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Mit Kreativität aus der Schaffenskrise heraus

Die einen nennen es Schaffenskrise, die anderen Burn-out. Wenn das Feuer erlahmt und die Schaffenskraft versiegt, ist Holland in Not. Schriftsteller schreiben nicht mehr, und Maler zeichnen nicht mehr. Und dann? So paradox es klingen mag angesichts Ihrer blockierten Kreativität: Ihre Kreativität kann Sie auch heilen. Zum Beispiel so.

Heutzutage wird der Begriff „Burn-out“ inflationär für alles Mögliche gebraucht. Vom überarbeiteten und gestressten Manager oder Selbstständigen bis zu ausgelaugten Lehrern oder Sozialarbeitern in der Sinnkrise. Und was bei Kreativen und Künstlern früher eine „Schaffenskrise“ war, wird heute ebenfalls als Burn-out wahrgenommen.

Vielleicht sogar mit etwas mehr Grund als bei Menschen, die „nur“ überarbeitet und überlastet sind. Denn burn-out bedeutet zunächst einmal wörtlich „ausgebrannt“. Und ausbrennen kann nur, wer am Anfang einmal entbrannt war.

Das heißt, es gehört ein bisschen mehr dazu, als unter der Belastung zusammenzubrechen, um auszubrennen. Ein Ausbrennen geht auch immer in Psyche und Persönlichkeit rein. Mit Zeitmanagement oder Arbeitsreduzierung ist es hier nicht getan.

Wer kann in eine Schaffenskrise geraten?

Wer kann nun in eine „ausgebrannte“ Schaffenskrise geraten?

Wie gesagt, der Begriff war in früheren Jahrhunderten auf Künstler und Kreative begrenzt. Also auf die „klassischen“ Kreativen wie Autoren, Schriftsteller, Dichter, Maler, Musiker und so fort.

Kreativ und mental müde und ausgebrannt können im weiteren Sinne aber alle sein, die etwas „erschaffen“.

Noch naheliegend können das zum Beispiel Angehörige „kreativer Berufe“ wie etwa Marketing und Werbung sein. Aber auch der Selbstständige und Unternehmer, der ein Unternehmen aufbaut und „erschafft“. Der Manager, der es lenkt und am Leben erhält. Ja, vielleicht sogar Politiker, die eine neue politische Realität erschaffen. 😉 Und und.

Was ist eine Schaffenskrise?

Doch was ist eine „Schaffenskrise“? Sind dann alle ausgelaugt, oder was? 😉 Platt formuliert: Im Prinzip ja.

Eine Schaffenskrise ist ein Ausnahme-Zustand. Der „Schaffensfluss“ ist erlahmt, verlangsamt, blockiert. Der Drive, das Feuer und die innere Beteiligung fehlen.

Teils erschafft man buchstäblich gar nichts mehr. Die Ideen fließen nicht. Der Grafiker steht vor dem Werbeplakat, das er füllen soll, und ihm fällt nichts ein. Nichts geht mehr.

Oder man erschafft zwar noch, aber nur mit Mühe und unter großer Anstrengung. Es kostet einen viel und das Ergebnis ist doch eher mau.

Und manche bekommen noch nicht einmal mit, dass sie in einer Schaffenskrise sind. Das kann man zum Beispiel bei Autoren sehen, die seit Jahren immer dasselbe schreiben, um ihre Fans zu bedienen. Die Fans wollen Nachschub. Doch irgendwann wird alles zur Routine, die Spannkraft erlahmt. Schließlich merken selbst die Fans: Früher war irgendwie mehr los mit dem Autor oder der Autorin. 😉 Und die Leser wandern ab.

Wie gerät man in eine Schaffenskrise?

Und wie gerät man in eine solche Schaffenskrise?

Nun, eine Möglichkeit hatte ich gerade erwähnt: Die tödliche Routine. Der Kreative macht immer dasselbe. Monotonie und Langeweile machen sich breit. Das Feuer erlahmt.

