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Neun Tipps für eine effektive Schreiborganisation

Egal, ob Sie nur ein paar Texte oder ein ganzes Buch schreiben – ohne Systematik und Organisation drohen nicht nur Aufschieberitis und Schreibblockaden. Es ist die richtige Organisation, die erst den nötigen Rückhalt für Ihre Kreativität bildet und Sie zu Höchstleistungen mit Stift und Tastatur auflaufen lässt. Erfahren Sie hier, wie Sie gut organisiert schreiben.

Nehmen Sie sich Zeit.

Erstes Gebot beim Schreiben: Nehmen Sie sich Zeit. Einen Text zu lesen geht schnell. Einen Text zu schreiben kann erheblich länger dauern. Setzen Sie sich nicht unter Druck, indem Ihnen alles zu langsam geht.

Wenn Sie hektisch werden und schludern, geht der Schuss nach hinten los. Denn das kostet Sie nicht nur Ihre normale Schreibzeit. Schlechte Texte können auch potenzielle Leser und Kunden abschrecken.

Suchen Sie sich einen geschützten Raum.

Schreiben Sie nach Möglichkeit nicht zwischen Tür und Angel – oder in einem lärmenden Großraumbüro. Wenn es nicht gerade Routinetexte sind, dürften die meisten von uns einen freien Kopf brauchen, um konzentriert an Inhalt und Ausdruck arbeiten zu können.

Suchen Sie dann ganz gezielt nach „störungsfreien“ Auszeiten. Wandern Sie mit Ihren Texten in ein leeres Büro, schließen Sie die Tür, schalten Sie das Radio aus und so weiter. Umso weniger Fehler werden Sie machen, und umso schneller kommen Sie voran.

Testen Sie Arbeitsmittel und Arbeitsplatz.

Wir Menschen sind verschieden, und womit der eine klarkommt, kann für den anderen ganz und gar nicht funktionieren. Mancher mag mit seinen drei Monitoren und dem Durcheinander einer technischen Werkstatt glücklich sein. Der andere braucht für seine kreativen Höhenflüge vielleicht den spartanischen Look einer nackten Schreibtischoberfläche mit einsamem Laptop.

Testen Sie deshalb, wann, wo und wie Sie am besten schreiben. Sind es die Morgen- oder die Abendstunden, in denen Ihnen die besten Ideen kommen? „Hacken“ Sie Ihre Texte gleich in den Rechner oder brauchen Sie erst noch Vorlauf mit Notizzetteln und Co.? Ziehen Sie eine Tastatur mit leichtem Anschlag vor oder sind Sie ein Fan von Spracherkennungssoftware?

Was auch immer. Je besser Ihr Arbeitsplatz auf Ihre Marotten und Gewohnheiten abgestimmt ist, desto besser ist das auch für Ihr Schreiben und Ihre Texte.

Begrenzen Sie Ihre Arbeitsmenge.

Ich weiß nicht, was Sie schreiben wollen – vielleicht nur ein Impressum für Ihre Website, vielleicht ein Online-Handbuch für Ihr Produkt. Aber wenn es das große Projekt sein sollte, dann begrenzen Sie Ihre Arbeitsmenge. Blenden Sie die Tatsache aus, dass noch 10 Kapitel auf Sie warten. Sonst kann diese Vorstellung so lähmend sein, dass Sie gar nicht erst anfangen wollen oder so schnell wie möglich wieder aufhören.

Nehmen Sie sich ein Kapitel oder besser noch Unterkapitel nach dem nächsten vor – im Geiste und ganz real auf dem Papier beziehungsweise als Datei. Und verbannen Sie fürs erste den Rest. Schon im normalen Leben können Arbeitsberge abschreckend sein. Bei einem Text ist das noch schlimmer. Zu viel auf einmal erreichen zu wollen kann unter anderem die schönste Schreibblockade auslösen.

Denken Sie daran: Schreiben ist ein Prozess

Und noch etwas: Blenden Sie nicht nur alles aus, was Sie gerade nicht in Ihren Fingern haben. Denken Sie immer daran, dass Schreiben ein Prozess ist.

Weder müssen Ihr Impressum und Co. auf Anhieb stehen wie eine Eins. Noch dürfen Ihre Texte erst Gnade vor Ihren Augen finden, wenn sie perfekt sind. Mit solchen Vorgaben, die an Schuldruck und Klassenarbeiten erinnern, blockieren Sie sich nur selbst.

