Bleiben Sie auf dem Laufenden:
Newsletter lesen »
Feed lesen »




Mit der So-als-ob-Technik seinen Willen stärken

Nicht selten sehen wir zwar den Sinn einer Aufgabe ein, wollen sie aber dennoch nicht tun. Vielleicht, weil wir Angst haben. Vielleicht sind wir auch nur bequem. Die Gründe muss jeder für sich selbst klären. Aber es gibt Methoden, unseren Willen zu stärken, um unsere Aufgaben doch noch anzugehen. Die So-als-ob-Technik ist eine davon.

„Ich will nicht“

„Ich will nicht“ – diesen Satz haben schon kleine Kinder drauf, wenn sie etwas tun sollen, was ihnen gegen den Strich geht. Verständlich. Denn vieles, was wir tun müssen, ist mühsam oder macht keinen Spaß. Wenn es nicht sogar an versteckte Ängste rührt.

Dumm nur, dass wir oft nicht wählen können, was wir tun oder lassen wollen. Manche ungeliebten Aufgaben müssen einfach sein. Der Zahnarzt-Termin, der Umzug, die Steuer. Suchen Sie sich etwas aus.

Ein bisschen hilft es, wenn wir uns Sinn und Zweck der Übung klarmachen. Wenn wir uns also die Vorteile der Aufgabe vor Augen führen. Wenn wir uns bewusst für unsere Aufgabe entscheiden.

Denn dann kommen wir aus der Opferhaltung raus. Und anstatt pauschal zu verweigern oder auf die lange Bank zu schieben, stimmen wir uns schon mal positiv auf die Handlung ein.

Wie gesagt, es hilft. Mühsam bleibt es trotzdem.

Aber es gibt Möglichkeiten, unser Denken zu beeinflussen und unseren Willen zu schulen. Eine davon ist die So-als-ob-Technik.

Einfach so tun, als ob …

Bei der So-als-ob-Technik tun Sie einfach so, als ob Sie zum Beispiel Ihren Umzug schon über die Bühne gebracht haben und glücklich in Ihrer neuen Wohnung stehen.

Können Sie die neuen Räume sehen, die in Ihren Lieblingsfarben erstrahlen? Hüpft Ihr Herz vor Stolz über all die neue Pracht? Und – war Ihr Umzug wirklich so schrecklich? Oder ließ er sich doch einigermaßen ertragen? Vor allem – liegt er jetzt nicht schon weit hinter Ihnen und ist für die nächste Zeit Geschichte?

Anderes Beispiel: Sie haben Angst vor dem Zahnarzt. Schon von klein auf. Jeder Routinebesuch wird zur Qual. Zuerst brauchen Sie eine halbe Ewigkeit, bis Sie sich einen Termin geben lassen. Und danach stehen Sie schon Tage vorher diverse Ängste durch.

Wenden Sie dann die So-als-ob-Technik an. Stellen Sie sich vor, wie Sie vielleicht nicht gelassen, aber doch ruhig die Praxis betreten. Wie Sie einen kleinen Schwatz mit der Ärztin halten. Wie Sie Kontrolle oder Behandlung gefasst auf sich nehmen. Und wie Sie hinterher erleichtert feststellen, dass die eigene Angst der größte Feind war – und alles andere halb so wild.

Ist das Prinzip klar? Nehmen Sie in Gedanken vorweg, wie das fragliche Unternehmen ausgehen soll. Dann kann Ihr Gehirn Sie auch darin unterstützen, diese Vorstellung Wirklichkeit werden zu lassen.

Bilder formen Taten …

Denn der Witz an der Sache ist, dass die Bilder, die Sie in Ihrem Gehirn erzeugen, oft entsprechende Taten auslösen oder beeinflussen. Für Ihr Gehirn sind Vorstellung und Handlung gleich. Es unterscheidet nicht zwischen beidem.

Oder anders formuliert: Ihre Bilder prägen Ihre Gefühle („ich will nicht“, „ich habe Angst“). Ihre Gefühle bestimmen Ihre Handlungen („so spät wie möglich zum Zahnarzt gehen“). Diese Ihre Einstellungen („ich hasse Zahnärzte“). Und Ihre Einstellungen wieder Ihre Bilder. Alles ist ein Kreislauf.

Das bedeutet aber auch, dass Sie diesen Kreislauf zu Ihren Gunsten ändern können: Indem Sie entsprechende Bilder wählen – und einfach so tun, als ob Sie Ihren Zahnarzt-Besuch entspannt hinter sich bringen.

Überzeugend nachhelfen …

Fällt es Ihnen noch etwas schwer, überzeugende Bilder zu formen?

Dann versuchen Sie es mit den folgenden Tipps:

  • Gehen Sie Ihren Zahnarzt-Besuch gedanklich in allen Einzelheiten durch. Stellen Sie sich alles so konkret wie möglich vor. Wo ist das Wartezimmer? Wie sieht der Behandlungsraum aus? Gibt es Bilder an der Wand?Laufen Sie den Weg zur Praxis auch ruhig tatsächlich mehrmals auf und ab. Umso nachdrücklicher sind die Bilder, mit denen Ihr Gehirn arbeiten kann.
  • Spielen Sie Ihre kleine Szene nicht nur einmal, sondern so oft wie möglich durch. Wiederholungen helfen Ihnen, Ihre Bilder im Unterbewusstsein zu verankern.
  • Bereichern Sie Ihre Bilder mit positiv besetzten Worten. Wählen Sie also Worte wie entspannt, gelassen, ruhig – Worte, die ein positives Echo hervorrufen.
  • Umgeben Sie sich demonstrativ mit diesen Worten: Tragen Sie sie auf Karteikarten mit sich herum, stellen Sie sie in Sichtweite auf, sagen oder schreiben Sie sie wiederholt auf.
  • Wenn Sie gern zeichnen, können Sie auch eine heitere, entspannte Zahnarztpraxis malen. So einladend, dass Sie am liebsten gleich hingehen würden.

Und Ähnliches mehr. Ihrer Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Damit bedienen Sie mehrere Sinneskanäle gleichzeitig und untermauern Ihre Bilder.

Ungeliebte oder gefürchtete Aufgaben kann Ihnen zwar keiner abnehmen. Aber vielleicht verlieren sie so den einen oder anderen Schrecken.

© 2008 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 28.01.2008

Möchten Sie meinen Beitrag weiterempfehlen? Dann sage ich mal: Danke. :-)