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Schreiben fürs Web: 5 Tipps, wie Sie bessere Internettexte schreiben

Was bei Büchern machbar ist, kann bei einem Internettext ein K.O.-Kriterium sein. Umgekehrt kann vieles, was Onlinetexte leicht lesbar sein lässt, auch Druckerzeugnissen wie Büchern nicht schaden. Oder anders formuliert: Fürs Schreiben im Web gelten besondere Regeln, die auch gedruckten Texten gut tun könnten. Aus meiner langjährigen Praxis als Online-Redakteurin habe ich fünf Tipps für Sie.

Ich höre immer wieder das Gerücht, dass im Internet nicht gelesen wird und die Texte deshalb sehr kurz sein müssen. Noch besser wäre es, wenn man sie gleich durch Abbildungen, Videos oder Ähnliches ersetzt. Und zweifellos ist das Internet normalen Büchern darin überlegen, dass es die Nutzung verschiedener Medien erlaubt.

Doch das heißt noch lange nicht, dass im Internet nicht gelesen wird. 😉 Im Gegenteil. Es gibt zwar sicher unterschiedliche Vorlieben. Doch Umfragen zeigen, dass Internetnutzer nach wie vor im Allgemeinen das größte Interesse an (Fach-) Texten, Tutorials und Ähnlichem haben, nicht an Videos. Videos und andere Formate werden als Zusatz gern genommen, doch nicht umgekehrt.

Und auch meine eigene Webseite wird als reine Textseite nach wie vor gut nachgefragt. Auch meine – im Verhältnis – langen, umfassenden Texte werden gern gelesen.

Allerdings gibt es in der Tat einige Besonderheiten, die ein Text im Web erfüllen muss, damit er vom notorisch flüchtigen Surfer angenommen wird. Deshalb habe ich hier 5 Tipps für Sie, wie Sie „fürs Web schreiben“.

Intro: Wie lesen wir eigentlich im Internet?

Internettexte werden anders gelesen als Bücher, Zeitungen und Co. Elektronische Reader sind zwar im Kommen, doch viele Texte lesen wir noch immer am Rechner und am Schreibtisch. Und auch mit dem Laptop auf dem Sofa zu liegen, ist nicht sooo gemütlich, wie wir es vielleicht gern hätten. 😉

Das bedeutet: Wir sitzen relativ unbequem, unsere Augen werden durch die elektronischen Bildschirme belastet und das Ganze hat auch eher den „Ruch“ von Arbeit, nicht von einer netten Sonntagmorgen-Lektüre am Kaffeetisch.

Das führt dazu, dass wir es im Web eilig haben. Wir blättern nicht langsam durch unseren Schmöker. Wir wollen das, was uns interessiert, sofort haben. Wir überfliegen die Texte und „scannen“ sie darauf ab, ob sie nützliche Informationen für uns haben. Wenn nicht, sind wir gleich wieder weg.

Und vor allem halten wir uns nicht lange mit Nebensächlichem auf. Im Web interessieren nach wie vor meistens die Fakten. Unterhaltung und schmückendes Beiwerk kosten uns in unserer anstrengenden Lese-Haltung zu viel Zeit. Wer also fürs Web schreibt, sollte vor allem etwas zu sagen haben und einen konkreten Nutzen bieten. Und das bringt mich gleich zum ersten Tipp.

1. Versuchen Sie, das Wesentliche zu erkennen

Online-Texte müssen nicht kurz sein, doch sie dürfen den Leser auch nicht unnötig Zeit kosten. Kommen Sie deshalb nach Möglichkeit auf den Punkt. Bleiben Sie bei einem Thema, schweifen Sie nicht ab und reden Sie nicht groß darumherum. Denken Sie daran, Ihr Leser hat es eilig und er möchte das, was ihn interessiert, sofort und gut aufbereitet auf dem Präsentierteller haben.

