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Nein sagen kann man lernen: Sieben Tipps, wie Sie besser nein sagen

von Heike Thormann

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Nein zu sagen fällt vielen von uns schwer. Schließlich wollen wir niemanden vor den Kopf stoßen, enttäuschen oder verärgern. Aber damit schaden wir nicht nur uns selbst. Wir schaden auch dem anderen. Lernen Sie deshalb, nein zu sagen. Ein paar Tipps dafür bekommen Sie hier.

Warum tun wir uns schwer damit, “nein” zu sagen?

Wir lassen uns widerwillig überreden, wir greifen mit schlechtem Gewissen zur Notlüge, wir sagen erst zu und dann hintenherum wieder ab. Alles nur, um einem aus dem Weg zu gehen: Nein sagen zu müssen.

Offenbar ist das etwas, was vielen von uns schwerfällt.

Wir wollen weder Freunde und Familie vor den Kopf stoßen, noch Kollegen verärgern, Kunden verlieren oder uns bei Vorgesetzten unbeliebt machen.

Wir sind es von Kindesbeinen an gewohnt, bestimmten Erwartungen zu folgen. Wir haben Angst, ausgegrenzt zu werden. Oder wir haben es schlicht nie gelernt, einen eigenen Willen zu entwickeln. Also sagen wir lieber „Ja“ statt „Nein“, und hängen uns an die anderen dran, statt unseren eigenen Weg zu gehen.

Damit schaden wir uns aber nicht nur selbst. Wir schaden auch dem anderen.

Es hilft niemandem, wenn wir uns übernehmen und verzetteln, Druck aufbauen und unseren Ärger schüren, schlampig arbeiten oder nur mit halbem Herzen bei der Sache sind. Ja, mehr noch: Wir nehmen uns die Möglichkeit, nach Alternativen zu suchen, zu denen wir uneingeschränkt ja sagen können.

Dabei sind Kreative oft besonders davon bedroht, ja statt nein zu sagen. Vielleicht erkennt ihre Umwelt das, was sie tun, nicht an, und hält es für ein Hobby, das man beiseite wischen kann. Oder sie legen sich von selbst eine solche Sichtweise zu und beschränken ihr kreatives Schaffen auf ein, zwei gestohlene Stunden.

Aber Kreativität braucht mehr als das, was übrig bleibt, wenn alle anderen zufriedengestellt wurden. Kreativität braucht die Zeit, den Raum und die Energie, ihr ungebremst folgen zu können. So, wie wir es vielem anderen auch zugestehen.

Und das bedeutet: Lernen Sie, nein zu sagen. Lernen Sie, Ihre Interessen zu vertreten, und damit sich selbst und Ihre Kreativität ernst zu nehmen.

Sie müssen Ihre Mitmenschen ja nicht gleich vor den Kopf stoßen. Eine höfliche Antwort, eine ruhige Erklärung, eine interessante Alternative – es gibt viele Möglichkeiten, Ihr „Nein“ besser zu verpacken.

Ein paar Tipps dafür bekommen Sie hier.

1. Um Bedenkzeit bitten

Zügeln Sie Ihren Impuls, unbedacht „Ja“ zu sagen. Wenn Sie nicht sicher sind, dass Sie wirklich zustimmen wollen, bitten Sie lieber um Bedenkzeit.

Zu oft fallen wir in alte Rollenmuster zurück und sagen „Ja“, wenn wir eigentlich „Nein“ meinen. Aus Reflex oder weil wir den anderen nicht enttäuschen wollen. Der Aufschub hilft Ihnen dann, Ihre eigenen Wünsche besser zu erkennen und sich im Fall des Falles auf Ihr „Nein“ vorzubereiten.

Lassen Sie sich auch nicht unter Druck setzen. Die Bedenkzeit ist gegebenenfalls auch gut geeignet, Tempo aus Verhandlungen, Gesprächen und Co. zu nehmen, um Ihnen etwas Luft zu verschaffen. Sagen Sie Ihrem Gegenüber, wann er mit Ihrer Antwort rechnen kann, und halten Sie sich dann an diese Zeitangabe.

So haben beide etwas davon: Sie die Möglichkeit zu einem „Nein“. Und der andere die Chance auf ein überzeugtes „Ja“ oder zumindest auf ein weniger hartes, an den Kopf geworfenes „Nein“.

2. Die berühmten Rahmenbedingungen

Nein, ein Candlelight-Dinner habe ich nicht gerade im Auge. Aber was für Heiratsanträge und Co. der Kerzenschein, das können für Ihre Ablehnung die passenden inneren und äußeren Bedingungen sein.

Also etwa: Stimmen Sie sich mental auf Ihr „Nein“ ein. Machen Sie sich klar, dass Sie ein Recht darauf haben, nicht manipuliert und zu einem „Ja“ gedrängt zu werden. Achten Sie auf eine freundliche, aber feste Stimme oder Schriftkonversation, ohne Hin-und-Her-Schwanken und „ich / wir könnte(n) ja mal“ oder Ähnliches.

Haben Sie direkten Kontakt zu Ihrem Gegenüber? Dann kann es helfen, sich für Ihr „Nein“ aufrecht hinzustellen. So vermeiden Sie schon rein äußerlich ein Gefühl von Unterlegenheit, und selbst am Telefon wirkt Ihre Stimme kraftvoller und damit überzeugender.

3. Nett verpacken

Wie heißt es so schön: Der Ton macht die Musik und die Verpackung das Geschenk – oder die Ablehnung. Wenn also Arbeit, Freunde und Familie das nächste Mal ein Attentat auf Sie vorhaben, dann leiten Sie Ihr „Nein“ mit ein paar Verpackungen netter ein.

