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15 Redefiguren, mit denen Sie Ihren Schreibstil verbessern

von Heike Thormann

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In der Antike wurden sie noch fleißig studiert, die rhetorischen Figuren. Heute wissen nur noch wenige, wie man sie gebraucht. Dabei bereichern sie nicht nur Reden, sondern auch Texte. Sie lassen sie abwechslungsreicher und lebendiger werden. Hier habe ich ein paar Beispiele für Sie.

I: Rhetorische Figuren für das Spiel mit Buchstaben und Worten

Alliteration

„Veni, vidi, vici“ ist eine – Caesars oft zitierter Ausspruch „ich kam, sah und siegte“. Aber auch die „angelnden Angsthasen“ sind eine – mein Übungsbeispiel aus meinem Online-Kurs Kreativ Schreiben lernen. Beides sind Alliterationen. Das heißt, zwei oder mehrere (meist, aber nicht immer) aufeinander folgende Worte, die mit demselben Buchstaben beginnen.

Achtung: „Singende Schwalben“ oder Ähnliches sind streng genommen keine Alliteration, weil sie nicht mit demselben Anlaut beginnen und unterschiedlich ausgesprochen werden.

Allusion

Manchmal sagt bekanntlich ein Bild mehr als tausend Worte. Aber noch besser ist es, wenn Sie Worte finden, die bestimmte Bilder im Kopf erzeugen – und weitere Worte überflüssig machen. ;-)

Anspielungen auf Allgemeinwissen gehören dazu. Wenn Sie sie passend in den Text einbauen, können Sie sich weitere Erklärungen sparen und gleichzeitig den Leser zum Mitdenken einladen. (Beispiel: Genau wie einst die Mauer ein Land teilte, so …)

Anapher

„Weihnachten ist zwar mittlerweile zu einer einzigen Konsum-Offensive geworden, Weihnachten ist aber auch für viele …“ – Bei einer Anapher beginnen Sie mehrere aufeinander folgende Sätze oder Satzteile mit demselben Wort oder Ausdruck. Nützlich ist diese Technik vor allem, wenn Sie (scheinbare) Gegensätze herausarbeiten oder etwas besonders betonen wollen.

Antimetabole

Noch eine Wiederholung von Wörtern, aber dieses Mal in veränderter Satzstellung. (Beispiel: Wir leben nicht, um zu arbeiten. Wir arbeiten, um zu leben.)

Antithese

Eine weitere Möglichkeit, Gegensätze herauszuarbeiten oder zu betonen, ist die Antithese. Was beim Beispiel für die Antimetabole eher Zufall war, ist hier Absicht: Bewusst Gegensätze zu erzeugen oder zu verbinden, damit der Leser aufmerksamer liest und mitdenkt. (Beispiel: Wir haben heute viel gelernt – aber davon nur wenig behalten. ;-) )

Epizeuxis

Sie sehen schon, Wiederholungen sind ein beliebtes Sprachmittel. So auch bei der Epizeuxis. Hier wiederholen Sie ein Wort in einem Satz, greifen es wieder auf oder führen es verstärkend mehrfach an. (Beispiel: Er rennt und rennt und rennt … Oder: Er versuchte es, er versuchte es immer wieder und setzte sich schließlich durch.)

Metapher

Eine Metapher ist ein Sprachbild. Mit ihr können Sie die Vorstellungskraft und die Sinne Ihrer Leser anregen.

Dabei kann sie „klassisch“ durch die Verbindung von zwei ursprünglich getrennten Begriffen zu einem bildhaften neuen entstanden sein. (Beispiel: Wieselflink, aus

Wiesel und flink.) Oder Sie erzeugen mit ihr ein Bild und übertragen das auf einen anderen Kontext (Zusammenhang). (Beispiel: Jemandem das Wasser reichen können.)

Onomatopoie

Bei der Onomatopoie versuchen Sie, Geräusche mit lautmalenden Wörtern wiederzugeben. (Beispiel: Das Haus ächzte unter der Last seiner Jahre.) Auch so sprechen Sie wieder die Sinne Ihrer Leser an und erzeugen ein „Bild“.

Oxymoron

Und noch eine Kombination von Gegensätzen: Beim Oxymoron bringen Sie Worte zu einem neuen Ausdruck zusammen, die sich eigentlich logisch widersprechen. (Beispiel: Vielsagende Stille.)

