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Sechs Tipps, wie Sie mit dem Schreiben beginnen

Eigentlich ist es tröstlich zu wissen, dass selbst gestandene Schriftsteller immer wieder Probleme damit haben, mit dem Schreiben zu beginnen. Es ist aber auch frustrierend, wenn einem sogar der Abwasch verlockender erscheint als das, was man doch an und für sich so gern tut. Geht es Ihnen auch so? Dann lesen Sie hier sechs Tipps, wie Sie leichter ins Schreiben kommen.

Wie fange ich an zu schreiben? Egal, mit wem ich spreche oder wessen Buch ich lese: Die meisten Schriftsteller und Autoren scheinen um ihren Schreibtisch wie um eine Nahkampfzone herumzustreifen. 😉

Da scheint plötzlich so ziemlich alles wichtiger oder verlockender zu sein als das Schreiben. Selbst der Abwasch oder die ansonsten verhasste Putzaktion entwickeln mehr Charme.

Bei manchem liegt das vielleicht an zu hohen Erwartungen oder Ansprüchen an sich selbst. Bei manchem vielleicht auch an schlechten Erfahrungen. Bei den meisten, und damit schließe ich mich ein, liegt das aber wohl daran, dass das Schreiben einen voll und ganz fordert und in Beschlag nimmt.

Da gibt es keine Musik, die man – wie beim Abwasch – begleitend hören, oder Spielereien, die man – wie bei sonstiger Arbeit – zwischendurch machen kann. Jedenfalls nicht über die Strecken hin, in denen man konzentriert an seinem Text arbeitet.

Beim Schreiben ist man auf sich und seinen Text reduziert. Nichts anderes ist mehr wichtig. Gleichzeitig wird dieser Text aber immens wichtig. Und zwar nicht nur bei Leuten, die wie ich einen Abgabetermin „am Hals haben“. 😉

Und: Schreiben kann mühsam und richtige Schwerstarbeit sein. Unser Gehirn muss gerade mehrere Dinge gleichzeitig tun. Wir jonglieren mit Gedanken und Ideen, Worten und Sätzen. Wir wollen etwas rüberbringen, von anderen verstanden werden, und gut anhören soll es sich auch noch.

Kein Wunder, dass viele, die schreiben, sich erst mal einen Hauruck geben müssen.

Kreative Schreibtechniken können helfen, diesen Hauruck abzumildern. Aber auch manch anderer Trick. Hier habe ich mal einige davon für Sie gesammelt.

1. Malen Sie Ihren Text

Malen ist manchmal einfacher als Schreiben. So mache ich mir bei längeren Schreibprojekten generell eine Skizze beziehungsweise male mir die zukünftige Gliederung auf. Damit kann ich diese wichtige, aber auch fordernde gedankliche Arbeit auslagern, und brauche hinterher nur noch den Text in die Tastatur zu hauen. Bei kürzeren Texten schiebe ich entsprechend Material und Textbausteine so lange in meiner Datei hin und her, bis ich mit der Struktur zufrieden bin. Erst dann geht es wieder ans Schreiben.

2. Schreiben Sie in Etappen

Das geht in die gleiche Richtung: Machen Sie sich die Arbeit leichter und gehen Sie in Etappen vor.

Bei kürzeren Texten bereite ich zum Beispiel gleich mehrere auf das spätere Schreiben vor, indem ich aus dem recherchierten Material und meinen Ideen so eine Grobstruktur anlege. Einen Tag später mache ich mich dann ans Schreiben.

Oder andere Variante: Bei längeren Schreibprojekten schreibe ich zum Beispiel einen neuen Kurs oder Selbstlernkurs innerhalb von etwa drei Monaten. Allerdings bin ich maximal ein Drittel der Zeit mit dem Kurs selbst beschäftigt. Daneben schreibe ich Texte für diese Website oder andere Auftraggeber, coache und halte Kurse, kümmere mich um die Büroarbeit, die Buchhaltung, die Technik, das Marketing, und und. Der üblichen Alltag einer Selbstständigen eben.

Der Vorteil an der Sache ist, dass das Schreiben so entzerrt wird. Ich sitze nicht einen Monat lang an meinem Text und versuche verzweifelt, etwas Vernünftiges zustande zu bekommen, ob mir danach ist oder nicht. 😉

3. Fangen Sie mit Anfang und Ende an

Zugegeben, diesen Tipp sollten Sie nicht allzu wörtlich nehmen. Anfang und Ende eines Textes schreibt man besser erst, wenn man mit dem Text schon fast fertig ist. Erst dann weiß man, welche Richtung der Text genommen hat, und welcher Ein- und Ausstieg damit sinnvoll ist.

