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Impulse für ein besseres Selbstwertgefühl

Das Thema „Selbstwert“ ist ein Dauerbrenner unserer Zeit und unserer Gesellschaft. Probleme mit dem Selbstwert zu haben kann zu vielen anderen unguten Entwicklungen führen – für sich selbst und für andere. Hier möchte ich beleuchten und einige Impulse geben, wie Sie mit Selbstbild, Selbstmitgefühl, Selbstfürsorge und mehr ein besseres Selbstwertgefühl bekommen.

Das Thema „Selbstwert“ ist ein Dauerbrenner unserer Zeit und unserer Gesellschaft. Wer ein zu geringes, ein anfälliges oder ein phasenweise vermindertes Selbstwertgefühl hat, glaubt im Stillen zum Beispiel, dass er weniger wert ist als andere, dass er nicht gut genug ist, dass er mangelhaft oder irgendwie fehlerhaft ist. Um weitere Fachbegriffe zu gebrauchen: Selbstbild und Selbstkonzept sind negativ. Diese unbewusste Überzeugung kann ausgesprochen ungute Konsequenzen haben, zum Beispiel: Ein ausgehöhltes Selbstvertrauen mit Einschränkungen im Handeln, Schwierigkeiten bei sozialen Beziehungen, negativ eingefärbtes Denken mit negativer Wahrnehmung und anderes mehr bis zu regelrechten psychischen Erkrankungen.

Ich habe schon einmal etwas darüber geschrieben, in der Checkliste „Die Säulen des Selbstwerts. Verbessern Sie Ihr Selbstwertgefühl.“ Damals steckte ich mitten in einer Krise. Es tat gut, auch Positives zu sehen, um mich besser zu fühlen. Heute würde ich teils einen anderen Ansatz wählen. Deshalb möchte ich hier ein paar weitere Impulse geben, womit Sie Ihrem Selbstwertgefühl und damit sich selbst gut tun können. Bitte nehmen Sie diese, wie üblich, wirklich nur als Impuls. An einem stärker beeinträchtigten Selbstwert können Sie oft nur mit fachlicher Hilfe arbeiten.

Warum kommt es zu Problemen mit dem Selbstwert?

Ich habe schon alle möglichen Erklärungen für die Selbstwertprobleme gelesen, die so viele von uns haben. Immer wieder, und vermutlich zu Recht, genannt wird unsere Leistungs- und Mediengesellschaft mit ihren Ansprüchen und Erwartungen, der vorgelebten perfekten schönen Schein-Welt. Seltener kommen aber auch Vermutungen vor wie die, dass Probleme mit dem Selbstwert und damit mit der eigenen Selbstachtung zum Beispiel auf die christliche Kultur zurückgehen. Diese unsere Kultur sei einfach getränkt mit einer jahrtausendealten Lehre vom mangelhaften Mensch-Sein, menschlicher Erbsünde und Erbschuld.

Auf jeden Fall kann ein geringer Selbstwert eine Folge von Gegebenheiten sein wie:

  • Sozialer Konditionierung, Erziehung, Drill und Druck, emotionaler Vernachlässigung, (früh-) kindlichen Verletzungen oder tatsächlicher bzw. so wahrgenommener mangelnder Annahme durch die Eltern
  • Unbewusst weitergegebenen oder vorgelebten Selbstwertproblemen der Eltern, übernommenen elterlichen Verletzungen und Prägungen
  • Länger dauernden prägenden Situationen und Erfahrungen wie denen, als tatsächlich bzw. so wahrgenommener Außenseiter und Ausgegrenzter heranzuwachsen
  • Punktuellen prägenden Situationen und Erfahrungen wie denen, tatächlich oder so wahrgenommen in seiner Selbstachtung und Würde verletzt, gedemütigt und erniedrigt worden zu sein bzw. dieses zugelassen zu haben.

Vielleicht haben sogar die meisten Menschen Selbstwertprobleme, zumindest von Zeit zu Zeit beziehungsweise unter bestimmten Bedingungen oder manche Menschen natürlich auch mehr als andere.

Was kann man für ein besseres Selbstwertgefühl tun?

Das Tückische an Selbstwertproblemen ist, dass man diese selbst oft gar nicht wahrnimmt. Sie beeinträchtigen zwar das eigene Leben, aber man selbst begreift nicht, was dort geschieht.

