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Wie Sie mit Geschichten schreiben Ihre Grundmotivation erkennen

Vieles ist schon versucht worden, um herauszufinden, wie wir ticken und was unser Wesen ausmacht. Das Problem ist aber, dass uns viele Bereiche unseres Ichs gar nicht bewusst sind und sich unserem Zugriff entziehen. Mit einem Trick können Sie doch noch an dieses Unbewusste gelangen: Schreiben Sie Geschichten.

Wer bin ich?

Vieles ist schon versucht worden, um herauszufinden, wie wir ticken und was den Einzelnen von uns bewegt. Ganze Heerscharen von Wissenschaftlern bis „Revolverblättchen“ haben ihre Versuchskaninchen oder Leser mit Fragebögen und Selbsttests gefüttert, um unserem Ich auf die Spur zu kommen.

Das Problem bei Fragebögen und Co. ist, dass sie oft die Wirklichkeit nicht richtig erfassen. Der Freiwillige, der sie ausfüllt, kann sich absichtlich anders oder „besser“ darstellen, als er eigentlich ist. Und selbst wenn er bei den Tatsachen bleiben will, wird ihm das oft nicht leichtfallen.

Denn viele Bereiche unseres Ichs sind uns nicht bewusst. Manches sehen unsere Mitmenschen besser als wir. Auch wenn diese wieder durch ihren eigenen Hintergrund und damitihre persönliche Interpretationsweise geprägt sind. Aber vieles entzieht sich auch unserem Zugriff. Wer versuchen will, sich durch seine Filter und Prägungen hindurch zu erkennen, wird unweigerlich an seine Grenzen stoßen.

Eine Möglichkeit ist es da, sein Unterbewusstsein zu Wort kommen zu lassen, bewusste Lenkungen so weit wie möglich zu vermeiden und erst in einem zweiten Schritt mit Verstand zu analysieren.

Der Wissenschaftsjournalist Bas Kast beschreibt dazu einen netten Test, wie Psychologen ihren Probanden mit Bildern und Geschichten helfen, ihr Ich besser zu erkennen.

Die „picture story exercise“ – der Bilder-und-Geschichten-Test

Bei diesem Test suchen Sie sich mehrere Bilder. (Ausschnitte aus Filmen oder andere Motive mit handelnden Personen funktionieren besonders gut.) Schreiben Sie jeweils etwa fünf Minuten lang zu jedem Bild eine Geschichte.

Schreiben Sie einfach auf, was Ihnen in den Sinn kommt. Wer könnten die handelnden Personen sein? Was könnten sie tun? Was vielleicht denken oder fühlen? Wie könnte es zu der Story gekommen sein? Wie könnte sie ausgehen? Und so weiter, und so fort.

Achten Sie bitte darauf, dass Sie den Test in einigermaßen „neutraler“ Situation machen. Wenn Sie vorher einen Liebesfilm gesehen haben oder sich auf eine Prüfung vorbereiten, dürfte Ihr Ergebnis naturgemäß etwas in die eine oder andere Richtung beeinflusst werden. 😉

Wichtig auch: Machen Sie das bitte nicht im Kopf, sondern schreiben Sie es wirklich auf.

Denn in einem nächsten Schritt werden Sie Ihre Geschichten und vor allem auch den genauen Wortlaut Ihrer Texte untersuchen.

Streichen Sie dazu alle Stellen farbig an, die ein bestimmtes Grundmotiv wiederzugeben scheinen.

Bas Kast listet hier drei Grundmotive auf, zu denen sich unsere Bedürfnisse und damit unser Wesen zusammenfassen lassen: Leistung, Bindung oder Macht. Ob das wirklich alle sind, die uns Menschen ausmachen, kann und will ich nicht beurteilen. Aber ich denke, das Prinzip ist klar.

Wenn Sie zum Beispiel in Ihrer Geschichte viele Hinweise auf ein Leistungsmotiv gefunden haben, könnte das Ihre unbewusste Grundmotivation sein. Da Sie ein leistungsorientierter Typ sind, wird es in Ihren Geschichten auch stark um Leistung gehen. Ihr Denken kreist mehr oder weniger um alles, was mit Leistung zu tun hat.

Genauso bei den anderen Grundmotiven Bindung und Macht.

Die Auswertung des Bilder-und-Geschichten-Tests

1. Das Leistungsmotiv

Beim Leistungsmotiv könnten das Begriffe, Formulierungen oder Inhalte sein wie: Etwas gut machen wollen, besser sein, der Beste sein, schnell sein, effektiv oder effizient handeln, ein Ziel anstreben, ärgerlich sein, wenn man sein Ziel nicht erreicht, hingebungsvoll an einem Problem tüfteln, die Dinge in die Hand nehmen, und Ähnliches mehr.

Nach Kast lieben es leistungsorientierte Menschen, eine Sache um einer Sache willen zu beherrschen. Sie wollen unabhängig sein, hassen Anweisungen, wollen sich ihre Ziele selbst setzen und das, was sie erreichen, auf ihre eigene Leistung zurückführen können. Sie kommen mit Hierarchien nicht klar und machen sich überproportional häufig selbstständig.

2. Das Bindungsmotiv

Beim Bindungsmotiv könnten das Begriffe, Formulierungen oder Inhalte sein wie: Vertrauen, Freundschaft schließen, Teamarbeit, gemeinsam machen, lieben, vermissen, ein Wiedersehen feiern, eine Clique bilden, das Kind trösten, und Ähnliches mehr.

Bindungsorientierte Menschen sind typische Teamplayer. Sie blühen in Zweierkisten oder kleinen Gruppen auf und lieben alles Zwischenmenschliche.

3. Das Machtmotiv

Beim Machtmotiv könnten das Begriffe, Formulierungen oder Inhalte sein wie: Berühmt sein wollen, auf der Bühne stehen, Einfluss haben, Rat geben, andere überzeugen, durchsetzen, Stärke demonstrieren, etwas bewegen oder verändern wollen, und Ähnliches mehr.

Machtorientierte Menschen wollen nach Kast Wirkung auf andere ausüben. Sie wollen zum Beispiel nicht – wie beim Leistungsmotiv – der Beste sein, um ein eigenes Ziel zu erreichen, sondern um andere zu beeindrucken. Und sie sind zwar – wie beim Bindungsmotiv – ebenfalls gern mit anderen Menschen zusammen, aber eher, um sie zu beeinflussen.

Politiker und Manager haben oft ein Machtmotiv. Aber auch Lehrer, Therapeuten oder Coaches, die anderen etwas beibringen oder verändern helfen wollen.

Natürlich sind das jetzt nur grobe, über den Daumen gepeilte Stichpunkte. Es sind Beispiele, die eine Richtung anzeigen sollen, mehr nicht.

Ebenso dürften sicher „Mischformen“ an der Tagesordnung sein. Nur selten wird ein Mensch, sagen wir, ein reines Bindungsmotiv haben. Da gilt es darauf zu achten, ob ein bestimmtes Motiv häufiger vorkommt als ein anderes.

Immerhin ist der Test gut geeignet, sich seine Grundmotivation klarer zu machen, das, was einen bewegt. Denn so wie beim Coach, der sowohl ein Bindungs- als auch ein Machtmotiv haben kann, lässt sich nichts über einen Kamm scheren, sondern hängt von der eigenen Gewichtung wie auch der jeweiligen Situation ab. Hierfür einen besseren Blick zu bekommen, ist sicher viel wert.

Viel Spaß mit Ihren Bildern und Geschichten und Ihrem Ich. 😉

© 2009 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 27.08.09

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