Oder man fühlt sich erschöpft, ist leer, ausgelaugt. So wie eine Teilnehmerin von mir, die sich in beruflichen Kämpfen aufgerieben und verschlissen hat. Mobbing, unfähige Vorgesetzte oder „schwierige Kollegen“ sind leider kein Einzelfall im Berufsalltag.

Das gibt es natürlich auch im Privatleben: Konflikte, Beziehungskrisen, Trauerfälle, Krankheit, Ängste oder Sorgen lassen jede Kreativität versiegen.

Manche Künstler tun sich auch schwer mit Kritik. Sie fürchten sich nach einem Flop oder Verriss, erneut die Bühne zu betreten. Die Selbstzweifel nehmen übergroße Dimensionen an.

Oder, wie erwähnt, man merkt gar nicht, dass man in einer Schaffenskrise ist: Der Star, der nur noch alte Kamellen aufwärmt. Der Kreative, der am Erfolgsmodell festhalten und „mehr vom Gleichen“ machen möchte.

Verrückterweise kann man sogar nach einem Erfolg in eine (Schaffens-) Krise geraten. Das fängt schon bei Uni-Absolventen mit einer „Post-Erfolgs-Depression“ an. Und jeder Autor, der gerade einen Millionen-Bestseller hingelegt hat, wird sich damit quälen, diesen beim nächsten Mal unbedingt toppen zu müssen.

Mit kreativen Möglichkeiten aus der Schaffenskrise heraus

Wie gesagt, jede Schaffenskrise ist verschieden und beruht auf der aktuellen Situation des Betroffenen. Es gibt kein Patentrezept. Deshalb kann die „eigentliche“ Lösung auch nur lauten, das Problem zu erkennen, einzugrenzen und zu lösen.

Noch dazu ist das Thema komplex und mitunter langwierig, erwarten Sie bitte keine Wunderheilung von mir. Nehmen Sie diesen Artikel als Anregung und lassen Sie sich inspirieren. Holen Sie sich gegebenenfalls auch Hilfe. Wer nur in seinem eigenen Saft schmort, tut sich schwer, festgefressene Denkmuster zu verlassen.

Meiden Sie, wenn möglich, auch jede Selbstkritik. Wer in einer Abwärtsspirale gefangen ist oder sich durch eine trockene Wüste schlägt, neigt dazu, sich zu allem Überdruss auch noch selbst fertigzumachen. Das kann nur kontraproduktiv sein. Es gibt einen Unterschied zwischen nüchterner Bestandsanalyse und destruktiver Selbstkasteiung.

Seien Sie nicht zu hart zu sich. Machen Sie sich klar, dass Sie nicht allein sind. Vielen ging oder geht es so wie Ihnen. Das ist normal und gehört zum Leben dazu. Wo Licht ist, ist auch Schatten. Alles andere wäre unrealistisch anzunehmen. Doch da das Leben für gewöhnlich in Phasen verläuft, dürfen Sie sich schon jetzt auf neues Licht freuen – idealiter, wenn Sie etwas dafür tun. 😉

Sind Sie bereit? Dann kommen hier ein paar Anregungen.

1. Abstand gewinnen und in Urlaub fahren

Manchmal reicht es schon, ein wenig Abstand zu gewinnen. Lassen Sie mal fünfe gerade sein. Fahren Sie in Urlaub. Verbannen Sie Ihre Texte für eine Woche in die Schublade. Vielleicht haben Sie sich nur an etwas festgebissen. Ihre Auszeit gibt Ihnen den Raum, lockerzulassen und Ihr Unterbewusstsein daran arbeiten zu lassen. (Inkubationszeit)

Extra-Tipp: Kreativität lässt sich nicht erzwingen. Planen Sie am besten gleich Puffer für so einen Abstand ein, dann kann Ihr kreativer Block Sie nicht so schnell kalt erwischen. Es ist auch sinnvoll, zwischen mehreren Projekten wechseln zu können. Wenn Sie mit dem einen hängen, „flutscht“ es vielleicht bei Nummer Zwei oder Drei.