Das ist übrigens etwas anderes als der ebenfalls populäre Tipp, dass man im Netz nur kurze Sätze schreiben dürfe. Man kann auch mit kurzen Sätzen Nichtssagendes schreiben und den Leser langweilen. Und lange Sätze sind völlig in Ordnung, wenn der Satz gut gegliedert ist und man ihm gut folgen kann. Mehr dazu auch in meinem Artikel „Texte besser lesen: Wie lang darf ein Satz sein?“

Beim Wesentlichen geht es eher darum, nur das zu schreiben, was man wirklich sagen will und was für eine bestimmte Zielgruppe interessant sein könnte. Und das ohne lange Einleitung oder mühsame Erklärungen. (Beispiele sind natürlich okay.)

2. Nehmen Sie den Leser an die Hand

Eigentlich sollten Sie einen Leser immer durch einen Text führen. Doch für den flüchtigen Surfer ist es noch wichtiger, dass er eine gute Struktur vorfindet, der er mühelos folgen kann.

Sorgen Sie zum Beispiel für einen roten Faden. Finden Sie etwas, was den Leser wie bei einer Leitplanke führt. Das kann bedeuten, dass Sie mit Ihrer Argumentation auf ein Ziel oder eine These zusteuern. Das können wiederkehrende Elemente wie ein Tipp nach dem nächsten sein, die für eine (optische) Struktur sorgen. (Wie bei diesem Text.) Vielleicht ist es auch eine chronologische Reihenfolge. Es gibt viele Ansätze, wie Sie einen Text strukturieren können.

Mehr dazu zeigt Ihnen auch mein Kurs „Bücher und Texte konzipieren und planen“.

Achten Sie darauf, dass sich eine Information logisch aus der vorherigen ergibt.

Und sagen Sie dem Leser durch prägnante Überschriften und Zwischen-Überschriften, was ihn erwartet. Machen Sie ihn so neugierig und halten ihn bei der Stange.

Manche arbeiten – wie ich – auch noch mit einem kurzen Teaser (etwa „Anreißer“) gleich nach der Überschrift des Artikels. Dieser Teaser fasst kurz zusammen, worum es im Text gehen wird. Damit macht er ebenfalls wieder neugierig. Und er hilft dem Leser, die Spreu vom Weizen zu trennen, also alle Artikel außer acht zu lassen, die voraussichtlich für ihn nicht interessant sein werden.

3. Schreiben Sie einfach und verständlich

Sie sollten eigentlich auch immer möglichst einfach und verständlich schreiben. Doch im Internet ist das ein „muss“, kein „es wäre nett“. Wie gesagt, Zeit ist knapp im Web. Nur wenige werden die nötige Geduld aufbringen, um blumigen, ausschweifenden oder unverständlichen Texten zu folgen.

Schreiben Sie deutlich, konkret und in einer Sprache, die möglichst viele Leser Ihrer Zielgruppe verstehen. Meiden Sie Fremdworte, Umgangssprache, Dialekt und allzu farbige Metaphern, wenn Sie Bedenken haben, dass Ihr „fiktiver Leser“ ihnen nicht folgen kann. Produzieren Sie kein Rätselraten.

Mehr dazu lesen Sie auch in meinem Artikel „Verständlich schreiben nach dem Hamburger Modell“.

Noch etwas: Lassen Sie die Finger von typischer Werbesprache. Das ist eine persönliche Meinung, der sich auch viele Teilnehmer meines Kurses „Texte schreiben für Homepage, Flyer, Broschüre und Co.“ anschließen.

Ich weiß, viele greifen zu Übertreibungen und anderen Tricks, um ihren Artikeln (und Produkttexten) mehr Zugkraft zu geben. Und bei der „Masse“ mag das funktionieren. Doch den aufgeklärten, kritischen Nutzer werden Sie damit nicht erreichen oder es wird sogar ungut ankommen und abschrecken.

