Bleiben Sie auf dem Laufenden:
Newsletter lesen »
Feed lesen »




Neun Tipps, wie Sie Ihre Schreibblockade überwinden

Überall wird geschrieben, egal, ob in Alltag, Studium oder Beruf. Jedenfalls meistens. Denn Schreibblockaden können nicht nur gestandene Autoren schrecken, sondern alle lähmen, die einen Stift oder eine Tastatur in die Hand nehmen. Wenn nichts mehr geht und Ihre Texte nicht wollen, versuchen Sie es einmal mit den folgenden Tipps.

[Anmerkung: Hier finden Sie eine Checkliste, die Sie nach den Ursachen Ihrer Blockaden suchen lässt – Checkliste Schreibblockaden.]

Egal, ob Sie Hobbyautor oder Profischreiber, Blogger oder Student, Selbstständiger im Kampf mit Produktbeschreibungen oder Angestellter mit Kundenkontakt sind: Überall wird geschrieben.

Damit können Sie aber auch vom gleichen Phänomen heimgesucht werden, das alle treffen kann, die einen Stift oder eine Tastatur in die Hand nehmen: Von einer Schreibblockade.

Wenn nichts mehr geht und Ihre Texte nicht wollen, versuchen Sie es einmal mit den folgenden Tipps. Vielleicht fällt Ihnen das Schreiben dann etwas leichter.

Schreiben Sie über Ihre Blockade.

Erster Schritt, wenn eine Schreibblockade Sie lähmt – schreiben Sie darüber. Und nein, das ist kein Witz. Setzen Sie sich an Ihren Rechner und legen Sie los. Schreiben Sie, dass Sie gerade entsetzlich blockiert sind, Ihnen absolut nichts einfallen will, die leeren Seiten Sie angähnen und Sie am liebsten die Beine in die Hand nehmen würden.

Lassen Sie alles raus und jammern Sie ohne Punkt und Komma. Damit haben Sie nicht nur festsitzenden Frust abreagiert, sondern sind auch gleichzeitig – Überraschung – ins Schreiben gekommen. Von hier zum eigentlichen Text ist es dann nur noch ein kleiner Schritt.

Schreiben Sie just for fun.

Auch ein Tipp, der in Richtung Psyche geht: Blenden Sie die Tatsache aus, dass Ihr Text womöglich von xx Menschen gelesen werden wird. Stellen Sie sich vor, dass Sie nur für sich und den Hausgebrauch schreiben. Also kein Grund zur Aufregung. Wenn es nichts wird, hat es ja keiner gesehen.

Damit nehmen Sie dem Schreckgespenst Veröffentlichung den Wind aus den Segeln. Denn oft sind es der Gedanke an das Urteil der anderen und unser eigener Perfektionsdrang, die uns daran hindern, in die Tasten, pardon, die Tastatur zu hauen.

Wir wollen möglichst gut schreiben, keine Fehler machen, keine Kritik ernten – mit dem Ergebnis, überhaupt nicht mehr zu schreiben. Deshalb: Denken Sie daran, Sie schreiben nur für sich und just for fun. Erst Ihr zweites Ich nimmt dann die Überarbeitung vor und stellt Ihren Text einem potenziellen Millionenpublikum zur Verfügung.

Schreiben Sie, wie Sie sprechen.

Tappen Sie nicht in die Falle zu glauben, für richtige Texte auch richtig schreiben zu müssen. Zu viele von uns schleppen die Überzeugung mit sich, dass ein Text sich keinesfalls anhören dürfe, als ob man sich gerade mit Lieschen Müller unterhalten hätte. Aber das Einzige, was Sie mit der Jagd nach „gehobener“ Sprache erreichen, sind Behördendeutsch – und Blockaden.

Also, schreiben Sie so, wie Sie sprechen. Verknoten Sie Ihre Hirnwindungen nicht mit Amtssprache und seelenlosen Phrasen. Das produziert nicht nur einen Gedankenstau und die schon erwähnten Blockaden. Auch Ihre Texte können von einem natürlichen, lebendigen Tonfall nur profitieren.

Vermenschlichen Sie Ihre Inhalte.

Manche Themen haben es an sich, etwas schwer verdaulich zu sein. Technische Details oder Produktbeschreibungen zum Beispiel. Wenn Sie für diese Dinge glühen, mag es Ihnen noch leicht fallen, Begeisterung zu zeigen. Wenn Sie mit ihnen nur Ihr Geld verdienen, mitunter schon weniger.

Mangelnde Begeisterung ist aber auch eine prima Eintrittskarte für Blockaden. Die Lösung: Verleihen Sie Ihren Produkten menschliche Eigenschaften. Machen Sie aus einer Datenbank ein wandelndes Lexikon oder aus Ihrer Gebrauchsanweisung einen fleißigen Helfer.

Eher trockene Themen, die sonst nur Anhänger und Experten begeistern, werden so von einem breiten Publikum verstanden. Und die vertraute Alltagssprache hilft Ihnen, sich mit Ihren Produkten zu identifizieren – und Blockaden vorzubeugen.

Recherchieren Sie nicht zu viel und nicht zu wenig.

