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Spickzettel:
Kommunikation
von
Heike Thormann
Konflikte
sind oft in erster Linie ein Kommunikationsproblem. Mehr zu den
Hintergründen von Kommunikation, möglichen Problemen
und
Lösungsansätzen verrät Ihnen dieser
Spickzettel.
Problem
Konflikte
sind oft in erster Linie ein Kommunikationsproblem.
Eine fehlerhafte Kommunikation setzt den Kreislauf
von Missverständnis - Verwirrung –
Verärgerung –
Schuldzuweisung – Entfremdung und Feindseligkeit in Gang.
Grund für
Kommunikationsprobleme: Wenn der eine A sagt, muss der
andere noch lange nicht A verstehen; es kann auch B sein.
Verantwortlich dafür sind - neben eventuellen
Verständnisschwierigkeiten - die unterschiedlichen Denkmuster
der
Menschen, ihre Erwartungen und (Wahrnehmungs-) Filter, der Hintergrund
und die Erfahrungen, vor denen sie agieren.
Kommunikationsmodelle zur
Veranschaulichung
A. Dialogisches
Kommunikationsmodell nach Paul Watzlawick
Kommunikationswissenschaftler und Psychotherapeut
Jede Nachricht durchläuft gleichzeitig einen
Verschlüsselungs- (durch den Sender) und
Entschlüsselungsprozess (durch den Empfänger). Oder
anders
formuliert: Jede Nachricht ist durch persönliche Denkmuster
und
Wahrnehmungsfilter geprägt – und entsprechend
fehleranfällig.
Einige Kernaussagen
Watzlawicks:
- Sobald
Menschen miteinander agieren, kommunizieren sie auch. Jedes Verhalten
ist gleichzeitig eine Form der Kommunikation. Man kann nicht nicht-kommunizieren.
Selbst wenn wir jemanden abweisen oder ignorieren, kommunizieren wir
und machen dem anderen deutlich, wie wir zu ihm stehen.
--> Nicht nur das, was wir sagen, sondern alles, was wir tun,
ist
eine "Nachricht", hat Konsequenzen und schlägt auf uns
zurück.
- Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen
Beziehungsaspekt.
Der Beziehungsaspekt ist es, der die Ver- und Entschlüsselung
prägt und darüber bestimmt, wie der inhaltliche
Aspekt
aufgenommen wird.
--> Je nachdem, wie ich zu jemandem stehe,
fällt mir eine
korrekte Entschlüsselung leichter oder schwerer. Wenn ich
jemanden
nicht „riechen“ kann, dürfte ich damit
Probleme
kriegen. ;-)
- Auch der Kommunikationsablauf
wird von den Beteiligten oft unterschiedlich wahrgenommen, als Reaktion
auf das Verhalten des anderen interpretiert. Das Ergebnis sind
Rechtfertigungen, Schuldzuweisungen und die sogenannte
selffulfilling-prophecy (selbsterfüllende
Prophezeiung).
--> Wenn ich jemandem vorwerfe, mit seinem Verhalten eine
bestimmte
Reaktion ausgelöst zu haben, habe ich gute Karten, auch exakt
das
beanstandete Verhalten zu ernten.
B. Nachrichtenquadrat /
4-Ohren-Modell nach Friedemann Schulz von
Thun (Kommunikationswissenschaftler und Psychologe
Setzt das Modell von Watzlawick fort und differenziert die einzelnen
Aspekte noch genauer. Jede Nachricht beinhaltet – ob bewusst
oder
unbewusst – die folgenden Ebenen:
Und
für alle, die jetzt der Meinung sind, dass es die Sachebene
ist,
die in der Kommunikation am wichtigsten ist: Irrtum vom Amt. ;-)
Das Problem ist, dass eine Nachricht nur in den seltensten
Fällen rein sachlich
ist. Immer sage ich auch ein Stück weit etwas über
mich aus.
Immer sage ich etwas über die Beziehung, die ich zu dem
anderen
habe, was ich von ihm halte, wie ich ihn sehe. Und fast immer verfolge
ich mit meiner Nachricht auch eine ganz bestimmte Absicht.
Beispiel:
Sie und Er sitzen im Restaurant. Sie sagt: „Es
zieht.“ Mögliche Interpretationen wären
etwa:
- Sachebene: Irgendwoher zieht es. Wir sitzen im
Durchzug.
- Selbstkundgabe: Mir ist kalt. Ich habe Angst, mich
zu erkälten.
- Beziehungsebene: Was bist Du für ein
Trottel, uns einen Tisch zu besorgen, wo es zieht.
