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Texte formulieren: 9 Tipps, wie Sie bessere Sätze schreiben

Viele Schreibwütige toben sich gern mit Worten und Schreibspielen aus. Und das ist auch gut und richtig so. Doch Worte sind im Prinzip nur die Kür. Das Knochengerüst von einem Text sind seine Sätze. Lesen Sie hier 9 Tipps, wie Sie mit klaren, leicht verständlichen Sätzen besser formulieren.

Im kreativen Schreiben wird gewöhnlich mehr Wert auf das Spiel mit Worten oder auch Charakteren, Szenen und Plots gelegt als auf eine „ordinäre“ Satzgestaltung. Doch ohne gute, klare Sätze werden Ihre Leser nicht viel Freude an Ihren Worten haben. 😉 Basiswissen, wie Sie Texte formulieren, gehört dazu. Deshalb kommen hier 9 Tipps, wie Sie bessere Sätze schreiben.

„Kreativ Schreiben lernen“ können Sie auch in meinem gleichnamigen Kurs. Und mein Kurs „Bücher und Texte konzipieren und planen“ zeigt Ihnen, wie Sie Texte besser aufbauen, um Gedankenhedderei und Satzwüsten zu vermeiden. 😉

1. Meiden Sie Satzmonster

Die Schreibwelt streitet sich, ob man nun besser kurze Sätze oder lange Sätze schreiben soll. Die einen sagen: Kurze Sätze; die Aufmerksamkeit ist flüchtig, lange Sätze überfordern. Die anderen sagen: Lange Sätze; nur in langen Sätzen schwingt Musik, alles andere kann entsetzlich stakkatohaft sein.

Dazu habe ich auch mal einen Artikel geschrieben: „Wie lang darf ein Satz sein?“

Ich sage: Lange Sätze sind in Ordnung, wenn Sie sie nicht ausufern lassen und wenn Sie den Aufbau in den Griff bekommen.

Doch gewöhnen Sie sich ruhig an, mit kurzen Sätzen abzuwechseln. Je weniger Sie Ihre Leser mit komplizierten Satzkonstruktionen quälen, desto besser. Machen Sie einfach öfter einen Punkt. 😉

2. Schreiben Sie Hauptsätze

Kinder erobern sich ihre sprachliche Welt mit Hauptsätzen. Auch in der Grundschule schreiben wir noch „der Ball ist rund“. Später ergötzen wir uns dann an Nebensätzen und vielschichtigen Satzgebilden. Ich erinnere mich, dass ich in der Schule Experte für Sätze war, die locker über eine halbe DIN-A4-Seite gingen. Meine Lehrerin sah sich schon genötigt, jedes Mal begeistert aufzuschreien, wenn sie einen Punkt sah. 😉

Diese Satzgebilde waren oft eine Ansammlung von Nebensätzen. Mit „weil“ ging es in die kausale Tiefe. „Obwohl“ lieferte Einwände. „Sowohl – als auch“ stellte alles gegenüber. Auch Relativsätze durften nicht fehlen. Und natürlich am besten alles in einem Satz.

Entzerren Sie diese Gedanken-Konstrukte. Bleiben Sie bei Hauptsätzen, und Sie können auch schneller zu einem Punkt greifen.

3. Ersetzen Sie einen Nebensatz durch einen Hauptsatz

Wie gesagt, Schachtelsätze entstehen schnell, wenn Sie alles durch Nebensätze verklammern. Doch oft können Sie Nebensätze auch durch Hauptsätze ersetzen. Machen Sie dann aus einem Hauptsatz und einem Nebensatz lieber zwei Hauptsätze.

Schreiben Sie zum Beispiel nicht: „Ich bin heute mit dem Fahrrad gefahren, weil der Wagen in die Werkstatt musste, damit die Batterie ausgetauscht wird.“ (Unterordnung durch Nebensätze)

Schreiben Sie lieber: „Ich bin heute mit dem Fahrrad gefahren. Der Wagen musste in die Werkstatt, die Batterie war hinüber.“ (Zwei separate Sätze. Im zweiten Satz stehen zwei Hauptsätze gleichberechtigt nebeneinander.)

4. Setzen Sie Nebensätze bewusst ein

Sie können und sollen nicht völlig auf Nebensätze verzichten. Manchmal ist das schlicht nicht möglich. Und manchmal ist das zwar möglich, doch nicht ratsam.

Denn mit Nebensätzen können Sie auch spielen. Sie können mit ihnen Ihren Texten Ton und Klang verleihen, statt Hauptsätze stakkatohaft im Gleichklang marschieren zu lassen. Bringen Sie Musik in Ihre Sätze. Lassen Sie die Tonhöhe ansteigen und abfallen, schwingen Sie sich von Satzteil zu Satzteil.

Lesen Sie sich dazu Ihre Sätze laut vor. Wie hört sich ein Satz an? Klingt er gut, melodisch? Oder verhaspeln Sie sich, klingt es irgendwie „falsch“? Dann könnte etwas am Aufbau nicht stimmen.

5. Bringen Sie die Hauptsache im Hauptsatz

Gut, Sie konzentrieren sich auf Hauptsätze. Und Sie spielen mit Nebensätzen. Was schreiben Sie jetzt wo?

