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Fünf Gründe, warum ein Autor lesen sollte

Ein Autor ist jemand, der – liest. Kurz gestutzt? Verständlich. Schließlich sehen wir einen Autoren eher sein eigenes Buch schreiben, als das von anderen lesen. Dennoch sagt ein bekanntes Sprichwort nicht ohne Grund: Die beste Art, schreiben zu lernen, ist die, zu lesen. Erfahren Sie hier, warum.

1. Lesen hilft einem Autor, sich neues Wissen anzueignen.

Lesen bildet. Das weiß jedes Kind. Lesen bildet aber nicht nur, Lesen liefert einem Autor auch das Futter, das er für seine Texte braucht.

Nicht nur bei Sachtexten erwartet der Leser zusammengetragenes und in verdaubare Häppchen gepacktes Wissen. Wissen, das ihm einen größtmöglichen Nutzen bietet, mit dem er Zeit und Geld sparen kann. Je kenntnis- und detailreicher der Hintergrund, desto leichter fällt es auch Romanen, ihre fiktive Welt glaubwürdig zu zeichnen und den Leser in sie zu entführen.

Je mehr Sie lesen, desto größer ist das Wissen, aus dem Sie schöpfen können. Natürlich können Sie für ein Buch über eine Dorfintrige auch vor Ort recherchieren – und sollten das durchaus tun. Lesen kann Ihnen aber einen guten Teil dieser zeitaufwändigen Recherche abnehmen, Jahre eigenen Erfahrungsaufbaus zu der Zeitspanne eindampfen, die Sie für einzelne Bücher brauchen.

Es ist zwar nicht so, dass man, wie ein bekanntes Sprichwort sagt, nur über das schreiben kann, was man kennt. Einfühlung und Vorstellungsvermögen können Ihnen hier gute Dienste leisten. Aber je mehr Sie über ein Thema wissen, desto größer ist auch die Basis für Ihr Vorstellungsvermögen, und desto besser werden Ihre Texte.

2. Lesen hilft einem Autor, sein Urteilsvermögen zu schulen.

Betriebsblindheit kann jeden treffen, auch Autoren. Wenn ein Autor in seinem eigenen Saft schmort und sich selbst für das Maß aller Dinge hält, sind seichte, einseitig überzogene Texte schnell die Folge. Kein allzu anregender Lesestoff, zumindest für anspruchsvollere Leser nicht.

Gehaltvoller wird Ihr Schreiben, wenn Sie viel – und auch gern möglichst unterschiedliche Bücher – lesen. Bleiben Sie nicht bei einer Perspektive stehen, sondern suchen Sie bewusst die verschiedensten Meinungen und Richtungen. Die Auseinandersetzung damit wird Ihren Blick und Ihr Urteilsvermögen schulen – gegenüber den Fakten und Aussagen anderer, aber auch gegenüber Ihren eigenen Texten.

Bevor Sie das nächste Mal unreflektiert die Ansichten Ihrer Recherchequellen wiedergeben oder sich auf Ihren eigenen Überzeugungen ausruhen, klopfen Sie diese lieber vor einem möglichst breiten Wissenshintergrund auf ihren Gehalt ab. Ihre Leser werden Ihnen dafür umso mehr vertrauen.

3. Lesen hilft einem Autor, seinen Wortschatz zu trainieren.

Niemand kommt mit einem reichen Wortschatz zur Welt. Wir müssen ihn erst im Laufe unseres Lebens erwerben. Erziehung, Umfeld, Schule und so weiter spielen dabei sicher eine große Rolle. Allerdings neigt man hier auch dazu, eine bestimmte „Sprache“ zu bevorzugen. Jede Gruppe hat ihr eigenes Vokabular, nicht nur Jugendliche haben ihren eigenen Slang.

Lesen vergrößert Ihren Wortschatz. Den passiven, wenn Sie Worte und Begriffe nur aufnehmen, den aktiven, wenn Sie diese auch schreibend wiedergeben. Lesen dampft auch hier Jahre eigenen Erfahrungsaufbaus ein. Ein gutes Buch kann Ihnen in wenigen Stunden mitgeben, was Sie sich sonst über langwieriges Zuhören erarbeiten müssten.

Mehr noch: Wenn Sie einen Begriff nicht nur hören, sondern auch sehen, können Sie ihn bewusster wahrnehmen und sich ein besseres Bild von ihm machen. Und alles, was Sie sich vorstellen können, können Sie sich auch leichter merken. Schulkinder sind nicht die einzigen, die neue Vokabeln deshalb aufschreiben und visualisieren.

