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Viele wollen sich selbst erkennen und herausfinden, wer sie sind. Zum einen sicher aus reiner Neugierde. Zum anderen aber auch, weil sie hoffen, ein besseres Leben zu führen, wenn sie wissen, wie sie ticken und was ihnen wichtig ist. Die Meta-Programme aus dem NLP bieten Ihnen eine solche Selbsterkenntnis und Arbeit an sich selbst. Sie steuern oft unbewusst unser Verhalten. Gleichzeitig können wir sie aber auch bewusst beeinflussen.

Wie Sie sich mit den Meta-Programmen aus dem NLP besser kennenlernen

Wer bin ich? Das ist ja bekanntlich eine Frage, der die Menschheit seit Jahrtausenden nachgeht. Sich selbst zu erkennen, scheint eine der schwersten Übungen zu sein, die man sich antun kann. Denn was andere mühelos sehen, wenn sie zum Beispiel auf unsere Sprach- und Handlungsmuster achten, bleibt uns aufgrund unserer eigenen blinden Flecken oft jahrelang verborgen.

(Nun, vielleicht sind wir auch zu sehr damit beschäftigt, auf die anderen zu achten. Das Sprichwort lautet nicht umsonst, sich zunächst einmal mit dem eigenen Balken zu befassen, bevor wir uns dem Splitter im Auge des anderen zuwenden. Eigentlich müssten wir uns ja nur noch in Sit-In’s zusammenfinden und uns gegenseitig sagen, wie wir den anderen sehen. Doch Vorsicht, ziehen Sie sich warm an. Denn das, was wir für die Wahrheit halten, will auch keiner hören. ;-))

Gut, zurück zum Thema. Wenn Sie sich ein bisschen besser kennenlernen wollen, können Sie also andere fragen (was gemischte Gefühle erzeugen kann) oder sich selbst beobachten. Und eine Sache, die Sie beobachten sollten, sind Ihre sogenannten Meta-Programme.

Meta-Programme sind ein Konstrukt aus dem NLP (= Neurolinguistisches Programmieren). Der Begriff steht für die Filter, Muster oder Strukturen, mit denen Sie auf Informationen und Reize reagieren.

Ist das Glas halbvoll oder ist es halbleer? Das ist keine Frage von Spitzfindigkeiten. Es ist eine Art, etwas zu sehen, auf „Informationen“ zu reagieren. Und diese Sichtweise formt wiederum Ihre Entscheidungen, Handlungen und Verhaltensweisen.

Das bedeutet, Ihre Meta-Programme zu kennen, ist nicht nur gut für die Selbsterkenntnis. Wenn Sie an dem einen oder anderen Programm „drehen“, können Sie auch besagte Verhaltensweisen ändern.

Ob dieser Versuch gelingt? Nun, warum nicht. Zum einen kommt kein Programm in Reinform vor. Wir alle folgen einer mehr oder weniger ausgeprägten Mischung. Dann hängen unsere Programme auch von dem Kontext oder der Situation ab, in dem beziehungsweise in der wir uns gerade befinden. Und schließlich kann jeder, der ernsthaft an sich arbeitet, entsprechende Fortschritte an sich feststellen.

Mit Meta-Programmen können Sie sich also nicht nur besser kennenlernen und herausfinden, wie Sie ticken. Genügend Übung vorausgesetzt, können Sie sich im Idealfall vielleicht sogar aussuchen, wie Sie ticken wollen.

Dazu müssen Sie „nur“ noch Ihre eigenen sowie die grundsätzlich möglichen Programme kennen und entscheiden, welchen Sie gerade folgen wollen. Das war’s. Und ja, ich weiß, ich vereinfache. 😉

Übrigens ist kein Meta-Programm richtig oder falsch. Bitte nicht missverstehen, es geht hier nicht um Wertungen. Es geht immer nur darum, ob diese Ihnen in einer bestimmten Situation nützlich sind – oder eben nicht. Wenn nicht, sind Sie dran – und Sie dürfen (an sich) arbeiten. 😉

Wie aktiv sind Sie: Pro-aktiv versus re-aktiv

Wenn Sie pro-aktiv sind, warten Sie nicht darauf, dass irgend etwas passiert oder dass jemand etwas in Gang setzt. Man kann das schon an Ihrer Sprache sehen: Ihnen stößt nicht etwas zu (Passiv), sondern Sie handeln oder tun (Aktiv).

