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So finden Sie einen Verlag

„Verlag sucht Autor.“ Über diese und ähnliche Anzeigen landen Sie oft nur bei sogenannten Druckkosten-Zuschussverlagen, die Ihr Buch für teures Geld drucken, aber nur selten unter die Leute bringen. In der Regel heißt es wohl eher: Autor sucht Verlag. Hier zeige ich Ihnen, wie Sie Schritt für Schritt einen Verlag für Ihr Buch finden.

Früher hieß es: Wer ein Buch veröffentlichen will, braucht dazu einen Verlag. Dann hieß es: Wer keinen Verlag für sein Werk begeistern kann, verlegt sein Buch selbst. (Das sind die sogenannten Selbstverlage.) Heute heißt es: Es gibt verschiedene Wege, seine Bücher unter die Leute zu bringen. Alle haben ihre Vor- und Nachteile. Doch für viele Autoren, die sich einen Namen als Schriftsteller machen möchten, führt der Weg immer noch – über den Verlag. 😉

Und wie finden Sie nun einen Verlag? Dazu habe ich hier ein paar Tipps gesammelt. Wobei ich hinzufügen muss, dass ich auf diesem Gebiet (noch) wenig eigene Erfahrung habe. Im Anhang dieses Artikels nenne ich Ihnen deshalb einige Literatur, die ich mit verarbeitet habe.

1. Ordnen Sie Ihr Buch ein

Grenzen Sie Ihr geplantes Thema ein: Was und worüber wollen Sie schreiben? Einen Roman oder eher ein Sachbuch? Ein Fachbuch, um sich einen Namen als Experte zu machen, oder einen Ratgeber, der sich an breitere Schichten wendet? Fantasy, Krimi oder ein „freches Frauen-Buch“?

2. Suchen Sie nach einem passenden Verlag

Man sollte es eigentlich für selbstverständlich halten, doch viele Lektoren stöhnen immer noch darüber: Viele hoffnungsvolle Autoren überschütten Verlage mit Büchern, die überhaupt nicht zu deren Themen passen.

Nehmen wir an, Sie wollen also einen frechen Frauen-Ratgeber schreiben: Dann lassen Sie die Finger von allen Verlagen, die sich auf Belletristik (Romane) spezialisiert haben. Lassen Sie die Finger von Wirtschafts-Verlagen. Und lassen Sie auch die Finger von Verlagen, die eher „betulich“ daherkommen und sich nichts Freches zutrauen.

A) Recherchieren Sie nach Verlagen, die überhaupt in Frage kommen.

  • Suchen Sie im Internet.
  • Nutzen Sie spezielle Suchmaschinen wie www.verlage-finden.de.
  • [Anm. 06/2015: Dieses Angebot wurde offenbar eingestellt.]

  • Stöbern Sie bei amazon oder anderen Buchhändlern nach vergleichbaren Büchern und sehen Sie nach, wer diese verlegt hat.
  • Studieren Sie die Verzeichnisse lieferbarer Bücher wie zum Beispiel www.vlb.de oder www.zvab.com oder www.banger.de.
  • Fragen Sie Ihren Buchhändler.

Studieren Sie dann den Webauftritt der Verlage. Worauf hat sich der Verlag spezialisiert? Welche Themen hat er im Programm? Hat er schon ähnliche Bücher verlegt, wie Sie sie im Auge haben?

Tipp: Achten Sie darauf, kein mehr oder weniger identisches Buch anzubieten. Niemand macht sich durch Konkurrenzprodukte sein eigenes Programm kaputt. Doch wenn es ein ähnliches Buch ist, das dieses Programm gut ergänzen würde, können beide Seiten davon profitieren.