- Appellcharakter: Besorge uns bitte einen anderen
Tisch.
Der
Haken an
der Sache ist, dass a) ich mir selbst oft gar nicht klar mache, was ich
warum sage und wie es beim anderen ankommen kann und dass es b) beim
anderen dann nicht so ankommt wie gedacht.
Denn auch der Empfänger hört auf vier Ebenen bzw. mit vier
Ohren. Dem
- Sachohr: Was ist Sache?
- Selbstkundgabeohr: Was ist das für einer?
- Beziehungsohr: Wie redet er mit mir?
Wofür hält er mich?
- Appellohr: Was soll ich jetzt tun, denken,
fühlen?
Je
nachdem,
auf welchem Ohr der Empfänger gerade besonders empfindlich
ist,
welche Interpretationsmöglichkeit er für zutreffend
hält, wird die
Nachricht unterschiedlich verstanden, nimmt das Unheil
seinen Lauf. ;-)
Zusammengefasst:
Es ist
nicht nur wichtig, was ich sage, sondern auch, wie ich es sage. Welche
Formulierungen, welchen Tonfall und sonstige non-verbale Signale ich
wähle. Denn jede Nachricht hat nicht nur ihre verschiedenen
Deutungsebenen, sondern kann auch – je nach
Gegenüber und
Situation – unterschiedlich aufgenommen werden.
Weitere mögliche
Kommunikationsprobleme
Weitere Faktoren, die eine korrekte Interpretation und Kommunikation
erschweren, sind:
- Die unterschiedlich besetzten Werte der Beteiligten:
Für den einen ist Vorsicht ein positiv besetzter Wert,
für
den anderen schlichte Feigheit. Für den einen ist
Risikobereitschaft eine Stärke, für den anderen
unverantwortlicher Leichtsinn.
- Die unterschiedlichen Wertungen in mir selbst:
Selten, dass ich etwas wirklich durchgängig einheitlich
interpretiere. Mal finde ich Vorsicht positiv besetzt, mal nicht. Das
hängt von der Situation wie auch dem Teil von mir ab, der
gerade
„das Sagen hat“.
--> Das Modell
des Inneren Teams
(ebenfalls Schulz von Thun) veranschaulicht sehr schön unsere
ganze Widersprüchlichkeit, die verschiedenen Herzen, die in
unserer Brust schlagen. Wer hier klar und authentisch nach
außen
kommunizieren will, muss erst einmal in seinem Innern für klar
Schiff sorgen. :-)
- Die Verlagerung der eigenen Ansichten,
Gefühle oder Wünsche auf den anderen (Projektion).
- Die
Gleichsetzung von früher gemachten Erfahrungen oder
Einstellungen
mit dem jetzigen Gesprächspartner, der jetzigen Situation (Übertragung).
Lösungsansätze
für eine bessere Kommunikation
- Aktives
Zuhören:
Also etwa das Gehörte noch einmal kurz mit meinen eigenen
Worten
wiedergeben - um sicher zu gehen, dass ich es richtig verstanden habe
(paraphrasieren) - oder meine Gefühle dazu in Worte fassen
(verbalisieren).
- Feedback
geben:
Rückmeldungen auf konkrete (Gesprächs-) Inhalte oder
Ereignisse geben. Ich-Botschaften senden, d.h. sagen, wie etwas bei mir
ankommt.
- Metakommunikation:
Sozusagen die Kommunikation über die Kommunikation. Der
Versuch,
aus einer gewissen Distanz heraus zum Beispiel Inhalt und Ablauf eines
Gesprächs gemeinsam durchzugehen und
Übereinstimmungen bzw.
Differenzen in Sichtweise und Wahrnehmung zu klären.
Generell: Gut
vorbereitet in die Kommunikation gehen.
- Wissen,
welche Einflüsse es auf die zwischenmenschliche Kommunikation
gibt.
- Mir klarmachen,
dass ich zwar A sagen, der andere aber B verstehen kann. (Wenn ich mir
das nicht klar mache und wir beide davon überzeugt sind,
richtig
kommuniziert zu haben, ist die Basis für den
schönsten Streit
gelegt.)
- Wirklich kommunizieren, also mit-teilen wollen:
Die Bilder und Wahrnehmungen des anderen achten und teilen wollen.
Oder anders formuliert: Nur mit einer Zunge reden, aber mit vier Ohren
hören. :-)
Dieser Artikel wurde zuerst
veröffentlicht im workshopwelt-magazin, Januar 2007.
© 2007 Heike Thormann
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Mehr zum Thema Kommunikation gibt's auch in meinem Artikel Kreativ
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