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Wie Sie mit NLP Ihre Gefühle verändern

Unsere Wahrnehmung und unsere Gefühle hängen eng zusammen. Ein Weg, unsere Gefühle zu ändern, führt deshalb über unsere Wahrnehmung. Das neurolinguistische Programmieren (NLP) ist ein Koffer an Methoden, mit denen Sie durch kleine Tricks der Wahrnehmung selbst negative Gefühle wie Wut, Zorn oder Angst mindern und positiv umformen.

NLP (oder ausgeschrieben: neurolinguistisches Programmieren) ist eine Kommunikations- und Therapie-Methode, die in den 1970er Jahren in den USA entwickelt wurde.

Sie werden vielleicht sogar einige seiner Übungen kennen, ohne sich je selbst mit NLP befasst zu haben. Denn NLP ist, sagen wir, eher eine „Sammlung“ als eine völlig neue Technik. Es umfasst Mentaltechniken, Kreativitätstechniken, Kommunikationsformen und manches andere mehr.

Ein zentraler Bestandteil des NLP ist unsere Wahrnehmung, also was wir mit unseren Sinnen real in der „wirklichen“ Welt, und was wir mit unseren Gedanken in der geistigen Welt wahrnehmen.

NLP –> Mit Wahrnehmung Gefühle ändern

Eine zentrale Absicht ist es, mit dieser Wahrnehmung unsere Gefühle zu beeinflussen. Denn unsere Gefühle sind an unsere Wahrnehmung gekoppelt. Und wenn wir unsere Wahrnehmung ändern, können wir auch unsere Gefühle verändern.

Das kann man in Coaching und Therapie einsetzen, wofür das NLP ursprünglich entwickelt wurde. Doch Sie können es auch einfach für sich nutzen.

Und nicht, dass wir uns missverstehen: Ich will Sie nicht ermuntern, an Ihren Gefühlen „herumzudoktorn“ oder ihnen gar den Garaus zu machen. Unsere Gefühle sind mit das Beste an uns. Sie sind das, was uns zu Menschen macht. Ein übervolles Herz genauso wie die zugeschnürte Kehle angesichts einer Rede vor einer großen Menschenmenge.

Selbst unsere eher als negativ wahrgenommenen Emotionen wie Angst, Ärger oder Wut leisten ihren sinnvollen Beitrag. Wir sollten zu ihnen stehen und sie genauso begrüßen wie jeden Freudenausbruch.

Welcher Schauspieler würde zum Beispiel die Bühne betreten wollen, wenn er dort nur noch eine „langweilige Nummer“ abziehen würde. 😉 Angst und Nervenkitzel gehören zum Leben dazu, sie verleihen ihm seine Süße. Sie lassen uns spüren, dass wir lebendig sind. Ohne die Angst gäbe es niemals den anschließenden unbeschreiblichen Triumph, sich selbst überwunden oder eine Situation gemeistert zu haben.

Doch oft können wir uns mit unseren Gefühlen auch im Weg stehen. Wir können mit unserer Angst nicht umgehen – und sie wird übergroß und lähmt. Wir halten unsere Wut nicht im Zaum, sind beleidigt, nehmen etwas persönlich oder schlagen unbeherrscht zurück.

Dann kann es nicht schaden, mit NLP ein Instrument zu haben, um zum Beispiel besagte negative Gefühle abzuschwächen oder positiv umzuwandeln. Und nebenbei: Niemand hat gesagt, dass Sie sich Ihren Rede-Auftritt nicht durch Visualisierungs-Übungen oder Ähnliches erleichtern können. 😉

Dazu habe ich hier einige Beispiele für Sie:

1. (Geistig) Sehen

Ich habe die Angewohnheit, meine Aufgaben auf kleine Zettel zu schreiben. Sobald ich eine Aufgabe erledigt habe, streiche ich sie durch oder knülle den Zettel zusammen und werfe ihn weg. Dieses konkrete „so, Aufgabe, du bist jetzt gestrichen oder weggeworfen“ kann sehr beflügelnd sein, sich auch an die nächste Aufgabe zu machen.