Richtet sich der Verlag an ähnliche Zielgruppen wie Sie? Und: Erkennen Sie sich bei den Autoren, die er unter Vertrag hat, wieder? Wenn Sie sich beispielsweise von Führungskräften und Unternehmensberatern „umzingelt“ sehen, werden Sie sich dort als Autorin eines „frechen Frauen-Buchs“ nicht gerade wohl fühlen. Und Ihr Buch auch nicht. 😉

Bitten Sie den Verlag gegebenenfalls auch um die sogenannte Backlist. Das ist ein Verzeichnis aller aktuellen, noch lieferbaren Bücher des Verlags. Oder fragen Sie nach der aktuellen Handelsvorschau. Hier können Sie viel über Programm, Stil und Selbstbild des Verlags erfahren.

Tipp: Die Aussage „Ihr Buch-Vorschlag passt leider nicht in unser Programm“ kann der Wahrheit entsprechen. Deshalb ist es wichtig, gründlich zu recherchieren. Doch es kann auch nur eine Standard-Absage der Verlage sein, bei der Sie sich nichts denken müssen.

B) Greifen Sie zu Verlagen, die Ihnen sympathisch sind

Ich habe es gerade schon angedeutet: Ohne gegenseitige Sympathie geht auch in der Buchbranche gar nichts.

Meiden Sie Wirtschafts-Verlage, wenn Sie nicht ins Business wollen. Achten Sie auf Verlage, die Ihnen von Auftreten, Selbstbild und bereits vorhandenen Autoren sympathisch sind, mit denen Sie „auf einer Wellenlänge liegen“.

Achten Sie darauf, ob Autoren mehrere Bücher bei diesem Verlag veröffentlicht haben. Das kann auf ein gutes Arbeitsverhältnis hinweisen, so dass ein Autor nicht schon nach dem ersten Buch frustriert den Verlag wechselt.

Fragen Sie auch gegebenenfalls bei einzelnen Autoren einfach nach, welche Erfahrungen sie mit diesem Verlag gemacht haben.

Achten Sie darauf, wie Lektorat und Programmleitung mit Ihnen kommunizieren. Wenn Sie können, führen Sie persönliche Gespräche mit dem Lektor. Und wenn Sie die Wahl haben, nehmen Sie einen Verlag, der in Ihrer Nähe liegt, so dass Sie persönlichen Kontakt haben können.

Auch die Auftritte der Verlage auf den großen Buchmessen in Frankfurt und Leipzig können einen ersten Eindruck geben.

3. Sprechen Sie die Verlage gekonnt an

Filtern Sie als nächstes etwa 20 bis 30 Verlage heraus, die in Frage kommen. Suchen Sie nach passenden Ansprechpartnern. Fragen Sie per eMail oder Telefon an, ob überhaupt Interesse an Ihrem Thema besteht.

Wenn Sie können, nutzen Sie gleich die Gelegenheit für ein bisschen Eigen-Werbung. Lesen Sie dazu auch meinen Artikel „Verkaufen Sie Ihre Bücher oder Ideen mit dem Elevator Pitch“.

Wenn Sie sich am Telefon nicht gut verkaufen können, lassen Sie lieber die Finger davon und machen Sie alles schriftlich. 😉

Schauen beziehungsweise fragen Sie nach, ob der Verlag ein fertiges Manuskript haben möchte oder ob Exposé und Probekapitel reichen.

Stellen Sie dann alles mit kurzem, möglichst „werbewirksamem“ Anschreiben (gern inklusive Werkverzeichnis), Inhaltsverzeichnis / Exposé, Probekapitel oder fertigem Kapitel zusammen – und ab geht die Post / eMail.

Tipp: Schreiben Sie nicht alle Verlage auf einmal oder sofort Ihre Lieblings-Verlage an. Sie werden oft Fehler machen und können daraus lernen, ohne gleich bei Ihren Favoriten „durchgefallen“ zu sein. Andere Autoren empfehlen, Verlage unterschiedlicher Priorität zu mischen.

Tipp: Meiden Sie Stresszeiten der Verlage wie den April und den Herbst mit ihren Programm-Besprechungen / Vertreter-Konferenzen für das nächste halbe Jahr. (Achtung: Dieser Tipp muss nicht für jeden Verlag gelten.)

