Bleiben Sie auf dem Laufenden:
Newsletter lesen »
Feed lesen »




Nicht ärgern, ändern

Manche ärgern sich über ihren PC und bedrohen ihn schon mal mit dem Hammer. Andere ärgern sich über die lieben Mitmenschen. Unser Leben ist selten so friedlich, wie die meisten von uns es gern hätten. Ärgern allein hilft aber nicht. Besser wäre es, etwas zu ändern oder gelassener mit den Dingen umzugehen. Dafür habe ich ein paar Tipps für Sie.

Wenn wir aus dem Häuschen geraten …

Eine Teilnehmerin hatte als Schulleiterin regelmäßig mit Leuten zu tun, die „unsachlich und emotional“ wurden, wie sie es nannte. Hin und wieder meldet sich auch bei mir ein „heftiger werdender“ Leser oder Kunde. Und natürlich kann auch ich selbst – heute glücklicherweise seltener als früher – mich wegen etwas aufregen und ärgern.

Anlässe, sich zu ärgern, kann es im Leben ja auch wahrlich genug geben.

Viele werden sauer, wenn sie nicht das bekommen, was sie erwartet oder sich gewünscht haben. Andere fühlen sich in ihren Bedürfnissen missachtet und gekränkt. Die nächsten regen sich über eine bestimmte Situation auf, sind aber vielleicht zu bequem oder sehen sich nicht in der Lage, diese zu ändern, – und regen sich letzten Endes über sich selbst auf. Mich kann es immer noch fuchsen, wenn ich mich unfair behandelt fühle. Und so fort.

Nun, wie gesagt, Anlässe gibt es viele. Und dabei habe ich noch nicht mal all die Gelegenheiten einbezogen, wenn wir ärgerlich auf uns selbst werden, weil unser innerer Kritiker sich wieder meldet und uns erzählt, dass wir „Mist gebaut“ haben. Doch das ist ein anderes Thema.

Dann greifen wir oft zu unguten Reaktionsmustern …

Die Reaktionen ähneln sich allerdings bemerkenswert oft.

Die einen werden, wie gesagt, „unsachlich und emotional“, vergreifen sich im Ton, provozieren den anderen oder legen einen gekonnten Wutanfall hin.

Andere werden rebellisch und aufmüpfig, oder sie greifen gar zu „kleinen Rache-Manövern von hinten“. (Das ist die Variante, die auf eine gefühlte Unterlegenheit hindeutet, wenn man es nicht wagt, den erwähnten Wutanfall hinzulegen. ;-))

Wieder andere lassen alles über sich ergehen, vielleicht noch mit einem tapferen Lächeln – und ärgern sich anschließend, dass sie sich diese Behandlung haben gefallen lassen.

(Manche belegen, um besser kontern zu können, ein Training in Schlagfertigkeit. Doch es sind oft nicht die Worte, die fehlen. Oft ist es eher eine falsche Erziehung, die zu scheinbarer Harmonie zwingt. Oder man will niemanden gegen sich aufbringen. Und dergleichen mehr.)

Auch die bequeme Couch-Kartoffel schiebt Harmonie vor – und will sich vielleicht nur den Stress ersparen, sich mit dem ärgerlichen Ereignis auseinandersetzen zu müssen. Doch auch diese Reaktion wird zum Bumerang, wenn man Unzufriedenheit und Ärger verdrossen in sich hineinfrisst.

Dabei gäbe es auch andere, bessere Verhaltensweisen …

Besser wäre es, möglichst ruhig, souverän und bestimmt zu reagieren. Wem das nicht sofort möglich ist, der könnte sich erst einmal etwas zurückziehen, eine Pause machen und nach Handlungsmöglichkeiten suchen.

Und vor allem wäre es besser, überhaupt etwas zu ändern, statt sich ewig weiter zu ärgern, seinen Frust in sich dick und schwer werden zu fühlen oder den nächsten Wutanfall am Horizont heraufdämmern zu sehen.

Deshalb habe ich hier, durchaus auch aus eigener Erfahrung, ein paar Ideen gesammelt, wie man ein wenig klüger und vor allem gesünder reagieren kann. 😉

Die Grundlage

Überlegen Sie als Erstes, was Sie an einer Sache eigentlich ärgert oder geärgert hat. Es kommt oft vor, dass wir in unserem Gefühls-Überschwang mehrere Dinge in einen Topf werfen – und dann ärgern wir uns über das naheliegende A, obwohl eigentlich das tiefersitzende B an uns zupft und ziept.