4. Lockern Sie optisch auf

Noch einmal: Es ist für das Auge deutlicher anstrengender, am Bildschirm zu lesen. Und der Internetnutzer hat es permanent eilig. Tun Sie daher sich und Ihrem Leser einen Gefallen und lockern Sie Ihre Online-Texte optisch auf. Zwingen Sie ihn nicht, mühsam einer Textwüste zu folgen. Das würde mir schon bei Druckerzeugnissen negativ auffallen, doch am Bildschirm wäre das ein K.O.-Kriterium für den Text. Ich wäre weg.

Dazu haben Sie zum Beispiel folgende Möglichkeiten:

  • Halten Sie Ihre Absätze knapp. Meine Absätze haben beispielsweise in der Regel nicht mehr als 5 oder 6 Zeilen. Manche Leser stören sich zwar daran, auf diese Weise aus dem Lesefluss gerissen zu werden. Doch die meisten können einem Text so besser folgen. Und als kleiner Nebeneffekt: Kurze Absätze signalisieren dem Leser, dass dieser Text ja gar nicht so schwer zu lesen ist. Er wird sich bereitwilliger darauf einlassen.
  • Benutzen Sie Zwischen-Überschriften. (Wie meine Tipp-Überschriften.)
  • Nutzen Sie Aufzählungen, Listen und Tabellen. (So wie diese hier.)
  • Arbeiten Sie gegebenenfalls mit Fettdruck und anderen Formen, etwas optisch hervorzuheben. Achten Sie nur darauf, damit nicht allzu freigebig umzugehen und Ihren Text in ein blinkendes Arsenal von Farben und Markierungen zu verwandeln. 😉

Und noch etwas: Lassen Sie Ihren Text nicht über die gesamte Breite eines Bildschirms gehen. Zwingen Sie Ihren Leser nicht dazu, wie beim Tennis mit Kopf und Augen hin- und herzuwandern. Das geht zumindest auf den Nacken. Begrenzen Sie lieber die Länge Ihrer Zeilen. 😉

Mehr dazu lesen Sie auch in meinem Artikel „Das Auge liest mit: Tipps für ein gutes Layout“

5. Verwenden Sie Abbildungen eher sparsam

Und was ist jetzt mit den Abbildungen? Nun, manche Suchmaschinen sollen den Abbildungen zunehmend Gewicht geben. Doch für die meisten Leser gilt nach wie vor entweder „erst der Text, dann die Bilder“ oder zumindest „keine Bilder ohne Text“ (oder Erläuterungen).

Mit anderen Worten: Der Text ist die Basis, die Abbildung allenfalls die Zutat.

Manchmal spielt auch Ihre Zielgruppe eine Rolle: Je jünger Ihr Publikum ist und je geringer der Bildungs-Hintergrund, desto eher ersetzen Bilder den Text. Ich selbst verwende zum Beispiel überhaupt keine Bilder. Meine Leser sind dafür auch überwiegend über 30 und auffallend oft mit Studium oder einer vergleichbaren Ausbildung. Mit anderen Worten: Sie können allein durch die Gestaltung unterschiedliche Zielgruppen erreichen.

Entscheiden Sie im Zweifelsfall nach solchen und ähnlichen Überlegungen selbst, in welchem Maße Sie Bilder, Videos und so fort einsetzen wollen. Manches ist auch einfach eine Typfrage und wird ähnlich veranlagte Leser anziehen.

Noch ein Tipp: Sie können – wie ich – ganz auf Abbildungen verzichten, wenn Sie möglichst bildhaft schreiben. So wie ich erst neulich ein schönes Leser- und Kunden-Feedback bekam, dass selbst blinde Nutzer keine Probleme mit meinen Texten (und Selbstlernkursen) haben, da ich alles verständlich und bildhaft in Worten ausdrücke. Auch ein Beitrag für barrierefreie Texte im Internet, sozusagen. 😉

Wie Sie bildhaft schreiben, zeigen Ihnen übrigens auch meine Kurse „Kreativ Schreiben lernen“ und „Mit Sprache spielen und Herzen berühren“.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg mit Ihren Internettexten.

© 2011 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 16.09.11

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