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Wie lerne ich schreiben?

Hin und wieder stellen mir Leser die Frage: „Wie lerne ich schreiben?“ Darauf kann man kurz und knapp antworten: Üben. Oder man kann in epischer Länge antworten und alle Aus-, Weiterbildungs- und (Mit-) Schreib-Möglichkeiten aufzählen, die man nur finden kann. Ich habe mal überlegt, wie ich eigentlich schreiben gelernt habe und was mein Schreib-Handwerk beeinflusst hat. Daraus habe ich dann noch diverse Tipps abgeleitet.

Hin und wieder stellen mir Leser die Frage: „Wie lerne ich schreiben?“ Ich antworte dann für gewöhnlich: Sehen Sie zu, dass Sie viel lesen und üben. Lesen sorgt für Futter und die Praxis formt den Text. Manchmal erwähne ich auch noch Schreibgruppen und Ähnliches, denen man sich anschließen kann, wenn es einem allein schwer fällt.

Allerdings hätte ich nicht gedacht, dass sich diese Frage überhaupt stellt. Schließlich gibt es genug Schreibratgeber, Schreibkurse, Ausbildungen und mehr, die helfen, schreiben zu lernen. Ich glaube, man kann Wochen damit zubringen, einzelne Anbieter aufzuzählen.

Für diesen Artikel bin ich die Sache deshalb anders angegangen. Ich habe überlegt, wie ich eigentlich schreiben gelernt habe und was mein Schreib-Handwerk beeinflusst und geformt hat. Und ich habe daraus ein paar allgemeine Ableitungen entwickelt. Lassen Sie sich einfach für sich selbst inspirieren. 😉

Kindheit und Jugend

Frühes Lesen: Ich habe immer schon viel gelesen. Mit 3 oder 4 Jahren hat mein Vater mir kleine „Pixi-Bücher“ mitgebracht. (So hießen diese Kinderbücher im Hosentaschen-Format damals.) Meine Mutter hat sie mir zunächst vorgelesen. Ich habe sie dann schnell auswendig nachsprechen können. Und etwa mit 4 Jahren konnte ich sie auch selbst lesen. Lesen ist gut, um schreiben zu lernen. Dazu habe ich hier auch mal einen Artikel geschrieben: „Fünf Gründe, warum ein Autor lesen sollte.“ Es gibt auch Initiativen von Stadtbüchereien und Co., die Kindern vorlesen. Nutzen Sie sie.

Förderung im Kindergarten: Ich weiß nicht, ob man in (manchen) Kindergärten heute eine gezielte Lese- und Schreibförderung betreibt. Auf jeden Fall hatte ich eine engagierte Kindergärtnerin, die mir möglicherweise damals das Schreiben beibrachte. Ich weiß noch, dass ich ihr mit 5 oder 6 Jahren einen langen Brief schrieb, dass sie mir fehlen würde, als sie den Kindergarten verließ. Tipp: Haben Sie Kinder, die schon früh auf „die Welt der Worte“ ansprechen? Dann verschenken Sie dieses Potenzial nicht, indem Sie mit der Vermittlung bis zur Schulzeit warten.

Freies Formulieren in der Grundschule: Den Sprach-Unterricht in der Grundschule habe ich in viel besserer Erinnerung als den des späteren Gymnasiums. Und das liegt vor allem daran, dass eine weitere engagierte Lehrerin viel Wert auf das „wirkliche Schreiben“ gelegt hat, während auf dem Gymnasium für meinen Geschmack übermäßig viel Analyse betrieben wurde.