Wenn Sie re-aktiv sind, folgen Sie den Aktivitäten anderer oder Sie warten darauf, dass irgendwann einmal der richtige Zeitpunkt kommt. Zudem tun Sie sich schwer mit Entscheidungen.

Ich schreibe hier übrigens bewusst nicht, „wenn Sie ein pro-aktiver Mensch sind“ oder Ähnliches. Wie gesagt, oft entscheidet der Hintergrund darüber, welches Meta-Programm wir nutzen. Wir können im Beruf pro-aktiv sein und im Privaten re-aktiv – oder umgekehrt.

Und ich sage auch ebenfalls bewusst nicht, dass es jetzt etwa falsch ist, re-aktiv zu sein. Schon die Buddhisten hatten kluge Sprichwörter wie: „Wenn es Zeit zum Handeln ist, handle. Wenn nicht, warte ab und trinke Tee.“ Die Krux ist es halt, zu erkennen, wann was angebracht ist. 😉

Wie handeln Sie: Alternativen versus Routinen

Auch hier gilt das Gleiche: Jedes Muster hat seine jeweilige Berechtigung.

Wenn Sie „optionsorientiert“ sind, wollen Sie die freie Wahl haben. Sie wollen Alternativen haben, selbst entscheiden können und Sie haben etwas gegen vorgegebene Bahnen. Kreative, die nach eigenen Lösungen suchen, sind mit diesem Muster gut versorgt.

Wenn Sie „Vorgehensweisen“ schätzen, lieben Sie feste Abläufe und Routinen. Sie wollen nicht die freie Wahl haben und womöglich auf die Nase fallen, sondern die Dinge „richtig“  erledigen.

Und jeder, der zum Beispiel schreibt, wird mir zustimmen: Sowohl der freie Fluß der (Schreib-) Ideen und Alternativen wie auch feste (Schreib-) Routinen haben ihre Vorteile.

Für wen handeln Sie: Für sich, für andere oder für Ihre Gruppe

Das ist, glaube ich, recht einfach zu verstehen: Denken Sie in erster Linie an sich selbst? Denken und handeln Sie für andere? Oder handeln Sie – sich selbst eingeschlossen – für Ihre Gruppe, Ihre Familie oder Ihren „Clan“?

Achten Sie auch einmal darauf, wann was gilt. Sie können zum Beispiel im Beruf eher Ihre eigenen Belange vertreten, privat aber wie eine Löwenmutter für Ihre Brut kämpfen. Und vielleicht sehen Sie dann auch mal Ihr Team als Brut und machen sich die Belange Ihres Teams zu eigen?

Was motiviert Sie: Hin zu oder weg von

Menschen im „Hin-zu-Modus“ laufen auf etwas zu. Sie haben in der Regel einen festen Willen und sind glücklich, wenn sie Ziel um Ziel verfolgen können.

Menschen im „Weg-von-Modus“ laufen eher vor etwas davon. Mit anderen Worten: Sie wissen ziemlich genau, was sie nicht wollen, oder sie nehmen vor etwas Reißaus. Sie wollen Schmerzen meiden und Unangenehmes abschütteln – egal wie und wohin. Klare Ziele könnten diesem Fluchtimpuls eine produktive Richtung geben, doch dafür müssten sie dem „Weg-von-Modus“ noch den „Hin-zu-Modus“ anschließen können.

Nach welchen Maßstäben richten Sie sich: Innenorientiert oder außenorientiert

Ich selbst bin zum Beispiel stark innenorientiert. Ich mache mir meine eigenen Maßstäbe und definiere selbst, was ich für gut und richtig halte. Natürlich sind solche Menschen dann auch gern unabhängig und haben Schwierigkeiten damit, sich Autoritäten blind unterzuordnen. 😉

Wenn Sie eher außenorientiert sind, sind Sie darauf erpicht, die Maßstäbe und Ansprüche anderer zu erfüllen. Sie sind erst dann zufrieden, wenn Ihnen jemand anders sagt, dass Sie zufrieden sein können. Sie haben mitunter Schwierigkeiten, eigene Entscheidungen zu treffen, und Sie brauchen die Anerkennung von außen.