Beispiel:

  • Bedanken Sie sich für das Angebot / die Aufgabe
  • zeigen Sie Verständnis für den anderen und seine Situation
  • betonen Sie Ihre Wertschätzung oder Freundschaft zum anderen
  • stellen Sie Ihrem „Nein“ ein „Ahm“ oder andere kleine Pausen voran,

… bevor Sie dann, wie erwähnt, freundlich aber bestimmt ablehnen.

Damit stehen Sie nach wie vor fest zu Ihrer Ablehnung. Gleichzeitig machen Sie aber auch deutlich, dass Sie wirklich über die Anfrage nachgedacht haben, Ihr Gegenüber schätzen und Ihre Ablehnung nur mit der Sache, nichts mit der Person zu tun hat.

4. Ich mach’ das aus Prinzip nicht.

Das geht in die gleiche Richtung: Menschen können eine Absage leichter wegstecken, wenn sie sie nicht persönlich nehmen müssen. Ideal ist es deshalb, wenn Sie grundsätzlich nicht tun, worum man Sie bittet.

Das heißt, wenn Sie zum Beispiel aus Prinzip lieber nichts am Telefon kaufen, aufgrund schlechter Erfahrung die Finger von der Hardware eines Rechners lassen oder eine Niete in Excel sind, dann können Sie dem anderen gar nicht helfen. Ihre Ablehnung ist also keine Wertung, sondern eine schlichte Tatsache.

5. Zu Erklärungen greifen

Erklärungen sind ein bisschen umstritten. Manche meinen, dass man sich damit nur unnötig in Diskussionen verwickeln lassen kann. Andere, dass man damit den Eindruck von Schwäche und Sich-entschuldigen-Müssen zurücklässt – und dem fordernden Gegenüber einen Angriffspunkt bietet.

Ich schließe mich der Partei an, die Absagen mit einer kurzen Begründung einfach für höflicher halten als ein nacktes „Nein“.

Nicht zuletzt haben Sie hier auch wieder die Möglichkeit, dem anderen klarzumachen, warum Sie etwas ablehnen. Beispiel: Weil Sie gerade eine andere wichtige Aufgabe übernommen haben, Ihre Prioritäten anders gesteckt haben, mit Volksmusik leider gar nichts anfangen können oder anderes mehr.

Achtung: Greifen Sie besser nicht zu Notlügen. Lügen haben bekanntlich nicht nur kurze Beine und werden früher oder später doch enttarnt. Wenn Sie der Meinung sind, zu Lügen greifen zu müssen, spricht das auch nicht gerade für Ihre Fähigkeit, selbstbewusst „Nein“ sagen zu können. Von hier ist der Weg dann nicht mehr weit, sich doch noch zu etwas „breitschlagen“ zu lassen.

6. Geschickt argumentieren

Wer sagt, dass Ihr „Nein“ für den anderen nur negativ sein muss? Sie wissen schließlich selbst am besten, wo Ihre Grenzen sind und warum Ihr Gegenüber sich besser einen anderen für sein Anliegen suchen sollte. In diesem Sinne: Machen Sie ihm diese Gründe klar. Dann ist Ihr „Nein“ auch kein bloßes „Nein“ mehr, sondern Schutz vor einer Fehlentscheidung und –delegation.

Beispiel: Sie sollen das neue Fachbuch eines Freundes gegenlesen, obwohl Sie von der Materie keine Ahnung haben und Ihnen dieses Know-how bei der Beurteilung des Buches vielleicht fehlen würde.

Oder: Sie sollen einmal täglich mit dem Hund Ihrer Freundin Gassi gehen, obwohl Sie Hunde nicht ausstehen können, diese das wittern und sich manchen Strauß mit Ihnen liefern wollen. Dann argumentieren Sie, dass Sie dem Hund diesen Stress nicht antun wollen, und er in anderen Händen besser aufgehoben wäre.

Sie sehen das Prinzip?

Verpassen Sie dem anderen nicht einfach nur ein „Nein“, sondern machen Sie deutlich, warum es eine bessere Lösung geben kann und muss. Dann können Sie auch gleich noch zu einem letzten Mittel greifen und …

7. Alternativen bieten

… Ihre Argumentation mit Alternativen aufwerten.

Also: Vielleicht kennen Sie jemanden, der sich mit dem Fach Ihres Freundes auskennt oder erfahren in der Beurteilung von Texten ist. Jemanden, der neben der Laien-Perspektive ein Auge für Handwerk und Details hat. Dann empfehlen Sie ihn.

Oder: Schlagen Sie Ihrer Freundin vor, den täglichen Abwasch zu übernehmen. Dann hat sie Zeit, ihre Runde mit dem Hund zu drehen.

Oder: Wenn Sie eine Aufgabe nicht auf eine bestimmte Weise zu einem bestimmten Zeitpunkt erledigen können, dann sagen Sie, in welcher Form Sie sie stattdessen frühestmöglich abliefern können. Und so weiter, und so fort.

Betätigen Sie sich als Problemhelfer und bieten Sie Lösungen an. Selbst Familie und Vorgesetzte dürften jetzt kaum noch etwas an Ihrem „Nein“ auszusetzen haben.

Und wer weiß – nicht wenige Menschen ziehen sogar eine offene, direkte Antwort vor. Etwas, was Sie nie herausgefunden hätten, wenn Sie eines nicht versucht hätten: Nein zu sagen. ;-)

© 2009 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 11. November 2009

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