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Das schaffe ich nicht: Wie Kreative ihre Selbstzweifel überwinden

Der Autor, der in der Schreibblockade zur Flasche greift, ist ein berühmtes Beispiel dafür. Doch die Selbstzweifel und Ängste, die ihn dazu treiben, suchen viele Kreative heim. Lassen Sie sich von Ihren Horrorgedanken, warum Sie etwas nicht schaffen werden, nicht ausknocken. Hier habe ich ein paar Tipps für Sie.

Selbstzweifel sind, wie vieles, nicht grundsätzlich schlecht. Sich selbst in Frage stellen zu können und sich kritisch unter die Lupe zu nehmen, sich selbst zu reflektieren, hilft dabei, wenn man wachsen und sich verändern will.

Selbstkritik als professionelle Manöverkritik ist auch Bestandteil vieler Berufe: Vom 360-Grad-Feedback bei Führungskräften, das das Verhältnis zu Mitarbeitern und Co. beurteilen hilft, bis zur Supervision bei Pädagogen, Trainern oder Coaches, die Hilfestellung bietet, um gelaufene Seminare oder Coachings auszuwerten.

Aber wie alles im Leben kann man auch dies übertreiben, und aus einer reflektierenden Selbstanalyse werden lähmende Selbstzweifel. Mit der Folge, dass man sich mit seinen Ideen nicht aus der Deckung wagt. („Was werden die anderen denken? Meine Ideen sind bestimmt nicht gut genug.“) Oder dass man den Pinsel nicht aufnimmt, seiner Berufung nicht folgt, interessante Aufträge oder Kunden sausenlässt und anderes mehr.

Doch was können wir tun, wenn wir uns nicht für gut genug halten, nicht an uns selbst glauben und uns deshalb massiv in unserer Kreativität behindern?

Nun, das ist einer von diesen „komplexen Artikeln“, die etwas nur anreißen. Erwarten Sie also bitte keine Wunder. Ich kann Ihre Selbstzweifel nicht mit ein paar kurzen Tipps beseitigen. Immerhin habe ich hier einige Anregungen für Sie. Lassen Sie sich inspirieren.

1. Suchen Sie nach den Wurzeln

Wer mich kennt, weiß, dass ich ein Anhänger der „suchenden Fraktion“ bin. Ich glaube daran, dass wir viele unserer Muster und Verhaltensweisen ändern können, wenn wir ihre Ursachen verstehen. Das gilt auch für Selbstzweifel.

Warum glauben Sie zum Beispiel, dass Sie den Eventauftrag nicht erfolgreich ausführen können? Sind es tiefsitzende Zweifel, es als Kind kleiner Leute mit Managern und Führungskräften nicht aufnehmen zu können? Wo liegen die Ursachen?

2. Hinterfragen Sie Ihre Selbstzweifel

Wie berechtigt sind dann diese Zweifel? Was spricht für sie, was gegen sie?

Wer sagt zum Beispiel, dass Sie nicht das Zeug zum Berater haben? Haben Sie dafür objektive Beweise? Wer sagt, dass man mit 60 Jahren keinen Roman mehr schreiben oder etwas Neues lernen kann? Ist das eine erwiesene Tatsache, an der nicht zu rütteln ist?

3. Finden Sie konkrete Gegenbeispiele

Wenn Sie schon dabei sind: Entkräften Sie Ihre Selbstzweifel durch konkrete Gegenbeispiele.

So, Sie glauben also, dass eine Fortbildung für Sie nicht in Frage kommt, weil Sie zu alt zum Lernen sind und „was Hänschen nicht lernt, Hans nimmermehr lernt“?

Und was ist mit dem Handy, mit dem Sie – nach anfänglichem Frust – gut umgehen können? Was ist mit den immer komplizierter werdenden Autos, die Sie – trotz Ihrer 60 Jahre – ohne Probleme bedienen können? Was ist mit dem Computer, von dem Sie nicht mehr lassen können? Was ist also mit all den Dingen, die Sie nachweislich in höherem Alter gelernt haben?

Ihnen genügt das nicht? Ihre Bedenkenträger wimmern und zagen? Sie wollen noch mehr Argumente?

Gut, geben Sie „Butter bei die Fische“: Legen Sie eine Liste an und schreiben Sie auf, warum Sie Ihr Ziel erreichen können. (Bitte nicht das Gegenteil, nicht die Zweifel. Die hatten wir schon. ;-)) Strengen Sie sich an, ich will alles hören. Und los.

4. Übertragen Sie vergleichbare Erfahrungen

Sie sind noch nicht überzeugt? Sie glauben beispielsweise nicht daran, im Rentenalter noch eine Bibliothek gründen zu können, weil Sie schließlich absoluter Laie in dem Bereich sind und von Bibliotheken überhaupt keine Ahnung haben? Das Lern-Beispiel zieht Ihrer Meinung nach hier nicht?

