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In 10 Schritten einen Selbstverlag gründen

Viele Autoren sind glücklich, wenn sie ihr Buch bei einem etablierten Verlag unterbringen. Andere Autoren schätzen die zahlreicher werdenden Buch-Dienstleister mit Rundum-Service. Doch es gibt auch immer ein paar schräge Paradiesvögel, die sich in das Abenteuer (Selbst-) Verlag stürzen. Neben höheren Gewinnen lockt hier vor allem die totale Freiheit. Lesen Sie, wie’s geht.

1. Prüfen Sie: Macht ein Selbstverlag für Sie Sinn?

Nicht jeder, der ein Buch schreibt, braucht einen eigenen Verlag. Das wäre so, als ob Sie mit Kanonen auf Spatzen schießen wollen würden.

Hobby-Autoren brauchen keinen, die nur ihr privates Umfeld mit ihren Büchern beglücken wollen. Autoren, die bei „richtigen Verlagen“ unter Vertrag sind, brauchen natürlich keinen. Auch wenn Sie in Ihrem Leben nur maximal ein, zwei Bücher schreiben und veröffentlichen wollen, brauchen Sie keinen. Und wenn Sie zum Beispiel als Trainer Ihre Trainings-Unterlagen an Ihre Seminar-Teilnehmer verkaufen wollen, brauchen Sie ebenfalls keinen.

Zudem gibt es eine wachsende Zahl von Dienstleistern, die Ihnen nicht nur den Druck Ihrer Bücher abnehmen, sondern mehr oder weniger auch die Funktion eines Verlags übernehmen. Sie unterscheiden sich allenfalls darin, welche Leistungen sie Ihnen – gegebenenfalls gegen Aufpreis – bieten. Manche beschränken sich zum Beispiel eher auf die Herstellung, andere beinhalten ein Komplett-Angebot bis zu (selten) diversen Verkaufs- und Marketing-Möglichkeiten.

Auch ist Verlag nicht gleich Verlag. Hier soll es in erster Linie um den sogenannten Selbstverlag gehen. Das ist ein Verlag, mit dem Sie ausschließlich Ihre eigenen Bücher verlegen. Daraus kann allerdings dann schnell ein sogenannter Eigenverlag oder Kleinverlag werden, mit dem Sie auch die Bücher anderer Autoren verlegen können. Und irgendwann sind Sie vielleicht bei einem regelrechten (Mini-) Verlag, mit dem Sie Ihr täglich Brot verdienen. Die Übergänge sind genauso fließend wie die Bezeichnungen.

Einen *Selbst*verlag brauchen Sie in erster Linie, wenn Sie

  • keinen anderen Verlag für Ihre Bücher finden konnten
  • mehr als ein oder zwei Bücher in Ihrem Leben veröffentlichen wollen
  • sich größere Gewinnchancen ausrechnen als Ihnen das erschreckend niedrige Autorenhonorar „richtiger“ Verlage bietet
  • mit erfolgreich im Selbstverlag veröffentlichten Büchern bessere Karten auch für „richtige“ Verlage haben wollen
  • Bücher weiter verkaufen wollen, die vorher bei „richtigen“ Verlagen unter Vertrag waren, aber nicht mehr neu aufgelegt werden (Anmerkung: Dann müssen Sie sich die entsprechenden Rechte an Ihrem Buch zurückholen.)
  • einen möglichst großen Einfluss auf Ihre Bücher haben und selbst entscheiden wollen, wo und wie diese erscheinen sollen
  • die Rechte an Ihren Büchern nicht aus der Hand geben und wieder selbst entscheiden wollen, wie und in welcher Form Sie diese weiter verwerten wollen.

Achtung: Viele dieser Punkte können Sie auch mit einem der erwähnten Buch- / Druck-Dienstleister wie der bekannten BOD GmbH (Book on Demand) verwirklichen. Die Grenzen sind hier ebenfalls fließend. Achten Sie in dem Fall darauf, welche Leistungen Sie bekommen, welchen Einfluss Sie haben und welche Rechte Sie abtreten.

Im Unterschied zum „richtigen“, etablierten Verlag müssen Sie allerdings sowohl beim Selbstverlag wie auch bei Buch-Dienstleistern viele Aufgaben selbst übernehmen oder andere dafür bezahlen, dass sie das tun.

Das kostet Zeit. (Auch externe Auftragnehmer wollen „gesteuert“ werden. Unterschätzen Sie diesen Posten nicht.) Das geht ins Geld. Das erfordert Kenntnisse, die nicht jeder hat. Und es belastet Sie mit Aufgaben, die gerade für viele Kreative ein rotes Tuch sind – von der Buchführung bis zum Verkauf. 😉

Zudem gibt es für alle Selbstverleger ein klassisches Nadelöhr – den besagten Verkauf. Denn nur wenige verfügen über die Vertriebsstrukturen „richtiger“ Verlage.