4. Lesen hilft einem Autor, von anderen zu lernen.

Ein weiteres Sprichwort lautet: Die beste Art, schreiben zu lernen, ist die, Autoren zu lesen, die ihr Handwerk verstehen.

Dabei geht es weniger darum, den anderen zu imitieren. Obwohl das für eine gewisse Zeit durchaus legitim ist, um ein Gefühl für die Sache zu kriegen und seinen eigenen Stil zu entwickeln.

Es geht eher darum, von Texten und Vorbildern zu lernen.

Lesen Sie aufmerksam und versuchen Sie nachzuvollziehen: Welche Gestaltungsmittel können Sie erkennen? Welches Regelwerk und welche Grammatik? Wann funktionieren Sätze und Texte, und aus welchem Grund? Wie kommen Texte bei Ihnen an? Wie wirken sie auf Sie? Warum gefallen Sie Ihnen?

Wie gestaltet der Autor seine Sätze? Schreibt er eher nüchtern und so einfach wie möglich, oder farbig und die Sinne ansprechend? Von welcher Zielgruppe will er offenbar verstanden werden? Wie baut er seine Texte auf? Wie argumentiert er? Was sind seine charakteristischen Eigenheiten und Lieblingsausdrücke?

Jeder Autor hat seine persönliche Handschrift und seine eigene Art, an (Schreib-) Probleme heranzugehen. Studieren Sie sie und lernen Sie aus ihnen. Wenn Ihr Blick dann geschult ist, können Sie auch zur anderen Variante greifen und sich weniger gelungene Werke zu Gemüte führen. Immer mit dem Ziel vor Augen: Wie hilft das mir und meinen Texten?

5. Lesen hilft einem Autor, seine Inspiration zu fördern.

Autoren sind immer auf der Suche nach Ideen für ihre Texte. Manches „liegt in der Luft“, manches lässt sich durch Kreativtechniken fördern. Aber warum sich nicht auch durch andere Autoren inspirieren lassen? Es hat ja keiner gesagt, dass Sie abkupfern sollen.

Lesen Sie. Lesen Sie Sachtexte, Romane, Biografien, Theaterstücke und Gedichte. Was immer Ihnen in die Hände gerät. Für einen Autor kann alles eine Quelle für Ideen sein. Ein Kommentar, eine Nachricht, eine Erzählung, ein Motto oder ein Titel. Ihre Kreativität braucht oft nur einen kleinen Anstoß, um in Fahrt zu geraten.

Sehen Sie sich um. Worüber kann man alles schreiben? Welche interessanten Themen gibt es? Was passiert da draußen? Was finden Sie gut, was weniger? Was würden Sie für sich übernehmen wollen? Woran könnten Sie anknüpfen?

Bauen Sie auf dem Vorhandenen auf und kombinieren Sie es mit eigenen Gedanken. Manchmal ist es vielleicht nur ein einzelnes Wort, das eine Saite in Ihnen zum Schwingen bringt. Manchmal vielleicht eine Meinung, ein Motiv oder eine handelnde Person.

Nutzen Sie Ihre Lektüre als Inspiration für das eigene Schreiben. Wie ein Aquarell, wo erst das Zusammenspiel der unterschiedlichen Farben und Formen das eigentliche Bild ergibt.

Fazit

Lesen Sie. Lesen Sie, so viel Sie können. Ob Sie es nun nur konsumierend aufsaugen oder sich bewusst damit auseinandersetzen. Es wird Sie immer formen und seine Spuren hinterlassen.

Haben Sie auch keine Angst davor, nicht „originell“ zu sein oder zu spät zu kommen. Wo doch ein anderer schon über das geschrieben hat, was Sie interessiert.

Wer sagt, dass es nur eine Art und einen Weg geben kann, etwas zu (be-) schreiben? Wer sagt, dass nur die Arbeit oder Meinung des anderen zählt? Wer sagt, dass Sie nur originell schreiben, wenn Sie originär, also etwas als Erster schreiben? Wäre das überhaupt möglich?

Könnte originell nicht auch bedeuten, so zu schreiben, wie nur Sie es können und niemand sonst, weil wir alle nun mal ganz verschieden sind? Sich selbst auszudrücken? Ihr Denken, Ihre Sichtweise und Ihren Stil?

In diesem Sinne: Lesen Sie und lassen Sie sich inspirieren. Und dann nehmen Sie den fremden Keim, setzen ihn in Ihre eigene Erde und bringen ihn zum Blühen.

© 2008 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 21.03.2008

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