Wohin richten Sie Ihre Aufmerksamkeit: Auf Menschen, Orte, Dinge und so fort

Der Name sagt alles: Was sehen Sie in einer Situation? Worauf achten Sie? Was nehmen Sie wahr? Sind es stoffliche Dinge wie Gegenstände oder Menschen? Sind es immaterielle wie Handlungen und Informationen? Was?

In welcher Zeit halten Sie sich auf: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Zu den einzelnen Zeittypen habe ich hier schon etwas geschrieben: Welcher Zeittyp sind Sie? So beeinflusst Ihre Zeitperspektive Ihr Leben.

Und noch ein paar Möglichkeiten, Informationen zu verarbeiten:

Verarbeitungsformen 1: Allgemein versus spezifisch

Das Meta-Programm „allgemein“ lässt Sie das große Ganze sehen. Sie verallgemeinern gern und denken in groben Zügen oder Sprüngen. Details sind nichts für Sie. Deshalb fällt es Ihnen auch schwer, logische Reihenfolgen zu erkennen. Da Sie keinen Blick für Einzelheiten haben, fällt es Ihnen auch nicht auf, wenn Ihnen diese fehlen, um folgerichtig zu argumentieren.

Beim Meta-Programm „spezifisch“ läuft es natürlich genau umgekehrt. Hier sind alle Detailmenschen versammelt und alle Fans von klaren, logisch aufeinander aufbauenden Strukturen. Jeder, der weiß, wie oft ich meinen Teilnehmern einbläue, auf klare Strukturen und logische Abläufe in ihren Texten zu achten, wird mich zu Recht diesem Meta-Programm zugesellen.

Verarbeitungsformen 2: Gemeinsam versus verschieden

Ich habe lange gebraucht, um zu verstehen, dass wir Menschen wirklich verschieden sind und jemand nicht nur schlicht unfähig (oder unwillig) ist, „richtig“ zu sein. 😉 Das heißt, ich habe lange Zeit eher die Gemeinsamkeiten der Menschen gesehen. Oder genauer, ich bin davon ausgegangen, dass andere so sind wie ich.

Das war natürlich ein Irrtum. Heute achte ich eher auf die Unterschiede – ohne das Gemeinsame und gemeinsame Muster oder Grundzüge zu übersehen.

Achten Sie einmal selbst darauf: Sehen Sie die Gemeinsamkeiten oder die Unterschiede?

Verarbeitungsformen 3: Vollständig versus unvollständig

Hier haben wir die berühmte „halb voll, halb leer“-Nummer.

Wenn Sie nach dem Vollständigen suchen, wissen Sie das zu schätzen, was da ist. (Das halbvolle Glas.)

Wenn Sie auf das Unvollständige fixiert sind, fällt Ihnen das auf, was fehlt. (Das halbleere Glas.) Das ergibt einen erstklassigen Kritiker, doch Sie brauchen hin und wieder einen Schuß Motivation, damit Ihnen das Halbvolle nicht entgeht. (Oder Sie kombinieren natürlich beide Muster beziehungsweise wechseln flexibel hin und her. Aber das hatten wir ja schon.)

Die Literatur nennt noch weitere Meta-Programme, doch das sind die häufigsten. Schauen Sie einfach mal, ob Sie Ihre eigenen Muster wiedererkennen und denken Sie zumindest über die anderen nach. Vielleicht können Sie ja auch öfter das halbvolle Glas sehen, selbst wenn Sie grundsätzlich anders ticken und Ihnen andere Dinge ins Auge springen. Das wäre doch ein Fortschritt und eine Krönung für Ihre Selbsterkenntnis, mmh? 😉

Literaturtipp: Ich habe – neben anderen NLP-Büchern – für diesen Artikel stark das Buch von Joseph O’Connor und John Seymour herangezogen. Hier lesen Sie mehr: Neurolinguistisches Programmieren: Gelungene Kommunikation und persönliche Entfaltung

© 2011 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 25.10.11

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