Entweder fehlt das Wissen darum; die meisten Menschen haben keine Ahnung, wie alles zusammenhängt. Oder man hat zwar das Wissen, aber eigene Blockaden verhindern, dass man dieses auf sich selbst anwendet und die Tatsachen erkennt. Viele Menschen sind auch derart im Hamsterrad des Alltags gefangen, dass ihnen schlicht Zeit und Gelegenheit fehlen, sich intensiver mit sich selbst zu beschäftigen. Überdies müssen Selbstbeobachtung und Selbstreflexion geschult und geübt werden – und auch das braucht Zeit, Gelegenheit und darüber hinaus die nötige Bereitschaft.

Deshalb kommen hier, wie gesagt, ein paar Impulse für einen besseren Selbstwert und damit auch für eine bessere Selbstachtung. Vielleicht können sie ein wenig zum Guten wirken.

Selbstbild

Wer einen niedrigen Selbstwert hat, hat oft unbewusst ein negatives Bild von sich. Versuchen Sie deshalb, ein besseres Bild von sich zu bekommen.

Achten Sie auf Ihre Gedanken: Wie denken Sie von sich? Denken oder äußern Sie zum Beispiel manchmal etwas wie, dass Sie wohl nicht gut genug sind, ob Sie etwa nicht gut genug sind? Wie reden Sie von sich? HABEN Sie zum Beispiel Fehler oder MACHEN Sie Fehler? (Das ist ein himmelweiter Unterschied.) Sind Sie sicher, dass diese Gedanken dann angemessen sind?

Machen Sie sich Ihre Vorzüge bewusst: Können Sie Ihre Fähigkeiten, Stärken, Gaben, Talente sehen? Zählen Sie zum Beispiel jeden Tag mindestens eine positive Sache auf. Dazu dürfen auch gern Dinge gehören, auf die Sie stolz sind. Überhaupt Stolz: Wenn Sie wüssten, wie viele Teilnehmer auf Abwehr gehen, wenn ich sie frage, worauf sie stolz sind. Schon das Wort blockiert. :-) Bitten Sie auch gern andere um Feedback. Je größer die Runde ist, desto mehr Positives wird fallen.

Achten Sie auf Ihre Wahrnehmungsfilter und Erwartungen: Viele Menschen sind nicht in der Lage, Ihnen zu sagen, was sie gut an Ihnen finden oder was Sie ihnen bedeuten. Das kann an unserer Kultur liegen, nach der Eigenlob und leider oft auch Fremdlob „stinken“, an der Erziehung, der Persönlichkeit. Wenn Sie, zum Beispiel aufgrund eigener Verletzungen, solche Bestätigungen von außen brauchen, kann es hart für Sie werden, wenn Sie diese nicht erhalten. Können Sie deshalb auch andere Zeichen von Akzeptanz, Anerkennung, Sympathie, Zuneigung und Liebe sehen? Achten Sie auch auf Ihre Wahrnehmungsfilter: Das Tragische ist, dass viele Menschen bei Selbstwertproblemen eine „Antenne für Negatives“ haben. Tatsächlich Negatives wird überdeutlich gehört, Positives wird übergangen, Neutrales wird oft negativ gedeutet. Und schon schließt sich der Teufelskreis mit Gedanken wie „ich wusste doch, dass ich nicht liebenswert bin, dass mich die anderen nicht mögen“ und so weiter.

Selbstmitgefühl

Auch mehr Mitgefühl mit sich selbst zu haben bedeutet, mehr Selbstachtung und ein besseres Selbstwertgefühl zu haben. Das kann so herum laufen: Ich habe ein besseres Selbstwertgefühl und damit kann ich auch mitfühlender und verzeihender mit mir selbst umgehen. Denn viele Menschen mit Selbstwertproblemen haben derart hohe Ansprüche an sich, dass sie sich keinen Fehler und keine Schuld verzeihen können. Sie können es aber auch anders herum trainieren: Über mehr Mitgefühl mit sich selbst zu mehr Selbstannahme und Selbstachtung. Selbstmitgefühl meint übrigens nicht Selbstmitleid und Opferhaltung. Selbstmitgefühl meint unter anderem, sich seine Fehler und Schwächen genauso zu vergeben, wie man das bei einem Freund tun würde. Wie sieht es in diesem Sinne bei Ihnen aus?

