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Mit dem Sokratischen Dialog negative Denkmuster aufbrechen

von Heike Thormann

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Wenn Sie sich mit negativen Überzeugungen wie “ich bin nicht kreativ” herumschlagen, könnte der Sokratische Dialog helfen, diese Denkmuster aufzubrechen.

Neulich schrieb mir ein Leser meines Newsletters: “Ich muss beruflich kreativ sein. Aber ich habe Angst davor, keine oder nur schlechte Ideen zu finden. Was kann ich dagegen tun?”

Nun kann ich hier genauso wenig eine Diagnose oder Beratung leisten wie bei ihm. Kreativtechniken können helfen, Ideen zu finden. Ebenso eine Verbesserung des Arbeitsumfeldes. Oder schlicht die Erkenntnis, dass es keine schlechten Ideen gibt, allenfalls zu wenig Ideen, oder Ideen, deren Stunde noch nicht gekommen ist.

Aber wenn Sie sich ebenfalls mit negativen Überzeugungen wie “ich bin nicht kreativ” herumschlagen, könnte der Sokratische Dialog helfen, diese Denkmuster aufzubrechen.

Der Sokratische Dialog

Der Sokratische Dialog ist nach dem antiken Philosophen Sokrates benannt, der dafür bekannt war, seine Zeitgenossen durch penetrantes Nachfragen so lange zu nerven, bis sie in ihren Überzeugungen wankend wurden und sozusagen nur noch wussten, dass sie nichts mehr wussten. ;-)

Dieser Zustand der inneren Verwirrung ist es auch, der der Methode im heutigen Beratungs- und Therapiekontext zu neuen Ehren verholfen hat. Denn wer erst einmal gelernt hat, seine Denk- und Handlungsmuster in Frage zu stellen, kann auch die durch sie verursachten Blockaden beseitigen und Lösungen finden.

Sich neu programmieren

Wenn Sie so wollen, programmieren Sie sich durch die Methode neu. Sie bauen bohrende, kleine Stolpersteine in Ihr Denken ein, an denen Ihre alten Überzeugungen wie “ich bin nicht kreativ” auflaufen und zerschellen.

Grundbestandteil des Sokratischen Dialoges ist es immer, Ihre Denkmuster beziehungsweise Ihre Werte und Normen unter die Lupe zu nehmen, zu überprüfen und gegebenenfalls zu ändern.

Dazu bedient er sich einer klaren Abfolge von Fragen, die Sie dazu bringen sollen,

  • scheinbare Selbstverständlichkeiten und Begriffe zu hinterfragen (explikativer Sokratischer Dialog, etwa: Wann ist ein Mensch kreativ? Was ist eine schlechte Idee?)
  • bestimmte Einstellungen und Haltungen anzuzweifeln (normativer Sokratischer Dialog, zum Beispiel: Ich darf keine schlechten Ideen haben. Ich darf im Beruf nicht versagen.)

Permanent hinterfragen

Im Normalfall findet ein solcher Dialog kontrolliert und nach einem festen Schema zwischen Klient und Therapeut statt. Aber wenn Sie wollen, können Sie ja zumindest sein Prinzip des permanenten Hinterfragens auch für sich selbst nutzen.

Dazu könnten Sie sich zum Beispiel Fragen stellen wie:

  • Was bedeutet das genau: Kreativ sein? (seine Vorstellung von einem Begriff überprüfen)
  • Kann man nur kreativ oder nicht kreativ sein? (stillschweigende Annahmen anzweifeln)
  • Warum denke ich genau, dass ich nicht kreativ bin? (Denkmuster sichtbar machen)
  • Ist es wirklich richtig, dass ich das über mich denke? (Einstellung anzweifeln)
  • Was kann ich an Argumenten dagegen anführen? (Einstellung widerlegen)
  • Wie kann ich kreativer werden? (Lösungen suchen)

Wichtig ist, dass Sie sich auch offen auf das Hinterfragen einlassen. Sonst werden Sie nur mit Scheuklappen durch den Prozess eilen und gebetsmühlenartig “ja, zum Kuckuck, ich bin eben nicht kreativ” wiederholen.

Aber wenn Sie Ihre Denk- und Handlungsmuster wirklich aufbrechen wollen, gibt es kaum etwas Besseres, als sie so genau wie möglich zu erfassen und zu reflektieren. Ob nun als therapiegestützter “richtiger” Sokratischer Dialog oder als erstes “Hinterfragen für den Hausgebrauch”.

In diesem Sinne: Sind Sie wirklich sicher, dass Sie nicht kreativ sind?

© 2009 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 29. Januar 2009

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