenskultur und räumen ihnen absolute Priorität ein.

Mit dem Ergebnis, dass die ständige Suche nach Verbesserungen einen auch kreativer arbeiten lässt – im Kaizen oder Sie selbst.

Lässt sie Sie doch den Status Quo von Arbeitsinhalten oder eigenem Unternehmen hinterfragen, sich mit dem Erreichten nicht zufrieden geben und nach weiteren Möglichkeiten suchen. Beugt sie Betriebsblindheit vor und schaltet Routinen aus. Fordert sie Sie heraus, umzuwerfen und neu zu gestalten. Immer wieder. Von Tag zu Tag.

Oder anders formuliert: Sich das Motto der kontinuierlichen Verbesserung auf die Fahnen zu schreiben, hilft Ihnen dabei, Ihrer Tätigkeit mit einer kreativen Grundhaltung nachzugehen.

2. Fehler zulassen und Kreativitätsblockade verhindern

Dinge verbessern zu wollen, ist also gut für Ihre Kreativität. Aber wer etwas verbessern will, muss auch etwas verändern. Und Veränderungen bedeuten immer ein Risiko. Man folgt nicht mehr den vorgegebenen und erprobten Bahnen, sondern sucht sich Schritt für Schritt vorantastend neue. Das kann zu Fehlern führen oder sogar zu Rückschlägen.

Wenn Sie diese Fehler und Misserfolge nun um jeden Preis vermeiden wollen, ist das eine erstklassige Blockade für Ihre Kreativität. Wer aus Angst vor Fehlern nichts neu zu gestalten wagt, ist nur in den seltensten Fällen kreativ.

Machen Sie sich stattdessen die Sicht des Kaizen zu eigen. Denn im Kaizen geht man davon aus, dass sowieso alles von Beginn an auf seinen Zerfall, sein Ende zusteuert. Und dass man die Dinge nur davor bewahren kann, indem man sie ständig erneuert und verbessert.

Mit anderen Worten: Es gibt keinen „perfekten“ Status Quo und Fehler, die diesen bedrohen. Der Status Quo selbst, beziehungsweise wer sich auf ihm ausruht, ist immer in Gefahr.

Es ist also besser, Fehler zu riskieren, um das System am Leben zu erhalten, als gar nichts zu tun und das System dem Untergang zu weihen. Egal, ob das jetzt zum Beispiel Ihr eigenes Unternehmen, Abläufe im Betrieb oder Ihr „Marktwert“ (am Arbeitsmarkt) ist.

Erlauben Sie sich und Ihren Mitarbeitern Fehler. Nicht, weil Sie sie netterweise tolerieren. Sondern weil sie notwendig und Teil eines Verbesserungsprozesses sind. Sie sind wertvolle Erfahrungen. Jedenfalls dann, wenn man aus ihnen lernt. 😉

3. Schrittweise vorgehen und Kreativitätshürde senken

Es ist typisch für unser vom westlichen Kulturkreis geprägtes Denken, dass wir Kreativität oft nur mit Innovationen, neuen Entwicklungen, großen Durchbrüchen in Verbindung bringen. Spektakulären Ereignissen, die viel Zeit und Geld kosten.

(Wenn wir sie nicht gleich auf die „Künstlerecke“ begrenzen.)

Im Kaizen ist Kreativität nicht spektakulär. Sie ist langsam, fast schleichend, unmerklich. Sie verbessert hier ein bisschen und baut dort ein wenig um. Kaizen legt Wert auf kontinuierliche kleine Schritte, nicht auf den großen Wurf.

Nicht selten sind es aber genau diese kleinen Schritte, die die großen Veränderungen erst möglich machen. Und: Diese kleinen Schritte senken auch die Hürde für Ihre Kreativität.

Denn im Kaizen suchen Sie Lösungen, keine perfekten Lösungen.

Die hohen Ansprüche und Erwartungen, mit denen wir uns und unsere Kreativität oft selbst ausbremsen, finden hier deutlich weniger Futter. Kreativ sind Sie eben nicht nur, wenn Sie das Produkt des Jahres erfinden. Sondern bei jedem kleinen Schritt, der Sie und Ihre Arbeit, Ihr Unternehmen voranbringt.

Warten Sie deshalb nicht, bis Sie über die perfekte Lösung stolpern. Wer das Erschaffen und Gestalten hinauszögert, bis der große Wurf in Sicht ist, erweist seiner Kreativität einen Bärendienst.

4. Auf die Mitarbeiter bauen und Kreativität freisetzen

Genauso wenig, wie Kaizen auf Innovationen baut, ist es eine Frage großer Investitionen oder kluger Köpfe. Kaizen setzt bei dem an, was da ist und will helfen, es optimal auszuschöpfen.

Es setzt bei den Mitarbeitern an, ihrem Handlungsspielraum (vergrößern, um selbstständig Verbesserungen vornehmen zu können) und ihrer Qualifikation (gewährleisten, um diesen Handlungsspielraum auch nutzen zu können).

Damit schafft es aber nicht nur ein Umfeld, in dem Mitarbeiter eigenverantwortlicher arbeiten können. Es schafft auch ein Umfeld, in dem sich Ihre Kreativität entfalten kann.

Denn wenn eines Gift für unsere Kreativität ist, dann sind es

  • strikte Regeln, die ein Hinterfragen verhindern
  • feste Vorgaben, die bessere Alternativen unmöglich machen
  • Druck und Kontrolle, die die Suche nach Lösungen zwanghaft werden lassen.

Kreativ arbeiten wir nur dann, wenn wir unsere Kreativität auch ausdrücken und in den Job einbringen dürfen. Wenn wir gestalten, erschaffen, verändern, ausprobieren und wieder verwerfen dürfen.

In diesem Sinne: Nehmen Sie Ihre Mitarbeiter nicht an die Zügel, sondern zeigen Sie ihnen die Richtung. Lassen Sie sie neugierig und spielerisch ihr Tagwerk vollbringen. Geben Sie ihnen die Verantwortung, die sie herausfordert, und das Wissen, das ihnen weiterhilft. Und lassen Sie sich von einem Strom kreativer Ideen überraschen.

Und wenn Sie selbst Mitarbeiter sind? Dann suchen Sie nach jeder Möglichkeit, Arbeitsinhalte eigenverantwortlich zu gestalten, und sei sie noch so klein. Ihre Kreativität wird es Ihnen danken.

© 2008 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 22.04.08

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