Das funktioniert auch bei anderen Dingen, die Sie loswerden wollen: Geben Sie ihnen Form und Gestalt, und sehen Sie anschließend zu, wie sie sich in nichts auflösen. Knüllen Sie zusammen, verbrennen Sie, reißen Sie in kleine Fetzen, was auch immer.

(Das spricht übrigens auch Ihren Tastsinn an, aber dazu kommen wir noch.)

Oder stellen Sie sich gedanklich vor, wie Sie zum Beispiel eine angstmachende Situation „auflösen“. Zaubern Sie Ihrem Redepublikum ein Lächeln aufs Gesicht. Schrumpfen Sie Ihren tobenden und zeternden Chef zu einem kleinen Micky-Mäuschen zusammen. Oder ziehen Sie ihm ein fröhliches, quietschgelbes Sakko an.

Bei der Rede macht es Mut, sich vorzustellen, dass das Publikum ganz begeistert von Ihnen ist. Dem nächsten Wutausbruch Ihres Chefs können Sie gelassener begegnen, wenn Sie in Gedanken einfach an das Micky-Mäuschen denken. Und das fröhliche Sakko hilft Ihnen vielleicht, den Chef in freundlicheren Farben zu sehen.

2. (Mental) Hören

Ich habe früher begeistert die Fernseh-Serie „Ally McBeal“ gesehen, und daraus ist mir eine Szene unvergesslich: Die Hymne.

Kurz zusammengefasst ging es darum, sich eine Musik oder auch einen Ausschnitt daraus zu suchen, die einem besonders viel gibt, einen aufbaut oder Ähnliches. Wann immer Sie dann ein bisschen „Aufbau-Hilfe“ brauchen, spielen Sie Ihre Hymne – tatsächlich oder in Gedanken im Kopf.

Da Musik und ihre Schwingungen direkt auf unser Gehirn einwirken, ist das ein erstklassiger Tipp, sich schnell und unkompliziert in eine entsprechende Laune zu versetzen.

Das geht natürlich mit entspannender Musik, fröhlicher Musik, ruhiger besinnlicher Musik und so fort auch.

Musik löst auf zweierlei Weise bestimmte Gefühle aus: Dadurch, dass wir auf ihre Schwingungen reagieren. Und dadurch, dass sie in uns mit bestimmten Erinnerungen und den damit verbundenen Gefühlen gekoppelt ist. Jedes Mal, wenn wir eine bestimmte Musik hören, wird die Erinnerung wieder wach – und mit ihr auch die entsprechenden Gefühle.

Sie können aber auch auf andere Weise mit Ihrem Hörsinn Ihre Gefühle beeinflussen. Schalten Sie etwa wie im ersten Beispiel die für Sie unangenehme Stimme Ihres Chefs ab, indem Sie sie wie einen Radiosender abschalten oder die Lautstärke herunterfahren. Wenn Sie nach einem ungünstigen Meeting den „Anpfiff“ noch in den Ohren haben und einfach nicht klar denken können – formen Sie in Gedanken ein Bild, wie Sie ihm den Saft wegnehmen.

3. (Gedanklich) Fühlen

Um mal bei den Erinnerungsstücken zu bleiben: Sie können diese natürlich auch mit dem Tastsinn, also durch (Be-) Fühlen wahrnehmen.

Haben Sie als Kind auch Muscheln vom Strand aufgelesen und mit nach Hause genommen? Haben einige davon vielleicht sogar die Jahre und diverse Umzüge überlebt? Nehmen Sie sie in die Hand. Umfahren Sie sie mit Ihren Fingerspitzen. Halten Sie sie ans Ohr und lauschen Sie dem fernen Rauschen in ihrem Innern.

Und – können Sie den Tag am Strand wieder vor Ihrem geistigen Auge sehen? Was haben Sie damals empfunden, wie haben Sie sich gefühlt? Vieles davon wird so klar und eindrücklich sein wie früher.

