Bleiben Sie auf dem Laufenden:
Newsletter lesen »
Feed lesen »




11 Tipps für mehr Selbstdisziplin bei kreativen Taten

Kreativität braucht Selbstdisziplin. Denn so groß der kreative Schaffensdrang auch sein mag – Hänger und Anfälle von Unlust haben wir alle. Falls also Ihr innerer Schweinehund wieder den Sieg über Ihren guten Willen davontragen sollte, versuchen Sie es mit den folgenden Tipps für mehr Selbstdisziplin bei kreativen Taten.

„Kreativität braucht Selbstdisziplin.“

Das stammt nicht von mir. Das ist eine Erkenntnis aus einem meiner Kurse.

Aber ich unterschreibe es – obwohl das Klischee vom „kreativen Chaos“, ohne das man angeblich nicht kreativ sein kann, allgegenwärtig ist.

Und ja, sicher werden kreative, kreativ tätige Menschen auch vom Chaos heimgesucht. So wie alle anderen auch.

Nichtsdestotrotz braucht Kreativität Selbstdisziplin. Jedenfalls dann, wenn wir unsere kreativen Impulse und Ideen auch umsetzen wollen. Viele Erfinder, Schriftsteller und so weiter wissen, dass der liebe Gott vor den Erfolg die harte Arbeit gesetzt hat.

Man könnte sogar sagen, dass kreative Menschen auch sehr disziplinierte Menschen sind. Denken Sie an all die Tüftler, Künstler und Entdecker, die über Jahre hin geduldig an ihren Werken und Taten feilen. Kein Buch schreibt sich ohne Selbstdisziplin, kein größeres Bild malt sich ohne sie, kein Projekt erlebt seinen gelungenen Abschluss.

Dennoch – Hänger haben wir alle. Die Sonne lacht, das Sofa lockt und morgen ist auch noch ein Tag.

Wenn Ihre Selbstdisziplin wieder einmal gegen Ihren inneren Schweinehund kämpfen sollte, dann versuchen Sie die folgenden Tipps, um Ihre kreativen Ideen doch noch Wirklichkeit werden zu lassen.

Tipp 1: Der volle Einsatz – Begeisterung suchen

Toben Sie Ihre Kreativität mit etwas aus, was Sie begeistert. Und zwar nicht nur, weil Ihre Kreativität grundsätzlich ein Problem mit allem hat, was Sie unter Protest tun. Zwang und Kreativität passen nicht zusammen.

Sie haben auch deutlich größere Chancen auf den sprichwörtlichen hingebungsvollen Künstler, der alles um sich herum vergisst, wenn Sie etwas tun, was Sie einfach lieber tun als andere Dinge. Das einzige, was Sie dann noch in die Disziplin nehmen müssen, ist die Gefahr, sich zu verausgaben. *schmunzel*

Und wenn Sie doch an etwas geraten sollten, was Sie kalt lässt? Dann versuchen Sie, zumindest die eine oder andere Gemeinsamkeit mit der Sache zu finden. Was könnte reizvoll an Ihrer Aufgabe sein? Welche Schätze könnten in einem Thema oder Projekt stecken? Holen Sie sie heraus. Auch das ist eine Art, Ihre Kreativität einzusetzen.

Tipp 2: Die Vision – Ziele ansteuern

„Mit 14 habe ich beschlossen, ein Buch zu schreiben. Es soll den Titel xx haben.“ So formuliert es eine Teilnehmerin. „Ich werde Schriftsteller“, hat sich ein anderer vorgenommen. „Ich gründe meine eigene Werbe-Agentur“, eine dritte.

Was sie alle eint: Sie haben ein Ziel. Selbstdisziplin wird Ihnen leichter fallen, wenn Sie wissen, warum Sie etwas tun. Wenn Sie auf Ziele, Träume und Visionen hinarbeiten können.

Also, welche Ziele haben Sie?

Tipp 3: Der Werbetrick – verlockend ausmalen

Die Werbung macht es vor: Was unsere Sinne anspricht, zieht uns eher in Bann als abstrakte Überlegungen.