Machen Sie sich zudem Ihre eigene Verantwortlichkeit bewusst. Was ist Ihr Anteil an dem Scharmützel?

Ein Beispiel: Sie ärgern sich permanent über Ihren Job und den vermaledeiten Chef. Doch alles, was Sie tun, ist, sich gegenüber anderen aufzuregen. Nun ist es zweifellos gesund, sich die Dinge von der Seele zu reden. Doch das ändert nichts.

Ihr Anteil wäre es, sich zum Beispiel zu fragen, ob Sie überhaupt etwas an der Situation ändern wollen. (Vielleicht ist Ihnen die Sicherheit, die Ihnen dieser Job gibt, immer noch wichtiger als alles andere? Dann wäre der Job Ihre Priorität, der Ärger ein Preis, den es zur Not zu zahlen gelte.)

Vielleicht haben Sie auch zu hohe Ansprüche, Erwartungen und Ideale, und regen sich permanent darüber auf, dass die Wirklichkeit diesen gemeinerweise nie gerecht werden will?

Vergessen Sie überdies nie den berühmten Spruch „im Zweifel für den Angeklagten“. Vielleicht haben Sie etwas nur falsch verstanden – der andere weiß gar nicht, womit er Sie verärgert hat – seine Reaktionen decken sich nicht mit Ihren Erwartungen – und und.

Und jetzt bitte ändern …

So, wenn Sie sich jetzt nicht mehr ärgern, sondern lieber etwas ändern wollen, dann könnten Sie dazu zum Beispiel je nach Situation Folgendes tun:

Das Ärgernis aufschreiben

Unser Beharrungsvermögen (eine Bekannte nennt es auch „Leidensfähigkeit“ ;-)) ist erstaunlich groß. Manchmal dauert es Jahre, in denen wir uns regelmäßig ärgern, bis wir endlich aktiv werden.

Verkürzen Sie diese Frist: Schreiben Sie zum Beispiel auf, was Sie geärgert hat. Und überlegen Sie auch gern, wie Sie die Sache abstellen wollen.

Erstens können Sie dadurch nicht einfach in Ihren Dämmerzustand zurücksinken. Zweitens wird aus dem diffusen Ärger jetzt eine konkrete Aufgabe und Todo-Liste. Und drittens werden Sie verbindlicher, wenn Sie etwas aufschreiben, statt es im Kopf hin und her zu wälzen.

Lesen Sie dazu mehr in meinem Artikel „Sieben Gründe, warum Ideen, Wünsche, Pläne durch Aufschreiben machbar werden“.

Vorbeugen und nein sagen

Gehören Sie ebenfalls zu den Menschen, die sich hinterher ärgern, etwas getan zu haben, was sie gar nicht tun wollten? Willkommen im Club. Ihre Schlagworte sind: Nein sagen, Grenzen setzen, sich nicht benutzen lassen. Weisen Sie klar und deutlich auf Dinge hin, die Ihnen gegen den Strich gehen. Und suchen Sie nach oder bitten Sie um Alternativen.

Falls Sie übrigens zu den Hochsensiblen gehören, die die Wünsche der anderen immer deutlicher wahrnehmen als die eigenen, dann habe ich hier einen Buchtipp für Sie: Hochsensibilität – vom Manko zum Plus.

Den anderen auf die Verletzung oder Kränkung hinweisen

Bitte keine falsche Harmonie oder Rücksichtnahme: Wenn Sie jemand verletzt oder gekränkt hat, dann weisen Sie diesen klar und deutlich (wenn auch gern höflich) darauf hin.

Erstens ist das eine Gelegenheit für den anderen, sich zu entschuldigen. Vielleicht bleibt der Ball so im Spiel und die Beziehung bestehen. Zweitens (wichtiger) werden Sie Druck und Frust los, die an Ihnen fressen und das Verhältnis vergiften werden, wenn Sie es nicht tun. Entschuldigt sich der andere nicht – nun, dann können Sie ihn immer noch zum Teufel wünschen. 😉

Extra-Tipp: Wenn das nicht gehen sollte, weil der Schuldiger nicht (mehr) greifbar ist oder Sie mit diesem keinen Kontakt mehr haben (wollen oder können), könnten Sie diesem zum Beispiel einen „Brief“ schreiben. Schreiben Sie sich die Verletzungen und Verfehlungen von der Seele und vernichten Sie den Brief anschließend rituell. Auch das reinigt.