Tipp: Suchen Sie sich gegebenenfalls auch möglichst früh einen Verlag. So können Sie Ihre Buchidee gemeinsam besprechen und auf Wünsche des Verlags eingehen. (Auch das wird nicht bei jedem Verlag machbar sein.)

Tipp: Wenn Sie mehrere Wochen nichts vom Verlag gehört haben, fassen Sie nach und fragen Sie nach dem Stand der Dinge.

4. Die Alternative: Literaturagenturen und -agenten

Aus den USA kennt man sie schon länger, hier sind sie noch im Kommen. Doch je mehr die Buchbranche sich „professionalisiert“, desto verbreiteter werden sie: Die Literaturagenturen.

Kleine Verlage werden oft noch vom Gründer persönlich und mit Herzblut betrieben. Große Verlage ähneln zunehmend anonymen Konzernen, in denen sich niemand mehr durch die Masse ungeeigneter Manuskripte wühlen kann und will.

Literaturagenturen und -agenten bilden ein Zwischenglied und filtern die besten und aussichtsreichsten Buchprojekte aus, für die sie dann einen Verlag suchen.

Eine seriöse Literaturagentur

  • nimmt nicht jedes Buch an. Sie werden sich bei ihr genauso wie bei einem Verlag bewerben müssen.
  • deckt nicht alle Themen und Zielgruppen ab, sondern konzentriert sich auf mehrere Bereiche, in denen sie Knowhow und Kontakte aufbaut.
  • nimmt im Voraus kein Geld von Ihnen, sondern ist zu etwa 10 / 15 bis 20 / 25 Prozent an Ihrem Autoren-Honorar beteiligt.
  • dazu schließt sie einen Wahrnehmungsvertrag mit Ihnen ab, der aber zeitlich befristet ist und nicht pauschal alle zukünftigen Werke umfasst.
  • kümmert sich gegebenenfalls auch um die Vertretung Ihrer Rechte / Lizenzen in In- und Ausland.
  • versucht nicht, Sie vom Verlag abzuriegeln, sondern fördert im Gegenteil die Kommunikation aller drei Parteien.
  • ist bereit und interessiert, mit Ihnen an Ihren Büchern zu arbeiten und Sie durch konstruktive Kritik zu verbessern, so dass sich Ihr Werk für alle besser verkaufen lässt.

Tipp: Sprechen Sie solche Agenturen möglichst frühzeitig an. Erstens können Sie wieder wertvolles Feedback für Ihre Bücher bekommen. Und zweitens nimmt niemand gern das, was alle anderen (hier: die Verlage) womöglich schon abgewunken haben.

Eine kleine Auflistung von Literaturagenturen gibt es zum Beispiel hier:

5. Finden Sie Ihren eigenen Weg

Welcher Weg ist der beste für Sie? Kleiner Verlag, großer Verlag, Literaturagentur oder doch der oben erwähnte Selbstverlag?

Nun, das hängt ein wenig von Ihren Zielen und wohl auch von Ihrem „Marktwert“ ab.

Oder wie der Schriftsteller Andreas Eschbach schreibt: Es scheint für Nachwuchsautoren heute zwei Wege zu geben.

  1. Sie suchen sich auf die oben beschriebene Weise selbst einen kleinen Verlag.
  1. Sie suchen sich eine Literaturagentur, die Sie bei einem mittleren oder großen Verlag  unterbringen soll.

Größere Verlage lassen sich immer mehr die Auswahl neuer Autoren von Agenturen abnehmen. Hier müssen Sie also die Agentur von sich und Ihrem Buch überzeugen, nicht den Verlag. Und Sie müssen natürlich eine gute Agentur finden, die Sie bei den populären Verlagen unterbringen kann.

Außerdem sollten Sie sehr realistisch prüfen, ob Sie A) gut genug schreiben, und B) dank Bekanntheitsgrad, eigenen Marketing-Möglichkeiten und mehr für die größeren Verlage interessant genug sind.

