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So überwinden Sie Ihr Schwarz-Weiß-Denken

von Heike Thormann

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Schön wär’s ja, wenn das Leben so eindeutig wäre. Wenn alles entweder richtig oder falsch, gut oder böse wäre. Obwohl – wäre das wirklich schön? Ein solches Schwarz-Weiß-Denken geht nicht nur an der Wirklichkeit vorbei. Es ist auch Gift für unsere Kreativität.

Es gibt viele Möglichkeiten, sich im Leben zu blockieren. Schwarz-Weiß-Denken ist eine davon.

Das Internet führt dazu, dass die Leute weniger Bücher lesen: Das ist schlecht. Die eigene Abteilung wird in die Nachbarstadt verlegt: Auch das ist schlecht. Ein Konkurrenz-Unternehmen zieht in die gleiche Stadt: Verdammt, das ist jetzt wirklich schlecht.

Für Menschen, die in Schwarz-Weiß-Kategorien denken, ist etwas entweder schön oder hässlich, richtig oder falsch, gut oder böse. Es gibt immer nur das eine oder das andere. Zwischentöne oder Differenzierungen sieht man nicht.

Negative Auswirkungen des Schwarz-Weiß-Denkens

Das Problem ist, dass es uns mit einem solchen Denken sehr schwer fällt, neue Sichtweisen einzunehmen.

Wer seine Umwelt und sein Leben nach absoluten Größen klassifiziert (das ist jetzt gut oder schlecht), wird beispielsweise bei einem abgebrochenen Studium schnell nur den Abbruch sehen, nicht das, was er bis dahin gelernt hat. Das sorgt nicht nur für eine miese Stimmung und das Gefühl, versagt zu haben.

Sich auf eine Interpretation einzuschießen erhöht auch die Gefahr, sich in etwas zu verrennen und keine Möglichkeiten zu sehen.

So wenig, wie der Studienabbrecher seine Lernerfolge wahrnimmt, werden Internetgegner die Chancen sehen, die das neue Medium für Lesefans und Buchliebhaber bietet. Und das von der Konkurrenz bedrohte Unternehmen wird vielleicht lange brauchen, bis es auf die Idee kommt, den Anlass zu nutzen, um seine eigene Position weiter zu stärken.

Mehr noch, Schwarz-Weiß-Denker haben gute Karten, in die Perfektionismus-Falle zu tappen und sich auch noch im Handeln zu lähmen.

Da heißt es etwa: “Wenn ich das jetzt nicht so gut wie möglich mache, dann hätte ich es auch bleiben lassen können.” Oder: “Was ich mache, das mache ich richtig.” Oder: “Entweder wir kriegen den Auftrag, oder wir haben versagt.”

Mit dem Ergebnis, dass man sich entweder mit der Wahl zwischen Alles-oder-Nichts unnötig unter Druck setzt und sich bei dem Versuch, alles zu erreichen, ruiniert, oder aber die Sache am besten gleich sein lässt.

Möglichkeiten, um das Schwarz-Weiß-Denken zu überwinden

Lassen Sie es nicht so weit kommen. Frust über ein vermasseltes Studium, Angst vor dem Bücher bedrohenden Medium Internet, oder eine Totalblockade angesichts der nahenden Konkurrenz vor der eigenen Haustür müssen nicht sein.

1. Machen Sie sich klar, dass Gegensätze immer zusammengehören

So abstrakt sich das jetzt anhören mag: Gegensätze gehören immer zusammen. Es gibt kein einfaches schwarz oder weiß, richtig oder falsch. Beides bildet eine Einheit.

Wir wissen unser Leben erst dann wirklich zu schätzen, wenn wir uns unseren Tod vor Augen halten.

Wir können das Gute erst dann erkennen, wenn wir auch um das Böse oder Schlechte wissen. (Ansonsten halten wir es für selbstverständlich und nehmen es nicht wahr.)

Ohne den Ansporn durch andere Medien oder Konkurrenz-Unternehmen haben wir keinen Grund, uns weiterzuentwickeln. Selbstzufriedenheit, Stagnation und unser eigenes Ende können die Folge sein.

2. Suchen Sie nach dem Guten im Schlechten und dem Schlechten im Guten

Nichts ist nur gut oder schlecht, in allem steckt auch sein Gegenteil. So birgt jeder Fehler neue Erkenntnisse und Verbesserungspotenzial. Für jeden Erfolg hat man einen Preis zu zahlen.

Suchen Sie ganz konkret nach solchen Gegenstücken. Das hilft Ihnen nicht nur, die guten Dinge im Leben zu sehen. Das schärft auch ganz profan Ihr Urteilsvermögen.

3. Halten Sie Ausschau nach den Grautönen und Alternativen

Dachten Sie, dass Sie entweder nur angestellt oder selbstständig sein, mit oder ohne Mitarbeiter arbeiten können? Dann willkommen im Schwarz-Weiß-Denken. ;-)

Flexible Denker wissen, dass ein Sachverhalt und sein Gegenteil gleichzeitig möglich sind. Wer seine Kapazitäten (also Mitarbeiter) erweitern will, ohne sich tatsächlich Mitarbeiter zuzulegen, kann zum Beispiel auf Partnerschaften und Kooperationen, Franchising und Pacht, Auftragnehmer oder Zulieferer zurückgreifen.

Möglichkeiten gibt es immer – solange Sie nach den Grautönen und Alternativen zwischen Ihren Extremen Ausschau halten.

4. Führen Sie sich die Beliebigkeit Ihrer Wertungen vor Augen

Noch ein kleiner Denkanstoß zum Mitnehmen: Schwarz bleibt nicht immer schwarz, und weiß nicht immer weiß. Noch nicht mal für ein und dieselbe Person.

Wer beispielsweise mit dem Gedanken spielt auszuwandern, weil er von seinem Heimatland die Nase voll hat, wird leicht ein und dieselbe Situation in seiner Heimat verdammen und im Ausland über den grünen Klee loben. Das Gras auf der anderen Seite des Zauns ist eben immer grüner. ;-)

Machen Sie es sich nicht so leicht. Kreativität bedeutet auch, Widersprüche aushalten zu können, um aus ihnen neue Impulse zu beziehen. Suchen Sie nach den Grautönen. Das sind oft die interessanteren Farben. :-)

© 2009 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 02.04.09

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