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Sich abheben: 7 Tipps für originelle Ideen und originelle Texte

von Heike Thormann

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Jeder will heute auffallen, etwas Besonderes sein, sich abheben. Auch Markt, Wettbewerb und Konkurrenz erfordern es, sich zu unterscheiden. Also her mit den originellen Ideen und originellen Texten. Nur – wie wird man das eigentlich? Originell? So …

„Wie originell kann man noch schreiben?“ Das fragte mich ein Teilnehmer und Kunde meines Kreativ-Schreiben-Kurses. Schließlich ist doch alles schon einmal dagewesen.

„Wie schreibe ich eine Grußformel, die sich vom Fließband-Charakter des Üblichen abhebt?“ Das fragte mich mal ein Teilnehmer meines Schreibcoachings.

Wer ein wenig im Internet recherchiert, findet viele Webseiten, die „originelle Produkte“ oder „originelle Dienstleistungen“ anbieten. Vom originellen Osterei bis zur originellen Business-Reise zum Mars. (Nun, noch nicht ganz. ;-) )

Teenager sind entweder überzeugt davon, anders zu sein. Oder sie wären es gern: Anders.

Offenbar ist das Bedürfnis, sich abzuheben, aufzufallen, originell und einzigartig zu sein, recht ausgeprägt. Nicht zuletzt dürfte darauf ein Teil des Erfolgs der Social-Media-Angebote oder diverser TV-Sendungen zurückzuführen sein. Wir wollen auffallen, bemerkt werden, etwas Besonderes sein, laut in die Welt rufen: „Hallo, da bin ich. Seht mich an.“ ;-)

Doch wie kann man nun originell sein oder originell schreiben?

Dafür habe ich hier ein paar Tipps für Sie.

1. Alles anders machen

Seien Sie bewusst anders als andere. Fragen Sie sich: Wie macht man etwas für gewöhnlich? Und überlegen Sie sich anschließend: Was könnte ungewöhnlich daran sein? Also zum Beispiel: Ein Geschäftsessen nicht im Restaurant in der Stadt, sondern auf dem Mars.

Achtung: Diese Vorgehensweise kann nach hinten losgehen. Denn oft bleibt man damit in alten Mustern gefangen und kehrt sie nur um. Das ist wie bei Kindern, die bewusst alles anders machen wollen als ihre Eltern. Auch diese lösen sich nicht wirklich von dem, was ihre Eltern ihnen vorgeben.

2. Es mit dem Gegenteil versuchen

Dieser Tipp funktioniert so ähnlich wie Nr. 1. Drehen Sie etwas in sein genaues Gegenteil um. Beispiel: Schreibt jeder ernsthafte Tipps, versuchen Sie es mit Satire.

3. Einen anderen Ansatz oder Blickwinkel wählen

Hier wollen Sie sich nicht komplett abheben, Sie beschränken sich auf einen leicht anderen Dreh. Eine Zutat. Einen anderen Stil. Eine andere Perspektive.

Machen Sie beispielsweise ein kleines Free Writing. Lassen Sie so unkontrolliert und unzensiert wie möglich heraus, was Sie an Gedanken zu diesem Thema in sich tragen. Suchen Sie in einem zweiten Schritt nach Kombinationen und Querverbindungen.

Also etwa: Ihnen fallen zum Thema Sommerurlaub so unterschiedliche Dinge ein wie Katzenplage, Segeln, hoffentlich spielt das Wetter mit, Urlaub als Kind mit Kirchenfreizeit in Österreich, und so fort. (Jetzt nur ganz grob. Wie die Technik funktioniert, lesen Sie in meinem Mini-Kurs Free Writing.)

Daraus könnte statt des nüchternen Artikels, wo die Deutschen dieses Jahr ihren Urlaub verbringen, ein Artikel werden wie: Der Sommer ist die beste Zeit für einen innigen Urlaub mit Ihrer Katze. ;-) Oder: Tipps, wie Ihr Stubentiger die heiße Jahreszeit übersteht. Oder: Eine Recherche, ob man von der Schwindelfreiheit der Katze lernen kann, um die Seekrankheit besser zu überstehen.

Oder Ideen wie: Wie Katzen ihre Wasserscheu verlieren – Segeln für Katzen ab 8 Monate. Oder: Eine alte Tradition wird wiederbelebt – Gottesdienste auf dem Meer. Und so weiter, und so fort.

Mehr dazu lernen Sie auch in meinen Kursen „Kreativ Schreiben lernen“ und „Ideen für Kunden und Konzepte finden“.

4. Bestehendes abwandeln und verändern

Sie können auch etwas Bestehendes abwandeln und verändern.

Aus Tipps, wie Ihr Stubentiger die heiße Jahreszeit übersteht, werden so vielleicht „Tipps, wie Ihr Haustier im Winter keinen Speck ansetzt“. Oder „Tipps, wie Ihr Haustier im Winter putzmunter und aktiv bleibt“.

Sie ändern hier die Jahreszeit und leicht auch den inhaltlichen Schwerpunkt. Es geht nicht mehr darum, die Hitze gut wegzustecken. Es geht darum, eine kalorienreichere Nahrung und größere Inaktivität ohne Nebenwirkungen zu bewältigen.

Eine praktische Denkhilfe, um etwas systematisch abzuwandeln, ist Osborns Checkliste. Diese und andere Kreativitätstechniken stelle ich Ihnen ausführlich in meinem Kurs „Kreatives Denken leicht gemacht“ vor.

