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Veränderung und Wandel: Was bleiben will, muss sich ändern

Das Leben besteht aus Veränderungen, der Wandel und die Neuausrichtung gehören zur Tagesordnung. Das gilt nicht nur für Dinge, von denen man sich trennt. Weniger spektakulär, schleichend, ändert sich auch vieles, was in unserem Leben bleiben soll. Die Herausforderung ist es, sich gemeinsam zu ändern und zu erneuern, denn nur so kann das Alte bleiben.

Schon vor Jahren, ich weiß gar nicht mehr, worum es ging, schickte mir eine Leserin folgendes Gedicht von Inge Müller „Was bleiben will, muss sich ändern“. (Mehr zur Dichterin bei wikipedia.)

1) „Wie das Meer,
das bleibt
in Ebbe und Flut.
Der Baum im Wechsel
der Jahreszeiten.
Die schwingende Brücke.
ein Klang …
Was bleiben will,
muss sich ändern.
2) Das
Leben.
Einatmen und Ausatmen.
Das, woraus ich
Kraft schöpfe.
Meine Wurzeln.
Meine Wege.
Was bleiben will,
muss sich ändern.
+++ +++
3) Liebe,
die ihre Gezeiten hat
wie das Meer.
Freundschaft.
Glück.
Eine Aufgabe.
ein Erfolg …
Was bleiben will,
muss sich ändern.
4) Meine
Bilder
von der Vergangenheit
von der Zukunft
vom Sinn
von Gott
Meine wichtigsten Bilder.
Ich will, dass sie bleiben.
+++ +++
Was bleiben will, muss sich ändern.“

Ähnlich argumentierte auch eine Teilnehmerin, die ich um Buchtipps für eine Freundin bat. Diese war jüngst – eher unwillig – zur Führungskraft avanciert und befürchtete mögliche Probleme mit ihren Mitarbeitern.

Denn meine Teilnehmerin schickte mir nicht nur Buchtipps, wie man seine Mitarbeiter führt. Ein Buch, das ihr besonders gefiel, lief darauf hinaus, dass man besser an sich selbst arbeiten und sich gegebenenfalls ändern solle, statt womöglich fluchtartig Job, Aufgabe oder Mitarbeiter zu wechseln.

Der Grund: Es habe keinen Sinn, lediglich zu wechseln und zu gehen, weil wir uns selbst (und mögliche „Problemzonen“) immer mitnehmen. (Oder vielleicht auch: Solange wir uns selbst unverändert mitnehmen.) Nicht loslassen sei das Gebot der Stunde, sondern transformieren und verändern.

Ich erwiderte darauf, dass es sicher auch Situationen gebe, wo es keinen Sinn habe zu bleiben. Wenn der Arbeitgeber zum Beispiel Werte vorlebt oder erwartet, die mit den eigenen nicht konform gehen. Wenn man keine Möglichkeit hat, die Tätigkeiten auszuüben, die man ausüben möchte. Wenn das Betriebsklima im Keller ist, Mobbing herrscht, und und.

Doch das Leben ist ein permanenter Wandel, selbst bei Dingen, die bleiben sollen. Ich sehe es seit Jahren in meinem eigenen Umfeld und Leben. Ohne Veränderung kommen wir hier nicht weiter.

Familien gehen getrennte Wege, Partner entwickeln sich in unterschiedliche Richtungen, Freunde ziehen weg, neue Anforderungen warten im Job, und nicht zuletzt verändert man sich selbst und bildet neue Interessen oder Verhaltensweisen aus.

Die Herausforderung ist es, sich den veränderten Bedingungen anzupassen und neue Wege des Umgangs damit zu finden. Oder anders formuliert: Wer jetzt noch bleiben will und was noch bleiben soll, muss sich ändern, damit nicht alles auseinanderfliegt oder man auf der Strecke bleibt. 😉

Wenn Sie so wollen, ist das wieder eine erstklassige Aufgabe für unsere Kreativität. Denn um dem Wandel und der Veränderung zu begegnen, sind kreative Eigenschaften und Verhaltensweisen gefordert. Und beide regen natürlich auch unsere Kreativität an.

Dafür habe ich hier ein kleines Fünf-Schritte-Programm für Sie.

1. So geht es nicht weiter: Das Ende des Alten annehmen

Bevor wir uns daran machen, etwas Neues zu beginnen oder etwas Bestehendes neu auszurichten, müssen wir zunächst das Alte beenden. Die alte Situation gibt es nicht mehr. So, wie es war, wird es nicht mehr sein. Machen Sie sich nicht damit fertig, dass Sie den Status Quo erhalten wollen oder alles unter einen Hut zu bekommen versuchen.