Das ist so ähnlich wie auf dem Arbeitsmarkt: Solange Großkonzerne von Bewerbern umlagert werden, können sie sich die Rosinen aus dem Angebot picken. Und das bedeutet nun mal: Buchprojekte, die einen guten Verkauf versprechen.

Kleine Verlage (oder um im Beispiel zu bleiben: der Mittelständler vor Ort) freuen sich schon eher, wenn ihnen überhaupt etwas Gutes angeboten wird.

Allerdings haben auch kleine Verlage ihre Vorteile. Die Betreuung ist oft intensiver. Die Konditionen sind teilweise besser. Die „Kleinen“ kennen ihre Nischen genauer und können Ihr Buch deshalb dort besser verbreiten. Und Sie gehen nicht in der Masse der Autoren unter und müssen sich den zur Verfügung stehenden Werbeetat des Verlags mit vielen anderen teilen.

Wenn alle Stricke reißen, können Sie auch noch einen Selbstverlag gründen. Book-on-Demand-Dienste oder günstige Offset-Druckereien machen die Produktion von Büchern mittlerweile erschwinglich. Sie müssen nur noch der Verkauf übernehmen. 😉

Lesen Sie mehr dazu auch in meinem Artikel „Wie schreibe und veröffentliche ich ein Buch“.

6. Lernen Sie, mit Absagen umzugehen

Sehen Sie die Suche nach einem Verlag wie die Suche nach einem neuen Job: Ergreifen Sie die Initiative. Recherchieren Sie sauber. Bewerben Sie sich gut. Und – lassen Sie den Kopf nicht hängen, wenn die ersten Absagen eintrudeln oder gar nichts eintrudelt.

Niemand hat auf Sie gewartet, und deshalb werden viele Sie nicht unterbringen können. Zudem hakt es oft an Programm, Passung, Überangebot, einer Fehleinschätzung des Lektors, der Ihre Perle übersieht, oder schlicht schlechtem Timing. Nehmen Sie es nicht persönlich. Lernen Sie, mit Absagen umzugehen.

Eines sollten Sie allerdings sehr ehrlich und selbstkritisch tun …

7. Lernen Sie, zu schreiben

Viele Manuskripte werden vor allem deshalb abgelehnt, weil sie einfach (noch nicht) gut genug sind. Niemand wird Autor, weil er einen Stift in die Hand nimmt und ein Buch schreibt.

Schreiben ist ein Handwerk. Und Sie sind der Künstler, der dieses Handwerk so gut wie möglich beherrschen sollte.

Oder wie der Autor Hans Peter Roentgen schreibt: Selbst Bestseller-Autoren haben lange und mühsam lernen müssen, bis sie es zur Reife gebracht haben.

Auch ich selbst schreibe professionell seit sieben Jahren. Und erst jetzt erreiche ich eine Tiefe, die mir vorher nicht möglich war.

(Nebenbei: Auch eine gewisse Lebensreife und -erfahrung ist durchaus förderlich. 😉 Das ist ebenfalls ein Grund, warum viele Autoren erst um die Lebensmitte herum populär werden, sich an schwierigere Themen heranwagen oder ganz zur Schriftstellerei wechseln. Glauben Sie also nie, dass Sie „zu alt“ sind, um noch schreiben zu lernen, wie es manche meiner Teilnehmer immer wieder befürchtet haben.)

Lassen Sie sich Zeit, um zu wachsen und zu reifen. Lernen Sie, üben Sie, holen Sie kostbares Feedback ein. Liefern Sie richtig gute Manuskripte ab. Dann werden Sie auch einen Verlag finden – wenn dieser nicht schon vorher auf Sie zukommt. 😉

Ich wünsche Ihnen dabei viel Erfolg.

Kurstipps:

Folgende Kurse von mir bringen Sie Ihrem eigenen Buch näher:

Literaturtipps:

PS: Wenn Sie sich eher zum Selbstverleger berufen fühlen, lesen Sie hier, wie Sie einen Verlag gründen.

© 2012 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 08.07.12

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