Wenn Sie, sagen wir, Ihre Abschluss-Arbeit in ein Pflichtkorsett sperren („ich muss noch diese Arbeit schreiben“), wird Ihnen das vermutlich nur ein „bäh, ich will nicht“ entlocken.

Verpacken Sie sie aber attraktiv wie ein Geschenk zu Weihnachten …

  • Klasse, mein Ticket für den Job meiner Träume.
  • Schön, dann kann ich als Meister meinen eigenen Betrieb aufmachen.
  • Also, ich finde, dieses Diplom wird an meiner Bürowand richtig gut aussehen.

… und malen es sich so attraktiv wie möglich aus, könnte es Sie eher reizen, an der Schleife zu ziehen, mmh?

Tipp 4: Jetzt gilt’s – verbindlich werden

Die Deadline (Abgabetermin) bei Zeitungen oder Auftraggebern ist gefürchtet. Aber sie ist auch nützlich, um seine Texte nicht bis in alle Ewigkeit vor sich herzuschieben oder detailbesessen am 30. Entwurf für das neue Layout zu basteln.

Legen Sie ein verbindliches Abgabedatum fest. Das wird Ihnen helfen, diszipliniert darauf zuzuarbeiten.

Tipp 5: Jeden Tag ein Kläppchen – regelmäßig halten

Das Schöne an Adventskalendern ist, dass sie einen Weihnachten jeden Tag ein Stück näher kommen lassen. Wenn Sie genauso regelmäßig Zeit fürs Schreiben, Malen oder die Arbeit an Ihrem Projekt freihalten (und nutzen ;-)), kommen Sie auch diesen Dingen Tag für Tag ein Stück näher.

Julia Cameron nennt so etwas „Morgenseiten schreiben“ (das heißt, jeden Morgen eine Zeit lang zu schreiben). Aber wann Sie Ihrer Kreativität ein Stündchen widmen, ist egal. Hauptsache, Sie tun es regelmäßig. Dann kann sie Ihnen auch nicht mehr so schnell im Alltagstrott entwischen.

Tipp 6: Im Rhythmus leben – Hochphasen nutzen

Sagen Sie, sind Sie ein Morgenmensch oder eine Nachteule? Warum ich das frage? Weil es erheblich leichter ist, diszipliniert zu arbeiten, wenn wir für unsere kreativen Höhenflüge auch unsere biologischen Höhenflüge nutzen können.

Ich selbst schreibe zum Beispiel am liebsten in den frühen Abendstunden an meinen Texten. Dann kann ich mich besonders gut konzentrieren. Vorher reicht es allenfalls zu Überarbeitung, Recherche und so weiter. Entsprechend habe ich meinen Tag eingeteilt. Zuerst Routinetätigkeiten oder Training oder Haushalt, Freizeit pp. Und dann Konzipieren und Schreiben.

Wie sieht das bei Ihnen aus? Haben Sie ähnliche Muster festgestellt? Dann nutzen Sie sie.

Tipp 7: Sich Zeit nehmen – Blöcke bilden

An und für sich eine Binsenweisheit: Mehrere Stunden lang hingebungsvoll an etwas zu werkeln ist effektiver, als es in gestohlene Bruchstücke zu quetschen. Wenn Sie etwa nur 30 Minuten für ein Bild haben, haben Sie gerade Ihre Pinsel ausgepackt und sich gedanklich auf die Skizze vom Matterhorn eingestimmt, bevor Sie die Farbe auch schon wieder aus besagten Pinseln auswaschen müssen.

Versuchen Sie deshalb, Ihre „kreativen Zeiten“ zu blocken. Und die nächsten zwei Stunden ist dann auch nur das Matterhorn dran, sonst nichts.

Tipp 8: Äußere Reize begrenzen – sich abschirmen

Manche schreiben besser, wenn sie eine Weile auf eine einsame Berghütte ziehen. Andere lassen sich während einer heißen Projektphase von ihrer Sekretärin abschirmen.

