Bleiben Sie auf dem Laufenden:
Newsletter lesen »
Feed lesen »




10 Tipps, wie Sie mit Killerphrasen umgehen

Killerphrasen können einen aus dem Konzept bringen, ein Meeting sabotieren oder eine Idee beerdigen. Wer zu Killerphrasen greift, kann glauben, sich profilieren zu müssen, etwas vom Tisch fegen wollen oder einfach nur schlecht rüberkommen. Es gibt so viele Möglichkeiten wie Killerphrasen. Die folgenden 10 Tipps zeigen Ihnen, wie Sie sich einen Weg durch dieses Dickicht bahnen und besser mit solchen Störmanövern umgehen.

In Kreativ-Meetings kommen sie besonders oft vor. Aber auch beim ganz normalen Zusammentreffen von Menschen. Die Killerphrasen. Bei Kreativ-Workshops sollen sie helfen, missliebige Ideen abzuschmettern. Bei der Arbeit oder, seltener, im Privatleben nutzt man sie, um den anderen herabzusetzen, sich selbst aufzuwerten oder eine Sache, die man nicht diskutieren will, vom Tisch zu fegen.

Da heißt es zum Beispiel: „Werde du erst einmal erwachsen. / Komm du mal in mein Alter. Dann wirst du auch verstehen, dass …“ Oder: „Solange du die Füße unter meinen Tisch stellst …“ (Genau, ebenfalls eine Killerphrase. ;-)) Oder: „Wenn Sie schon so lange dabei wären wie ich, dann wüssten Sie …“ Oder: „Das würde doch wohl jeder machen …“ Und so weiter, und so fort.

Wobei ich jetzt nicht sagen will, dass an diesen Äußerungen nichts Wahres dran ist. Wenn man älter wird, sieht man die Dinge oft anders. Das ist normal. Und dass jemand, der etwas länger macht als ein anderer, sich besser auskennt, ist auch normal. Darum geht es nicht.

Es geht darum, dass das Gegenüber mit diesen Phrasen mundtot gemacht werden soll. Wer mit dem Argument „solange du die Füße unter meinen Tisch stellst“ kommt, lässt sich auf keine sachliche Diskussion mit dem anderen ein.

Er will dessen Beweggründe nicht hören. Er will diese nicht überdenken. Und vor allem will er sich nicht ihnen zuliebe ändern und von seinem Kurs abweichen. Mit anderen Worten: Der andere und seine Position, Meinungen, Ideen pp. werden „gekillt“.

Deshalb habe ich hier ein paar Tipps, wie Sie mit solchen Killerphrasen umgehen können. Sonst wäre es doch schade um Ihre abgewürgte Kreativität, Ihre Ideen und Sie selbst, mmh? 😉

1. Machen Sie sich Ihre Absichten und Ziele klar

Machen Sie sich zunächst Ihre eigenen Absichten und Ziele klar. Man kann Sie in einem Gespräch nicht so leicht von den Füßen heben, wenn Sie wissen, welchen Kurs Sie fahren wollen.

Gehen Sie zudem das Gespräch, das Meeting oder worum es sich handelt, in Gedanken auf mögliche Einwände und Killerphrasen durch. So sind Sie gut vorbereitet.

2. Verschieben Sie kurzentschlossen auf die Pause

Bei Vorträgen, Schulungen oder teils auch in Meetings kann das funktionieren: Bitten Sie alle, die Bedenken haben, diese in der Pause, bei der Abschlussdiskussion oder zu einem anderen festgelegten Zeitpunkt zu diskutieren.

Manchmal ist der Einwand bis dahin verpufft. Manche „Killenden“ verlieren an Schwung, sobald das aufmerksame Publikum wegfällt. Und Sie selbst gewinnen Zeit, sich auf Killerphrase und Gegenüber einzustimmen.

3. Stellen Sie Fragen

Lassen Sie den „Killenden“ Sie nicht attackieren und dann gehen. Stellen Sie Rückfragen. Fragen Sie zum Beispiel nach, wie das gemeint war. Bringen Sie ihn dazu, sich zu erklären. Schauen Sie, ob Sie ihn auf die inhaltliche Ebene lotsen können. Fragen Sie ihn, was ihn zu dem Einwand bringt und ob er Argumente dafür nennen kann.

Es gibt (fast) so viele Fragen wie Killerphrasen. Allen gemeinsam ist, dass Sie damit den Ball zurückgeben und den anderen ins Gespräch ziehen. Statt sich mundtot machen zu lassen, haben Sie auf diese Weise zumindest eine Chance.

Und wenn Ihr Gegenüber so gar nicht von seinen Phrasen lassen und sachlich argumentieren will? Nun, dann ist, sollten Sie zu mehreren sein, zumindest eines klar: Diesem Einwand brauchen weder Sie noch die Gruppe zu folgen. Im Gegenteil. Der Querulant zieht sich schnell den Ruf eines notorischen Störenfrieds zu.

4. Weisen Sie den anderen in seine Grenzen

Viele Ratgeber geben beim Umgang mit Killerphrasen den Tipp, zur Not auch mal in die Offensive zu gehen und verbal zurückzuschlagen. Wenn Sie das schlagfertig und geschickt machen, kann das sogar gut gehen. Doch die Gefahr ist groß, Ihr Gegenüber jetzt erst recht in Rage zu versetzen.