Wir haben viele Aufsätze geschrieben, die teils in Klassen- oder Schul“büchern“ veröffentlicht wurden. Jeder Schüler sah dort seine Beiträge „gedruckt“ (das ging damals noch über Kohlepapier zum Abziehen) und das war ein großer Ansporn. Und die „schreibbesesseneren“ Schüler wurden ermuntert, freiwillig zusätzlich über Ausflüge, Erlebnisse und Co. der Klasse zu schreiben. Hier hat Schreiben einfach Spaß gemacht und wir konnten tatsächlich „mit Sprache spielen“. Tipp: Fördern Sie schon früh die Lust und die Freude der Kinder am Schreiben. Das ist etwas, was später kaum noch nachgeholt werden kann.

Anderen beim Schreiben helfen in der Grundschule: Zudem habe ich auch viel dadurch gelernt, dass ich meinen Mitschülern geholfen habe. Wie jeder Trainer weiß, ist das eine der besten Möglichkeiten, selbst zu lernen. Dazu schreibe ich später noch was.

Kindliche Neugier mit Lesen stillen in der Grundschule: Und ich habe nach wie vor sehr viel gelesen, auch viel Sachliteratur. Kinder sind von Natur aus sehr neugierig, das galt auch für mich. Ich stillte diese Neugier oft mit entsprechenden Büchern. Nachdem die Schulbücherei mir nichts mehr bieten konnte, ist meine Mutter zu regelrechten „Raubzügen“ mit mir in die Stadtbücherei gefahren und ich bin immer mit einem ganzen Stapel von Büchern dort wieder herausgekommen. 😉 Tipp: Schauen Sie, ob Sie die Neugier Ihrer Kinder mit der Welt der Worte koppeln können.

Analyse üben auf dem Gymnasium: Wie gesagt, zumindest zu meiner Zeit und in meiner Schule haben wir relativ viel Text-Analyse betrieben. Zudem haben wir uns weniger gefragt: Wie schreibt man das jetzt? Sondern eher: Was wollte uns der Autor damit sagen? Und was sagt das über ihn und seine Zeit aus? Um schreiben zu lernen, ist das allerdings leider so ergiebig, wie im Fremdsprachen-Unterricht ständig Deutsch zu sprechen. 😉

Überdies hatte die Sache einen Haken: Wenn man bei der Analyse nicht zu den gleichen Schlüssen kam wie der Lehrer, konnte das ziemliche Auswirkungen auf die Note haben. Was wir dort lernten, war also oft eher, herauszufinden, was der Lehrer eigentlich hören wollte. Schade, denn es sind gerade die eigene Meinung und der eigene Denkprozess, die ein eigenes Schreiben im Sinne von Erschaffen (und nicht nur Zusammentragen) erst ermöglichen.

Schüler-Zeitungen und Co.: Viele Schulen hatten schon zu meiner Zeit mal mehr, mal weniger ehrgeizige, mal angepasstere, mal kritischere Schüler-Zeitungen. Das ist eine gute Gelegenheit, das freie, eigenverantwortliche Schreiben zu üben, und eventuell auch, seine eigene Meinung zu vertreten. Tipp: Vielleicht ist auch das etwas für Sie oder Ihre Kinder?

Veröffentlichungen von Jugend-Verbänden und Co.: Was für die Schule gilt, gilt auch für manche Jugend-Organisationen: Schauen Sie, ob Sie mithelfen und mitschreiben können.

Schreib-Freizeiten für Jugendliche: Manchmal werden auch regelrechte Schreibferien oder Schreib-Freizeiten für Jugendliche angeboten. Schauen Sie, ob es so etwas bei Ihnen gibt.

Briefe, eMails, soziale Netzwerke: Als Teenager habe ich nur selten außerhalb der Schule „zum Stift gegriffen“. Ich habe es eine Weile aus Neugier mit einigen Gedichten und Roman-Fragmenten versucht, habe aber schnell gemerkt, dass das nicht „mein Ding“ ist. Dafür habe ich wieder viel gelesen, jetzt auch vermehrt historische Romane, Fantasy und Science Fiction.