2. Auszeit nehmen und etwas Neues machen

Management-Guru Tom Peters empfielt seinen Schützlingen, alle paar Jahre einmal etwas ganz anderes zu machen. Egal, ob sie in einem anderen Unternehmen hospitieren oder auf einer Farm schuften. Elite-Schulen in den USA schicken ihre hochbezahlten, aber auch hoch geforderten Lehrkräfte spätestens alle fünf Jahre in eine längere Auszeit, um von der Schule wegzukommen und etwas anderes zu tun. Wer will, kann hinterher wiederkommen.

Solche „Sabbaticals“ oder kreative Auszeiten verfolgen immer dasselbe Ziel: Mit der Routine zu brechen, aus dem Trott herauszukommen, neue Anregungen zu bekommen, den Kitzel des Neuen zu spüren, wieder Interesse zu zeigen und in die Rolle des Schülers zurückzukehren, die einen hellwach neue Denkbahnen knüpfen lässt und die Kreativität neu fordert.

Ein schöner Nebeneffekt ist es, dass Sie für gewöhnlich aus dieser Auszeit auch etwas in Ihre alte Tätigkeit mit zurücknehmen. Das können neue Erfahrungen aus dem Unternehmen sein, in dem Sie als Manager hospitiert haben. Oder eine größere Wertschätzung für alle, die sich, wie die Menschen auf der Farm, „im Schweiße ihres Angesichts ihr Brot verdienen“.

Was genau das ist, ist relativ egal. Kreativität bedeutet, etwas neu zu kombinieren. Und je mehr Sie wissen, und je umfangreicher und bunter Ihre Erfahrungen sind, desto leichter werden Sie kombinieren und Ihre Kreativität fördern.

Es ist auch relativ egal, was genau Sie in diesen Auszeiten machen, wenn Sie nicht gerade permanent die Couch quälen. Jede neue Anregung ist wichtig, egal welche und in welcher Form. Machen Sie ein Prinzip daraus und erfinden Sie sich immer wieder neu. Bereits das wird Ihre Kreativität beschäftigen.

3. Regeln abstreifen und etwas Verrücktes tun

Julia Cameron nennt es den „Künstler-Treff“, Bernd Weidenmann den „verrückten Monat“. Gönnen Sie sich (feste) Zeiten, an denen Ihre Routine und Ihr gewohntes Leben außer Kraft gesetzt sind.

Brechen Sie Ihr Korsett auf und streifen Sie die Regeln ab. Tun Sie etwas „Verrücktes“, etwas, was Sie sonst nicht tun würden. Was das ist, liegt bei Ihnen. Vielleicht Kleinigkeiten wie der neue Weg zur Arbeit. Vielleicht „Mutproben“. Oder einfach nur etwas Schönes, was Ihnen gut tut.

Extra-Tipp: Wenn Sie schon bei Mutproben sind, hier habe ich noch eine für Sie. Lassen Sie Ihr kreatives inneres Kind von der Leine. Versuchen Sie, einen Hauch von dessen Unbekümmertheit und Verspieltheit in Ihr Leben (zurück) zu lassen.

In Schaffenskrisen neigt man dazu, sich selbst viel zu ernst zu nehmen. Das schwindelfreie In-den-Tag-Leben des Kindes in Ihnen kann Ihnen helfen, hier lockerer zu werden.

4. Anders denken und Lösungen suchen

Auch Kreativitätstechniken können Sie wieder kreativ und quer denken lassen. Dieser mechanische Ansatz beseitigt zwar nicht die Ursache Ihrer Schaffenskrise. Doch er regt zumindest Ihre Kreativität an. Und teilweise können Sie mit den Techniken auch nach dem Auslöser von und Mitteln gegen Ihre Krise suchen.

