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Eigenlob stinkt nicht: Wie Sie sich richtig loben und motiviert lernen

Wer einen guten Lehrer hat und hin und wieder gelobt wird, kann von Glück reden. Denn Lob motiviert und ermuntert unser Gehirn dazu, das, was andere lobenswert fanden, abzuspeichern und zu wiederholen. Doch was macht man, wenn man ohne solches Lob im stillen Kämmerlein lernt? Dann sollten Sie lernen, wie Sie sich richtig selbst loben. So geht’s …

Der „Mythos Motivation“ ist dank seines Autors Reinhard Sprenger seinerzeit durch Presse und Republik gegangen. Bewusste Motivation von außen, durch andere, zerstöre die eigene Motivation von innen, die Selbstmotivation. Und ja, zum Beispiel mit „Motivationstricks“ manipuliert und zu etwas gebracht werden zu wollen, ist in der Tat kontraproduktiv.

Doch gleichzeitig brauchen wir alle motivierendes Lob und Anerkennung. Ein bestätigendes Schulterklopfen, ein anerkennendes Nicken, ein beiläufiges „gut gemacht“ – mehr braucht es oft nicht, um die Stimmung hochzuhalten und zu weiteren Höhenflügen anzuspornen.

Mehr noch: Ein Lob ist gut für den Lerneffekt. Was gelobt wird, werden wir auch gern wiederholen. Was Stirnrunzeln auslöst, werden wir zumindest überdenken.

Gute Lehrer wissen das und verteilen beides, bestätigendes Lob wie zu mehr auffordernde Kritik gleichermaßen. Das Problem ist, dass solche Verstärkungen zwar im Lehrer-Schüler-Austausch helfen. Doch was machen Sie, wenn Sie allein im stillen Kämmerlein über Ihren Büchern brüten?

Da hilft nur eines: Loben Sie sich selbst. Geben Sie sich selbst die Anerkennung, die Sie brauchen, um motiviert zu lernen.

Eigenlob stinkt nicht. Das ist eine Mär’. Oder genauer: Eigenlob stinkt nur, wenn Sie es scheinheilig tun und Ihre Mitmenschen dazu ermuntern wollen, sich diesem Lob anzuschließen. Das dürfte ziemlich schnell unangenehm auffallen. 😉

Nun ist es aber für viele gar nicht so leicht, sich selbst zu loben. Statt unsere Erfolge zu sehen, huldigen wir lieber unserem inneren Kritiker. Wir machen uns gewohnheitsmäßig nieder und laufen mit verzerrtem Selbstbild durch die Gegend. Oder wir folgen Volksweisheiten wie dem müffelnden Eigenlob und der zierenden Bescheidenheit, die uns von klein auf eingetrichtert wurden.

Deshalb habe ich hier 6 Tipps für Sie, wie Sie sich selbst loben, um motiviert zu lernen und mit Ausdauer und Spaß an der Sache dranzubleiben.

1. Üben Sie es, gute Leistungen wahrzunehmen

Wie gesagt, das Selbstbild vieler ist eher schlecht. Vor allem Frauen leiden darunter, sich zu niedrig einzuschätzen. Aber auch bei Männern wird es unter dem offiziellen Getöse nagende Selbstzweifel geben, wenn zum Beispiel andere Männer – oder gar Frauen – sie in irgendetwas ausgestochen haben. Ich muss da nur an unseren Nachbarn denken, den es gefuchst hat, als mein Vater sich einen neuen Wagen zulegte. 😉

Ihre erste Aufgabe lautet also: Üben Sie es, Ihre guten Leistungen, Ihre Erfolge, Ihre Qualitäten wahrzunehmen. Sie können sich nicht für etwas loben, was Sie gar nicht sehen. 😉

Haben Sie wie beabsichtigt Ihr Lernpensum durchgearbeitet? Haben Sie Fortschritte gemacht? Meilensteine erreicht? Können Sie sich nach fünf Jahren Sprachenlernens endlich mit einem Norweger in dessen Muttersprache unterhalten? Wunderbar. Bitte festhalten.

