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Das Bild, das andere von uns haben, kann uns unsere blinden Flecken besser sehen lassen. Aber auch das Bild, das wir von anderen haben, sagt viel über uns selbst aus. Wenn Sie es geduldig auf Äußerungen über sich selbst abklopfen, werden Sie Ihrem Ich einen Schritt näher kommen.
Selbsterkenntnis durch das Bild, das andere von uns haben
Das Bild, das sich andere Menschen von uns machen, das sogenannte Fremdbild, kann sehr wertvoll für uns sein. Denn wir nehmen uns selbst nur eingeschränkt wahr. Wir haben blinde Flecken, die andere erheblich besser sehen können als wir.
So mag jemand davon überzeugt sein, ein geborenes Genie in etwas zu sein, während andere darum beten, von seinen Darbietungen verschont zu werden.
Andersherum kann jemand seine Talente für völlig normal halten und ihnen keine größere Bedeutung beimessen, während andere ihn genau dafür bewundern.
Sich dem Fremdbild anderer zu stellen, ist nicht leicht. Niemand will schließlich von liebgewonnenen Überzeugungen lassen müssen. Andererseits ist es auch eine Chance, sich selbst besser kennen zu lernen, seine Stärken klarer zu sehen, oder – wenn die anderen “richtig” liegen – an möglichen Schwächen einfach noch ein wenig zu arbeiten.
Sie müssen sich aber nicht auf das Bild der anderen beschränken, um Ihre blinden Flecken zu überwinden. Es geht auch umgekehrt.
Selbsterkenntnis durch das Bild, das wir von anderen haben
Sie können sich auch besser kennenlernen, indem Sie Ihr eigenes Fremdbild, also das Bild, das Sie von jemand anderem haben, auf Rückschlüsse über sich selbst untersuchen.
Beispiel:
Jemand mag Ihnen empfehlen, selbstbewusster zu werden, und vielleicht legt er damit den Finger auf einen wunden Punkt. Vielleicht sagt das aber nur etwas über seine Einstellung aus, dass man Selbstbewusstsein lautstark und machtvoll zu demonstrieren habe. Das leise, in sich ruhende Selbstbewusstsein kann ihm entgehen.
Oder:
Jemand mag Ihnen durch die Blume mitteilen oder ins Gesicht sagen, dass er Sie für geizig hält. Er selbst mag aber vielleicht nach eigener Aussage “kein Auskommen mit dem Einkommen” haben und es für normal halten, über seine Verhältnisse zu leben.
Oder:
Jemand mag Sie für einen Draufgänger halten und Sie für Ihre Risikobereitschaft bewundern. Und vielleicht trifft er damit auch ins Schwarze. Vielleicht ist er aber auch nur noch stärker auf Sicherheit bedacht als Sie, weshalb ihm dieser Unterschied schon reicht, Ihre eigenen geäußerten Ängste zu ignorieren.
Sie sehen das Prinzip?
Meine Denkweise prägt mein Fremdbild
Das Fremdbild, das wir uns von einem anderen machen, wird, wie alles, durch unsere eigene Denkweise geprägt.
Sehe ich nur meine eigenen Ängste, die mich zurückhalten, werde ich schnell jeden, der sich davon nicht aufhalten lässt, für einen Draufgänger halten. Vielleicht mit der fatalen Folge, mich selbst für einen Angsthasen zu halten, der es einfach nicht anders hinkriegt.
Halte ich es für normal, auf großem Fuß zu leben, werde ich schnell jeden, der das nicht tut, für geizig halten. Vielleicht mit der fatalen Folge … Na, ich glaube, Sie können hier fortsetzen.
Noch einmal: Wie ich jemand anderen beurteile, welches Fremdbild ich mir also von ihm mache, hängt immer auch von meinem eigenen Hintergrund ab. Von meiner Einstellung, meinen Erfahrungen, meinen Werten und Überzeugungen, und und.
Deshalb sagen wir mit unserem Fremdbild ebensosehr etwas über uns selbst aus, wie über den anderen. Und deshalb können wir dieses Fremdbild für unsere eigene Selbsterkenntnis nutzen – wenn wir die Geduld mitbringen, es auf Äußerungen über uns selbst abzuklopfen.
Dann wird auch klar, warum jemand zum Beispiel einem Menschen Geiz attestieren kann, während ein anderer denselben Menschen für sein kluges Wirtschaften lobt. Oder warum jemand einem Menschen Draufgängertum bescheinigt, während ein anderer bei ein und demselben Menschen eine umsichtige Vorgehensweise sieht.
Und was halten Sie so von Ihren Mitmenschen?
© 2009 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 17.07.09
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besser denken, persönlichkeitsentwicklung, selbsterkenntnis
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