Oder wie ich letztens noch einer Teilnehmerin schrieb: Wir müssen auch buchstäblich Raum für Neues schaffen. Solange unsere Gedanken und unsere Zeit von dem Alten besetzt sind, ist ein Wandel nur sehr schwer möglich.

2. Was ist mir wirklich wichtig: Die Schlacke abtragen und den Kern freilegen

Oft trauern wir liebgewordenen Gewohnheiten hinterher, die nicht wirklich sein müssen. Wir verwechseln das, was uns wirklich wichtig ist, mit dem, was uns gerade so gefällt.

Die beste Freundin zieht weg und den wöchentlichen Kaffeeklatsch bei ihr gibt es nicht mehr? Das ist schade. Doch was war Ihnen wirklich daran wichtig? Der Kaffee oder die Freundin?

Den Kaffee können Sie sich auch mit anderen Menschen gönnen. Und die Freundin kann Ihnen auf andere Weise immer noch nah sein. Sie müssen nur beides voneinander trennen und jeweils passende Lösungen finden.

Oder anders formuliert: Tragen Sie die „Schlacke“ der Gewohnheit ab. Finden Sie den Kern, um den es Ihnen eigentlich geht.

3. Welche Alternativen kann es denn geben: Nach Lösungen suchen

Suchen Sie jetzt nach Ideen: Wo und mit wem können Sie noch Ihren Kaffee genießen? Und: Wie können Sie mit der Freundin Kontakt halten?

Vielleicht wollen Sie häufiger telefonieren? Vielleicht „skypen“ Sie und sehen sich gegenseitig per Video-Übertragung? (Nebenbei: Ein Onkel macht das, wenn er wieder im Ausland Pipelines verlegt, und hält auf diese Weise Kontakt zu seinen Kindern.) Vielleicht besuchen Sie sich gegenseitig ein, zwei Mal im Jahr für ein Wochenende? (Das mache ich gern, weil ich auf diese Weise günstig zu Urlaub komme und neue Orte kennenlerne. ;-)) Vielleicht fahren Sie gemeinsam in Urlaub? Vieles ist denkbar.

Sprengen Sie auch ruhig die Grenzen des konventionellen Denkens. Finden Sie neue Rollen, oder definieren Sie Ihre Rolle für sich neu. Wer sagt, dass es immer die Mutter sein muss, die zuhause bleibt und für die Familie sorgt? Kann das nicht auch der Vater tun? Oder können sich beide die Aufgabe teilen? Denken Sie um und denken Sie quer, das ist kreativ.

4. Kann man das auch positiv sehen: Umdeuten und reframen

Wer mich kennt, weiß, dass ich ein Fan der Kreativ-Technik Reframing bin. Ein Teilnehmer meinte mal, ich hätte die Gabe, alles in einem anderen Licht erscheinen zu lassen, ohne es mit Puderzucker zu bestäuben. 😉

So eine Sichtweise zu trainieren beziehungsweise entsprechende Argumente zu finden, geht nicht von heute auf morgen. Doch überlegen Sie mal: Können Sie den Wegzug der Freundin auch positiv sehen? Was daran könnte Ihnen – bei allem Verlust – gefallen? Ist es vielleicht die Aussicht auf verlängerte Wochenenden in x?

Oder wenn Mama ihrer Berufung nachgeht, statt nonstop für die Familie da zu sein – was könnte daran für die Familie positiv sein? Vielleicht die Tatsache, dass Mama jetzt zwar seltener zuhause ist, aber dafür glücklich, gelöst und entspannt ist? Statt eingesperrt und zähneknirschend in Ketten? 😉

5. Worauf will ich achten: Aus der Vergangenheit lernen und es besser machen

Oft kündigen sich Änderungen durch diverse Reibereien an. Der alte Zustand passt einem nicht mehr, er juckt wie eine Haut, die sich schälen will. Die innere Unzufriedenheit überträgt sich auf das Äußere. Neue Muster wollen ausgebildet werden, und das geht nur, wenn man aus dem, was bis jetzt gelaufen ist und was nicht mehr funktioniert, lernt.

Überlegen Sie: Was klappt noch gut und kann so bleiben? Wo sind Spannungen, die auf kaum sichtbare Veränderungen hindeuten? Welche Gewohnheiten oder Verhaltensweisen sollten Sie ändern? Was wollen Sie in Zukunft besser machen?

Was bleiben will, muss sich ändern. Und das gilt nicht nur für die äußeren Umstände, das gilt auch und vor allem für Sie selbst. Nur dann haben Sie eine Chance, das zu erhalten, was Ihnen wirklich wichtig ist, in welcher Form auch immer. Mmh?

© 2011 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 02.03.2011

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