Und ich habe einige intensive Brieffreundschaften geführt. Es ist umstritten, ob eMails, soziale Netzwerke und Co. nun gut fürs Schreiben sind oder nicht. Doch der gute alte Brief ist es ganz sicher. Tipp: Das „soziale Schreiben“ ist eine völlig andere Art zu schreiben, als man sie in Schule und Co. lernt. Es hat auch nichts mit Tagebüchern gemein, denn hier geht es darum, die Beziehung zum anderen aufzubauen und zu pflegen. Im Grunde ist das etwas, was ich auch heute noch für meine Schulungs-Unterlagen und Artikel wie diesen nutze, indem ich für Sie, meine unbekannten Leser schreibe. 😉

Ausbildung und Beruf allgemein

Schreiben im Studium: Zu meiner Zeit wurde es an der Uni meistens einfach vorausgesetzt, dass man schreiben konnte. Es gab noch eine kleine Einführung ins wissenschaftliche Arbeiten. (In der Regel: Zitieren.) Und das war’s. Heute gibt es immerhin schon an einigen Universitäten eigene Schreibzentren, in denen die Studenten Unterstützung in Form von Kursen oder Coaching bekommen können. Tipp: Wenn Ihnen das wichtig ist, suchen Sie sich doch gleich eine Universität aus, die so etwas anbietet.

Denken im Studium: Andererseits hat schon allein mein Studium der Geisteswissenschaften mein handwerkliches Können verfeinert. Ich habe wieder mehr geschrieben, viele Hausarbeiten, Referats-Ausarbeitungen, Klausuren, Stunden-Konzepte und Abschlussarbeiten. Nicht ohne Grund haben viele, die später irgendwo mit Schreiben ihr Geld verdienen, einen geisteswissenschaftlichen Hintergrund. Mehr noch: Wir haben auch weiter gelernt, zu denken, zu forschen, ein Thema zu verdichten, einen eigenen Standpunkt zu erarbeiten, und mehr. Und das ist, wie ich oben schon sagte, Gold wert fürs Schreiben.

Ich bin mir nicht sicher, ob die Einführung des Bachelor-Studiums hier nicht von Nachteil fürs Schreiben war. Im sehr engen Stundenplan, vorgegebenen Leistungs-Nachweisen und der starken Verschulung statt der Förderung des unabhängigen (Forscher-) Geistes kann doch sehr viel Schreibfreude und –kunst verloren gehen.

Schreiben im Beruf: Auch im Beruf lernt man Schreiben oft eher learning by doing beziehungsweise es wird schlicht vorausgesetzt / der Kandidat für die neue Stelle wird nach entsprechenden Kriterien ausgewählt. Auch mir ging es so. Ich habe zum Beispiel in der Kommunikation mit Kunden gearbeitet oder Analysen, Reports und Seminarkonzepte entwickelt. Doch manchmal gibt es auch aufgeschlossene Fach- oder Personalabteilungen, die ein bisschen Geld für eine Weiterbildung springen lassen.

Tipp: Ergreifen Sie ruhig die Initiative und fragen Sie von sich aus nach, ob und welche Möglichkeiten der Förderung es für Sie gibt. Sagen Sie, wofür Sie die Kenntnisse brauchen und wie Sie sie gewinnbringend für das Unternehmen einsetzen wollen. Manchmal lassen sich auch ganze Abteilungen gemeinsam schulen, so wie ich eine kleine geschlossene Fach-Abteilung in einem meiner Online-Trainings hatte.

Ausbildung und Beruf speziell

Lesen von Schreibratgebern: Viele, die sich ernsthafter für das Schreib-Handwerk interessieren, greifen früher oder später zu entsprechenden Büchern und Zeitschriften oder studieren Internet-Seiten wie die meine. Als ich anfing, beruflich mit dem Schreiben Geld zu verdienen, war das auch der Moment, als ich selbst zu solchen Ratgebern griff. Später habe ich einige Bücher und Selbstlernkurse geschrieben, die sich mit dem Schreiben beschäftigen, und habe dadurch noch mehr gelernt. Mehr dazu schreibe ich unter „Lernen durch Lehren“.

