Bleiben Sie auf dem Laufenden:
Newsletter lesen »
Feed lesen »




Viele von uns leiden an Redeangst und machen Qualen durch, wenn sie vor anderen Menschen reden sollen. Egal, ob in Studium und Beruf, als Trainer in Seminaren oder als Autor auf Lesereise. Und ich kann Ihnen diese Angst auch nicht nehmen. Aber vielleicht fällt es Ihnen mit den folgenden 7 Tipps etwas leichter.

Wenn man die Leute fragt, was sie so alles in Angst und Schrecken versetzt, dann gehört dies zu den Favoriten: Sich vor andere Menschen hinzustellen und ihnen etwas zu erzählen.

Diese sogenannte Redeangst sucht alle heim: Ob im Studium, wenn man ein Referat halten muss. Oder im Beruf, wenn es eine Präsentation sein soll. Oder etwa als Autor auf Lesereise.

Selbst Krankheit oder Tod jagen den Menschen weniger Angst ein als der Gedanke, womöglich ausgelacht zu werden oder zu versagen.

Nun bin ich selbst zwar auch nicht gerade ein „Held des Blitzlichtgewitters“.

Andererseits habe ich, bevor es mich ins Internet verschlagen hat, durchaus „auf der Bühne gestanden“ und vor Leuten gesprochen. Ob’s das Schul- und Kirchentheater war, Vorlesungsstunden und Vorträge, Seminare … Immer wurde vor anderen gesprochen. 😉

Und ich kann Sie beruhigen: So schrecklich ist die Sache gar nicht. Oder sie muss es zumindest nicht sein. Dafür habe ich hier ein paar Tipps für Sie.

1. Auch andere haben Redeangst

Machen Sie sich eines klar: Sie sind nicht allein. Statistiken zufolge leiden etwa 40 Prozent aller Menschen an Redeangst. Und das sogenannte Lampenfieber sucht die meisten von denen heim, die sich auf eine Bühne trauen. Das ist völlig normal. Das geht mir auch so.

Bei jedem „Auftritt“ macht man sich vorher verrückt. Aber sobald der Vorhang sich hebt, ist zumindest der Profi in seiner Rolle drin. Bis zum nächsten Mal … dann macht man sich wieder verrückt. 😉

2. Geben Sie Lampenfieber und Redeangst zu

Verdrängen Sie Ihre Ängste nicht. Versuchen Sie auch nicht, den abgebrühten Helden zu spielen. Damit setzen Sie sich nur selbst unter Druck, bis Sie so blockiert sind, dass gar nichts mehr geht.

Gegenvorschlag: Geben Sie’s doch zu, dass Sie nervös oder aufgeregt sind. Wenn Sie können, machen Sie einen Witz daraus. Ihr Publikum wird verständnisvoll nicken, mitlachen – und das Eis ist gebrochen.

Mehr noch, Sie haben binnen Sekunden eine Bindung zum Publikum aufgebaut. Das sind jetzt keine Wildfremden mehr, die Ihnen etwas wollen. Das sind Leute, mit denen Sie gelacht haben oder die Sie verstehen. Da redet es sich viel leichter.

3. Bereiten Sie sich gut vor

Man könnte es vielleicht so formulieren: Ziehen Sie nie unvorbereitet in die Schlacht. 😉 Selbst spontane Impulsredner sind zumindest Experten darin, zu reden und ein Publikum mitzureißen. Wenn Sie vor anderen stehen und nicht wissen, was Sie jetzt tun sollen, ist das die ideale Voraussetzung für eine Blockade.

Ich selbst bereite zum Beispiel zuhause die Inhalte gut vor, erfasse das Wichtigste mit einem Exzerpt und übertrage ausgewählte Schlagworte davon auf eine Karteikarte.

Danach lerne ich nach Möglichkeit den roten Faden von Vortrag und Co. auswendig, und sehe zu, dass ich auch zumindest einige Beispiele zur Auflockerung im Kopf habe.

(Wobei ich zugebe, dass ich besagte Karteikarten und roten Faden auch durchaus noch mit in den Vortrag nehme. Meistens reicht es schon, sie einfach als „mentale Unterstützung“ dabei zu haben. So wie der Regenschirm an Bord in der Regel den Regen verhindert. ;-))

4. Üben und trainieren Sie Ihre Rede oder Ihren Vortrag

Das gehört noch zu der Vorbereitung, wenn auch nicht inhaltlich, sondern methodisch. Üben Sie Ihre Rede oder Ihren Vortrag zuhause zumindest schon mal grob ein. Das schafft Sicherheit und Vertrauen.

Reden Sie mit der Luft, einem Spiegel oder einem guten Freund. Spielen Sie den Ernstfall durch. Lächeln Sie sich im Spiegel an.

(Später wird das das Publikum sein. So arbeiten Sie nicht nur an Ihrer Ausstrahlung. Sie steigern auch Ihr Selbstvertrauen. Denn Lächeln ist ansteckend und verbreitet Optimismus. Und wenn Sie sich selbst anlächeln, sind Sie selbst optimistisch. Das ist ein alter Trick aus dem Vertrieb.)

Gehen Sie im Raum auf und ab, „verkanten“ Sie sich nicht hinter einem Tisch. Auch später sollten Sie sich nach Möglichkeit nicht ständig hinter einem Pult oder Ähnlichem verstecken. Gehen Sie aufrecht und mit geradem Rücken. Mit dieser Haltung strahlen Sie Selbstbewusstsein aus. Und sie löst Ihre Stimme.