5. Neue Kombinationen finden

Wie Sie mit neuen Kombinationen origineller werden, hatte ich bereits in Punkt 3 erwähnt. Sie können das Ganze auch weniger assoziativ und zufällig, sondern gleich gezielt angehen.

So kombiniere ich zum Beispiel zwei Themen wie Lernen und Schreiben und mache daraus Artikel wie „Lernen durch Schreiben“ oder „Mit Geschichten lernen“.

Ähnlich funktioniert ein Artikel wie dieser, der gleichzeitig die Themen Originalität für Ideen und für Texte verfolgt.

6. Etwas hinzufügen

Auch das ist eine Möglichkeit, sich abzuheben und etwas Besonderes zu erschaffen oder zu schreiben: Sie fügen einer vorhandenen Ausgangsbasis etwas Neues hinzu.

Ein Beispiel dafür ist mein Artikel „Kreativ Konflikte lösen“. Zum Thema Konfliktlösung gibt es bereits diverse Artikel oder Bücher. Mein Artikel hat die besondere Note, alles stark unter dem Aspekt Denkfehler, Wahrnehmungsfehler, Kreativitätstechniken und so weiter zu sehen. Das sind Zusätze, die das bekannte Thema bereichern.

7. Spektakulär sein wollen

Das ist vielleicht die auffallendste Möglichkeit, originell zu sein: Sie suchen nach spektakulären, atemberaubenden, geheimnisvollen oder mysteriösen Ideen.

Fragen Sie sich zum Beispiel: Worüber würden bekannte Boulevard-Zeitungen berichten? Was würde die Nachbarn aufregen? Was würde Klatsch und Tratsch in Gang setzen? Was würde spannend und verlockend sein?

Achtung: Nicht immer ist Originalität nötig oder gar sinnvoll

Bitte achten Sie darauf, wann und wo originelle Ideen und Texte wirklich Sinn haben. Um jeden Preis originell sein zu wollen, kann sich auch als Fehlschuss erweisen.

Um ein Beispiel zu nehmen: Die Titel meiner Artikel könnten sicher kreativer und origineller sein. Doch manchmal kann man auch zu originell schreiben.

Ein Titel muss meines Erachtens in erster Linie anziehen und neugierig machen. Er muss dem Leser einen konkreten Nutzen versprechen. Er muss ihm sagen: „Schau mal, wenn du das hier liest, wirst du das und das lernen / Neues erfahren usw. Hier geht es um das und das Thema.“

Manchmal geht das auch über eine Frage oder ein angedeutetes Geheimnis. Doch keinesfalls sollte der Titel selbst ein Rätsel aufgeben. Der notorisch flüchtige Surfer wird nur selten die Zeit investieren und einem Titel folgen, der ihm nichts sagt und nichts zu bieten hat.

Achten Sie auch immer auf Ihre Zielgruppe und deren mögliche Interessen. Ein Geschäftsessen mit Manta-Platte auf der Autobahn-Raststätte trifft nicht jeden Geschmack. Wenn Sie sich auf diese und ähnliche Ideen spezialisieren, sollten Sie sichergehen, dass Ihre Zielgruppe diese Art von Originalität zu schätzen weiß.

Vielleicht weniger „originell sein“ als „passend sein“

Vielleicht sollte man sich auch weniger darum bemühen, originell zu sein, als passend zu sein.

Wie gesagt, Sie haben nichts von Ihren originellen Ideen, wenn diese nicht den Nerv Ihrer Abnehmer, Kunden, Leser und so fort treffen. Sie haben nichts davon, wenn Sie spektakulär sind, aber die falschen Leute anziehen.

Viele machen sich verrückt mit dem Gedanken „ich brauche unbedingt etwas Originelles“. „Ich brauche die perfekte originelle Grußformel, das Geschäftsessen mit dem einzigartigen Kick.“

Ich finde es zum einen wichtiger, authentisch zu sein und das zu wählen, was zu einem selbst passt. Immerhin ist es auch das, was der andere von uns bekommt. Also sollte er auch genau das sehen. Sonst stehen späteren Enttäuschungen Tür und Tor offen.

Und ich finde es wichtiger, mich in den anderen einzufühlen und ihm das zu bieten, was ihn vermutlich interessieren wird. Je größer mein Nutzen für jemanden ist, desto wohlwollender wird er mir gegenüberstehen.

Dazu muss man aber selbstständig denken können

Es versteht sich von selbst, dass man dafür seinen Verstand nicht abschalten sollte. Wer zusammen mit vielen anderen vorgefertigte „originelle Produkte“ kauft, ist alles, nur nicht unbedingt originell. ;-)

Es geht nicht darum, auf Teufel komm raus originell zu sein. Es geht darum, seinen eigenen Standpunkt, seine eigenen Lösungen, Texte und Produkte zu finden. Selbstständiges Denken, ungewöhnliche Lösungen und einfallsreiche Texte hängen eng zusammen.

Warum nicht einfach: Man selbst sein?

Deshalb schlage ich vor: Haben Sie den Mut, Sie selbst zu sein. Bleiben Sie authentisch. Stehen Sie zu Ihrer eigenen Note, Ihrem Ansatz, Ihrer Handschrift, Ihrer Mischung und Ihrem Stil.

Da wir alle verschieden sind, ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch, dass wir damit auch originell sind. Nämlich anders als die meisten anderen. Mmh? ;-)

© 2010 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 13.08.2010

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