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Viele Autoren meinen es gut und möchten ihre Dialoge so vollendet wie möglich gestalten. Mit dem Ergebnis, dass diese mit der Wirklichkeit oft nicht mehr viel gemein haben. Ein guter Dialog muss vor allem eines: Er muss “echt” klingen.
Schreiben Sie so, wie man redet
Belletristik ist nicht mein Spezialthema, ich bin eher im Sachtext-Bereich unterwegs. Entsprechend lesen Sie bei mir deutlich weniger Tipps aus der rein schöngeistigen Literatur. Dennoch – viele Schreibtipps gelten für Fiction wie Non-Fiction und können beide bereichern.
Der Dialog steht ein wenig auf der Kippe, würde ich sagen.
Eigentlich ist er typisch für Romane und Co. Aber auch Sachtexte wie Feature, Reportage, ja selbst Presseberichte und anderes mehr müssen sich nicht auf die originalgetreue Wiedergabe von Zitaten beschränken. Sie können auch – im Rahmen – mit Dialog und wörtlicher Rede spielen.
(Zumal bei den Presseberichten die in den Mund gelegten Worte eines, sagen wir, Unternehmensgründers oft aus dessen eigener Feder stammen können.
)
Vorsicht vor Schriftsprache
Deshalb habe ich hier einen Tipp für Sie, der mir neulich wieder in einem Schreibcoaching aufgefallen ist: Schreiben Sie wirklichkeitsgetreue Dialoge. Das heißt, schreiben Sie so, wie man – vermutlich – in Wirklichkeit reden würde.
Und nein, das ist jetzt nicht ganz die Binsenweisheit, nach der es sich anhört.
Denn möglichst echt klingende Dialoge zu schreiben, ist Arbeit, harte Arbeit. Meistens wirken sie eher wie Schriftsprache. Man schreibt, wie man sich einen Dialog vorstellt, aber nicht, was man in einem Gespräch vermutlich tatsächlich sagen würde.
Ein Beispiel für Schriftsprache wäre etwa eine Formulierung wie:
“Das Essen ist wie immer gut und reichhaltig.” (Auf die Frage, wie es schmeckt.)
Und noch mal nein, ich habe kein Paradebeispiel, was Sie stattdessen schreiben können. Das hängt vom Hintergrund der Figuren und Ihren eigenen Erfahrungen ab.
Denkbar wären diverse Formen von “Lokalslang” über ein knappes “gut”, “lecker”, “schmeckt klasse” bis hin zu einem humorvoll-ironischen “genießbarer als sonst” oder Ähnlichem. (Wobei Sie die Ironie noch durch zusätzliche Passagen klarmachen müssten.)
Je authentischer und wirklichkeitsgetreuer, desto besser
Eine genaue Beobachtungsgabe und ein gutes Ohr für einen solchen Hintergrund sind dabei die eigentliche Herausforderung. Auch für Ihre Kreativität und Phantasie.
In welcher Situation befinden sich die Handelnden? Welchen sozialen, lokalen oder bildungsmäßigen Hintergrund haben die Figuren? Welche Äußerungen könnten charakteristisch für sie sein? Was “klingt” (in dem Zusammenhang) echt?
Je besser Sie Situation, Figur und Dialog in Übereinstimmung bringen, desto authentischer und wirklichkeitsgetreuer klingen Sie.
Haben Sie auch den Mut, Halbsätze, knappste Äußerungen, ironischen Sprachwitz oder deftige Flüche zu gebrauchen. Was eben für Ihre Figuren typisch ist. Wenn jemand zum Fluchen neigt, dann fluchen Sie. Und zur Hölle mit allen Anwandlungen von gehobenem Schrift-Dialog.
© 2009 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 10.09.09
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