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8 Tipps gegen den Kreativitätskiller Multitasking

Viele kreative Menschen stehen ständig unter Strom. Sie brauchen es geradezu, mit mehreren Dingen gleichzeitig zu jonglieren. Doch dieser Geschwindigkeitsrausch hat auch seinen Preis. Aberwitzigerweise verhindert er sogar das, was ihn ursprünglich einmal ausgelöst hat: Die Kreativität. Lesen Sie deshalb 8 Tipps, wie Sie diesem sogenannten Multitasking vorbeugen können.

Alle paar Jahre geht es durch die Presse. Auch ich selbst habe vor drei Jahren einen Artikel darüber geschrieben: Multitasking ist schädlich.

Es schadet unserem Denkvermögen, unserer Arbeitsleistung und unserer Kreativität. Mehr noch: Niemand beherrscht es wirklich. Noch nicht einmal die als Vorbilder dargestellten Computer.

Dennoch können viele nicht von dem Versuch lassen, möglichst viele Dinge gleichzeitig zu erledigen.

Multitasking geht nur bei Routinetätigkeiten gut

Doch das geht nur bei Routinetätigkeiten gut.

Ein kleiner Liedrefrain, der mir beim Schreiben halb unbewusst immer wieder durch den Kopf gehen mag. Autofahrer, die nach langen Jahren der Praxis nicht mehr bewusst über Kuppeln und Schalten nachdenken müssen, und sich mit dem Beifahrer unterhalten oder dem Verkehrsfunk lauschen. (Meist) Frauen, die ihre Finger beim abendlichen Krimi nicht stillhalten können, sondern noch Mützen oder Deckchen im Akkord stricken.

Wenn unser Verstand nicht gefordert ist und immer gleiche Bewegungen abspult, mag unsere Aufmerksamkeit sich parallel auf andere Tätigkeiten richten können. Mehr nicht.

Der Punkt ist, dass unser Gehirn Eindrücke und Informationen nicht gleichzeitig, sondern nur nacheinander aufnehmen kann. Wir können keine zwei Dinge gleichzeitig tun oder Gedanken gleichzeitig denken. Das schaffen nicht einmal die erwähnten Computer. Auch sie arbeiten nur eine Aufgabe nach der nächsten ab.

Unser Gehirn steht im Dauerstress

Wollen wir trotzdem multitasken, also mehreres gleichzeitig erledigen, springt unser Gehirn zwischen diesen Dingen und ihren einzelnen Reizen hin und her. Es steht im Dauerstress.

Dieser Dauerstress kann zwar sehr anregend sein und einem Höhenflug gleichkommen. Doch irgendwann dreht sich der Spieß um.

Unser Gehirn wird müde nach dem Kraftakt. Wir verlieren unsere Konzentration. Wir nehmen alles nur noch eingeschränkt wahr. Wir sind zu keinen komplexen Denkvorgängen mehr in der Lage. Wir schalten auf Autopilot. Geistig-kreative Arbeit hat da einen schweren Stand.

Vorbei mit Kreativität und geistiger Arbeit

Vergessen Sie es, in einen kreativen Flow geraten zu wollen, der sich einstellt, wenn wir konzentriert einer Sache nachgehen. Vergessen Sie es auch, um die Ecke denken und geistiges Neuland betreten zu wollen. Vergessen Sie es überdies, Ideen in die Tiefe denken, analysieren und beurteilen zu wollen. Das alles ist mit einem dauerstress-geschädigten Gehirn nicht möglich.

Lassen Sie also beim nächsten Mal lieber die Finger davon, wenn Sie beispielsweise gleichzeitig telefonieren und Ihre Abrechnung machen, oder einen Artikel schreiben und Ihre eMails checken wollen. 😉

Über beide Aufgaben müssen Sie bewusst nachdenken, keine können Sie routinemäßig im Hintergrund laufen lassen. Ihr Multitasking wird lediglich dazu führen, dass Sie womöglich nur mit halbem Ohr zuhören, falsche Posten verbuchen, den Faden verlieren und immer neu ansetzen müssen.

Was also tun gegen das berüchtigte Multitasking? Hier habe ich ein paar Tipps für Sie.

