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Wie Sie mit divergentem Denken um die Ecke denken

Wie kommen Sie von der Frage, ob Katzen wählen sollten, zur Entwicklung neuer Produkte? Divergentes Denken, verehrte Leser ;-), divergentes Denken. Verlassen Sie ausgetretene Bahnen, denken Sie um die Ecke und finden Sie neue Ideen. So geht’s.

Logisches, konvergentes Denken dominiert …

„Wo ist hier die Logik drin?“ ist eine meiner – umgangssprachlichen – Lieblingsfragen, wenn ich mit Büchern oder Texten nicht klarkomme, weil ihnen der rote Faden fehlt. Und in der Tat ist logisches Denken wichtig, um zum Beispiel Argumente schlüssig aufzubauen, so dass man ihnen leicht folgen kann. Nicht nur beim Schreiben.

Logisches, rationales, auch konvergentes („zusammenlaufendes“) Denken ist grundsätzlich die bevorzugte Denkweise unserer Gesellschaft. Von der Schulzeit an werden wir getrimmt, logische Schlüsse zu ziehen, systematisch vorzugehen, geradenwegs von A nach B zu kommen, die eine richtige Antwort zu liefern, und Ähnliches mehr.

Das Problem ist allerdings, dass wir uns mit dieser Denkweise in vorgegebenen Bahnen bewegen, innerhalb des Systems bleiben. Wer von A nach B geht, wird vielleicht nie das reizvolle AB kennen lernen.

Divergentes Denken triumphiert, zumindest bei Ideen ..

Wenn Sie diese starren Routinen überwinden, nicht nur eine, sondern möglichst viele Lösungen finden wollen, brauchen Sie ein anderes Denken. Kein Denken, das zielgerichtet logischen Abläufen folgt. Sondern ein Denken, das um die Ecke biegt, Möglichkeiten testet und nach Alternativen sucht. Sie brauchen ein divergentes („auseinanderlaufendes“) Denken.

Divergentes Denken pfeift auf den geraden Weg. Es lässt sich nicht durch Normen oder Konventionen einengen. Mustern zu folgen, ist nicht sein Ding. Ideal, wenn Sie eben gar keine vorgegebenen Muster haben, denen Sie folgen können. Ideal, wenn Sie neue, unbekannte Lösungen finden wollen. Deshalb ist divergentes Denken auch eine Voraussetzung für Kreativität.

Divergentes Denken

  • träumt und spekuliert
  • äußert sich über Bilder und Emotionen
  • nutzt Assoziationen und Vorstellungskraft
  • wandert in viele verschiedene Richtungen
  • ist sprunghaft, spontan und flexibel.

Lust auf ein paar Übungen und Tipps, um um die Ecke zu denken?

Haben Sie Lust, mal ein bisschen mit divergentem Denken um die Ecke zu denken und neue, vielleicht ganz andere Ideen zu finden?

Dann habe ich hier ein paar Tipps für Sie, um es zu trainieren:

Mit offenen Aufgabenstellungen und Fragen arbeiten

Schaffen Sie eine klare Ausgangslage, aber grenzen Sie diese nicht durch zu viele Bedingungen und Kriterien ein. Arbeiten Sie mit offenen Aufgabenstellungen und Fragen. Sagen Sie also nicht: „Wie viel ist 12 minus 6?“ Oder: „Macht es Sinn, unseren Umsatz mit Produkt x steigern zu wollen?“

Lassen Sie sich lieber möglichst viel Spielraum. Also etwa: „Ziehen Sie eine einstellige von einer zweistelligen Zahl ab.“ Oder: „Was können wir tun, um unseren Umsatz zu steigern?“

Auf zu frühe Beurteilungen verzichten

Machen Sie es vielen Kreativitätstechniken nach und verzichten Sie auf zu frühe Beurteilungen. Prüfen Sie nicht sofort jede Idee, ob es die richtige Idee ist. (Nur um sie dann zu verwerfen, wenn sie es nicht ist.) Trennen Sie die Prozesse.

Suchen Sie zuerst nur nach Ideen, und seien sie noch so aberwitzig. Lassen Sie die Finger von allen logischen, rationalen und bewertenden Kriterien. Fragen Sie sich nicht, ob irgendetwas Sinn macht, sprich interpretieren Sie keine Zahlen, Daten, Fakten. Das können Sie alles in einem zweiten Schritt tun. Je weniger Sie Ihre Gedanken durch voreilige Wertungen lenken, desto reichhaltiger sind Ihre Ideen.

Das Unvernünftige pflegen

Und wo wir schon beim Sinn sind: Pflegen Sie das Unvernünftige und widmen Sie sich den (scheinbar) abstrusesten Themen. Denken Sie daran: Ihr Ziel ist nicht das richtige oder Sinn machende Ergebnis. Ihr Ziel ist es, nach Ergebnissen an sich zu suchen.

Schnappen Sie sich eine Frage oder ein Thema, das nach Aberwitz und zweckfreiem Denken nur so schreit, und lassen Sie dann Ihre kleinen grauen Zellen neue Wege gehen. Fragen Sie sich beispielsweise: „Welche Vorteile hat es, wenn wir den Außerirdischen Alf zum Präsidenten wählen?“ Oder: „Was spricht dagegen, dass auch Katzen wählen dürfen?“

Und ja, mag sein, dass Sie mit den Antworten nichts anfangen können. Aber der Witz an der Sache ist, überhaupt einmal gewohnheitsmäßig in den verschiedensten Richtungen nach Antworten zu suchen.

Testen und übertragen

Denn ob Ihre Antwort sich nicht doch produktiv einsetzen lässt oder Ihre Gedanken in erhellende neue Bahnen lenkt, wissen Sie nur, wenn Sie sie gefunden haben und ausprobieren. Testen Sie also Ihr Ergebnis ordentlich durch und übertragen Sie es auf Ihre jeweiligen Verhältnisse.

Beispiel: Ihre Antwort zur Katzenfrage lautet „Katzen können nicht sprechen. Deshalb können sie auch nicht wählen.“ Dann schauen Sie, wie Sie das Ergebnis „nur wer sprechen kann, kann wählen“ für Ihre Zwecke nutzen. Vielleicht basteln Sie ein Telefon („wählen“), das über Spracherkennung funktioniert. Oder Sie machen eine telefonische Umfrage und lassen die Leute zwischen einigen Ihrer Produkte wählen. Und so weiter, und so fort.

Die Mischung macht’s …

Natürlich kann diese Divergenz, dieses Auseinanderdriften der Gedanken für Probleme sorgen. So ist von unkonzentriertem, ziellosen Sich-treiben-Lassen über eine exzentrische Außenseiterrolle („wer stellt solche Fragen …“) bis zur destruktiven Ablehnung aller Normen und Werte alles drin.

Kreativität ist deshalb auch nicht gleich Divergenz. Divergentes Denken ist nur ein Baustein davon. Wenn auch ein notwendiger.

Erst das Zusammenspiel von divergentem und konvergentem Denken macht das eigentliche kreative Denken aus. Ich muss erkennen, welche Normen und Routinen ich überhaupt ändern kann und will. Und ich muss bewerten, ob ich zu meiner neuen Lösung greife (und wenn ja, zu welcher) oder nicht doch am Bewährten festhalte.

Divergentes Denken ist kein Selbstzweck, es ist eine zusätzliche Option. Nutzen Sie sie.

© 2008 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 28.09.08

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