Die wenigsten Texte dürften völlig frei aus dem Kopf entstehen. Immer ist die eine oder andere Recherche nötig, muss Material gesichtet und verarbeitet werden. Wenn Sie hier zu viel Stoff sammeln, kostet Sie das Zeit und womöglich den Überblick. Wenn Sie sich mit zu wenig begnügen, müssen Sie mit Ihrem Text mühsam auftauchende Fragen beantworten und Lücken füllen.

Versuchen Sie, einen goldenen Mittelweg zu finden. Arbeitstechniken wie Mind Mapping können Ihnen helfen, Struktur in das Chaos zu bringen. Und sich die Ziele Ihres Textes vor dem Schreiben vor Augen zu führen, macht es Ihnen leichter, passende Inhalte zu besorgen.

Schreiben Sie in Schüben.

Texte fallen nicht vom Himmel und fließen auch nicht druckreif aus Ihrer Feder. Schreiben ist ein Prozess. Blockieren Sie sich nicht selbst mit dem Anspruch, dass jedes Wort auf Anhieb sitzen muss.

Schreiben Sie deshalb in mehreren Schüben. Schreiben Sie möglichst ungebremst Ihren Rohtext herunter und überarbeiten Sie dann. Oder produzieren Sie verschiedene Fragmente und fügen Sie diese zusammen. Wie bei einem Puzzle.

Wenn Sie Ihre Von-Null-auf-Hundert-Erwartungen aufgeben, verschwinden auch Ihre Blockaden. Und nach und nach erscheint der druckreife Text.

Schreiben Sie regelmäßig.

Kennen Sie das Sprichwort „Übung macht den Meister“? Was für Sport und Co. gilt, gilt auch fürs Schreiben. Je öfter und regelmäßiger Sie schreiben, desto leichter wird es Ihnen fallen.

Nützlich kann es hier sein, feste Gewohnheiten zu entwickeln. Legen Sie sich zum Beispiel bestimmte Schreibzeiten oder Textmengen zu. Schreiben Sie also etwa jeden zweiten Tag mindestens eine Stunde lang oder produzieren Sie zwei Seiten Text.

Wichtig ist, dass Sie das Ganze konsequent einhalten. Rituale schenken Ihnen nicht nur Sicherheit und Vertrautheit. Umso besser werden auch Ihre Texte.

Schreiben Sie an Ihrem Lieblingsplatz.

Schreiben kann mühsam und richtige Schwerstarbeit sein. Ihr Gehirn muss gerade mehrere Dinge gleichzeitig tun, und diverse Erwartungen können Ihnen im Nacken sitzen. Umso mehr ein Grund dafür, es sich beim Schreiben zumindest so bequem wie möglich zu machen. Eine Umgebung, in der Sie sich wohlfühlen, hat nachweisbar eine positive Wirkung auf Ihr Denkvermögen und Ihre Kreativität.

Finden Sie deshalb heraus, wann, wo und womit Sie am liebsten schreiben. Wenn Sie nicht gern am Schreibtisch arbeiten, dann lassen Sie es. Legen Sie sich mit Ihrem Laptop aufs Sofa oder wandern Sie in den nächsten Park. Wenn Sie ein Morgenmuffel sind, dann versuchen Sie, Ihre Kernarbeit in die Nachmittags- oder Abendstunden zu legen. Und wenn Ihnen das graue Rechner-Einerlei auf die Nerven geht, dann greifen Sie zu farbigeren Alternativen.

Und nicht zu vergessen: Lassen Sie sich nicht ablenken. Anregung ist zwar gut für Ihr Schreiben. Aber die ständige Beanspruchung durch die lieben Mitmenschen, Telefon, eMail, Fax und Co. schon weniger. Ziehen Sie sich lieber für gewisse Zeiten zurück und arbeiten Sie an Ihren Texten. Danach können Sie dann wieder ins Alltagsgetümmel stürzen.

Versuchen Sie, sich zu entspannen.

Ich sagte es gerade: Beim Schreiben muss Ihr Gehirn Höchstleistung bringen. Das kann es aber nicht, wenn Sie gestresst sind. Denn unter Stress werden die elektrischen Impulse in Ihrem Gehirn behindert. Informationen werden nicht weitergeleitet und Ihre Gedanken bleiben buchstäblich stecken. Das ist nicht nur der Grund für den berühmten Tunnelblick. Das ist auch der Grund für so manche Blockade.

Da hilft nur eines: Setzen Sie bei den Ursachen an und betreiben Sie systematisches Stressmanagement. Je mehr Stressfaktoren Sie ausschalten können, desto besser für Ihr Schreiben. Versuchen Sie, sich zu entspannen. Nicht wenige Texte und Textideen sind schon im Park oder unter der Dusche entstanden. Also da, wo Sie garantiert nicht daran denken – ans Schreiben und Ihre Blockaden. :-)

Dieser Artikel wurde in leicht veränderter Form zuerst veröffentlicht im Dr. Web Magazin, Februar 2008. © 2008 Heike Thormann

Möchten Sie meinen Beitrag weiterempfehlen? Dann sage ich mal: Danke. :-)