5. Arbeiten Sie an Ihrer Einstellung

Denken Sie daran: Es ist alles eine Frage der Einstellung. Wenn Sie mit Horrorgedanken oder Widerwillen in Ihre Rede gehen, dürfte das nicht allzu förderlich sein.

Freuen Sie sich lieber auf die einmalige Gelegenheit, den Auftritt Ihres Lebens hinzulegen und alle Welt von sich zu begeistern. 😉

Visualisieren Sie, wie Sie erfolgreich Ihre Rede oder Ihren Vortrag halten. Wie Sie locker durch Ihr Thema kommen. Wie Sie gekonnt die Fragen aus dem Publikum beantworten. (Wozu sind Sie Experte auf Ihrem Gebiet?)

Rufen Sie sich dazu auch erfolgreiche Beispiele aus der Vergangenheit in Erinnerung. Schreiben Sie sich Lob und wohlwollende Kommentare auf, und gehen Sie sie im Geist immer wieder durch. Das baut auf, und schafft ebenfalls Sicherheit und Vertrauen.

Extra-Tipp 1: Haben Sie Fantasie? Sind Sie schauspielerisch veranlagt? Dann schlüpfen Sie in Ihrer Vorstellung in eine andere Haut. Legen Sie Ihre Bedenken ab und stellen Sie sich vor, ein gefeierter Redner zu sein. Genießen Sie Ihren Auftritt. (Doch, das geht. ;-))

Extra-Tipp 2: Natürlich kann es auch nicht schaden, wenn Sie vom Vortragsstoff selbst begeistert sind. Suchen und entwickeln Sie diese Begeisterung, wo Sie nur können.

6. Halten Sie Ihre Stimme geschmeidig

Meine Stimme ist von Natur aus nicht die kräftigste. Und die Anspannung einer Redesituation kann unsere Muskeln in Hals und Kehlkopf zusätzlich verkrampfen. Neben einem professionellen Stimmtraining können Ihnen da ein paar Tricks helfen:

  • Lutschen Sie vor der Rede oder in Pausen Hustenbonbons.
  • Kauen Sie vorher oder in Pausen Kaugummi, um die Verkrampfung zu lockern. Damit werden übrigens auch Ihre beanspruchten grauen Zellen wieder etwas munterer.
  • Stellen Sie sich ein Glas Wasser auf das Rednerpult und nippen Sie gelegentlich daran.

7. Brechen Sie das Eis und holen Sie sich Halt

Ich hatte es oben schon erwähnt: Suchen Sie den Augenkontakt zum Publikum. Reden Sie nicht mit der Wand, meiden Sie nicht krampfhaft die Blicke der anderen.

A) Werden Sie sich mit dieser Einstellung vom „unheimlichen Gegner“, dessen Blicke es zu meiden gilt, nicht gerade wohl fühlen. Und B) vergeben Sie Sympathiepunkte.

Sehen Sie die Leute an, lächeln Sie sie an. Die meisten lächeln zurück, und schon ist das Eis gebrochen.

Extra-Tipp 1: Nutzen Sie auch die „Warm-up-Phase“ vor Ihrem eigentlichen Auftritt. Bauen Sie einen Kontakt zu den Leuten auf, die langsam in den Raum strömen. Da fällt mir ein Trainer ein, der vor der ersten Kursstunde immer mit einer Schale voll Bonbons durch den Raum ging. Auch das bringt Sympathiewerte und baut die Anspannung ab.

Und bitte: Bewegen Sie sich durch den Raum. Und sei es nur ein wenig um das Pult herum. Auch das lockert auf.

Wenn Sie sich an etwas (metaphorisch) festhalten wollen, machen Sie es wie ich: Nehmen Sie einen Stift in die Hand. (Den habe ich eigentlich immer für Notizen oder Ähnliches dabei.) Halten Sie Ihre Karteikarten mit den wichtigsten Schlagworten fest. Und Ähnliches mehr. All das bietet Ihnen ganz leichten Halt, ohne zu verkrampfen.

Extra-Tipp 2: Auch Abbildungen, Medien und andere Gestaltungsmittel sind nicht nur gut, um Ihre Rede oder Ihren Vortrag visuell zu unterstützen beziehungsweise Ihre Aussagen zu veranschaulichen. Sie bieten ebenfalls wieder einen gewissen Halt. Denn so sehen die Leute nicht permanent Sie an, sondern werfen auch immer wieder einen Blick auf die Abbildungen. Zudem verschafft Ihnen das eine Atempause, in der Sie die Bilder wirken lassen können.

(Machen Sie daraus aber keine mediale Light-Show. Ihr Bildmaterial soll unterstützen, nicht ablenken.)

Redeangst und Lampenfieber haben auch ihre Vorteile

Noch einmal: Redeangst und Lampenfieber sind völlig normal. Sie gehören zu einem gewissen Grad einfach dazu.

Sie haben sogar ihre Vorteile. Sie halten Ihre Sinne wach und Ihre Konzentration aufrecht. Und sie führen dazu, dass Sie Ihr Bestes geben. Nichts ist schlimmer als eine Rede, in der der Redner gelangweilt vor sich hin nuschelt und sein Publikum langsam, aber sicher einschläfert.

Manchmal muss man sich einfach trauen. In den meisten Fällen werden Sie feststellen, dass Ihre Angst völlig unnötig war.

In diesem Sinne: Viel Erfolg beim Reden.

© 2010 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 29.01.2010

Möchten Sie meinen Beitrag weiterempfehlen? Dann sage ich mal: Danke. :-)