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In meinen Online-Workshops trieze ich meine Teilnehmer schon mal mit einer Zeit- oder Mengenvorgabe. Das mache ich weniger, weil ich mir den Ruf eines Antreibers und Leuteschinders verdienen möchte. Aber oft bringt uns erst der äußere Zwang dazu, möglichst viele und originelle Ideen zu produzieren.
In meinen Online-Workshops trieze ich meine Teilnehmer schon mal gern mit einer Zeit- oder Mengenvorgabe.
Ich lasse sie beispielsweise nicht eher ihren Stift aus der Hand legen, bis mindestens 10 Minuten vergangen sind. Ich stelle ihnen die Aufgabe, mir 20 Beispiele für eine bestimmte Sache zu bringen. Oder ich gebe ihnen den Tipp, sich einen Wecker zu stellen und wenigstens 5 Minuten lang unter Hochdruck Ideen zu einer Fragestellung zu sammeln.
Das mache ich weniger, weil ich mir den Ruf eines Antreibers und Leuteschinders verdienen möchte.
Erst der Zwang bringt uns dazu, originelle Ideen zu produzieren
Der Sinn der Sache ist, dass uns oft erst der äußere Zwang dazu bringt, möglichst viele und originelle Ideen zu produzieren.
Das kann man sehr schön bei der Übung mit dem fünfminütigen Ideensammeln sehen.
Wenn ich die klassische Frage stelle “was kann man alles mit einem Ziegelstein machen”, kommen zuerst Antworten wie “Häuser bauen” oder “Ofen bauen”. Dinge, die nicht allzu weit von der Realität entfernt sind.
Erst gegen Ende der vorgegebenen Zeit schießen die (scheinbar) absurdesten Vorschläge aus dem Boden, und es wimmelt von Ideen wie “als Tresor benützen” oder “‘another brick in the wall’ singen”.
(Natürlich wird unterwegs noch damit geworfen oder der PC bedroht, wenn er wieder spinnen sollte.
)
Noch einmal: Ideen zu finden kann durchaus Arbeit für unser bequemes Gehirn sein. Wenn man ihm seinen Willen lässt, hört es gern nach zwei, drei Beispielen auf und ist der Meinung, jetzt aber genug getan zu haben.
Die ersten Ideen sind nicht immer die besten Ideen
Nur sind die ersten Ideen längst nicht immer die besten Ideen. Im Gegenteil, meistens kratzen sie nur an den Antworten, die uns vertraut sind und die deshalb leicht erreichbar dicht unter der Oberfläche unseres Bewusstseins liegen.
Erst wenn wir, durch die Vorgabe dazu verdonnert, länger graben, graben wir auch tiefer und fördern Dinge zutage, die uns nicht schon mundgerecht auf der Zunge liegen.
Also, wenn Sie das nächste Mal eine Idee finden wollen, treiben Sie Gehirn und Vorstellungskraft an, sich an die Arbeit zu machen und die Vorgabe zu erfüllen.
Wer weiß, vielleicht sind Sie so eifrig bei der Sache, Ihre Quote voll zu machen, dass Sie sogar Ihren inneren Kritiker davon abhalten, Ihnen zu erzählen, dass man nicht mit Ziegelsteinen im Zimmer herumhüpft und singt.
Bewerten können und müssen Sie Ihre Idee anschließend sowieso. Aber je mehr Ideen Sie produzieren, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die eine oder andere gute dabei ist. Lassen Sie sich überraschen.
© 2009 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 13.07.09
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