Was viele von uns nicht gelernt haben, ist, dem anderen Grenzen aufzuzeigen. So nach dem Motto: Bis hierher und nicht weiter. Oder auch: Du vergisst Dich. Achte bitte auf Deine – und auch meine – Grenzen. Halte die Spielregeln ein. Und so fort. Mehr noch: Viele von uns haben ebenfalls nicht gelernt, damit umzugehen, Grenzen aufgezeigt zu bekommen.

Deshalb ist dieser Tipp etwas zwittrig. Viel hängt von Kommunikation, Interaktion, der Chemie, der Wortwahl und anderem mehr ab. Immerhin finde ich das besser, als sich alles gefallen zu lassen, überfreundlich zu sein oder irgendwann überzukochen.

Denn wenn Sie Pech haben, wird man Ihre Freundlichkeit als Schwäche auslegen und munter weiter „killen“. Vor allem Frauen dürften hiervon ein Lied singen können. Also eine Gratwanderung. Üben Sie und probieren Sie es aus.

5. Bringen Sie Humor rein

Mit dieser Methode habe ich gute Erfahrungen gemacht: Humor entschärft, lockert auf und erlaubt dem anderen, sein Gesicht zu wahren.

Sie könnten die Killerphrase zum Beispiel bewusst falsch verstehen oder einen kleinen Scherz machen. Das lässt Sie bei manchen vielleicht gleichfalls nicht sonderlich durchsetzungsfähig erscheinen. Doch Humor kommt besser als eine vermeintliche Unterwürfigkeit. Achten Sie nur darauf, Ihre Witze nicht auf Kosten des anderen zu machen. 😉

6. Bitte nicht einfach ignorieren

Auch dieser Tipp wird oft gegeben, die Killerphrase und den Killenden zu ignorieren. Ich halte das wieder für etwas zwittrig. Manche werden sich davon nicht aufhalten lassen und sich nur aufgebracht in größere Höhen schrauben. Andere werden sich zwar zurückziehen und den Mund halten, aber vielleicht innerlich kochen.

Versuchen Sie, die Killerphrase zu beurteilen: Ist sie eher humorvoll gemeint? Dann können Sie sie gut als Flachs im Raum stehen lassen. Steckt mehr dahinter, sollten Sie reagieren.

7. Gehen Sie auf die Meta-Ebene

Wie heißt es so schön: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Machen Sie dem anderen klar, dass er gerade zu einer Killerphrase greift, und dass und warum das nicht konstruktiv ist. Erstaunlich viele wissen gar nicht, welchen Schaden sie vielleicht gerade anrichten – und sie würden davon abkommen, wenn man ihnen die Wahl lässt.

Wenn Sie zu mehreren sind, in einem Meeting oder einem Workshop beispielsweise, können Sie zu Beginn ein wenig Aufmerksamkeit für Killerphrasen wecken. Reden Sie kurz darüber. Stellen Sie einige Killerphrasen vor. Und Ähnliches mehr.

8. Bauen Sie den Killenden zu Ihrem Verbündeten auf

Wie gesagt, eine Killerphrase muss nicht schlecht sein. Oder genauer: Es kann sich viel Wahrheit in ihr verbergen. Sie wird nur so vorgebracht, dass sie zur unerfreulichen kalten Dusche wird. Versuchen Sie in dem Fall, die Position des anderen ohne den abschmetternden Einwand aus ihm herauszukitzeln.

Das geht zum Beispiel über die Fragen aus Tipp 3. Oder holen Sie gezielt die Meinung des anderen ein. Lassen Sie ihn so konstruktiv wie möglich mitarbeiten. Wenn Sie es nicht gerade mit einem hartnäckigen Querulanten zu tun haben, haben sogar beide Parteien etwas davon.

9. Suchen Sie nach Lösungen

In diesem Sinne: Lassen Sie eine Killerphrase nicht stehen oder würgen Sie sie einfach ab. Schauen Sie, welche Aspekte und Ideen sich dahinter verbergen. Bauen Sie sie in Ihre eigenen Ideen ein. Finden Sie Lösungen.

Blinde Flecken haben wir alle. Und ein „Killer“ kann auch schlicht jemand sein, der Dinge sieht, die Sie nicht sehen.

10. Reflektieren Sie über sich selbst

Und noch einmal: Eine Killerphrase muss nicht schlecht sein. Sie kann auch einfach so bei Ihnen ankommen. Wenn Sie durch die Bemerkung eines anderen zum Beispiel unsicher werden oder sich verletzt fühlen, sagt das oft mehr über Sie selbst als über den anderen aus.

Es ist Ihr wunder Punkt, den der andere erwischt hat. Der andere hat damit nichts zu tun. Wenn Sie die Ursache hinter dieser „schwachen Stelle“ beseitigen, wird man Sie dort auch nicht treffen können.

Und nein, das ist jetzt kein Freifahrtschein für alle mit Hang zu Querulantentum. Nur ein Ansatz auf beiden Seiten. 😉

© 2010 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 16.09.2010

Möchten Sie meinen Beitrag weiterempfehlen? Dann sage ich mal: Danke. :-)