Deshalb macht ein Selbstverlag am ehesten dann Sinn, wenn Sie Zugriff auf Ihre Zielgruppe haben. Also auf die Leute, die Ihre Bücher lesen – und kaufen – sollen.

Das kann zum Beispiel der Fall sein bei

  • regionalen Themen und einem regionalen Umfeld (ein überschaubarer Kreis)
  • sehr speziellen, seltenen (oft Ratgeber-) Themen (gute Möglichkeiten, „einzigartig“ zu sein und schnell bekannt zu werden, sich einen Experten-Status zu erarbeiten)
  • oder Themen, deren Zielgruppe Sie erreichen, wie etwa Fantasy- / Science-Fiction-Fangemeinden.

Mit anderen Worten: Das „Projekt Selbstverlag“ kann

  • entsetzlich viel Arbeit machen
  • finanziell durchaus riskant sein
  • bietet sich längst nicht bei jedem Buch-Thema an
  • und verlangt einiges an Unternehmer-Fähigkeiten von Ihnen.

Doch es bietet Ihnen auch die volle Kontrolle, Unabhängigkeit und Entscheidungsfreiheit. Und wenn das „Ihr Ding“ ist, schenkt es Ihnen auch Freude am Tun und Erfüllung – wie bei allem, was man aus Begeisterung tut.

2. Wie soll Ihr Verlag heißen?

Wie jede „Unternehmung“ braucht auch Ihr Verlag einen Namen. Wenn es ein reiner Selbstverlag sein soll und Sie nur Ihre eigenen Bücher verlegen wollen, können Sie den Verlag nach sich selbst benennen.

Oder Sie suchen nach einem eigenständigen Namen. Ideal wäre, wenn dieser Name „griffig“ ist und etwas mit Ihrem Programm und Ihren Themen zu tun hat.

Achten Sie bei erfundenen Namen darauf, dass diese anderen, bestehenden Verlagsnamen nicht zu ähnlich sind.

Das können Sie zum Beispiel im Adressbuch für den deutschsprachigen Buchhandel, im Verzeichnis lieferbarer Bücher oder beim Börsenverein des deutschen Buchhandels recherchieren. Oder Sie ziehen einen Anwalt hinzu.

3. Welche Rechtsform soll Ihr Verlag haben?

Möchten Sie mehrere Bücher veröffentlichen und brauchen Sie für jedes eine ISBN-Nummer, benötigen Sie nach den Vorgaben der Deutschen ISBN-Agentur zumindest im Moment noch eine Anmeldung als Gewerbe. Desgleichen brauchen Sie eine Anmeldung als Gewerbe, wenn Sie einen neutralen Firmennamen ohne eigenen Vor- und Zunamen haben möchten oder wenn Sie – als Klein- oder Miniverlag – auch die Bücher anderer Autoren verlegen wollen.

In diesen Fällen müssen Sie Ihren Verlag beim Gewerbeamt (Ordnungsamt) anmelden und einen Gewerbeschein beantragen. Die Daten gehen unter anderem ans Finanzamt und an die örtliche Industrie- und Handelskammer (IHK), bei der Sie automatisch kostenpflichtig „Mitglied“ werden.

Wenn Sie im Hauptberuf einer anderen Tätigkeit nachgehen, müssen Sie die Verlagseinnahmen von den sonstigen Einnahmen trennen und darauf oberhalb eines bestimmten Freibetrags Gewerbesteuern zahlen.

Bei ein oder zwei eigenen Büchern oder eigenen Büchern ohne ISBN-Nummer reicht eine Meldung beim Finanzamt über Einnahmen aus einer freiberuflichen Tätigkeit aus.

Wenn Sie, wie wohl die meisten, als „Einzeltäter“ Ihren Selbstverlag betreiben, sind Sie eine Einzelunternehmung. Das wird für Ihre Zwecke meistens ausreichen. Nur wenn Sie auch die Bücher anderer Autoren aufnehmen wollen, macht eine GmbH Sinn. Wenn Sie mit anderen zusammen einen Verlag gründen, können Sie zwischen GmbH und GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts) wählen. Unter Umständen ist auch ein Verein möglich.

Bei Einzelunternehmung und GbR haften Sie mit Ihrem Privatvermögen für Ihren Verlag. Bei der GmbH können Sie das ausschließen. Dafür sind hier die Auflagen höher. (Kapital-Einlage, notarielle Beglaubigung, Zwang zur Bilanzierung.)

