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Motiviert erfolgreicher lernen

Lernstoff, den wir nicht um seiner selbst willen lernen, kann unser Gehirn nur schwer verankern. Das so erlernte Wissen lässt sich nur mühsam integrieren und wird schnell wieder vergessen. Aber es gibt Tricks und Kniffe, die Ihnen dabei helfen können, Ihre Motivation zu steigern und mehr aus Ihrer Weiterbildung herauszuholen. Einige davon finden Sie hier.

Warum lernen Sie?

Wissen Sie das?

Nein, nicht abwinken. Die Frage ist ernst gemeint.

Warum lernen Sie?

Und kommen Sie mir nicht damit, dass Sie in Seminar A sitzen oder Fachbuch B lesen, weil Sie müssen. Sterben müssen wir, das ist aber auch schon alles, wie meine Mutter sagen würde. 😉

Also, noch einmal: Warum lernen Sie?

Oder anders herum gefragt: Worauf will ich eigentlich hinaus?

Wie für so ziemlich alles, was wir tun, haben wir auch fürs Lernen Motive. Gründe, die uns dazu bewegen, uns in Seminar A zu setzen oder Fachbuch B zu lesen.

Diese Gründe können zum Beispiel sein:

  • Wir suchen die Abwechslung und wollen andere Menschen kennen lernen.
  • Wir wollen uns mental fit halten oder unseren Hobbys nachgehen.
  • Wir wollen über Gott und die Welt diskutieren oder mit unseren Enkeln mitreden können.
  • Wir wollen beruflich auf dem Laufenden bleiben und unseren Marktwert steigern.
  • Wir wollen fehlende Kenntnisse nachholen oder unsere Probleme lösen.
  • Wir wollen … usw. usf.

Fachleute unterscheiden das Ganze auch nach

  • themenbezogenen und sozialen Motiven

(unterschätzen Sie die sozialen Bedürfnisse nicht, die uns in Seminare treiben: der beste Weg, mit Unwissenheit und Problemen fertig zu werden, ist oft der, mit anderen darüber zu reden) bzw. nach

  • intrinsischen und extrinsischen Motiven.

Intrinsisch Motivierte lernen aus Spaß an der Freud‘, extrinsisch Motivierte aus – platt formuliert – Spaß am Geld.

Intrinsisch Motivierte wollen ihren Horizont erweitern, ihre Neugier befriedigen, ihrem Wissensdurst nachgehen. Extrinisch Motivierte wollen ihren Arbeitsplatz sichern, Anerkennung finden, den einen oder anderen Vorteil für sich herausschlagen. Wenn sie nicht gleich zum Lernen verdonnert werden.

Mit anderen Worten: Wer intrinsisch motiviert lernt, ist am Thema um seiner selbst willen interessiert. Wer extrinisch motiviert lernt, will mit dem Gelernten etwas erreichen.

Nun ist ja an und für sich nichts dagegen einzuwenden, mit neuem Wissen und neuen Fähigkeiten etwas erreichen zu wollen. Die meisten von uns dürften sogar aus exakt diesem Grunde lernen. Jedenfalls dann, wenn sie es auch Lernen nennen (ansonsten nennt man es Hobby).

Der Haken an der Sache ist, dass Lernstoff, den wir nicht um seiner selbst willen lernen, sich erheblich schwerer verankern, das so erlernte Wissen sich nur mühsam integrieren lässt. Der Lernprozess ist stärker von außen gesteuert und bleibt oft an der Oberfläche stehen.

Das muss allerdings jetzt nicht zwangsläufig so sein. Es gibt einige Tricks und Kniffe, die Ihnen dabei helfen können, Ihre Motivation zu steigern und mehr aus Ihrer Weiterbildung herauszuholen.

Tipp 1: Übernehmen Sie die Verantwortung für Ihr Lernen.

Natürlich ist es einfacher zu sagen: Ich lerne, weil mich das Arbeitsamt geschickt hat, bei uns eine neue Software eingeführt wird, mein Chef das von mir erwartet.

Damit sind wir auf jeden Fall fein raus, die Konsequenzen gehen uns nichts an und wenn wir ehrlich sind, macht uns das Ganze auch noch auf ziemlich perverse Art und Weise Spaß. 😉

Und überhaupt: Wir zeigen schließlich unseren guten Willen, was will man mehr?

Ja, was will man mehr?

Nun, ich kann mir ziemlich gut vorstellen, was Ihr Chef will, und ob ihm mit dieser Einstellung gedient ist, ist noch die Frage. Aber das ist hier nicht der Punkt.

Der Punkt ist, dass Sie sich selbst betrügen.

Mag sein, dass Sie niemand gefragt hat, ob Sie für die Einführung einer neuen Software sind oder nicht, ob Sie mit ihr arbeiten wollen oder nicht. Auf jeden Fall aber haben Sie es in der Hand, wie Sie damit umgehen.