1. Ihre volle Aufmerksamkeit ist gefordert

Beim Free Writing zwinge ich meine Teilnehmer immer, mindestens zehn Minuten am Stück zu schreiben. Ohne Unterbrechung, ohne Gang zum Kaffee-Automaten, ohne Schwatz mit dem Tisch-Nachbarn. 😉

Wenn Sie das einmal selbst ausprobieren, werden Sie feststellen, dass das gar nicht so einfach ist. Wir sind permanent mit allen möglichen Dingen beschäftigt. Die eigentliche Aufgabe läuft nur noch unter ferner mit.

Versuchen Sie, diese Konzentration auf Ihre jeweilige Tätigkeit zu übertragen. Wenn Sie wollen, greifen Sie ruhig zu Hilfsmitteln wie einem Küchenwecker. Sie dürfen Ihrer Katze zum Beispiel erst dann wieder beim Putzen zusehen, wenn der Wecker nach 10, 20 oder 30 Minuten klingelt.

Achtung: Starren Sie bitte nicht 30 Minuten lang auf das Papier oder Ihre Datei. So war das nicht gemeint. Ihre Augen brauchen Bewegung und auch einen Wechsel zwischen Nah- und Fernsicht, wenn sie nicht leiden sollen. Blicken Sie deshalb durchaus immer wieder auf und sehen Sie beispielsweise kurz aus dem Fenster. Verzichten Sie lediglich auf Tagträumereien beim hypnotischen Anblick sich putzender Katzen. 😉

2. Mach mal Pause

Irgendwann ist es genug. Wir können uns nur eine begrenzte Zeit auf etwas konzentrieren, dann brauchen wir eine Pause. Warten Sie nicht, bis Sie den Überblick verlieren und sich künstlich mit Multi-Tasking-Tätigkeiten wie dem beliebten eMail-Checken wachzuhalten versuchen.

Machen Sie eine kleine Pause. Atmen Sie einige Male tief durch. Öffnen Sie das Fenster und tanken Sie kurz neuen Sauerstoff. Schalten Sie vollständig ab, und setzen Sie sich dann wieder an Ihre Arbeit. Das hält Sie frischer als jedes Multitasking.

3. Beugen Sie Störungen vor

Nicht jedes Multitasking ist selbst verschuldet. Die lieben Mitmenschen können einen ebenfalls zu hektischer Betriebsamkeit veranlassen. Die schon erwähnte eMail bimmelt. Das Telefon nervt. Der Kollege möchte nur mal eben schnell … Und schon hantieren Sie an mehreren Fronten gleichzeitig.

Das wird sich manchmal nicht vermeiden lassen. Doch Sie können zumindest versuchen, Störungen von außen zu begrenzen. Schotten Sie sich ab.

Stellen Sie die winkenden Fähnchen bei Ihrem eMail-Programm ab oder, noch besser, lassen Sie das am besten gleich ganz aus. Schalten Sie den Anrufbeantworter ein. Geben Sie Zeiten bekannt, zu denen man Sie gut sprechen kann, und wann es auf einen „Notfall“ begrenzt sein sollte. Machen Sie Zeiten ausfindig, an denen Sie möglichst ungestört arbeiten können. Und so fort.

4. Planen Sie großzügig Puffer ein

Das war früher ein Laster von mir: Ich wollte die Zeit immer maximal ausreizen. Wenn ich mit einer Aufgabe fertig war und zehn Minuten Zeit bis zum nächsten Termin hatte, habe ich noch mit einer neuen Aufgabe angefangen. Mit dem Ergebnis, dass ich mich entweder sehr sputen musste, die Aufgabe nicht mehr fertig bekam oder – seltener – großzügig mit dem Termin umging.

Bei mir was das ein Problem des „Nacheinander“. Viele springen aber zwischen mehreren Aufgaben hin und her, wenn sie sich unter Zeitdruck fühlen. Eine schöne Quelle für Multitasking-Ambitionen.