Ausbildung und Studium fürs Schreiben: „Schreiben“ ist einer der wenigen Berufe, der immer noch über einen Quereinstieg möglich ist. Entsprechend breit ist die Palette an Angeboten. Sie könnten schon als Schüler mit einer Hospitanz bei einer Zeitschrift starten, an der Uni mit Artikeln ein bisschen Geld hinzuverdienen, ein Praktikum oder Volontariat in der „Medienbranche“ absolvieren. Sie können sich auch passende Studienfächer suchen. Dann würde ich aber weniger Germanistik und Co. wählen (hier wird wieder Analyse betrieben), sondern eher praxisorientiertere Studienfächer wie Kommunikationswissenschaften anvisieren.

In den letzten Jahren sind auch immer mehr Aufbau-Studien mit einem Schreib-Schwerpunkt entstanden. Vom Poesiepädagogen bis zum Schreibtherapeuten ist da alles drin. Machen Sie sich ggf. selbst im Internet oder bei Berufsberatungszentren schlau.

Schon etwas länger gibt es die Journalisten- und Texterschulen, die man teils studienbegleitend, teils als eigenständiges Studium besuchen kann. Und auch schon etwas länger gibt es Fortbildungen im Schreib-Bereich wie etwa die zum Online-Redakteur, für die ich mich einmal nach dem Studium interessiert habe, und die teils vom Arbeitsamt bezahlt werden.

Learning by doing im Beruf: Ich selbst habe mich damals statt fürs Schreiben für die Trainings-Branche entschieden. Zu Beginn meiner Selbstständigkeit bekam ich dann die Chance, die Redaktion eines Kurs-Anbieters zu übernehmen. Und so konnte ich meine beiden „Stränge“ Schreiben und Lehren vereinen. Ich habe dann auch für weitere Auftraggeber und Magazine geschrieben, meine eigene Webseite hochgebracht, einige Male auch für Kunden getextet und etwas häufiger deren Texte gecoacht. Für nichts davon habe ich eine Ausbildung absolviert. Auch ich bin einer dieser oben erwähnten Quereinsteiger mit viel „learning by doing“ – und ganz viel Schreibpraxis. Sie sehen, so etwas geht immer noch.

Lernen durch Lehren: Sehr viel habe ich allerdings auch dadurch gelernt, dass ich übers Schreiben geschrieben habe, entsprechende Kurs-Unterlagen entwickelt, Schreibkurse gegeben und die Texte von Teilnehmern mit „Optimierungsvorschlägen“ versehen habe. Ich musste mir überlegen, was ich wie warum verbessern würde. Und das musste ich meinen Teilnehmern überwiegend schriftlich (bei Online-Kursen) so erklären, dass sie es auch begreifen und nachvollziehen konnten. Das hat mir geholfen, es für mich gedanklich aufzuarbeiten und, wie gesagt, dadurch selbst zu lernen. Das ist etwas, was jeder gute Trainer an seinen Kursen schätzt.

Kurse und Seminare: Der kleine Bruder von längeren Fortbildungen oder (Aufbau-) Studien sind die unzähligen Kurse und Seminare, die zum Thema Schreiben angeboten werden. „Im Kleinen“ könnten Sie zum Beispiel bei kirchlichen Trägern oder Volkshochschulen starten. Doch es gibt natürlich auch Schreibkurse im drei- oder vierstelligen Preisbereich.

Tipp: Schauen Sie, welche Ziele Sie verfolgen und was Sie ganz genau lernen wollen. Gibt es vielleicht auch eine bestimmte Spezialisierung oder ein Thema, das Ihnen wichtig ist? Achten Sie auch darauf, was Sie investieren wollen und können und welche Möglichkeiten Sie haben. Sind Sie Selbstzahler oder beteiligt sich vielleicht der Arbeitgeber? Brauchen Sie ein Abschluss-Zeugnis? Bei all dem hilft Ihnen mein Weiterbildungsplaner.