Es hängt vom Einzelfall ab, ob Ihr Selbstverlag noch ins Handelsregister eingetragen werden muss oder nicht. Fragen Sie im Zweifelsfall Ihren Steuerberater. Er wird Ihnen auch sagen, ob Sie aufgrund Ihres jährlichen Umsatzes beziehungsweise Gewinns doch noch bilanzieren müssen.

4. Machen Sie sich über die für Sie geltenden Gesetze kundig

Da wir gerade bei rechtlichen Dingen sind: Informieren Sie sich auch über die für Sie geltenden Gesetze. Das können zum Beispiel sein:

  • Das Gesetz über das Verlagsrecht (VerlG)
  • Das Urheberrechtsgesetz (UrhG)
  • Das Fernabsatz- / Widerrufsrecht
  • Und das Buchpreisbindungsgesetz (BuchPrG)

5. Schützen Sie die Titel Ihrer Bücher

Achten Sie genauso wie beim Verlagsnamen auch beim Titel Ihrer Bücher darauf, dass diese nicht schon an andere Bücher vergeben sind. Und achten Sie darauf, dass Sie die Titel Ihrer Werke für sich selbst reservieren und schützen.

Recherchieren Sie dazu zum Beispiel im Verzeichnis lieferbarer Bücher oder bei der Deutschen Nationalbibliothek. Eine Titelschutzanzeige können Sie im Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel oder im titelschutzanzeiger. de schalten.

6. Geben Sie Ihren Büchern eine ISBN

Nicht jedes Buch braucht eine ISNB, eine Internationale Standard Buch Nummer, die für jedes Buch nur einmal vergeben wird. Doch wenn Sie über die einschlägigen Verzeichnisse gefunden werden und über den Buchhandel verkaufen wollen, geht kein Weg daran vorbei.

Sie können sie zum Beispiel bei der schon erwähnten Deutschen ISBN-Agentur, der „Agentur für Buchmarktstandards in der MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH“, kurz german-isbn.org bestellen.

Sollten Sie mehr als ein oder zwei ISBNs brauchen, benötigen Sie auch die ebenfalls schon erwähnte Anmeldung Ihres Verlags als Gewerbe.

7. Lassen Sie Ihre Bücher im VLB eintragen

Wenn Sie Ihre ISBN-Nummer haben, können Sie Ihre Bücher im VLB, dem „Verzeichnis lieferbarer Bücher“ eintragen lassen. Viele Buchhandlungen arbeiten mit diesem Verzeichnis und recherchieren darüber Anfragen von Kunden.

8. Versuchen Sie, Ihre Bücher bei den Barsortimenten unterzubringen

Die zweite große, und oft sogar häufiger genutzte (Recherche-) Quelle des Buchhandels sind die Barsortimente.

Die Barsortimente sind eine Art Zwischenstufe zwischen Verlag und Buchhandel. Sie verkaufen nicht, sie vertreiben. Es sind Großhändler, „Grossisten“, die mit ihrem flächendeckenden Distributionssystem viele Buchhandlungen erreichen.

Die Barsortimente nehmen nicht jedes Buch auf. Sie werden sie genauso von der Zugkraft und Verkäuflichkeit Ihres Werkes überzeugen müssen wie alle anderen auch. Dazu können Sie zum Beispiel bisherige Verkaufszahlen oder geplante Werbemaßnahmen nennen.

Wenn Sie von ihnen aufgenommen werden, müssen Sie ihnen etwa 15% Rabatt von Ihrem Buchpreis einräumen. (Dazu kommen dann noch mal etwa 30 bis 35%, die der Buchhandel von Ihren Büchern einbehält.)

Ihre Vorteile sind: Viele Buchhandlungen bestellen ihre Bücher über die Barsortimente. Auch Internet-Buchhandlungen wie Amazon beziehen ihre Bücher von dort. Einmal geordert, sind Ihre Bücher schnell in jeder Buchhandlung vor Ort. Zudem nehmen Ihnen die Großhändler die Arbeit ab, Rechnungen und Mahnungen zu schreiben. Anders sieht es aus, wenn Sie direkt mit den Buchhandlungen Geschäfte machen.

Die größten Barsortimente sind Libri und KNV.

9. Produzieren Sie Ihre Bücher

So, nach all diesen Formalitäten sollten Sie zusehen, dass Sie auch etwas vorzuweisen haben, was man bestellen und lesen kann. 😉 Mit anderen Worten: Produzieren Sie Ihr Buch.