Bei längeren Projekten schreibe ich allerdings in der Tat zuerst den Anfang und das Ende. Bei Selbstlernkursen also zum Beispiel die Einführung, die Anhänge und die Exkurse. Damit habe ich wieder einen Rahmen und ein Gerüst, an dem ich mich entlanghangeln kann, sieht der Weg nicht mehr so weit aus.

Statt auf das offene Ende zu starren und zu denken: Oh Gott, ich habe noch 10 Kapitel oder Lektionen vor mir, trickse ich mich selbst aus und denke: Ach komm, das Meiste hast Du doch schon geschafft. Du bist ja schon am Schluss angekommen. Jetzt musst Du nur noch schnell die Mitte füllen. 😉

4. Arbeiten Sie mit festen Terminen

Auch ein bisschen selbstgemachter Druck hat noch nie geschadet. Mir helfen zum Beispiel immer feste Tages- oder Wochenpläne, die mir sagen, in diesem Zeitraum muss das und das geschrieben sein. Wobei Tagestermine noch effizienter sind, weil sonst die Aufschieberitis schnell wieder zuschlägt.

Oder ich setze mir Limits wie „heute wird der und der Text fertig“, „in der nächsten Woche werden die nächsten zwei Kurslektionen fertig“, oder Ähnliches mehr. Wenn ich schneller fertig sein sollte, umso besser. Dann kann ich diese Zeit auf dem Balkon genießen.

Extra-Tipp: Hilfreich ist es auch, wenn Sie bestimmte Gewohnheiten entwickeln. Legen Sie sich zum Beispiel bestimmte Schreibzeiten oder Textmengen zu. Oder arbeiten Sie wie ich mit – mehr oder weniger – festen Veröffentlichungsrhythmen. Sie werden sich schnell an diesen regelmäßigen Rhythmus gewöhnen und brauchen nicht jedes Mal Tage, um sich wieder ans Schreiben zu machen.

5. Achten Sie auf förderliche Arbeitsbedingungen

Eigentlich eine Binsenweisheit, aber für viele doch eine Herausforderung: Wie und wo wir arbeiten, hat starken Einfluss auf den Erfolg unserer schöpferischen Tätigkeit. Wenn ich mich buchstäblich an meinen verhassten Arbeitsplatz prügeln muss, bekommt das auch meinem Schreiben nicht sonderlich gut. 😉

Testen Sie deshalb, wann, wo und wie Sie am besten schreiben. Sind es die Morgen- oder die Abendstunden, in denen Ihnen die besten Ideen kommen? „Hacken“ Sie Ihre Texte gleich in den Rechner oder brauchen Sie erst noch Vorlauf mit Notizzetteln und Co.? Ziehen Sie eine Tastatur mit leichtem Anschlag vor oder sind Sie ein Fan von Spracherkennungssoftware?

Was auch immer. Je besser Ihr Arbeitsplatz auf Ihre Marotten und Gewohnheiten abgestimmt ist, desto besser ist das auch für Ihr Schreiben und Ihre Texte.

Extra-Tipp: Machen Sie es sich dabei durchaus gemütlich. Je verlockender Ihnen Ihr Arbeitsplatz erscheint, desto besser für Ihr Schreiben.

Für Konzept und Struktur wandere ich im Sommer zum Beispiel gern auf den Balkon. In der Sonne lässt es sich so herrlich kritzeln und malen.

Oder ich stelle mir was Leckeres zu essen und zu trinken auf den Schreibtisch, und greife zwischendurch immer wieder beherzt zu. (Obwohl ich langsam aufpassen sollte: Die Zeiten, in denen ich noch hemmungslos essen konnte ohne zuzunehmen, sind leider vorbei. Oder wie es die Freundin meines Bruders nannte: Die 40, Heike, die 40. Dahin kommst Du auch noch. ;-))

6. Belohnen Sie sich selbst

Gut, das ist jetzt Definitionsfrage, ob Balkonrunden oder Kekse schon eine Form von Selbstbelohnung sind oder nicht. Stellen Sie sich im Zweifelsfall halt trotzdem noch eine Belohnung in Aussicht, wenn Sie Ihre jeweilige Schreibarbeit erfolgreich beendet haben. (Und vergessen Sie nicht, sich diese dann auch zu genehmigen.)

Was ich auch immer gern mache: Ich male mir das Ergebnis „fertiger Text“ schön leuchtend aus, und freue mich darauf, mit jedem Satz diesem Ergebnis immer näher zu kommen.

Das ist sozusagen die Alternative zum „Termin setzen“ von weiter oben. Ich mache mir einerseits Druck und lasse mich andererseits von der Aussicht auf eine Belohnung ziehen. Das sorgt für das richtige Gleichgewicht, um doch noch mit dem Schreiben zu beginnen. :-)

© 2009 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 01.06.2009

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