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Wenn unsere Texte nicht beim Leser ankommen, kann das viele Ursachen haben. Betriebsblindheit ist eine davon. Testleser richtig zu nutzen kann Fehlschläge ersparen.
Wenn Texte beim Leser durchfallen
Jeder Autor kennt ihn – den Moment der Wahrheit. Da haben wir gewerkelt und gefeilt, betüttelt und gepflegt, vielleicht auch geschwitzt und geflucht, bis wir endlich, endlich unserem Text ans Licht der Welt geholfen haben. Und dann … wird er nicht verstanden, kommt nicht gut rüber, fällt beim Leser durch.
Ursachen kann es viele geben.
Vielleicht haben wir nicht auf das Publikum geachtet, an seinen Bedürfnissen und Besonderheiten vorbeigeschrieben. So passt eine freche Schreibe vermutlich nicht allzu gut zu einem Vorstandsbericht und ein nüchterner Berichtsstil nicht zu einem, sagen wir, frechen Frauenroman.
Möglich aber auch, dass es an unserer Betriebsblindheit liegt. Für uns ist alles klar. Wir wissen, welche Bilder wir warum benutzen und welche Fakten wir wie erklären wollen. Wir kennen die Gedankengänge, die zu unserem Text geführt haben, die Versuche, die ihm vorausgegangen sind.
Ein Leser kennt das alles nicht. Ein Leser hat nur unsere Worte, um unseren Gedanken zu folgen und unseren Text zu verstehen. Und wenn diese Worte nicht für sich selbst sprechen, haben wir ein Problem.
Und jetzt?
Nutzen Sie Testleser
Drehen Sie den Spieß doch einfach um. Warten Sie nicht auf den Ernstfall, sondern greifen Sie auf Testleser zurück.
Nun wird das nicht immer machbar oder sinnvoll sein, aber bei größeren Projekten lohnt es schon.
Bitten Sie Ihre Testleser, den Inhalt Ihres Textes mit eigenen Worten wiederzugeben. Lassen Sie sich erklären, wie Ihr Text gemeint war, dann können Sie auch sehen, wie er angekommen ist. Fallen Ihnen Unterschiede auf, dann haken Sie nach. Überprüfen Sie Ihre Gliederung noch einmal: Hat der Aufbau Ihres Textes Schwächen, so dass ein Leser ihm nicht gut folgen kann? Gibt es Lücken in Ihrer Argumentation? Löst der Tonfall Ihres Textes ganz andere Reaktionen aus, als Sie beabsichtigt haben? Und so weiter, und so fort.
Worauf sollten Sie achten?
Wichtig dabei ist:
So wenig Informationen wie möglich
Geben Sie Ihrem Testleser so wenige Informationen oder Erklärungen wie möglich mit auf den Weg. Lassen Sie ihn mit dem nackten Text allein. Alles andere kann ihn auf eine falsche Spur locken und die Wirkung verfälschen.
So offen und sachlich wie möglich
Bitten Sie Ihren Testleser darum, so offen, aber auch sachlich wie möglich zu sein. So bekommen Sie konstruktive Kritik, ohne durch Werturteile in die Defensive gedrängt zu werden.
Beachten Sie auch: Jeder liest und versteht einen Text anders, beurteilt ihn vor dem Hintergrund seiner eigenen Denkweise und Erfahrungen. Eine ablehnende Haltung muss nicht das Aus für Ihren Text bedeuten.
Nutzen Sie mehrere Testleser
Suchen Sie sich deshalb am besten gleich mehrere Testleser. Je mehr Testleser, desto mehr Ansätze und Sichtweisen.
Wird ein Punkt immer wieder falsch verstanden oder bemängelt? Dann sollten Sie ihn sich vielleicht noch einmal zu Gemüte führen.
Werden unterschiedliche Punkte genannt? Dann ist wieder Ihr Spürsinn gefragt. Klopfen Sie Ihren Text auf mögliche Schwächen ab und entscheiden Sie, welche Kritikpunkte Sie umsetzen wollen und welche nicht.
Holen Sie Ihr Feedback dazu gebündelt von den Testlesern ein und machen Sie sich erst danach ans Werk. Wenn Sie Ihren Text jeweils überarbeitet an den nächsten Testleser weiterreichen, stehen die Chancen nicht schlecht, von einer Kritik in die nächste zu geraten.
Bleiben Sie Herr Ihrer Texte
Und zum Schluss: Berücksichtigen Sie das Feedback Ihrer Testleser, wo es nur geht. Aber lassen Sie sie nicht für Sie Ihren Text (um-) schreiben. Das ist Ihre Aufgabe. Nur so können Sie lernen und gleichzeitig sich selbst und Ihrem Werk treu bleiben.
© 2007 Heike Thormann, Erstveröffentlichung
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