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In fünf Schritten eine Seminarunterlage schreiben

Wie schreibe ich eine Schulungsunterlage? Das werde ich immer wieder gefragt. Nun, eine Trainingsunterlage oder gar ein Selbstlernkurs ist kein Buch. Beides ist um einiges aufwändiger. Doch so schwer ist das Ganze auch nicht. Hier habe ich ein paar Tipps für Sie.

Ich habe relativ viele Trainer und Berater unter meinen Kunden und Lesern. Das dürfte daran liegen, dass sie bei mir guten Stoff für ihre eigenen Kurse und Seminare finden. 😉 Und hin und wieder fragen mich diese Trainer: „Sag mal, Du bist doch Schreib-Profi. Wie schreibt man denn eigentlich Schulungs-Unterlagen?“

Ich antworte dann in der Regel: Das ist gar nicht so schwer. Ihr müsst wissen, wie Ihr einen solchen Text aufbaut. Ihr solltet über eine gute Schreibe verfügen. Und dann gibt es noch ein paar Tipps, was Trainingsunterlagen von anderen Texten unterscheidet.

Für den Aufbau empfehle ich meinen Kurs „Bücher und Texte konzipieren und planen“. Für die Schreibe meine Kurse „Kreativ Schreiben lernen“ und „Schreiben wie ein Profi“. Und einige Tipps kommen hier.

Schritt 1: Welche Seminarunterlage darf es sein?

Es gibt verschiedene Formen von Kursunterlagen. Überlegen Sie deshalb zunächst, was Sie genau brauchen. Es gibt zum Beispiel:

  • Technische Dokumentationen und Handbücher mit vielen Schritt-für-Schritt-Abbildungen wie etwa bei EDV-Programmen oder anderen technischen Geräten.
  • Unterlagen, die eine bestimmte Methode oder Übung genauer erklären. Diese Texte können begleitend zu einer Übung ausgeteilt oder auch zum Nachlesen nach Hause mitgegeben werden. Meine Formulare bei den kostenfreien Downloads sind ähnlich aufgemacht.
  • Noch unvollständige Skripte mit viel Freiraum, in die die Teilnehmer ihre Ergebnisse, ihre eigenen Gedanken oder den Input vom Trainer einfügen können. Manchmal werden solche Texte auch Arbeitsblätter genannt.
  • Zusammenfassungen oder „Hand-outs“ von Seminaren. Diese sind in der Regel eher kurz und knapp und beinhalten die wichtigsten Fakten, Methoden und Übungen. Die Kursunterlagen zu meinen betreuten Seminaren entsprechen diesem Stil.
  • Regelrechte Seminarbroschüren, die den vollständigen Inhalt aus einem Kurs wiedergeben. Teilweise können sie auch noch zusätzliches Wissen beinhalten, für das es im Kurs nicht genug Zeit gab. Diese sind meist sehr umfangreich und aufwändig zu erstellen. Meine Selbstlernkurse mit ihren im Schnitt 100 bis 150 Seiten Umfang sind ein Beispiel dafür.
  • Manche Trainer setzen auch (ihre eigenen) Bücher als begleitende Kursunterlage ein. Doch ein Buch unterscheidet sich in der Regel erheblich von einem Kurs. Deshalb kann ein solches Material immer nur eine Ergänzung zum Kurs sein.

Schritt 2: Was muss der Teilnehmer wissen?

Dieser Punkt hört sich so harmlos an und doch trennt sich hier oft die Spreu vom Weizen.

Wie gesagt, Bücher sind keine Kurse, und das liegt daran, dass sie in der Regel zu einem völlig anderen Zweck geschrieben werden: Sie wollen unterhalten, sie wollen möglichst viel Wissen zusammenstellen, sie wollen kurze Hinweise geben und mehr. Das macht aber noch keinen Kurs aus.

Passend zu meinen eigenen Selbstlernkursen ist mir wichtig:

  • Nur so viel Wissen wie nötig, aber nicht mehr. In Büchern steht in der Regel viel zu viel nach dem Motto: Ach ja, dieses könnte man noch schreiben, und jenes. Aber in einem echten Seminar wären das alles Nebengleise, und der Teilnehmer ist raus aus dem Lernfluss.
  • Wer sind die Teilnehmer? Welches Vorwissen bringen sie vielleicht mit, in welcher Situation sind sie, was könnte sie interessieren? Welches Wissen brauchen sie, um das erklärte Kursziel zu erreichen? Welche Aufgaben sind hilfreich, um dieses Wissen auch praktisch anzuwenden und einzuüben?
  • Wer mich kennt, weiß, dass mir meine geliebte Struktur und mein roter Faden über alles gehen. Manche Bücher sind zum Beispiel zwar wie Kurse aufgemacht, doch die Struktur passt nicht zu einem Kurs.Gerade bei umfangreichen Seminarbroschüren oder Selbstlern-Materialien müssen Sie als Autor Ihren Kurs immer in Gedanken durchspielen. Sie müssen das Kursgeschehen „sehen“ können. Und Sie müssen sich fragen: Was sollte der Teilnehmer als nächstes erfahren, damit er eine Stufe weiter auf der „Kursleiter“ voranschreiten kann?

