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Muster zu sehen ist ein Grundbedürfnis unseres Gehirns. Der Brauch, im Kaffeesatz zu lesen, geht darauf genauso zurück wie seriös und empirisch gestützt die Interpretation historischer Ereignisse. Die Suche nach Mustern regt aber auch unsere Kreativität an. Wenn Sie einmal üben wollen, habe ich hier einige Tipps für Sie.
Zusammenhänge sehen
Als Historikerin bin ich es gewohnt, Muster zu sehen und nach Zusammenhängen zu suchen. Wenn man oft nur wenige Textfragmente oder Tonscherben hat, um das Bild einer ganzen Epoche zu zeichnen, bleibt einem nichts anderes übrig, als die weißen Flecken mit seiner Vorstellungskraft zu füllen.
Das hilft mir auch bei meiner jetzigen Arbeit als Trainerin und Coach, um zum Beispiel Denk- oder Verhaltensmuster bei meinen Teilnehmern zu erkennen.
Grundbedürfnis unseres Gehirns
Aber man muss kein Historiker sein, um Muster zu sehen. Die Suche danach ist ein Grundbedürfnis unseres Gehirns. Stecken Sie einen Menschen in einen Raum mit zufällig aufleuchtenden Lichtern, und er wird anfangen, Theorien zu entwickeln, welches Licht als nächstes aufblitzen wird.
Der Brauch, im Kaffeesatz zu lesen, geht darauf genauso zurück wie ganz seriös und empirisch gestützt die Interpretation historischer Ereignisse oder statistischer Werte.
Gut für unsere Kreativität
Die Suche nach Mustern regt aber auch unsere Kreativität an. Wann immer Sie mehrere Objekte zusammenbringen, wird Ihre Fantasie versuchen, eine Verbindung zwischen ihnen herzustellen. Und aus dieser Verbindung können neue Ideen entstehen. So manche Kreativitätstechnik wie etwa die Bisoziation bedient sich dieses Prinzips.
Sie können aber auch im Alltag üben, Muster zu sehen, um Verbindungen ziehen zu können. Nehmen Sie den Zufall zur Hilfe und versuchen Sie, Gesetzmäßigkeiten zu erkennen. Dazu habe ich hier einige Anregungen für Sie.
Üben Sie einmal
Nach gemeinsamer Farbe suchen
Schreiben Sie fünf Minuten lang alles auf, was Ihnen in Ihrer Lieblingsfarbe in die Augen fällt. Vielleicht die grüne Zimmerpflanze, die grüne Schreibtischlampe, die Tischdecke, die Gardine (bei mir ist alles grün
), der Baum vorm Fenster, die Mülltonne, die Hose des Fußgängers, und und.
Und dann versuchen Sie, Verbindungen herzustellen oder Strukturen zu bilden. Also etwa: Alles zum Thema Raumdekoration, Flora und Fauna, Objekte drinnen und draußen, oder alles Lebendige und alles künstlich Erschaffene.
Nach Text bündeln und gruppieren
Schneiden Sie die Überschriften verschiedener Artikel aus Zeitungen aus, und gruppieren Sie wieder: Große oder kleine, dicke oder dünne Überschriften, schwarze, rote oder sonstwie farbige Überschriften, reißerisch oder sachlich formuliert, kurz und knapp oder langatmig, das Neueste aus der Wirtschaft oder alles Private, pp.
Nebenbei: Das Ganze funktioniert auch mit einzelnen Begriffen. Lassen Sie sich inspirieren und stolpern Sie über eine seltsame Anhäufung des Buchstaben T. Gruppieren Sie nach Fremdsprache oder Dialekt. Was immer Ihnen auffällt.
Nach Mustern in Biografie suchen
Oder machen Sie es wie meine Teilnehmer, die ich zum Beispiel ihren Lebenslauf oder ihre Familie untersuchen und auf Muster abklopfen lasse. Achten Sie auf interessante Häufungen, Gemeinsamkeiten, Querverbindungen. Wer weiß, vielleicht trainieren Sie nicht nur Ihre Kreativität, sondern kommen auch gleich ein Stück weit sich selbst auf die Spur.
© 2009 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 19.02.09
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