Denn die wenigsten Texte fließen uns druckreif aus der Feder. Eine Überarbeitung ist fast immer notwendig. Wenn möglich, lassen Sie Ihren Text über mehrere Tage oder Etappen hin liegen und reifen wie einen guten Wein. So können Sie ungebremst Ihren ersten Ideenstrom festhalten und anschließend leser- und kundenorientiert feilen.

Gehen Sie in Etappen vor.

Und wo wir gerade bei Etappen sind: Gehen Sie in Etappen vor. Schreiben Sie nicht am Stück, sondern bewusst in Schüben. Wie gesagt, den auf Anhieb druckreifen Text gibt es nicht. Also warum mit den Sätzen ringen, um ihn doch noch zu erhaschen?

Das Schreiben wird Ihnen leichter fallen, wenn Sie mit dem arbeiten, wozu Ihnen gerade etwas einfällt.

Sammeln Sie Fragmente und Ideen. Jonglieren Sie mit Kapiteln. Was Sie gerade da haben. Wenn Sie dann soweit sind, verbinden Sie die Teile zu einem harmonischen Ganzen. Wie bei einem Puzzle.

Bringen Sie System rein.

Systematisch wird Ihr Etappenlauf übrigens, wenn Sie zwar einzelne Fragmente bearbeiten, diese aber innerhalb einer gewissen Reihenfolge drannehmen.

Wie gesagt, Schreiben ist ein Prozess. Machen Sie sich diese Tatsache zunutze und gehen Sie Schritt für Schritt analog zum Schreibprozess vor.

Dazu könnten Sie sich an folgenden Musterphasen orientieren:

  • Phase 1: Entspannen und auf den Text einstimmen
  • Phase 2: Ideen und Inhalte sammeln
  • Phase 3: Gliederung und roten Faden erstellen
  • Phase 4: Rohtext schreiben, dabei Form und Stil ignorieren
  • Phase 5: Testleser nutzen oder Text ruhen lassen, um Abstand zu gewinnen
  • Phase 6: Text überarbeiten, für Feinschliff sorgen und Fehler korrigieren
  • Phase 7: Ergebnis bewusst genießen und sich fürs nächste Mal motivieren

Das heißt: Sammeln Sie zum Beispiel in Phase 2 alle möglichen Ideenfragmente. Gehen Sie interessanten Spuren nach und halten Sie sie fest.

Oder: Arbeiten Sie beim Rohtext einzelne Ideen und Textstellen ab. Wenn Sie vorher eine Gliederung erstellt haben, spielt hier auch die Reihenfolge keine Rolle. Beim Zusammenfügen sagt Ihnen Ihre Gliederung schon, was wohin soll.

Und so weiter, und so fort.

Arbeiten Sie mit Vorlagen.

Erleichtern Sie sich Ihre Arbeit, indem Sie mit Vorlagen und Beispieltexten arbeiten. Kreativität und eigene Einfälle sind gut, aber es spricht auch nichts dagegen, sich das Leben mit (eigenen) Mustervorlagen oder einem Grundgerüst leichter zu machen. Sie sollen die Vorlagen ja nicht kopieren – sich nur inspirieren lassen.

Bauen Sie Erholungsphasen ein.

Und zum Schluss: Vergessen Sie nicht, zwischendurch einfach mal abzuschalten. Schreiben kann anstrengend sein und Höchstleistungen von Ihrem Gehirn fordern. Machen Sie lieber zwischendurch Pause, bevor Sie k.o. gehen und sich nur noch im Kreis drehen.

Manchmal hilft es schon, einfach einer anderen Tätigkeit nachzugehen, um den Kopf wieder freizukriegen. Und manchmal kann auch der berühmte „Power-Nap“ (neudeutsch für Nickerchen) oder die Auszeit bis zum nächsten Morgen helfen.

Probieren Sie aus, was Sie mit neuem Schwung an Ihre Texte gehen lässt.

Viel Erfolg beim Schreiben.

Dieser Artikel wurde, leicht verändert, zuerst veröffentlicht im Dr. Web Magazin, August 2008. © 2008 Heike Thormann

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