Aber egal, ob Stift und Papier oder die Verantwortung für Projekt und Ideen: Entscheidend ist die „sensorische Deprivation“, also der Mangel an äußeren Reizen. Je weniger äußere Impulse Sie ablenken, desto disziplinierter können Sie Ihren kreativen Tätigkeiten nachgehen.

(Obwohl Anregungen von außen auch wieder gut für neue Ansätze und Ideen sind. Aber das ist ein anderes Thema.)

Tipp 9: Sich durch den Berg fressen – schrittweise vorgehen

So manches Buch ist schon daran gescheitert – an der Wahnsinns-Arbeit, die ein solches Projekt bedeutet.

Alles, was wir nicht innerhalb weniger Tage erledigen können, sondern was Wochen, Monate, vielleicht Jahre erfordert, läuft Gefahr, zu einer Totgeburt zu werden. Da geht uns die Puste aus, haben wir keine Lust mehr, erscheint anderes verlockender oder schreckt ganz einfach der Arbeits-Berg ab, der vor uns liegt.

Ein kleiner Tipp dann: Sehen Sie nicht das Buch, das Studium, die Gründerjahre oder was auch immer vor sich. Gehen Sie schrittweise vor und führen Sie sich Scheibchen für Scheibchen zu Gemüte.

Wenn ich beispielsweise neue Kurse oder Selbstlernkurse schreibe (die einem Buch an Arbeit ziemlich nahe kommen), dann „fresse“ ich mich Meter um Meter durch den Stoff. Kapitel für Kapitel, Einleitung, Exkurse, Checklisten, Register, und so weiter.

Jedesmal, wenn ich eine Teileinheit geschafft habe, hake ich sie auf meiner Liste ab, beglückwünsche mich, schiebe eine Pause ein und mache dann weiter.

Das ist erheblich angenehmer, als das Alarmsignal „oh Gott, ich habe noch 200 Seiten vor mir“ vor sich zu sehen. 😉

Tipp 10: Vorsicht vor Kritik – Schonzeit gönnen

Kritik ist gut, um unsere blinden Flecken zu überwinden und dazuzulernen. Aber Kritik ist auch ein Problem, weil die „Kinder“ unserer kreativen Schöpfungstätigkeit empfindsame Seelen sind.

Zu frühe Kritik, und wir werfen vielleicht alles hin oder kommen zumindest stark aus dem Takt. Jetzt noch diszipliniert weiterzumachen, ist nur etwas für die harten Brocken unter uns.

Schützen Sie deshalb die Ergebnisse Ihrer Kreativität und geben Sie sie nicht zu früh „zum Beschuss frei“.

Erst, wenn Ihre Arbeit schon relativ weit gediehen ist und Sie sicher auf Ihrem Kurs sind, können Sie dieses notwendige Wagnis eingehen.

Tipp 11: Mit Spaß dabei – es sich nett machen

Wer hat gesagt, dass man Spaß und Arbeit nicht kombinieren kann? Wenn das nächste Mal die Sonne lacht und Sie von Ihrem kreativen Wirken ablenken will, dann setzen Sie doch besagte Kreativität ein, um das eine mit dem anderen zu kombinieren.

Im Sommer nehme ich zum Beispiel meine Arbeit gern mit auf den Balkon. Ich muss dann zwar aufpassen, dass die Blätter nicht davonwehen oder ich im Liegestuhl einschlafe, aber im Allgemeinen habe ich das im Griff. 😉

Oder ich starte ein kleines Ritual und mache es mir an meinem Schreibtisch gemütlich. Ein paar leckere Snacks, selbst gebackene Kekse, Cappuccino oder Tee, Fußhocker und warme Puschen für die Füße, bequeme Haushose, ein Kissen für den Stuhl, ein inspirierendes Bild vor Augen – gute Vorbereitung ist eben alles. (Ich merke gerade, ich stimme mich mental schon auf den Herbst ein.)

Also: Machen Sie es sich nett. Selbstdisziplin kann auch reizvoll und bequem sein. :-)

© 2008 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 13.09.08

Möchten Sie meinen Beitrag weiterempfehlen? Dann sage ich mal: Danke. :-)