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Mit Sprachbildern sein Denken beeinflussen

von Heike Thormann

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Schlechtes Wetter können wir sehen und fühlen. Worte, dank derer wir uns schlecht fühlen, können wir aber oft nur schwer erkennen. Dabei hängen Sprache und Denken eng zusammen. Wer Sprachbilder wie Metaphern und Vergleiche bewusst wählt, kann seine Realität formen – und leichter durch das Leben gehen.

Sprache und Denken hängen eng zusammen

Wenn Sie aus dem Fenster schauen und die Sonne scheinen sehen – wie geht es Ihnen dann? Sind Sie ein wenig lockerer, fühlen Sie sich etwas leichter ums Herz, sind Sie beschwingter und einfach gut drauf?

Und wenn Sie aus dem Fenster schauen und dicke, graue Wolken das Licht schlucken sehen – wie geht es Ihnen dann? Sind Sie gedrückter, fühlen Sie die Enge um sich herum, sind Sie lustlos und müssen sich mühsam motivieren?

Was Licht und Wärme für unser Empfinden sind, das sind auch positive Worte und Bilder für unsere Sicht von der Welt.

Unsere Sprache hat wesentlich mehr zu bieten als Inhalt, Klang und Stil. Sprache und Denken hängen eng zusammen. Wie ich über etwas denke, zeigt sich in den Worten, die ich wähle. Und wie ich über etwas denke, hat direkten Einfluss auf mein Verhalten.

Ein Beispiel:

Zeichnen Sie die Welt in düsteren Worten? Ist für Sie der Mensch des Menschen Wolf, das Leben ein Jammertal und Ihrer Arbeit gehen Sie im Schweiße Ihres Angesichts nach?

Dann dürften Sie Ihre Umwelt vermutlich eher als feindselig und bedrohlich empfinden, vielleicht nicht allzu viel Freude am Leben haben. Ihre Reaktion darauf könnte so aussehen, dass Sie sich bedeckt halten, nur zögernd auf andere Menschen zugehen, morgens aus reiner Pflichterfüllung zu Ihrem Job aufbrechen und Ähnliches mehr.

Oder ist die Welt für Sie ein Ort voller Möglichkeiten, gibt es immer ein Morgen und ernten Sie mit Ihrer Arbeit zufriedene Gesichter?

Dann dürften Sie Ihre Umgebung vermutlich eher als freundlich wahrnehmen, die Schönheiten im Leben erkennen können. Ihr Verhalten könnte so aussehen, dass Sie stärker Risiken eingehen, Verluste leichter wegstecken und sich selbst wie Ihren Job besser wertzuschätzen wissen.

Sie sehen, worauf ich hinaus möchte?

Je nachdem, wie Sie von der Welt denken, werden Sie von ihr reden. Je nachdem, wie Sie sie sehen, werden Sie sich in ihr verhalten.

Mit Metaphern Vergleiche anstellen

Von besonderer Bedeutung sind dabei die Metaphern. Sprachbilder, die weit mehr sind als nur stilistische Gestaltungsmittel, die dem einen oder anderen von Ihnen vielleicht schon im Deutschunterricht begegnet sind.

Eine Metapher beruht auf einem Vergleich und eine Metapher zieht auch einen Vergleich. Wer eine Metapher findet, macht sich eine Ähnlichkeit zwischen zwei Dingen bewusst (oder glaubt, eine zu erkennen ;-) ).

Wieder ein Beispiel:

„Der Mensch ist des Menschen Wolf“ ist eine Metapher, weil Sie hier einen Menschen mit einem Wolf vergleichen. Sie übertragen das im Allgemeinen mit einem Wolf verbundene räuberische, vielleicht todbringende Wesen auf einen Menschen. Was der Wolf für andere Tiere sein kann, das kann der Mensch für Menschen sein.

Auch das „Jammertal“ beziehungsweise das Leben als Jammertal ist eine Metapher. Sie bringen die normalerweise nicht zusammengehörenden Worte Jammer und Tal zusammen und formen aus ihnen einen neuen farbigen Begriff. Jetzt noch das Leben mit diesem „Tief“ verglichen – und jeder weiß, was Sie sagen wollen.

Und dergleichen mehr.

Metaphern sind im Übrigen gar nicht mal selten. Im Gegenteil, unsere Sprache ist durchsetzt von ihnen. Immer wieder ziehen wir Vergleiche, oft, ohne dass wir uns dessen bewusst sind.

Achten Sie vielleicht einmal selbst darauf, wann jemand „bienenfleißig“ oder etwas „hauchzart“ ist, wann jemand (wenig einfühlsam) „ins Gras beißt“ oder (verharmlosend) „von uns geht“.

Und wenn Sie schon dabei sind, dann achten Sie auch darauf, welche Wirkung diese Sprachbilder auf Sie haben.

Wie fühlt es sich an, wenn man Ihnen sagt, dass das Leben ein Kampf ist? Was schwingt da an Aussagen mit? Welche Reaktionen lösen sie in Ihnen aus?

Metaphern umdeuten oder positiv ersetzen

Ein letzter Punkt: Können Sie diese Metaphern auch umdeuten oder durch positiv gefärbte ersetzen?

Denn der Clou ist ja, dass Sprache und Denken eine Einheit bilden.

Denke ich, dass der Mensch des Menschen Wolf ist, und äußere das in meiner Sprache, nimmt diese Vorstellung für mich Realität an, wird zu meiner eigenen Wahrheit.

Rede ich davon, dass Menschen einander Brüder und Schwestern sein können, nimmt auch diese Vorstellung für mich Realität an, wird aber zu einer anderen Wahrheit.

Fangen Sie also an und üben Sie ganz konkret:

1. Achten Sie darauf, wann Sie Metaphern, Sprachbilder und Vergleiche gebrauchen. („Der Mensch ist des Menschen Wolf.“)

2. Machen Sie sich klar, was Sie da womit vergleichen und welche Bedeutung sich daraus ergeben kann. („Wölfe reißen Tiere, Menschen reißen Menschen.“)

3. Lassen Sie diese Aussage auf sich wirken, gehen Sie ihren Schwingungen nach. („Wenn ich wirklich – und sei es nur teilweise – der Meinung bin, dass der Mensch des Menschen Wolf ist, welche Konsequenzen hat das dann für meinen Umgang mit anderen Menschen?“)

4. Überlegen Sie, ob Sie diese Vergleiche nicht auch umdeuten oder positiv ersetzen können. („Wer sagt eigentlich, dass Wölfe räuberisch und böse sind? Sind sie nicht in Wirklichkeit sehr ‚soziale’ Wesen und töten nur, wenn sie müssen?“)

Legen Sie sich dazu zum Beispiel eine Checkliste an, auf der Sie Sprachbilder, Wirkung und Alternativen festhalten. Oder schreiben Sie die Umdeutung Ihrer Metaphern („Wölfe sind soziale Wesen“) auf eine Karteikarte und halten Sie sie sich täglich vor Augen.

So können Sie Stück für Stück an der Art arbeiten, wie Sie die Welt sehen.

Denn noch einmal: Sprache und Denken sind eine Einheit. Die Worte und Bilder, die Sie gebrauchen, formen Ihr Denken. Und Ihr Denken formt Ihre Realität.

© 2007 Heike Thormann, Erstveröffentlichung

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