Sammeln Sie also zum Beispiel keine negativen Andenken wie ein ehemaliger Arbeitskollege von mir, der sich von uralten abgelehnten Bewerbungen nicht trennen konnte. Sie müssen nur ein paar davon in die Hand nehmen, und Ihre Stimmung wird in den Keller gehen.

Oder nehmen Sie eine Katze auf den Schoß, wenn Sie ruhiger werden wollen. Schon frühere Generationen haben Hochschwangeren eine Katze mit in den Raum gegeben. Ihr warmes Fell zu streicheln hat entspannt und damit gegen Angst und Stress bei einer Geburt geholfen. (Das beruhigende Schnurren der Katze tut natürlich sein Übriges.)

Nebenbei: Auch der Geschmackssinn löst oft Erinnerungen und damit entsprechende Gefühle aus. Fühlen Sie sich in der Fremde einsam und verloren? Wie wäre es dann mit einem warmen Apfelkuchen ganz „wie bei Muttern“? 😉

4. Riechen und Schmecken

Ich nehme an, Sie sehen das Prinzip? Genauso ließe es sich mit den restlichen Sinnen fortsetzen.

Nehmen wir den Geruchssinn: Viele Dinge, die verdorben oder schlecht sind, nehmen wir als faulig, stinkend oder Ähnliches wahr. Mehr noch, solche Gerüche lösen Übelkeit aus. Und die Übelkeit bewahrt uns davor, trotzdem reinbeißen zu wollen und uns den Magen zu verderben. Es ist ein Überlebens-Instinkt.

Wenn wir uns also beispielsweise irgendwo unbewusst unwohl fühlen, kann das damit zu tun haben, was wir dort riechen und wie das auf uns wirkt. Man sagt ja nicht zuletzt, dass wir jemanden buchstäblich riechen oder nicht riechen können.

Suchen Sie nach der Quelle dieser unangenehmen Gerüche. Schalten Sie sie ab oder wandeln Sie sie positiv um. Hören Sie darauf, was Ihre Gefühle Ihnen mit der Warnung „ich kann das hier nicht riechen“ sagen wollen.

Vielleicht macht Ihnen zum Beispiel gar nicht die Rede Angst, sondern das kalte, muffige Gebäude führt dazu, dass Sie irgendwo anders sein wollen, nur nicht hier. Oder zaubern Sie eine positive Grundstimmung in etwas, indem Sie für Wohlgeruch sorgen.

5. Körperwahrnehmungen

Nicht zuletzt spricht auch Ihr Körper eine deutliche Sprache, was Ihre Gefühle angeht. Wut kann zum Beispiel ein Zeichen sein, dass etwas seit längerem nicht mehr stimmt, Wut auf sich selbst ein Signal, dass Sie gegen Ihre eigenen Bedürfnisse handeln.

Wenn der Bauch sich zusammenkrampft, kann das eine Warnung Ihres Unterbewusstseins sein, dass Sie von einer bestimmten Situation oder einem bestimmten Menschen besser die Finger lassen sollten.

Ein imaginärer Widerstand kann Ihnen bei Entscheidungen helfen, während Ihr Verstand noch am Grübeln ist oder Ihnen sagt, dass Sie sich nicht so „anstellen“ sollen. (Das geht auch in Richtung somatische Marker, vgl. mein Artikel „Besser entscheiden mit Gefühlen und somatischen Markern“.)

Und mit bestimmten Körperhaltungen können Sie bestimmte Emotionen hervorrufen. Ob Sie das nun mit dem im Artikel erwähnten Yoga tun oder „ganz normal“.

Oder als Fazit: Alles hängt zusammen. Ob NLP, Kreativitätstechnik oder sogar Yoga – der Name spielt keine Rolle. Wichtig ist nur eines: Ihre Wahrnehmung und Ihre Gefühle bedingen sich gegenseitig. Wenn Sie Ihre Gefühle verändern wollen, kann ein Weg dazu über Ihre Wahrnehmung führen.

© 2011 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 21.01.11

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