Bleiben Sie auf dem Laufenden:
Newsletter lesen »
Feed lesen »




Sich selbst zu kontrollieren und nach bestimmten Regeln zu leben, ist oft notwendig und hat durchaus seine Vorteile. Für unsere Kreativität ist es aber besser, einfach mal alle Fünfe gerade sein zu lassen und den „Aufstand“ zu proben. Nur dann können wir auch unsere Rollen sprengen, unsere Wünsche leben und etwas ändern, wenn es notwendig wird.

Instinkten vertrauen, um neue Wege gehen zu können

„Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“, sagt ein bekanntes Sprichwort. Und so manches Mal mag es auch angebracht sein. Und sei es nur, um mit bestimmten anerkannten Verhaltensweisen unser Leben besser in den Griff bekommen, um innere Schweinehunde oder andere, sagen wir, destruktive Elemente unter Kontrolle behalten. *schmunzel*

Für unsere Kreativität ist es aber besser, einfach mal alle Fünfe gerade sein zu lassen, unseren Instinkten zu vertrauen und unseren Drang nach Kontrolle zu kontrollieren. 😉

Denn überlegen Sie einmal selbst:

  • Wie oft haben Sie sich selbst eingeengt, ohne dass es nötig gewesen wäre?
  • Wie oft haben Sie Chancen nicht genutzt, obwohl sie vorhanden gewesen wären?
  • Wie oft sind Sie Träumen nicht nachgegangen, obwohl sie machbar gewesen wären?

Mmmh, genau – das ist der Punkt.

Wir wollen alles richtig machen, funktionieren, gegenüber anderen bestehen, Ansprüchen genügen, Rollen leben – und passen uns an. Wir beschneiden uns und unsere Kreativität, ohne je zu erfahren, welches Potenzial auf uns gewartet hätte.

Das ist für sich schon traurig genug. Aber fatal wird es, wenn der Zeitpunkt kommen sollte, an dem wir doch unsere Rollen sprengen und einfach mal etwas anderes machen wollen. Egal, ob es darum geht, sich einen neuen Job zu suchen, neue Produkte zu entwickeln oder etwas in seinem Leben zu verändern.

Selbstkontrolle lockern und etwas Verrücktes tun

Denn Kreativität kommt nicht auf Kommando.

Aus dem Stand etwas „Ver—Rücktes“ (absichtlich so geschrieben im Sinne von „anders gerückt / gestellt als sonst“), etwas „Unnormales“ zu tun, etwas anders zu machen, ist nicht drin. Es muss schon als Geisteshaltung vorhanden sein oder zumindest regelmäßig als „Aufstand“ geprobt werden.

In diesem Sinne: Wann haben Sie das letzte Mal etwas „Ver—Rücktes“ getan? Wann haben Sie die innere Stimme ignoriert, die Ihnen sagt „so wird das gemacht, so gehört es sich, und so nicht“? Wann haben Sie Ihre Selbstkontrolle gelockert und Ihr Korsett an Verhaltensweisen gelöst? Wann haben Sie die Grenzen verrückt und neu definiert, wie Sie nun sein wollen und was Sie von sich zeigen wollen, und was nicht?

Kommen Sie, lassen Sie es raus. Es hört auch keiner zu. 😉

Okay, dann will ich mal den Anfang machen: Also, wann sind Sie zum Beispiel „auf allen Vieren“ unter einer geschlossenen Kassenschranke durchgerutscht?

Und nein, kein Witz, mir war einfach danach. Ich hätte natürlich zum nächsten Ausgang gehen können. Dann hätte ich weder die seltsamen Blicke geerntet noch meine weiße Hose in Mitleidenschaft gezogen.

Aber wissen Sie was? Es war ein tolles Gefühl, fast so, als ob ich für einen Moment wieder Kind wäre. Leicht und unbeschwert. Das hat mich noch den ganzen Tag lang begleitet. :-)

Und noch mal nein: So „extrem“ müssen Sie nicht werden. Und ganz sicher ist das auch kein Aufruf zu verletzenden oder kriminellen Taten.

Üben Sie, die innere Schere aus dem Kopf zu kriegen

Ich möchte, dass Sie die innere Schere aus dem Kopf kriegen, mit der Sie sich selbst beschneiden, weil man „so etwas nicht tut“. Ich möchte, dass Sie eine Auszeit von Ihrem gewohnten, kontrollierten Leben nehmen. Dass Sie (scheinbar) destruktiven Hausfreunden auch mal ihren Lauf lassen, Impulsen folgen und sehen, wohin sie Sie führen.

Üben Sie das Ganze gleich einmal mit der folgenden Übung.

Übung: Wenn ich nicht so gut erzogen wäre, dann …

Teil 1: Zum Aufwärmen

Überlegen Sie: Wann haben Sie das letzte Mal etwas „Ver-Rücktes“ getan? Etwas, was Ihnen sonst zu heikel gewesen wäre? Etwas, bei dem Sie vielleicht sogar über sich selbst verblüfft waren? Und: Wie ist die Sache ausgegangen? Was haben Sie aus ihr lernen können?

(Vielleicht, dass man sich öfter „wie ein Kind“ benehmen sollte, weil es sich a) gut anfühlt und b) Kinder noch einen herrlich unverstellten Blick für Möglichkeiten haben, statt den Weg zu gehen, den alle gehen. Nämlich zum markierten Ausgang.)

Teil 2: Zum Weiterspinnen

Ergänzen Sie die folgenden Satzanfänge:

  • „Wenn ich nicht so gut erzogen wäre, dann würde ich …“
  • „Wenn ich ehrlich sein soll, dann würde ich jetzt gerne …“
  • „Wenn mich keiner kennen würde, dann würde ich vielleicht …“

Beispiel:

„Wenn ich nicht so gut erzogen wäre, dann würde ich meine Schwiegermutter nicht mehr zu Weihnachten einladen.“

Und bitte: Nicht falsch verstehen. Nichts gegen Schwiegermütter. 😉

Diese Übung soll Ihnen nur zeigen, wo Sie sich einengen und kontrollieren, um Erwartungen zu genügen, obwohl Sie selbst das gar nicht wollen. (Weil Sie mit Ihrer Schwiegermutter vielleicht immer wieder aneinander geraten und sich hinterher über das vergrätzte Fest ärgern.)

Und sie soll Sie zum Hinterfragen anregen und nach Lösungen suchen lassen. (Warum komme ich mit meiner Schwiegermutter nicht klar? Könnte man das ändern? Könnte ich meine Schwiegermutter stattdessen zu einem anderen, weniger mit Erwartungen bepackten Zeitpunkt einladen?)

Unabhängiger denken

Riskieren Sie einen Blick auf Ihr weniger angepasstes Selbst, lockern Sie die Kontrolle und vertrauen Sie Ihren Instinkten.

So lernen Sie nicht nur, unabhängiger und freier von Konventionen zu denken. So bekommen Sie auch einen Blick für Ihre Bedürfnisse und Wünsche, und können nach Lösungen suchen.

© 2008 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 10.05.08

Möchten Sie meinen Beitrag weiterempfehlen? Dann sage ich mal: Danke. :-)