Eine Faustregel dazu lautet: Bringen Sie die Hauptsache (oder die tragende Handlung) im Hauptsatz. Und schreiben Sie im Nebensatz Dinge, die den Hauptsatz näher erklären oder die den Hauptgedanken untergeordnet sind.

Ein Beispiel:

„Die Werkstatt, in der ich die Batterie meines Wagens ersetzen ließ, ist für ihren guten Service und ihre Kompetenz bekannt.“ (Hier geht es um die Werkstatt und ihre Qualitäten.)

„Die Batterie meines Wagens war nicht mehr zu retten, obwohl ich diesen extra zu einer Werkstatt gebracht hatte, die für ihren guten Service und ihre Kompetenz bekannt ist.“ (Hier geht es um die Batterie, die nicht mehr zu retten ist.)

6. Hängen Sie Nebensätze nach Möglichkeit an

Die meisten Nebensätze werden angehängt. („Die Batterie meines Wagens war nicht mehr zu retten, obwohl ich diesen noch extra zu einer Werkstatt gebracht hatte.“)

Deutlich weniger werden vorangestellt. („Weil die Werkstatt einen guten Ruf hatte, brachte ich meinen Wagen mit der defekten Batterie dorthin.“) Sie merken vielleicht schon: Der Ton klingt etwas hölzern.

Nebensätze, die den Hauptsatz unterbrechen, sollten möglichst kurz sein. (Wie dieser Relativsatz.)

Oder Sie versuchen gleich, Ihre Nebensätze anzuhängen. Damit vermeiden Sie auch die berühmt-berüchtigten Schachtelsätze. („Halten Sie alle Nebensätze möglichst kurz, die den Hauptsatz unterbrechen.“)

7. Schachteln Sie nicht in die Tiefe

Hängen Sie nicht Nebensatz über Nebensatz aneinander an. Spätestens nach dem dritten oder vierten Nebensatz bricht Ihnen die Aufmerksamkeit Ihrer Leser völlig weg. Zwei Nebensätze wie in meinem Beispiel hier erfordern schon genug „Verarbeitungs-Kapazität“:

„Die Batterie meines Wagens war nicht mehr zu retten, obwohl ich diesen extra zu einer Werkstatt gebracht hatte, die für ihren guten Service und ihre Kompetenz bekannt ist.“

8. Lassen Sie Zusammengehöriges zusammen

Wir sind immer noch dabei, möglichst einfach und verständlich zu schreiben. Unser Ziel sind klare Sätze, die Ihr Leser gut aufnehmen und verstehen kann.

Dazu gehört auch diese Regel: Lassen Sie Zusammengehöriges zusammen. Sie wissen ja jetzt, die Aufmerksamkeit und Speicherfähigkeit unseres Kurzzeit-Gedächtnisses ist begrenzt. Die Zahlen sind zwar verschieden. Manche Quellen sprechen von 12 bis 15 Silben, die wir noch vertragen. Andere sagen: 12 bis 15 Worte. Doch dann ist definitiv Ende im Gelände.

Daraus folgt wieder: Hängen Sie Nebensätze möglichst an. Halten Sie Nebensätze, die Hauptsätze unterbrechen, kurz. Schreiben Sie kurze Sätze. Halten Sie alles zusammen, was inhaltlich, logisch oder sprachlich zusammengehört. Und als Sonderregel …

9. Halten Sie Verben zusammen

Die deutsche Sprache erlaubt es und verlangt es sogar, Verben auseinanderzuziehen.

Da heißt es zum Beispiel: „Ich habe den Wagen, dessen Batterie mir defekt schien, extra in eine Werkstatt, die für ihren Service und ihre Kompetenz bekannt war, gebracht, damit …“ Formal ist alles richtig, ja. Doch Ton und Lesefreundlichkeit sind haarsträubend.

Was können Sie dagegen tun? Nun, Sie könnten wieder zum Punkt greifen und aus einem langen Satz mehrere kurze Sätze machen. („Der Wagen sprang nicht an, die Batterie war wohl hinüber. Also suchte ich nach einer Werkstatt, die für … bekannt war. Schließlich wollte ich …“ Und so weiter, und so fort.)

Oder Sie nutzen verstärkt „unzertrennliche Verben“. Sie bringen also zum Beispiel Ihren Wagen nicht in die Werkstatt. (Woraus ein „habe … gebracht“ werden kann.) Sie fahren ihn. (Ein einfaches „fuhr“.)

Oder Sie packen möglichst wenige nähere Bestimmungen zwischen die einzelnen Teile Ihres Verbs.

Der „Papst für Sprach- und Stillehre“ Wolf Schneider nennt in seinem Buch „Deutsch fürs Leben“ noch weitere Tipps. Ich kann ihn wärmstens empfehlen für ein Thema, um das Schreibratgeber sonst oft einen Bogen machen.

(Das ist übrigens ein weiterer Tipp: Sie ziehen das Verb „empfehlen“ vor und hängen es an die nähere Bestimmung „wärmstens“, statt beides zu sperren wie hier „wärmstens für ein Thema empfehlen, das …“)

Ihnen noch viel Spaß mit Ihren Sätzen.

© 2011 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 14.03.11

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