Sich selbst verzeihen

Vergessen Sie auch nicht, sich selbst zu verzeihen. Verzeihen Sie sich zum Beispiel, nicht nein gesagt und etwas gegen Ihren Willen getan zu haben. Verzeihen Sie sich, den Job nicht eher gewechselt und so jahrelangen Frust unnötig ertragen – und sich selbst angetan zu haben. Verzeihen Sie sich, Ihre „emotionalen Unsachlichkeiten“ nicht unter Kontrolle bekommen zu haben. Nun, was auch immer.

Tun Sie es nicht, wird das Ihren Ärger nur noch anstacheln. Denn in Wirklichkeit werden Sie auch auf sich selbst sauer sein. Das ist keine konstruktive Grundlage. 😉

Richtig streiten lernen

So verärgert Sie auch sein mögen: Achten Sie auf Ihren Ton, wenn Sie etwas ändern wollen. Provozieren Sie den anderen nicht und gehen Sie auch nicht unter die Gürtellinie. Das bringt nichts, sondern ruft nur entsprechende Abwehrreaktionen hervor.

Versuchen Sie, möglichst ruhig und gelassen zu kommunizieren. Wenn nötig, gönnen Sie sich erst ein wenig Zeit zur Beruhigung, handeln Sie nicht reflexhaft. Schildern Sie sachlich und aus Ihrer Perspektive („Ich-Botschaft“), was Sie warum geärgert hat. Wenn Sie können, versuchen Sie überdies, sich in die Bedürfnisse und Interessen des anderen einzufühlen. Vielleicht können Sie diesen nun besser verstehen und Ihre Meinung revidieren?

Hier könnte mein Spickzettel „Feedback geben und nehmen“ hilfreich sein.

Nach Lösungen und Alternativen suchen

Dazu erwähne ich einfach mal meine Artikel „20 Tipps, wie Sie Probleme lösen“ und „Es gibt immer eine Alternative“.

Dinge, die sich nicht ändern lassen, akzeptieren

Es kommt vor, dass wir uns über Dinge ärgern, die wir nicht ändern können. Vielleicht will der andere uns nicht entgegen kommen, oder er kann es nicht.

Nun könnten Sie unnötig Energie vergeuden, indem Sie gegen Windmühlen anrennen. Oder Sie freunden sich mit der Sache an, machen das Beste daraus und stillen den Rest Ihrer Bedürfnisse woanders.

Zu hohe Ansprüche, überhöhte Erwartungen und Fiktionen fallenlassen

Für den letztgenannten Punkt ist es zudem wichtig, Ihre womöglich zu hohen Erwartungen fallenzulassen. Sie könnten sich über jede Kleinigkeit aufregen, die in Ihrem Job oder Leben nicht gut läuft. Mit den bekannten negativen Folgen. Oder Sie versuchen, ein bisschen mehr Verständnis für unser aller Schwächen mitzubringen und ein wenig gelassener mit der Welt umzugehen.

Das ist kein Freifahrtschein für den anderen, bitte nicht missverstehen. Nur ein Tipp, wie Sie sich das Leben ein wenig leichter machen können. 😉

Love it, change it or leave it

Sie sind unzufrieden mit und verärgert über Ihre Versicherung, Ihren Friseur, Ihren Arzt? Sämtliche Änderungsversuche haben nichts gebracht? Dann gibt es immer noch den Spruch: Love it, change it or leave it. („Liebe es, ändere es oder verlasse es.“)

Wie gesagt, nicht alles lässt sich ändern. Und das liegt nicht zuletzt daran, dass wir einfach zu verschieden sind und unsere Bedürfnisse nicht zusammengehen.

Mancher braucht zum Beispiel einen autoritären Arzt, der ihm Sicherheit gibt und ihm sagt, was zu tun ist. Ich selbst fahre dagegen besser mit Ärzten, die an einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit interessiert und dazu auch in der Lage sind. Also macht es für mich auch mehr Sinn, mir die letztgenannte Kategorie zu suchen.

So, und damit schließt sich der Kreis, sind wir wieder am Anfang, den Grundlagen. Überlegen Sie immer: Was hat mich eigentlich geärgert und was ist mein eigener Anteil daran? Mmh? 😉

© 2012 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 21.02.12

Möchten Sie meinen Beitrag weiterempfehlen? Dann sage ich mal: Danke. :-)