Gut, suchen Sie in dem Fall nach Gegenbeispielen aus einem anderen Bereich. Vielleicht haben Sie keine Ahnung von Büchern und Bibliotheken, doch Sie haben erfolgreich einen Koch-Kreis gegründet und über 25 Jahre am Leben gehalten und wachsen lassen. Welche Erfahrungen können Sie aus diesem Beispiel übertragen? Was hiervon kann Ihre Überzeugung nähren, auch mit Bibliotheken fertigzuwerden?

5. Finden Sie konkrete Lösungen

Niemand hat gesagt, dass Sie alles sofort und allein können müssen. Geben Ihre Selbstzweifel Alarm „das schaffe ich nicht“?

Gut, überlegen Sie, wie oder womit oder mit wem Sie es doch schaffen können. Finden Sie konkrete Lösungen. Sie brauchen noch eine Fortbildung? Absolvieren Sie sie. Sie brauchen Hilfe? Suchen Sie sie.

6. Entwickeln Sie einen gesunden Stolz auf Ihre Fähigkeiten

Wie üblich ist auch vieles eine Frage der Perspektive.

Sie können sich für einen „Nichtskönner“ halten, weil Sie über keine vertieften Spezialkenntnisse verfügen. Oder Sie können sich als „Alleskönner“ sehen, weil Sie in vielen Bereichen zuhause sind.

Es dürfte klar sein, mit welcher Perspektive Ihre Selbstzweifel dick und fett werden, mmh? 😉

7. Sehen Sie die Sache als Wachstums- und Lernprozess

Viele Selbstzweifel dürften auch unserem unheilvollen Drang nach Perfektion entspringen.Wenn Sie die Messlatte sehr hoch legen und zu viel von sich verlangen, müssen Sie sich über Zweifel und Bedenken nicht wundern.

Das Leben ist ein Lernprozess. Erlauben Sie sich zu wachsen.

8. Nehmen Sie das Ergebnis gedanklich vorweg

Sie können etwas nicht schaffen, was Sie sich gedanklich nicht vorstellen können.

Wenn Sie sich zum Beispiel nicht sehen können, wie Sie Ihr fertiges Buch in Händen halten, haben Sie schon verloren. Wenn Sie das neue Produkt nicht mit einem guten Gefühl vor Augen haben, haben Sie schon verloren.

Versuchen Sie deshalb, das Ergebnis gedanklich vorwegzunehmen. Malen Sie es sich so genau wie möglich aus. Lassen Sie sich von diesem Zielbild „ziehen“.

Achten Sie darauf, ob sich Ihr Zielbild spreizt und ziert. Ihre Selbstzweifel können auch eine Warnung sein, dass etwas noch nicht stimmt. Bessern Sie in dem Fall nach oder suchen Sie nach konkreten Lösungen.

9. Stellen Sie Ihre Horrorgedanken ab

Ich hatte es gerade erwähnt: Unsere Vorstellungskraft ist sehr mächtig. Im Guten wie im Bösen. Sie können Ihre Selbstzweifel mit einem positiven Bild abschwächen. Sie können sie aber auch mit einem negativen Bild verstärken.

Stellen Sie deshalb um Himmels willen Ihre Horrorgedanken ab. Missbrauchen Sie Ihre Vorstellungskraft nicht, was alles passieren könnte. Angst und Zweifel sind oft genug völlig unbegründet und haben nur einen Nährboden: Ihren Kopf und Ihre Gedanken.

10. Reden Sie darüber

Wenn Sie wüssten, wie vielen Menschen es so geht wie Ihnen … Ich sehe es bei meinen Teilnehmern: Jeder glaubt, dass er der Einzige ist, der ein Problem hat. Alle anderen sind strahlende Erfolgstypen.

Nun, das ist nicht so. Wir alle haben „Knackpunkte“, und oft sind es sogar die gleichen. Reden Sie deshalb darüber. Es tröstet zu hören, dass es anderen ähnlich geht wie Ihnen selbst.

Wissen Sie, wie viele Kreative täglich von Selbstzweifeln und Schaffensängsten heimgesucht werden? Tausende. Wissen Sie, wie viele Autoren zur Flasche greifen, um den Dämon der Angst zu besiegen? Ebenfalls Tausende. Glauben Sie mir, Sie sind zumindest eines nicht: Allein.

11. Tun Sie es einfach

Ja, ich weiß, dass „einfach“ in der Regel nicht „einfach“ ist. (Oder es zumindest nicht zu sein scheint, siehe Horrorgedanken.)

Und doch habe ich selbst damit gute Erfahrungen gemacht: Wenn Sie etwas einfach tun, wird es auch meistens klappen. Und selbst aus den Dingen, die nicht so gut laufen, können Sie immer noch fürs nächste Mal lernen. Sie müssen nur die Nerven haben, sich selbst zu überwinden und es zu versuchen.

Versuchen Sie es.

© 2010 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 04.08.10

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