Können Sie mitfühlend mit Ihrem Mensch-Sein sein? Können Sie Ihre Fehler und Schwächen sehen? Können Sie sehen, was Sie einmal falsch oder nicht gut machen? Können Sie sich dieses auch mitfühlend verzeihen? Können Sie liebevoll oder gelassen annehmen, dass Sie etwas nicht besser wussten, nicht besser konnten, falsch wahrnahmen oder leider ungut handelten? Ist Ihnen auch klar, dass Sie längst nicht alles so im Griff haben, wie Sie glauben, haben zu müssen, oder wie Sie es gern hätten? Schlimmer noch: Oft können wir unser Denken, Fühlen, Handeln kaum oder gar nicht kontrollieren. Und das kann ungute Folgen haben. Das soll natürlich kein Freibrief für fremdschädigende Taten sein. Und wenn etwas nicht gut gelaufen ist, sollte man zu den Konsequenzen stehen, sich entschuldigen und um Schadensbereinigung bemühen können. Doch das Wissen um das eigene begrenzte Mensch-Sein kann helfen, den Druck zu mildern, den man sich selbst macht und der oft nur dazu führt, dass alles nur noch schlimmer wird, wenn man nicht zu seinem Handeln stehen kann.

Selbstfürsorge

Auch Selbstfürsorge ist gut für Selbstachtung und Selbstwertgefühl. Umgekehrt kann ein mangelndes Selbstwertgefühl zu mangelnder Selbstfürsorge führen.

Sorgen Sie gut für sich: Sind Sie sich wichtig genug, gut für Ihr eigenes Wohl zu sorgen? Sind Sie sich das „wert“? Kennen Sie Ihre Bedürfnisse? Können Sie diese umsetzen? Kennen Sie Ihre Grenzen? Können Sie diese beachten oder verteidigen? Können Sie „nein“ sagen? Wie sehen Ihr Leben, Ihre Arbeit, Ihr Wohnen und Ihre Beziehungen aus? Haben Sie diese so gestaltet, dass Sie sich darin und mit ihnen wohl fühlen? Sorgen Sie auch in den vielen kleinen Dingen des Alltags gut für sich? Wenn nein, warum nicht? Wie könnten Sie das dann ändern?

Selbstannahme

Sie haben es vermutlich schon gesehen: Selbstannahme und Selbstwert gehören zusammen. Wer ein niedriges Selbstwertgefühl hat, kann sich oft nicht so annehmen, wie er oder sie ist. Vielleicht hat man als Kind zu verstehen bekommen, dass man nicht gut genug ist, dass man nicht so ganz „richtig“ ist. Vielleicht hat auch die Vergleichs-Mentalität der Leistungs- und Mediengesellschaft dazu beigetragen, dass man sich nicht annehmen kann und irgendwie minderwertig fühlt. Ein Beispiel: Ihre Geschwister haben einen akademischen Beruf ergriffen und Sie sind nach der Mittleren Reife von der Schule abgegangen? Der Leistungs-Vergleich kann Ihnen dann sagen, dass Sie versagt haben, weniger erfolgreich waren, weniger wert sind. Diese Botschaft muss Ihnen nicht einmal, etwa von Ihren Geschwistern, vorgelebt werden. Es reicht, dass Sie selbst davon überzeugt sind. Den Rest werden Sie auch so wahrnehmen.

Seien Sie vorsichtig mit Vergleichen: Vergleiche können gut sein, keine Frage. Wenn Sie dadurch zum Beispiel Positives an sich wahrnehmen oder Ihre eigene Entwicklung von früher bis heute erkennen. Doch Vergleiche können Sie auch herunterziehen. Ihr Nachbar hat ein neues, größeres, teureres Auto als Sie? Die Kinder der Schwester gehen auf eine Eliteschule, Ihre eigenen nicht? Das kann für eine ziemlich schlechte Stimmung bei Ihnen selbst sorgen. Auch hier wäre wieder eine liebevolle Annahme des eigenen Selbst und des eigenen Lebens gefragt. Das heißt nicht, dass Sie nicht an Einzelheiten arbeiten dürfen, wenn Sie das begründet tun wollen. Doch zwanghafte Vergleiche und die Frage nach dem eigenen Wert, danach, wie man dasteht und von außen gesehen wird, sind nur allzu oft eher schädlich.

