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Reframing: Probleme kreativ umdeuten und lösen

Sind Sie sicher, dass Ihr Problem ein Problem ist? Haben Sie schon versucht, die Brille zu tauschen oder aus einer Schwäche eine Stärke zu machen? Nein? Dann üben Sie mit Reframing das kreative Umdeuten und holen Sie sich Ihre Lösung.

Sagen Sie, kennen Sie die Sache mit dem halb leeren und dem halb vollen Glas? Sie wissen schon: Wenn man es entweder bedauert, dass schon die Hälfte seines Lieblingsgetränks weg ist, oder man sich im Gegenteil darüber freut, dass noch die Hälfte auf einen wartet.

Normalerweise wird dieses Beispiel gern genommen, um einem das positive Denken näher zu bringen. Nach dem Motto: Nun reg Dich nicht so auf, sieh es von der positiven Seite und freu Dich darüber, dass Du immerhin noch ein halb volles Glas hast.

Aber so möchte ich es hier nicht gebrauchen. Mir geht es nicht darum, in allem nur das Positive zu sehen. Mir geht es darum, wie sehr unsere Sichtweise doch unser Leben und Handeln bestimmt – und wie wir unsere Sichtweise formen und damit Lösungen finden können.

Mit kreativem Umdeuten in einem anderen Licht sehen

Ein Beispiel

Eine Teilnehmerin hielt sich für nicht ganz normal und grämte sich, weil sie, im Gegensatz zu ihren Freunden und Bekannten, keinen Kontakt mehr zu ihren früheren Beziehungen haben wollte. Sie machte sich Vorwürfe und fragte sich, was mit ihr nicht stimme, dass sie dazu nicht in der Lage war.

Erleichterung brachte ihr dann meine Frage, ob sie diesen Abstand vielleicht einfach brauche. Als Neubeginn, als Zeichen, etwas abgeschlossen zu haben und nun weitergehen zu wollen.

Eine einfache Frage, eine andere Perspektive, und sie fing an, sich in einem anderen Licht zu sehen. „Meisterin im kreativen Umdeuten“ nannte sie mich – nach diesen und ähnlichen Begebenheiten – daraufhin. *schmunzel*

Oder anders formuliert: Vieles ist eine Frage der Perspektive oder Blickrichtung. Wie wir etwas sehen (das Beispiel der Freunde) oder welche Fragen wir stellen (warum kann ich das nicht), produziert entsprechende Lösungen (in diesem Fall: Frust über eine bestimmte Situation).

Eine Perspektive oder Blickrichtung können wir aber auch ändern, etwas damit „umdeuten“.

Den Rahmen tauschen und eine Situation verändern

Eine Methode, die dieses „kreative Umdeuten“ bewusst fördert, ist das Reframing.

An und für sich ist Reframing aus dem NLP (Neurolinguistischen Programmieren) bekannt. Es kommt aber auch in der Psychotherapie vor oder einfach als Kreativitätstechnik.

Das Prinzip dahinter: Beim Reframing tauschen Sie schlicht den Rahmen (frame) aus.

Denn so wie ein Bilderrahmen ein Bild verschönern oder ihm den letzten Rest geben kann, so kann auch der (Bezugs-) Rahmen Ihrer Gedanken und Interpretationen ein und dieselbe Situation völlig verändern.

Dabei gibt es verschiedene Formen von Reframing. Die zwei häufigsten sind das Bedeutungs-Reframing und das Kontext-Reframing.

Bedeutungs-Reframing: Mit neuer Brille anders sehen

Beim Bedeutungs-Reframing gehen Sie so vor, wie ich bei meiner Teilnehmerin aus dem Beispiel von oben: Sie versuchen, einer Sache eine andere Bedeutung zu geben.

Also: Sie können sich für unnormal halten, weil Sie Ihren Ex-Partner nicht wiedersehen wollen. Sie können das aber auch als positive Orientierung auf die Zukunft bewerten.

Oder: Sie können schlaflose Nächte damit verbringen, sich für einen von zwei angebotenen Jobs zu entscheiden. Sie können sich aber auch von der Vorstellung freimachen, sich entscheiden zu müssen, beide (da offenbar nicht zugkräftig genug) in den Wind schießen und sich einen dritten suchen.

Die Situation selbst ändert sich dadurch nicht. Aber Sie ändern Ihre Interpretation derselben.

Kontext-Reframing: Mit neuem Umfeld anders wirken

Beim Kontext-Reframing ändern Sie nicht die Bedeutung oder Interpretation einer Sache, Sie ändern deren Umfeld (Kontext).

Beispiel: Sie sind ein Mensch der Tat, immer an vorderster Front dabei. Verwaltungsaufgaben langweilen Sie nur. Das Problem ist, dass Ihre Beförderung Ihnen genau diese Aufgaben in erhöhtem Maße beschert hat. Was nun?

Ändern Sie den Rahmen. Überlegen Sie, wo Sie Ihren Tatendrang besser einsetzen können. Oder auch: Verzichten Sie auf Ihre Beförderung und lassen Sie sich rückstufen.

(Ich gebe zu, eine meiner Lieblingsszenen aus Star Trek ist die, wo Captain Kirk endlich seine ungeliebte Beförderung zum Admiral wieder loswird und auf die Brücke der Enterprise zurückkehrt. ;-))

Sie sehen das Prinzip? Ein Problem muss nicht immer ein Problem sein. Es kommt auf Umfeld und Zusammenhang an. Ihre Aufgabe ist es, ein Umfeld zu finden, in dem Ihr Problem kein Problem mehr ist oder sogar zu einer Stärke wird.

Kreatives Umdeuten setzt dort an, wo normale Lösungsversuche oft versagen.

Wenn Sie sich nicht dazu bringen können, mit Ex-Partnern Kontakt zu halten oder an Verwaltungsaufgaben Spaß zu haben, dann fragen Sie sich als Erstes mal, ob das überhaupt nötig ist. Ändern Sie Sichtweise und Zusammenhang. Dann haben Sie auch Ihre Lösung.

© 2008 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 25.08.2008

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