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Weg mit Floskeln und Klischees beim Schreiben

Kein Text ohne Floskeln. Stereotype Redewendungen und altbackene Formulierungen säumen unseren Weg als Autor, Journalist oder bei der täglichen Korrespondenz. Es ist gar nicht so leicht, floskelfrei zu schreiben. Hier habe ich ein paar Tipps für Sie, wie Sie Ihre Texte von blutleerem Ballast befreien und frischer schreiben.

Ich gebe zu, ich ertappe mich gern selbst dabei: Marotten zu pflegen und zu Floskeln zu greifen.

Eine Zeit lang war es das „doch“, dann das „aber“, in letzter Zeit auch mal ein „natürlich“. Füllwörter, die für den Sinn des Textes nicht notwendig sind und Überreste aus dem sprunghaften mündlichen Sprachgebrauch darstellen.

Doch das ist nur eine Form von Floskeln. Davon gibt es erheblich mehr. Das Tückische daran ist, dass sie uns so sehr in Fleisch und Blut übergegangen sind, dass es uns schwer fällt, wirklich floskelfrei zu schreiben.

Was sind Floskeln?

Was sind Floskeln? Streng nach dem Duden sind es zunächst nur Redensarten. Also Redewendungen, mit denen ein Autor seinen Text bereichern kann. Allerdings ist eine Floskel die fiese Variante einer Redewendung: Inhaltsarm, blutleer, überholt, langweilig, wenig originell oder schlicht überflüssig.

Also zum Beispiel:

Stereotype Begriffe

Der unbekannte Täter, der nach dem Banküberfall mit der Beute verschwand. (Die Täter sind immer unbekannt. Kein Autor oder Journalist würde von einem „bekannten Täter“ schreiben. Das hält sie allerdings nicht davon ab, den Täter unbekannt sein zu lassen. ;-))

Bürokraten-Deutsch

Wenn Sie eine Rechnung erhalten, die man sich Ihnen „zu überreichen erlaubt“. Wenn Sie Brief oder Korrespondenz erhalten, die „Bezug nimmt auf“. Oder, noch einmal die Rechnung, wenn man „in Erwartung Ihrer Rechnung verbleibt“. Kurz, Formulierungen, mit denen wir zu einer etwas „gehobeneren Sprache“ abheben und etwas offizieller werden wollen.

Überflüssige Adjektive

Wenn Ihnen der „brutale Mord“ die Haare hochstehen lässt. Oder wenn Ihr „untrüglicher Instinkt“ Ihnen eine Warnung zukommen lässt. Oder wenn Sie mit „traumwandlerischer Sicherheit“ etwas verspüren. (Und der Leser eher geneigt sein könnte, den Text für einen Albtraum zu halten. ;-)) Kurz, wenn sich eine bestimmte Kombination von Adjektiv und Substantiv so eingebürgert hat, dass alle nur noch gähnend abwinken.

Tote Metaphern

Ich schrieb gerade bewusst von „die Haare hochstehen lässt“ und nicht von „die Haare zu Berge stehen lässt“. Letzteres wäre die gewohnte Redewendung und Metapher gewesen. Allerdings wäre das auch eine Metapher gewesen, die so gewohnt ist, dass sie vielleicht ausgeluscht und langweilig ist. Das kommt auf den Zusammenhang an.

Und anderes mehr wie meine überflüssigen Füllwörter von oben.

Floskeln sind bestenfalls alte Bekannte, denen man nicht an jeder Stelle begegnen möchte. Wenn Sie Pech haben, können sie aber auch verärgern, anstrengen oder Fragezeichen auslösen.

Beleben Sie Ihre Texte und versuchen Sie, solche Klischees zu meiden.

Wie werde ich meine Floskeln los?

Sie meinen, leichter gesagt, als getan? Das kann ich gut verstehen. Wie gesagt, die kleinen Biester sind heimtückisch und floskelfrei zu schreiben ist alles andere als einfach. Hier habe ich ein paar Vorschläge für Sie.

1. Augen auf beim Floskel-Kauf

Ein kleiner Spaß muss sein. 😉 Im Ernst: Schulen Sie Ihren Blick. Begutachten Sie jeden Text mit Argus-Augen. (Diese Redewendung lasse ich bewusst stehen. ;-)) Stellen Sie sich vor, Sie wollen einen Gebrauchtwagen kaufen und suchen nach seinen Mängeln. Das können eigene oder auch fremde Texte sein.

Wie oft stoßen Sie auf einen bürokratischen Höhenflug? Wann schreiben Sie von einer „gähnenden Leere“, weil Ihnen beides zusammenzugehören scheint? Welche Metapher wollen Sie bewusst verwenden? Welche Redensart lässt Sie nur müde abwinken?

2. Streichen und vernichten

Streichen Sie alles, was überflüssig ist. Der „brutale Mord an der alten Dame“ kann auch ein normaler „der Mord an der alten Dame“ sein. Die häßlichen Details können Sie im nächsten Satz bringen. Und dem unbekannten Täter schadet es nicht, wenn Sie ihn zu einem „Täter“ stutzen.

Wenn Sie in jedem zweiten oder dritten Satz Ihr Lieblings-Füllwort bringen, sollten Sie zum Unkrautvernichtungs-Mittel greifen.

Und Formulierungen wie „in Erwartung Ihrer Rechnung“, die Sie nie und nimmer in einem normalen Gespräch verwenden würden, freuen sich ebenfalls auf den Rotstift.

3. Ändern und ersetzen

Manchmal ist es nicht nötig, blumig zu werden. Jeder wird Ihren „Täter“ verstehen und einordnen können. Sie müssen ihn nicht zu einem „jugendlichen Täter“ oder „unverfrorenen Täter“ aufrüsten.

Manchmal werden Sie Ihren Lesern aber auch ein ausdrucksstarkes Bild schenken wollen. Schreiben Sie in dem Fall zum Beispiel statt von der „beißenden Kälte“ von einer „nagenden Kälte“, einer „scharfen Kälte“, einer „kriechenden Kälte“ (die Ihnen in die Glieder fährt und die Hosenbeine hochkriecht) und anderes mehr.

Oder verkürzen Sie Ihre „Unkosten“ zu „Kosten“ beziehungsweise verabschieden Sie sich einfach, statt „in Erwartung der Rechnung zu verbleiben“.

4. Konkret werden und Details bringen

Wie gesagt, Formulierungen wie die „fieberhafte Fahndung“ sind oft zu einem Klischee verkommen. Und mehr noch: Sie lassen den Leser mit seiner Neugier allein.

Wie sieht diese „fieberhafte Fahndung“ aus? Was kann oder soll er sich darunter vorstellen? Können Sie ihm Details nennen, die ihn kraftvoll in den Text ziehen, statt unbefriedigt zurückzulassen?

Beim spektakulären Einzug meiner neuen Nachbarin war das zum Beispiel: Polizei, die nachts um 23 Uhr das Haus zusammentrommelt. Eine aufgelöste Familie. Ein verwirrter Ex-Mann. Eine leere Wohnung, in der die Vermisste sich hätte aufhalten sollen. Ein Feuerwehr-Mann, der sich unglücklich den Fuß bricht und schreiend auf der Straße liegt. Zwei Löschzüge der Feuerwehr. Krankenwagen, Notarzt, das ganze Trara. Das will ein Leser lesen. 😉

Und was haben Sie für Floskeln und Marotten?

© 2010 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 09.09.2010

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