Tun Sie es widerwillig oder aus falsch verstandenem Pflichtgefühl, finden Sie sich ganz schnell auf Feld 1 wieder und der beste Trainer wird alle Mühe haben, Ihnen die neue Technik zu vermitteln.

Schade. Schade für den Trainer, schade für die Zeit und das Geld, das da „verbraten“ wird und vor allem: Schade für Sie.

Denn die neue Software kann auch eine Chance sein. Eine Chance, es bei der Arbeit leichter zu haben und Zeit zu sparen. Eine Chance, sich neue Fähigkeiten anzueignen und für Beförderung und Co. zu empfehlen. Eine Chance, die kleinen grauen Zellen auf Trab zu bringen und Neues zu lernen.

Es ist immer eine Frage der Perspektive. Kommen Sie aus der Opferrolle raus und handeln Sie. Seien Sie aktiv und nicht passiv. Dann klappt es auch mit dem Lernen.

Tipp 2: Finden Sie Berührungspunkte.

Menschen lernen leichter, wenn sie den Lernstoff mit etwas verbinden können. Sei es mit schon vorhandenem Wissen oder mit etwas, das sie (intrinsisch, hier haben wir das Wort wieder) interessiert.

Ein paar Beispiele:

  • Wenn Sie vor Jahren den einen oder anderen Englisch-Kurs besucht haben, dürfte es Ihnen ziemlich leicht fallen, jetzt im Urlaub wieder daran anzuknüpfen (weil die Basis gelegt ist und Sie „Vergessenes“ nur wieder reaktivieren und erweitern müssen).
  • Wenn Sie mit dem Textverarbeitungsprogramm A der Firma X umgehen können, dürfte es Ihnen ziemlich leicht fallen, das Textverarbeitungsprogramm B der Firma Y zu lernen (weil sie sich beide sehr ähnlich sind und nur in Kleinigkeiten unterscheiden).
  • Wenn Sie leidenschaftlich gern Kuchen essen, dürfte es Ihnen ziemlich leicht fallen, Backen zu lernen (weil Sie brennend am Endprodukt interessiert sind und es nicht abwarten können, selbiges zu vertilgen).

Mit anderen Worten: Steigern Sie Ihre Motivation, indem Sie eine Beziehung zum Gelernten herstellen. Je intensiver diese „Beziehung“ ist, desto wahrscheinlicher wird auch Ihr Lernerfolg.

Und wenn Ihnen so gar nichts Verbindendes einfallen sollte? Dann gibt es noch einen Extra-Trick:

Stellen Sie sich vor, Sie hätten schon ein paar Brocken Englisch gelernt (und nicht nur einen Blick ins Vokabelheft geworfen), die ersten Briefe mit der neuen Software geschrieben (und nicht nur die Gebrauchsanweisung ausgepackt), erfolgreich die ersten Kuchen gebacken (und nicht nur fleißig Rezepte gesammelt).

Das Interessante daran ist, dass unser Gehirn nicht zwischen tatsächlich Erlebtem und nur Vorgestelltem unterscheidet. Es werden die gleichen Muster gezogen. Nutzen Sie diese Tatsache und erleichtern Sie sich Ihr Lernen.

Tipp 3: Machen Sie sich Ihre Lernziele klar.

Machen Sie sich klar, was Sie mit Ihrer Weiterbildung erreichen wollen. Je detaillierter und konkreter Sie das tun, desto besser.

Schreiben Sie auf,

  • was Sie hinterher besser können wollen
  • warum Sie es hinterher besser können wollen
  • und was sich für Sie hinterher geändert haben soll.

Warum?

Ganz einfach.

Wer zielbewusst auf etwas zusteuert, hat es leichter, als einer, der ungeplant von Etappe zu Etappe schwankt. Das gilt für den 100-Meter-Lauf genauso wie für ein Seminar.

Schreiben Sie also auf: Ich will in drei Wochen mein Englisch so weit verbessert haben, dass ich mich damit in meinem nächsten Urlaub gut zurechtfinden kann. Mein Urlaub soll ohne Stress und Sorgen um meine Sprachkenntnisse verlaufen. Ich möchte meinen Urlaub genießen.

(Wobei es dann Ihre Vorstellung von „gut zurechtfinden“ ist, die definiert, wie viel Sie lernen müssen.)

Wenn Sie diese drei Punkte beherzigen, wenn Sie

  • die Verantwortung für Ihr Lernen übernehmen
  • Berührungspunkte für Ihren Lernstoff finden und
  • sich so konkret wie möglich Ihre Lernziele klarmachen

steigern Sie nicht nur Ihre Motivation, sondern auch Ihren Lernerfolg. Zwangsläufig. Wetten dass?

© 2006 Heike Thormann, Erstveröffentlichung Mai 2006

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