Achten Sie lieber darauf, nicht alles auf den letzten Drücker zu erledigen, planen Sie genug Puffer ein und nehmen Sie nur so viele Aufgaben an, wie Sie bewältigen können. Und fangen Sie keine neuen Aufgaben an, die Sie nur unter Stress setzen werden – versteht sich. 😉

5. Gehen Sie der Reihe nach vor

Ich weiß, ich weiß, manchmal lasse ich mich selbst dazu hinreißen: Dann habe ich hier eine kleine Aufgabe – eben schnell erledigen. Und dort eine Idee – das gleiche. Schließlich wieder zurück zur „eigentlichen“ Aufgabe. Und dieses Wechseln kann ja auch ganz anregend sein. Es kostet Sie nur wieder einiges.

Schreiben Sie sich lieber solche kleinen Aufgaben auf und werfen Sie sie nicht dazwischen. Gehen Sie ruhig Ihre „eigentlichen“ Aufgaben in der Reihenfolge durch, die Sie sich vorher überlegt haben. Setzen Sie Prioritäten. Selbst wenn Sie an mehreren Projekten gleichzeitig arbeiten, sollte jedes Projekt seine eigenen „Zeitfenster“ haben.

Die Kunst ist es nicht, möglichst viele Bälle in der Luft zu haben, sondern die richtigen Bälle zur richtigen Zeit zu erledigen. 😉

6. Prüfen Sie Ihr Kommunikationsverhalten

Wie oft lenken Sie sich während der Arbeit mit einem kleinen Computerspiel ab, steuern den Wetterbericht oder die neuesten Nachrichten an, checken besagte eMails oder schauen auf einen Sprung bei Ihren Kollegen vorbei?

Und bitte nicht missverstehen: Nicht, dass ich etwas gegen Abwechslungen hätte. Die können einem sehr gut tun. Anders sieht es aus, wenn die Sache zwanghaft wird und der Griff zum eMail-Postfach in immer kürzeren Abständen erfolgt.

Vergeben Sie wieder Prioritäten. Gehen Sie nach einer bestimmten Reihenfolge vor. Bilden Sie Blöcke. Beobachten Sie sich selbst und machen Sie sich Ihre Verhaltensmuster klar – dann können Sie sie auch ändern.

7. Steuern Sie mit Entspannung gegen

Wie gesagt, viele Menschen finden es sehr anregend, mit Höchstgeschwindigkeit zwischen Aufgaben hin und her zu springen. Ich selbst gehöre auch dazu. Ich langweile mich sonst relativ schnell mit nur einer Aufgabe. Doch die Sache zehrt auch an Ihren Ressourcen.

Deshalb habe ich hier eine Herausforderung besonderer Art für Sie: Zwingen Sie sich im Gegenteil, diesem Drang nach immer neuem Input mit kurzen Entspannungsübungen oder Ähnlichem zu bekämpfen. Machen Sie wirklich für einen Moment einmal nichts. Schließen Sie einfach nur die Augen, legen Sie die Hände in den Schoß, und kehren Sie an Ihre Aufgabe zurück. Wenn Sie merken, dass Ihnen das schwerfällt, ist das genau Ihr Ding. 😉

Tipp: Am besten sind natürlich Aufgaben, die Sie von sich aus herausfordern. Wenn Sie gebannt und hochkonzentriert an etwas arbeiten, werden Sie an ablenkendes Multitasking nicht einmal mehr denken.

8. Vorsicht vor künstlichen Hochgefühlen

Multitasking kann regelrecht süchtig machen. Es kann atemberaubend sein, von Aufgaben umschwirrt zu werden und diese gekonnt eine nach der anderen über die Bühne zu bringen. Fast schon wie bei einem Geschwindigkeitsrausch.

Doch die Ernüchterung folgt auf dem Fuß, wenn Sie Ihre Geschwindigkeit nicht mehr halten können und ausgebrannt zurückfallen.

Lassen Sie sich auch nicht von betriebsamen Mitmenschen anstecken oder verunsichern. Es ist keine Stärke, vor lauter Multitasking nichts wirklich geregelt zu bekommen. Es kostet Sie letzten Endes nur Zeit, erhöht Ihre Fehlerquote und mindert Ihre Qualität.

Hektische Aktivität ist kein Synonym für effektive Produktivität.

In diesem Sinne: Wenn Sie schon „multitasken“ müssen, dann nacheinander und mit System.

So bewältigen Sie Ihre Anforderungen vielleicht nicht gleichzeitig, aber dafür sicher.

© 2010 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 24.11.2010

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