Vergleich

Der Vergleich ist sozusagen eine Vorstufe zur Metapher. Auch hier kombinieren Sie zwei Begriffe oder Dinge. Allerdings verschmelzen Sie sie nicht wie bei der Metapher. (Beispiel: Wieselflink.) Sie vergleichen sie miteinander. (Beispiel: Flink wie ein Wiesel. Signalwort auch immer das „wie“.)

II: Rhetorische Figuren für das Spiel mit Aussagen und Sätzen

Abschwächung

Ich tue es gelegentlich in meiner Schrift-Kommunikation: Öfter ein „vielleicht“ oder andere Formen der Verkleinerung und Abschwächung einstreuen, als gut für den Text wäre.

Ich tue es dennoch. A) Um manchmal Ironie oder Selbstironie auszudrücken. Vor allem aber B) aus Höflichkeit und C) um beispielsweise im Kurs gegenüber Teilnehmern nicht wie ein „das weiß ich besser als du“-Experte zu klingen. Hier schwäche ich bewusst ab, um deutlich zu machen: Meine Kommentare sind Möglichkeiten und Perspektiven, keine absoluten Wahrheiten.

Andere Formen der Abschwächung wären zum Beispiel: „Das sehe ich doch etwas anders.“ (Statt klar zu sagen, dass man es anders sieht.) Oder man kann natürlich mit Konjunktiven („hätte, würde, pp.“) und Ähnlichem arbeiten.

Extra-Tipp Litotes: Umkehren und abschwächen

Bei dieser Form der Abschwächung verneinen Sie das Gegenteil von etwas, um Ihre Aussage nicht so hart klingen zu lassen. (Beispiel: Das ist aber nicht gerade billig. Statt: Das ist ganz schön teuer.)

Hyperbel (Übertreibung)

Logisch, wenn Sie Ihre Aussagen abschwächen können, können Sie sie auch übertreiben. Meist macht man das, um seiner Aussage mehr Gewicht zu geben. Achten Sie nur darauf, diese Redefigur nicht in jedem zweiten Satz zu nutzen. Der Effekt nutzt sich schnell ab, und der Leser kann der ständigen „Aufschneidereien“ bald überdrüssig werden. (Beispiel: Ich war so schnell – die haben nur noch meine Rauchfahne am Himmel gesehen.)

Klimax

Auch diese Stilfigur nutze ich gern: Mehrere Begriffe oder Satzelemente in aufsteigender Reihenfolge zu ordnen, um eine Abfolge wiederzugeben, die Wirkung zu steigern oder einem Höhepunkt zuzustreben. Caesars „veni, vidi,vici“ von oben ist ein schönes Beispiel dafür. (Also übersetzt etwa: Ich kam, sah und siegte.)

Parallelismus

Dieses Stilmittel haben Sie ebenfalls bei den Beispielen schon mehrfach gesehen, ohne es allerdings wohl als solches registriert zu haben: Der parallele Satzbau. (Beispiel: Wir haben heute viel gelernt – aber davon nur wenig behalten. Oder natürlich Caesars Ausspruch: Ich kam, ich sah, ich siegte.)

Dank der einheitlichen Struktur kann sich der Leser besser auf den Inhalt konzentrieren und diesen schneller erfassen oder sich einprägen.

Rhetorische Frage

Zu rhetorischen Fragen greift man, wenn man die Antwort (meist nur „ja“ oder „nein“) schon als selbstverständlich voraussetzt.

Diese Redefigur ist nicht unproblematisch. Nicht umsonst bedient man sich ihrer in der Politik genauso gern wie in der Werbung und bei Verkaufsgesprächen. (Beispiel: Sie wollen Ihre Lieben doch bestmöglich versichert wissen?) Wer nicht aufpasst, kann leicht ein Opfer von Manipulationsversuchen werden.

Andererseits gilt das für fast alle Redefiguren. Sie alle wollen die Aufmerksamkeit des Lesers erhalten, steigern oder lenken. Welchen Gebrauch man von ihr macht, liegt am Einzelnen selbst.

Sie sind auf jeden Fall gute Hilfsmittel, wenn Sie Ihre Texte abwechslungsreicher gestalten, lebendiger schreiben oder mit Ihren Argumenten besser überzeugen wollen.

Nutzen Sie sie – verantwortlich und mit Maß.

© 2009 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 20.08.09

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