Auch etliche Autoren sind, wie ich selbst, mittlerweile als Schreibtrainer in eigener Verantwortung (das heißt, ohne Zugehörigkeit zu bestimmten Bildungsanbietern) tätig. Schauen Sie hier ebenfalls, welchen Schwerpunkt Autor und Kurse haben. Welchen Stil hat der Autor, wie arbeitet er? Wenn Ihnen die Texte des Autors gefallen, ist es wahrscheinlicher, dass Sie auch mit ihm als Trainer gut arbeiten können.

Üben und probieren

Private, nicht-professionelle Übungs-Möglichkeiten: Wie Sie vielleicht schon an meinem Lebenslauf gesehen haben, lernt man Schreiben vor allem durch Schreiben. Sicher sind Lesen, Kurse, Fortbildungen hilfreich und wichtig, doch ohne Praxis geht gar nichts. Ich selbst habe praktisch immer in Verbindung mit Schule, Studium oder Beruf geschrieben. Doch wenn das für Sie nicht gilt, könnten Sie zum Beispiel:

  • Tagebuch oder Morgenseiten schreiben
  • Einen Blog oder eine Webseite betreiben
  • Mit Gedichten, Geschichten und Romanen spielen
  • Kostenfreie Beiträge für kleine Stadtmagazine, Fan-Zeitschriften o.ä. schreiben
  • Sich Schreib- oder Autorenforen im Internet anschließen
  • Sich einer Schreibgruppe oder -werkstatt anschließen

(Achtung: Manche Schreibgruppen sind eher belletristisch ausgerichtet, andere zielen stärker auf die Selbsterfahrung. Manche werden professioneller betrieben, andere sehen das Schreiben eher als Hobby. Recherchieren Sie ggf. bei sich vor Ort oder im Internet.)

  • Ihre Texte Freunden und Co. vorlesen und um ehrliches Feedback bitten

(Die Freunde aber dann bitte nicht „zur Schnecke machen“, wenn Ihnen nicht gefällt, was Sie zu hören bekommen. Sie brauchen ehrliches Feedback, um zu lernen. Sie können sie ja gleichzeitig immer noch um Lob bitten. :-))

Und vieles andere mehr.

Private, professionelle Übungs-Möglichkeiten: Etwas „professioneller“ werden Sie, wenn Sie zum Beispiel:

  • An Literatur-Wettbewerben teilnehmen
  • Unbezahlte oder bezahlte Beiträge für Literatur-Zeitschriften schreiben
  • Unbezahlte oder bezahlte Beiträge als „Special-Interest-Autor“ schreiben

(Das heißt, Sie schreiben über etwas, worin Sie sich gut auskennen, weil Sie es zum Beispiel als Hobby intensiv betreiben. Fragen Sie bei passenden Publikationen, Webseiten, Zeitungen nach, ob man Interesse an einem Beitrag / bestimmten Themen hat.)

  • Einer Autorengruppe beitreten

(Autorengruppen sind im Gegensatz zu Schreibgruppen meistens Zusammenschlüsse von Leuten, die schon erste Erfolge mit Veröffentlichungen erzielt haben oder gar mit dem Schreiben schon etwas Geld verdienen.)

Und anderes mehr.

Intensiv-Coaching

Wir Menschen sind verschieden, jeder lernt anders. Ich selbst lerne zum Beispiel am besten autodidaktisch und durch das eigene, aktive Ausprobieren und Tun. Andere fühlen sich in Schreibgruppen wohl. Wieder andere sprechen am besten auf ein intensives Coaching an. Eine Kollegin brauchte es zum Beispiel geradezu körperlich, dass jemand gemeinsam mit ihr ihre Texte durchging, alles gnadenlos anstrich und verbesserte. So ähnlich habe ich auch in meinen Online-Kursen gearbeitet. Ich sprach allerdings in der Regel von „Optimierungs-Vorschlägen“, um empfindliche Schreibgemüter nicht zu sehr aufzuregen. 😉 Ist das Ihre Art zu lernen? Arbeiten Sie gern mit einem Experten intensiv an Ihren Texten?

