Bleiben Sie auf dem Laufenden:
Newsletter lesen »
Feed lesen »




Tagebuch schreiben

Nicht nur junge Mädchen schreiben Tagebuch, um typischen Pubertätskummer rauszulassen, wie es ein gängiges Klischee will. Sie können damit zum Beispiel kreativ Probleme lösen, sich selbst besser kennen lernen, Selbstcoaching betreiben, Krisen überstehen und vieles andere mehr. Hier finden Sie ein paar Tipps für diesen „schriftlichen Begleiter“.

Wer schreibt Tagebuch?

Tagebücher sind in unserer Zeit oft eine Domäne von Kindern und Jugendlichen, und hier vor allem von Mädchen. Mädchen lesen und schreiben mehr als Jungen; und sie beschäftigen sich auch mehr mit sich selbst und ihren Gefühlen als jene. Im Erwachsenenalter verliert sich das Ganze dann etwas. Oft lösen auch Gespräche mit Freunden / Freundinnen das Tagebuch ab.

Doch auch im „reiferen Alter“ kann es sehr nützlich sein, ein Tagebuch zu führen. Ich habe seine Vorzüge zum Beispiel erst relativ spät für mich entdeckt. Und auch in früheren Jahrhunderten haben viele Erwachsene, ob Mann oder Frau, ein Tagebuch geführt.

Warum Tagebuch schreiben?

Es gibt viele Gründe, ein Tagebuch zu führen, beziehungsweise ein Tagebuch kann Ihnen bei vielem helfen.

Erlebtes festhalten: Ganz banal ist es zunächst einmal eine gute Methode, Erlebnisse aufzuschreiben und später Revue passieren zu lassen. So entstehen Reise-Tagebücher oder Sie können Ihre Sammlung von Tagebüchern nutzen, um Ihre Autobiografie zu schreiben.

Gefühle und Verhalten verstehen: Viele schreiben nicht nur die nackten Tatsachen und Ereignisse auf. Das Tagebuch ist ein Ort, an dem Sie ungestraft Ihre Gedanken und Gefühle äußern können. Sie können sich im Tagebuch allen Kummer, Frust, Ängste oder Sorgen von der Seele schreiben; aber natürlich ebenso alles, was Ihnen Freude gemacht und Sie zum Singen gebracht hat.

Ich selbst nutze es oft, um meine Gedanken und Reaktionen zu beleuchten und Erkenntnisse festzuhalten. Diese verdichten sich dann nach und nach zu neuen Mustern, die ich übernehmen und verinnerlichen kann.

Selbsterkenntnis: Mit anderen Worten, da Sie hier so ungeschminkt einen wichtigen Teil Ihrer selbst greifbar auf dem Papier wiederfinden, ist ein Tagebuch eine ideale Möglichkeit, sich selbst, Ihr Wesen, Ihre Gefühle und Ihre Verhaltensweisen besser zu verstehen. Sie bekommen direkten Zugang zu Ihrem Unbewussten und können vielleicht sogar blinde Flecken aufdecken.

Selbstcoaching: Und Sie können sich so nicht nur besser verstehen, sondern eben auch an sich arbeiten. Damit ist ein Tagebuch ein gutes Instrument für die Persönlichkeitsentwicklung, die Selbstveränderung und das Selbstcoaching.

Übrigens: Kennen Sie schon meine Kurse „Erkenne dich selbst“ und „Schreiben Sie die Geschichte Ihres Lebens“? Auch mit diesen können Sie sich besser kennenlernen und an eigenen Mustern und Verhaltensweisen arbeiten.

Selbstreinigung: Schließlich ist das Tagebuch, ähnlich wie Julia Camerons Morgenseiten, ein Ort, an dem Sie ein bisschen Selbstreinigung betreiben, Negatives loswerden und unbelastet in den Tag starten.

Doch man muss ja nicht gleich emotional und dramatisch werden. 😉 Was mit der Arbeit am eigenen Selbst funktioniert, funktioniert auch mit Alltagsfragen und Problemen.

Problemlösung: In einem früheren Artikel habe ich geschrieben, wie Sie einen Geistesblitz durch Aufschreiben produzieren. Es hilft unserer Kreativität, wenn wir ein Problem schriftlich durchdringen und abtasten – erste Ideen notieren – die Sache ruhenlassen und wieder angehen – bis wir irgendwann „heureka“ schreien und eine Lösung gefunden haben. Nun, Sie können für so etwas ein Ideentagebuch benutzen oder eben Ihr ganz normales Tagebuch.

Einschlaf-Hilfe: Manche empfehlen sogar, ein Tagebuch zu schreiben, um leichter einzuschlafen. Können Sie nicht schlafen, weil Sie über das nachgrübeln, was Ihnen am Tag passiert ist oder was Sie geärgert hat? Dann schreiben Sie es in Ihr Tagebuch. Oft hilft das, die Gedanken zur Ruhe zu bringen.

Tipp: Machen Sie einen Test, ob Sie eher zu der Gruppe gehören, die das aufwirbelt und in Fahrt bringt, statt zu beruhigen. Dann ist das natürlich keine gute Idee. 😉

Und noch drei Spezial-Einsätze:

Therapeutisches Schreiben: Nach dem, was ich oben gesagt habe, können Sie sich vielleicht schon denken, warum es heilsam sein kann, ein Tagebuch zu schreiben: Sie entlasten sich von negativen Gedanken, Gefühlen und Erfahrungen. Sie verarbeiten Erlebtes. Sie suchen nach neuen Mustern und Lösungen. Und mehr.