2. Loben Sie sich möglichst unmittelbar

Warten Sie nicht zu lange damit, sich selbst zu loben. Wenn Ihnen erst nach einer Woche einfällt, dass Sie sich für die letzte Klausur feiern wollten, ist das zu spät. Die Handlung oder das Ereignis und das Lob sollten immer unmittelbar zusammenfallen. Nur so kann Ihr Gehirn das Lob auch passend zuordnen und mit dem auslösenden Ereignis verknüpfen.

Diese Verknüpfung wird es sich dann merken: „Aha, das war gut, dass ich meinen inneren Schweinehund überwunden habe. Dann mache ich das doch gleich noch mal …“

3. Werden Sie konkret

Lob und Leistung gehören also zusammen. Werden Sie deshalb so konkret wie möglich. Gehen Sie in die Einzelheiten. Was war gut daran, Ihren inneren Schweinehund überwunden zu haben?

Etwa: Sie haben jeden Tag eine Lektion Ihres Kurses gelernt. Sie haben trotz des schönen Wetters für Ihre Abschlussprüfung gelernt. Sie haben den Fernseher abgestellt und eine Kursaufgabe bearbeitet. Und so fort. Auch das wird Ihr Gehirn abspeichern und zu wiederholen versuchen. (Natürlich nur, wenn Sie es dann auch wieder loben. ;-))

4. Achten Sie auf ein „nicht-wertendes“ Lob

Bei der Kritik ist es klar: Pauschalurteile wie „das war schlecht“ sind destruktiv. Nur konkrete Verbesserungsvorschläge wie „üben Sie noch das und das, hier könnten Sie noch etwas mehr herausholen, indem Sie es so versuchen“ und so weiter erlauben es, von der Kritik zu profitieren und sie konstruktiv umzusetzen.

Das gilt so ähnlich auch fürs Loben. Ein plattes „gut so“ oder „du bist ein braver Junge“ sagen nicht, was genau jetzt gut war. Und sie führen dazu, von der Gunst des Lobenden abhängig zu werden.

Wenn man Ihnen dagegen ohne Wertung erklärt (oder Sie sich selbst bewusst machen), was Sie gut gemacht haben und warum das gut war, sind Sie in der Lage, es zu beurteilen, zu übernehmen und zu wiederholen. Mit einem abschließenden „prima“, nach dem wir alle hungern, können Sie sich ja immer noch Ihr Lob versüßen. 😉

5. Geben Sie ruhig mit sich an

Gut, Sie sollten nicht versuchen, nach Beifall zu heischen. Das hatten wir oben. Irgendwann wird Ihnen auch der treueste Fan den Gefallen nicht mehr tun.

Doch warum nicht ein „ich bin stolz auf mich, ich habe meine Prüfung bestanden, jetzt geht es in den Urlaub“ zu der Nachbarin? Oder ein beiläufiges „klar reserviere ich das Hotel für Dich, das klappt jetzt immer besser mit meinen Französisch-Kenntnissen“?

Es geht ja darum, dass Sie Ihre Leistungen erkennen sollen, um genug Motivation fürs weitere Lernen zu entwickeln. Solche Äußerungen wird man Ihnen nicht übelnehmen und sich gemeinsam mit Ihnen freuen.

6. Lernen Sie es, Lob anzunehmen

Das ist jetzt kein Witz: Viele haben auch ein Problem damit, Lob von anderen anzunehmen. Sie werden rot, unterdrücken ein nervöses Kichern, spielen mit den Haaren und würden am liebsten in das nächste Mauseloch verschwinden.

Kritik schlucken wir nur zu schnell, da sie uns in unserem Zweifel und unserer negativen Meinung von uns selbst bestätigt. Doch bei Lob glauben wir, dass andere uns einen Gefallen tun wollen oder – zum Beispiel als Lehrer – irgendetwas Positives finden müssen. Ein klarer Fall, dass hier noch Handlungsbedarf besteht, sich selbst und seine Leistungen besser wahrzunehmen und stolz darauf zu sein.

In diesem Sinne: Lernen Sie es, Lob anzunehmen. Sonst wird nichts aus dem Eigenlob. 😉

© 2010 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 15.09.2010

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