Selbstverlegen

Noch relativ neu ist der Bereich der Selbstverleger. Sicher hat es auch früher schon eher hobbymäßig im privaten Bereich oder mit professionellerem Anstrich über sogenannte Druckkosten-Zuschuss-Verlage Selbstverleger gegeben. Doch durch Internet, moderne Medien, Print-on-Demand-Verfahren und mehr ist es mittlerweile auch für kleinere Projekte möglich, Bücher „einfach zu schreiben“ und zu veröffentlichen. (Ob nun gedruckt oder als eBook.) Sie sehen ja dann schon am Absatz und ggf. an Leserkommentaren, ob das Buch nun ankommt oder nicht; und wenn nein, warum nicht. (Obwohl das immer nur ein Teil der Wahrheit wäre bzw. diese verzerren kann. Vergessen Sie das bitte nicht.) Oder Sie könnten auch mit einem Lektorat zusammenarbeiten und ggf. auf diese Weise selbst weiter lernen.

„Reifen“

Einen wichtigen Punkt möchte ich noch erwähnen: Schreiben lernt man nicht nur durch Schreiben. Schreiben hängt auch sehr eng mit Denken zusammen. Wichtig ist beim Schreiben deshalb auch die gedankliche Ebene: Nur wer klar denken kann, kann auch klar schreiben. Mir haben deshalb vor allem zwei weitere Dinge beim Schreiben geholfen:

  • Ein relativer „Medien-Entzug“: Ich habe zehn Jahre völlig ohne Fernseher und fast ohne Radio verbracht. Ich habe mich auch eher spärlich im Internet bewegt. Jetzt habe ich zwar wieder einen Fernseh-Apparat, sehe aber nur selten und dann gezielt fern. Radio und Internet sind immer noch „spärlich“. 😉 Das gibt Raum für Gedanken.
  • Eine konsequente (Selbst-) Reflektion: Wie gesagt, ich lerne am besten durch Ausprobieren und Tun – und die Reflektion darüber. Warum lief etwas, wie es lief? Und warum nicht? Auch das schärft das Denkvermögen. Und ich habe mich immer selbst sehr stark reflektiert und hinterfragt. Das hat mich als Mensch reifer werden lassen und es hat auch spürbar mein Schreiben beeinflusst.

Und damit möchte ich Ihnen noch etwas „als Ansporn und zum Trost“ mitgeben: Schreiben ist eines der wenigen Dinge, die im Alter immer besser werden (können). Also haben Sie keine Bange, wenn Sie erst spät anfangen, schreiben zu lernen. Schreiben hängt viel mit den eigenen Erfahrungen und der eigenen Persönlichkeit zusammen. Und diese reift in der Regel erst mit der Zeit. Viele Autoren haben ihre „Bestzeit“ von etwa 40 bis 70 Jahren. Erst im hohen Alter ab etwa 80 Jahren merkt man ein gewisses Nachlassen, eine gewisse „Steifheit“ im Denken.

Also nur Mut: Sie können jederzeit (noch) schreiben lernen. Fangen Sie an. :-)

Literatur-Tipp:

Susanne Diehm & Michael Firnkes „Die Macht der Worte. Schreiben als Beruf.“ (Zwanzig Menschen stellen ihre Schreibberufe und Werdegänge vor. Eine davon bin ich.)

Kurs-Tipp zum Beispiel:

Paket: Schreib dein Buch

Paket: Professionell schreiben

Selbstlernkurs: Kreativ Schreiben lernen

Workbook: So schreiben Sie im Beruf

© 2014 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 02.03.14

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