Schreiben wirkt hier als Selbstschutz-Mechanismus. Sie schützen sich und Ihre Seele vor allem, was Ihnen sonst Schaden zufügen könnte. Einfach, indem Sie es aufschreiben, ihm sein Gift entziehen, es gegebenenfalls verarbeiten und dann beseitigen. Deshalb wird das Tagebuch zunehmend im Rahmen des therapeutischen Schreibens eingesetzt.

Lebenskrisen: Viele berühmte Schriftsteller haben Krisen in ihrem Leben bewältigt, indem sie regelmäßig Tagebuch führten. Das gilt ebenso für „Otto-Normalverbraucher“. Teilweise entstehen aus solchen Aufzeichnungen später sogar „richtige Bücher“, die dann besonders authentisch wirken.

Krankheiten: Auch hier wird Schreiben oft zur Therapie eingesetzt. Zum Beispiel sind viele Krankheiten heute psychosomatischer Natur. Das heißt, die durch irgendetwas belastete Seele drückt dem Körper ihren Stempel auf. Wenn Sie mit Schreiben Ihrer Seele Gutes tun, tun Sie auch Ihrem Körper gut. Überdies kann das Schreiben schwerkranken Menschen helfen, mit ihrer Situation besser fertig zu werden.

Ach ja, und noch ein Spezial-Einsatz:

Blogs: Auch dies ist eine Form, die ein Tagebuch annehmen kann – Sie schreiben öffentlich, im Internet, mit Hilfe eines sogenannten Weblog-Programms. Manche Blogs (Kurzform von Weblog) sind immer noch das, was sie einst waren: Private Gedanken und Erlebnisse, die jemand mit anderen teilen möchte. Viele andere Blogs sind mittlerweile jedoch durch und durch „professionalisiert“ und dienen eher der Selbstdarstellung und Selbstvermarktung.

Mehr dazu finden Sie in meinem Artikel „Wie schreibe ich ein Blog“.

Wie schreibe ich ein Tagebuch?

Gut, wie schreiben Sie nun ein Tagebuch? Das ist eigentlich recht simpel, denn es gibt dafür keine Vorgaben, Regeln oder Ähnliches. Das heißt, Sie schreiben einfach so, wie Sie wollen.

Die Form: Es gibt Leute, die am Rechner schreiben, doch ich würde immer die Papierform vorziehen. Wenn Sie von Hand schreiben, haben Sie einen direkteren Zugang zu Ihrem Gehirn und zu Ihrem Unbewussten. Manche diktieren ihre Einträge auch in ein Aufnahmegerät.

Ich habe mir eine hübsche Kladde gekauft, das ist animierend. Außerdem kann ich sie überallhin mitnehmen oder sie mir schnell greifen.

Achten Sie darauf, dass Ihr Tagebuch nicht sichtbar und frei zugänglich herumliegt. Es hat nur dann einen Wert für Sie, wenn Sie sich nicht zensieren müssen, weil Sie zum Beispiel befürchten, dass es jemand lesen könnte.

Sie können „frei nach Schnauze“ schreiben, so wie Ihnen etwas einfällt. Sie können aber auch, ähnlich wie bei einem Schreibjournal, mit Rubriken für bestimmte Themen arbeiten. Da ich normalerweise sehr geplant und strukturiert schreibe, freue ich mich, hier ein wenig Chaos walten lassen zu können. 😉

Die Zeit: Manche empfehlen, sich feste Routinen zuzulegen. Und es stimmt, gerade im therapeutischen / Selbstcoaching-Bereich macht es Sinn, regelmäßig zu schreiben. Doch sonst liegt es ganz bei Ihnen.

Julia Camerons erwähnte Morgenseiten sollten Sie morgens schreiben, wenn Sie „entlastet“ in den Tag starten wollen. Ähnlich können Sie es mit Ihrem Tagebuch halten. Oder Sie schreiben abends, wenn Sie den Tag abschließen und „befreit“ schlafen wollen.

Ich selbst greife zu meinem Tagebuch, wenn ich einen neuen Gedanken, ein bestimmtes Ereignis oder eine wichtige Erkenntnis festhalten will.

Der Stil: Der Inhalt hängt vom Einsatzzweck Ihres Tagebuchs ab. (Siehe oben.) Der Stil ist Nebensache. Wenn Sie nicht gerade ein öffentliches Blog im Internet betreiben, ist Ihr Tagebuch nur für Sie bestimmt. Blockieren Sie sich also bitte nicht damit, über Formulierungsfragen nachzudenken.

Ich schreibe für gewöhnlich in der Ich-Form. Manchmal rede ich aber auch über das Tagebuch mit mir selbst und spreche mich dann persönlich an. Schlagworte oder Satzfragmente sind völlig ausreichend. Sie müssen nicht „druckreif“ werden. 😉

Hilfreich ist es, wenn Sie Ihre Einträge datieren. So können Sie später Ihre Entwicklung nachvollziehen. Besonders wichtig ist das natürlich, wenn Sie biografisch schreiben, eine Reise festhalten wollen oder Ähnliches.

Mir hilft es überdies, klare Überschriften zu vergeben, Textstellen zu unterstreichen oder durch Kringel herauszuheben. Da ich ja, wie gesagt, im Tagebuch ein „kreatives Chaos“ pflege, finde ich so alles schneller wieder. Und ich kann das Wesentliche besser herausarbeiten und erkennen.

Eine Freundin zeichnet auch viel in ihrem Tagebuch oder klebt Bilder ein. Alles ist erlaubt, es ist Ihr ganz persönliches Buch.

Ich wünsche Ihnen manch produktive, schöne, erhellende Stunde mit Ihrem „schriftlichen Begleiter“.

© 2012 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 09.05.12

Möchten Sie meinen Beitrag weiterempfehlen? Dann sage ich mal: Danke. :-)