Nehmen Sie Ihre „dunklen“ Seiten an: Das ist sozusagen Selbstannahme und Selbstmitgefühl für Fortgeschrittene. 😉 Fehler können passieren. Sie haben es einfach nicht besser gewusst oder gekonnt, waren im Stress, haben die Nerven verloren und so weiter. Daneben gibt es auch weniger erfreuliche Eigenschaften, die alle von uns haben, zeitweise oder länger, die einen mehr, die anderen weniger. Doch erst, wenn Sie auch dieses Ungeliebte oder Dunkle annehmen und sich sagen können, „jawohl, das ist ein Teil von mir“, können Sie auf Wunsch und bei Bedarf, etwa bei selbst- und fremdschädigendem Verhalten, daran arbeiten. Wenn Ihr Mangel an Selbstwert Ihnen diese Form von Selbstannahme verwehrt, wird es keine Veränderung geben. Noch ein Teufelskreis.

Selbstliebe

Der letzte, wichtige Punkt in diesem Text: Können Sie sich eigentlich selbst lieben? Bringen Sie sich echte, wirkliche Liebe entgegen? Die Akzeptanz und Zuwendung, die Sie auch von anderen erwarten? Oder fühlen Sie sich erst durch die Bestätigung anderer geliebt, liebenswert und wertvoll? Natürlich ist es wunderschön, wenn eine solche Reaktion von außen kommt. Und gerade als Heranwachsende brauchen wir, wie gesagt, auch eine solche emotionale Nahrung unbedingt für unsere eigene gesunde Entwicklung. Aber es ist eher ungut, wenn Sie sich im weiteren Lauf Ihres Lebens von äußeren Bestätigungen abhängig machen und sich nur auf diese Weise, indirekt mit Liebe begegnen können.

Lernen Sie, sich selbst zu lieben: Zur Selbstliebe gehören eine solche Selbstzuwendung und Selbstwertschätzung. Sagen Sie zum Beispiel manchmal einfach ein „ich liebe dich“ zu sich selbst? Wenn nein, warum nicht? Würden Sie das nicht auch zu jemand anderem sagen? Warum dann nicht zu sich? Das hat auch den schönen Nebeneffekt, dass Sie mit mehr Selbstliebe in der Regel auch mehr Liebe für andere entwickeln und mehr Liebe von anderen bekommen. Damit haben wir dieses Mal einen positiven Kreis. :-) Eine Checkliste, in der Sie eine sogenannte „Metta-Meditation“ für Selbstliebe finden, habe ich Ihnen unten angegeben.

Lernen Sie, das Eigene zu leben: Zur Selbstliebe gehört aber auch, das Eigene zu erkennen und zu leben. Lebensgestaltung ist sozusagen ein Akt tiefster Selbstliebe. Sich selbst liebt, wer nicht mehr glaubt, sich oder anderen etwas beweisen zu müssen. Sich selbst liebt, wer nicht mehr glaubt, von anderen gesehen und anerkannt werden zu müssen. Sich selbst liebt, wer sich deshalb von anderen unabhängig machen und sich fragen kann, was ihm oder ihr eigentlich wichtig ist. Sich selbst liebt, wer nach seinen Bedürfnissen und seiner Identität sucht und sich bemüht, diese zu leben. Sich selbst liebt, wer begriffen hat, dass es zwei Seiten der Medaille braucht, das Eigene und das Fremde, sich selbst und den anderen.

Leider werden die meisten von uns mit all diesen Dingen nicht groß. Zumindest in unserer westlichen Gesellschaft nicht, mehr kann ich nicht beurteilen. Vielleicht ändert sich das irgendwann einmal. Bis dahin müssen wir üben, üben, üben. :-)

Ich wünsche Ihnen dafür alles Gute.

Kurs- und Buchtipps:

Workbook: So finden Sie Ihre innere Ruhe. Stress abbauen, gelassener werden.
Kurs-Unterlage: Erkenne dich selbst. Stärken sehen und Selbstbild verbessern.
Kurs-Skript / Seminar: ‚Böse sein’ für Anfänger. Liebevoller für sich sorgen.
Kurs-Skript / Seminar: Starke Frauen. Kraft tanken und Stärke spüren.

Lesetipps:

Checkliste: Die Säulen des Selbstwerts. Verbessern Sie Ihr Selbstwertgefühl.
Checkliste: 25 Meditationsübungen für zwischendurch
Artikel: 55 Rechte für eine gesunde Selbstachtung

Literaturtipps:

Corinne Frottier: So wie du bist. Der buddhistische Weg zur Selbstannahme.
Elizabeth Gummesson: Mir reicht’s. So befreist Du Dich aus Perfektionismus und Burnout.

© 2017 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 28.08.17