5. Impulse holen und sich anstecken lassen

In Burn-out-Therapien ermuntert man die Klienten dazu, sich ein kreatives Hobby wie Schreiben, Malen oder Musizieren zuzulegen. Das funktioniert auch bei einer Schaffenskrise. Versuchen Sie, Ihr eigenes Erschaffen durch die Impulse aus einem anderen kreativen „Erschaffen“ wieder anzuschieben und so in den Schaffensprozess zurückzukommen.

6. Sich erinnern und imaginieren

Wer in einer Schaffenskrise steckt, hat oft das Gefühl, dass alles grau und trocken ist. Aus Asche neues Feuer zu schlagen, ist schwer. Leichter geht das, wenn Sie sich dazu von irgendwoher einen Funken holen. Zum Beispiel aus Ihrer Vergangenheit.

Erinnern Sie sich an die Momente, in denen das Feuer noch brannte. Wie hat es sich angefühlt? Was hat Sie motiviert? Versuchen Sie, dieses frühere Selbst wiederzubeleben. Schlüpfen Sie in seine Haut. Rufen Sie es als Ihr „Geist-Ich“, Ihr unsichtbarer Begleiter zu Hilfe. Kommen Sie wieder in Kontakt zu diesem Ich.

Eine etwas „mechanischere“ Variante wäre, sich zum Beispiel Ihre Erfolge bewusst vor Augen zu führen, um dem Hang, sich in einer Schaffenskrise oder nach Flops und Co. herunterzuziehen, entgegenzuwirken.

7. Ursachen auflösen und Sinn finden

Ich hatte es schon mehrfach erwähnt: Die meisten Schaffenskrisen haben bestimmte Auslöser. Wenn Sie diese finden und beseitigen, steht einer kreativen Erholung nichts mehr im Weg. Ohne diese Auslöser zu finden, doktern Sie nur an den Symptomen herum. Wenn Ihr Auslöser das nächste Mal zuschlagen sollte, ist auch die Krise wieder da.

Das geht zum Beispiel mit Schreiben. Führen Sie „Selbstgespräche“ mit kreativem Schreiben. Kommen Sie sich selbst und den Gründen für diese Krise auf die Spur. Fragen Sie sich, was Ihnen helfen könnte. Oft kennt man unterbewusst schon die Antwort. Man will sie nur nicht wahrhaben und zulassen.

Suchen Sie auch schriftlich nach dem Sinn für das, was Sie tun. Wer in einer Schaffenskrise ist, hat oft seine Motivation verloren. Führen Sie dann sozusagen einen Dialog mit sich selbst. Fragen Sie sich zum Beispiel: Warum tue ich, was ich tue? Warum will ich etwa schreiben? Warum bin ich, was ich bin? Was macht mich als Maler aus? Machen Sie sich Ihre Motive und den Sinn dahinter klar.

Wer kreativ ausgebrannt ist, der war auch mal entbrannt. Finden Sie den Sinn wieder, und das Feuer wird oft von allein zünden. Das Schreiben hilft, weil es Sie in den Kontakt mit sich und Ihren Gedanken treten lässt. Es klärt und formt sie zugleich.

8. Sie müssen das, was Sie tun, lieben

Muss ich noch mehr sagen? Wenn Sie als ausgelaugter Lehrer Ihre Klasse nicht mehr sehen können, dann gehen Sie. Wenn es bestimmte Umstände sind, die Sie nerven, dann ändern Sie sie. Und sonst – lieben Sie das, was Sie tun. So einfach kann es manchmal sein. 😉

Ach ja, und bevor Sie jetzt mit den berühmten Sachzwängen kommen: Was ist wichtiger? Ihr persönliches Glück oder der Sicherheits-Gedanke und die Angst vor Veränderungen? Es gibt für vieles im Leben eine Lösung. Man muss sie nur suchen. Auch dabei kann Ihnen Ihre Kreativität helfen.

© 2010 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 11.11.2010

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