Wie schon eingangs erwähnt, werden Sie dabei sämtliche Funktionen eines Verlags entweder selbst übernehmen oder an Dienstleister abgeben müssen.

a) Sie müssen Ihr Buch natürlich schreiben, logisch. 😉

b) Danach sollten Sie ein vernünftiges Lektorat sicherstellen. Entweder sind Sie sattelfest genug und machen das selbst. (Lassen Sie Ihre Bücher bitte etwas „abhängen“ und bauen Sie zeitlichen Abstand ein. Sonst sind Sie zu betriebsblind, um Ihre eigenen Fehler zu bemerken. Mehr zur Überarbeitung lesen Sie in meinem Artikel „Der letzte Schliff: Einen Text überarbeiten“.) Oder Sie beauftragen Externe.

c) Ihr Buch muss nicht vor Abbildungen strotzen. Doch es sollte ein gefälliges, gut lesbares Layout haben. Mehr dazu lesen Sie hier: „Das Auge liest mit – Tipps für ein gutes Layout“.

d) Sie sollten einige Sorgfalt auch auf Cover und Einband verwenden.

e) Ihr Buch muss gesetzt und gedruckt werden. Sie können wählen zwischen Printing-on-Demand (auch Book-on-Demand) und Offset-Druck.

Bei den On-Demand-Angeboten müssen Sie nicht in Vorleistung gehen. Ein neues Exemplar Ihres Buches wird immer nur dann gedruckt, wenn eine neue Bestellung eingeht. Dafür kostet Sie dieser Service pro Exemplar etwas mehr. Die erwähnte BOD GmbH ist so ein Anbieter. Doch es gibt noch viele weitere. Recherchieren Sie einfach mal ein bisschen.

Beim Offset-Druck lassen Sie gleich eine bestimmte Anzahl von Büchern drucken. Der Einzelpreis pro Exemplar wird dadurch günstiger. Doch dafür müssen Sie der Druckerei auch die gesamte Auflage abnehmen, ob Sie sie nun verkauft bekommen oder nicht.

Tipp: Recherchieren Sie wieder ein bisschen. Es gibt mittlerweile viele Druckereien, die beides anbieten beziehungsweise günstig auch sehr kleine Auflagen drucken.

f) Jetzt muss Ihr Buch an den Leser. Entweder schicken Sie Ihre Bücher an Zwischenhändler wie die Barsortimente, Buchhandlungen und Internetbuchhändler. Oder Sie vertreiben sie direkt an den einzelnen Leser.

Egal, wie Sie es machen: Jemand muss Ihre Bücher versenden. Wenn Sie sich nicht die Fleißarbeit machen und Ihre Bücher selbst zur Post bringen wollen, gibt es dafür diverse Verlagsauslieferungen. Auch amazon und Co. bieten hier ihre Services an. Oder fragen Sie Ihren Drucker. Manchmal haben Sie Glück und er übernimmt den Versand gleich mit.

Achtung: Planen Sie Ihre Auflagen besser nicht zu hoch ein, nur um einen möglichst guten Preis dafür zu bekommen. Wenn Sie Pech haben, bleiben Sie sonst auf Büchern und Kosten sitzen.

g) Sie wollen sicher auch Geld für Ihr Buch sehen. Das heißt, Sie müssen sich Gedanken über die Rechnungsstellung, die Zahlungsabwicklung und gegebenenfalls das Mahnwesen machen. Das können Sie entweder selbst tun, Mitarbeiter / Dienstleister dafür einsetzen, einen Shop programmieren lassen oder Zahlungsanbieter wie Amazon beauftragen.

10. Verkaufen Sie Ihre Bücher

Und damit schließt sich der Kreis: Sie sollten sich dringend ein paar Gedanken über das oben erwähnte Nadelöhr machen – den Verkauf. Denn nur, wenn Sie Ihre Bücher unters Volk bringen, werden Sie auch Leser dafür finden. 😉

Diese Bücher geben viele Tipps dafür

Ach ja, eine feine, kleine Neben-Einnahme bekommen Sie auch, wenn Sie Ihr Buch bei der VG Wort melden und an deren Ausschüttungen teilnehmen. Mehr dazu lesen Sie hier: Verwertungsgesellschaft Wort

Kurstipps

Folgende Kurse von mir bringen Sie Ihrem eigenen Buch näher:

Literaturtipps

Ähnlich, nur etwas „größer“ ausgerichtet:

Beide Bücher bieten viel praktisches Knowhow, Zahlenmaterial und Kalkulationsbeispiele, Adressen und Checklisten.

PS: Wollen Sie Ihr Buch doch lieber bei einem Verlag unterbringen? 😉 Dann lesen Sie meinen Artikel: „So finden Sie einen Verlag“.

© 2012 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 12.10.12

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