    Mit anderen Worten: Sie brauchen das, was ich eine geführte didaktische Reihenfolge nenne. Und das sollte eigentlich als Trainer zu Ihren Fertigkeiten gehören und Sie von einem Buchautor unterscheiden. 😉

Schritt 3: Welche Inhalte wollen Sie bringen?

Dieser Punkt ist im Grunde die logische Folge von Schritt 1 und 2. Also: So viel Wissen wie nötig, aber dann sparsam werden. Hin und wieder bringe ich in Exkursen zusätzliches Wissen als Mehrwert für die Teilnehmer, doch das wirklich nur in Maßen und sauber als Zusatz gekennzeichnet.

Je nach Thema werden bei Ihnen auch Fotos, Grafiken, Tabellen und so fort nötig oder sinnvoll sein. Überdies helfen sie, einen Text aufzulockern.

Ich selbst arbeite dagegen relativ wenig mit Abbildungen. Meine Spezialität sind bildhafte Texte mit einer bildhaften Sprache und vielen anschaulichen Beispielen. Da kann ich schon mal auf Bildmaterial verzichten. Zudem haben mir schon mehrere blinde Kunden und Leser bestätigt, dass sie meinen Texten so besser folgen können. Fein, umso besser. 😉

Entscheiden Sie einfach selbst, ob und wie sehr sie Bilder verwenden wollen.

Ich deutete es gerade schon an: Beispiele können Abbildungen ersetzen. Und der Teilnehmer kann sich so besser vorstellen, wie das neue Wissen konkret angewandt werden soll. Deshalb sind Abbildungen für mich ein netter Zusatz. Beispiele halte ich dagegen oft für notwendig, um etwas wirklich zu verstehen. Entscheiden Sie auch hier gegebenenfalls je nach Ihrem Thema selbst.

Fakten, Methoden, Übungen, Abbildungen und Beispiele bilden den Kern Ihrer Trainings-Unterlagen. Als ebenfalls nützlichen Zusatz bringe ich dann meist noch

  • ein Inhaltsverzeichnis (für einen ersten Eindruck und besseren Überblick)
  • einführende Lernziele zu Beginn eines Kapitels (dann weiß der Teilnehmer schon mal so ungefähr, was ihn erwartet; lerntheoretisch gesprochen kann er – oder genauer sein Gehirn – damit einen „Rahmen“ knüpfen und das folgende Wissen daran andocken)
  • abschließende Zusammenfassungen am Ende eines Kapitels (diese servieren die wichtigsten Fakten noch einmal kurz und knapp auf einen Blick; und sie helfen dem Teilnehmer, sich das neue Wissen besser zu merken)
  • ein Literaturverzeichnis für alle, die sich über den Kurs hinaus weiter mit dem Thema beschäftigen und es in die Tiefe verfolgen wollen.

Andere Autoren verwenden eventuell auch ein Stichwortverzeichnis und eine Sammlung von (fiktiven) Lösungen für die vorher erwähnten Übungen.

Schritt 4: Wie wollen Sie die Seminarunterlage aufbauen?

Nun, auch das ergibt sich im Grunde aus den ersten drei Schritten. Zudem lege ich Ihnen auch noch einmal meinen Selbstlernkurs „Bücher und Texte konzipieren und planen“ ans Herz. Erstens lernen Sie in diesem Kurs, wie Sie größere Schreibprojekte aufbauen. (Und eine Seminarunterlage ist ein solches Projekt.) Und zweitens können Sie so ganz plastisch nachvollziehen, wie ich selbst vorgegangen bin. 😉

Schreiben Sie also so viel wie nötig, aber nicht mehr; in einer sinnvollen didaktischen Reihenfolge. Bringen Sie die Fakten und Übungen, die die Teilnehmer brauchen, um das Kursziel zu erreichen. Veranschaulichen Sie mit Abbildungen und Beispielen. Runden Sie ab mit Lernzielen, Zusammenfassungen und weiterführender Literatur. Alles andere lassen Sie weg. Das war es im Prinzip schon.

Schritt 5: Schreiben Sie einfach und verständlich?

Ach ja, ich habe noch etwas vergessen: Seien Sie nett zu Ihren Teilnehmern und schreiben Sie so einfach und verständlich wie möglich. Es ist *nicht* Ihre Aufgabe, „hochgestochen“ zu werden, um Ihre Kompetenz zu demonstrieren. Es ist Ihre Aufgabe, dem Teilnehmer zu helfen, die Sache zu verstehen. 😉

Bitte unterschätzen Sie diesen Punkt nicht.

Wenn der Teilnehmer Sie im Seminar nicht versteht, können Sie zur Not noch auf die Nachfrage reagieren und etwas erklären. (Wenn es zur Nachfrage kommt. Viele wollen sich nicht die Blöße geben, etwas nicht zu wissen oder nicht verstanden zu haben. Und dann sehen Ihre Teilnehmer Sie ausdruckslos an und verfluchen im Stillen Kursleiter und Seminar. ;-))

Bei Ihren Texten ist das nicht möglich. Hier müssen Ihre Worte auf Anhieb sitzen. Wie Sie besser schreiben, lesen Sie in vielen Artikeln von mir. Und ich erwähne auch noch einmal meine oben genannten Schreibkurse.

Ihnen viel Erfolg mit Ihren Schulungsunterlagen.

© 2012 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 27.03.12

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