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Denkfehler, mit denen wir uns ins Knie schießen, gibt es so einige. Besonders effizient ist unsere fixe Vorstellung, die Gedanken und Absichten des anderen genau zu kennen. Sie hat nicht nur ganze Kriegsparteien auf Stellung gehalten oder so manchem Ehestreit neue Munition geliefert. Sie ist auch sonst erstklassig dazu geeignet, uns das Leben schwerzumachen.
Als ich die Geschichte von dem Mann mit dem Hammer das erste Mal las, musste ich lachen. Ich dachte, nee, das gibt’s doch nicht, so narrisch kann keiner sein.
Als ich zu Ende gelesen hatte, war ich still geworden und hatte Stoff zum Nachdenken.
Grob zusammengefasst geht es darum, dass ein Mann sich von seinem Nachbarn einen Hammer ausleihen will, bis ihm noch im Gehen Zweifel kommen: “Was, wenn er mir den Hammer nicht leihen will? Überhaupt, gestern hat er mich nur flüchtig gegrüßt und ziemlich kurz abgefertigt. Ausgesprochen unhöflich, so was. Der hält sich wohl für was Besseres. Was bildet der sich eigentlich ein? So geht das nicht weiter.” Derart in Rage gesteigert, schlägt es schließlich dem ahnungslosen Nachbarn entgegen: “Behalten Sie doch Ihren Hammer, Sie Rüpel, Sie.”
Diese fixe Vorstellung, die Gedanken und Absichten des anderen genau zu kennen, hat nicht nur ganze Kriegsparteien auf Stellung gehalten oder so manchem Ehestreit neue Munition geliefert.
Ein klassischer Denkfehler
Sie ist auch ein klassischer Denkfehler, der wie nur wenige andere bestens dazu geeignet ist, uns das Leben schwerzumachen. Beispiel:
- Wenn ich denke, dass die Leute etwas Bestimmtes von mir erwarten, setze ich mich nur unnötig selbst unter Druck, bis mich die Sache mehr Kraft kostet, als ich zu zahlen bereit bin.
- Wenn ich denke, dass jemand, sagen wir, sauer auf mich ist oder mich nicht leiden kann, werde ich das auch aus seiner Kommunikation und seinem Verhalten herauslesen.
- Mehr noch: Ich werde um mein vermeintlich ärgerliches, dünnhäutiges oder was auch immer Gegenüber so lange wie die Katze um den heißen Brei herumschleichen, bis ich ihn oder sie mit meinem vorsichtig-taktierenden Verhalten ganz sicher auf die Palme gebracht habe.
Oder anders formuliert:
- Fehler Nr. 1: Sie können nicht wissen, was der andere von Ihnen erwartet, bevor Sie ihn nicht selbst danach fragen. Komplizierte Phantasien sind in erster Linie genau das: Phantasien.
- Fehler Nr. 2: Sie beziehen in Ihre Rechnung nicht ein, dass Sie beim anderen nur das sehen, was Sie sehen wollen oder zu wissen glauben. Mehr noch: Sie urteilen vor dem Hintergrund Ihrer eigenen Denkmuster und Erfahrungen. Eine heftige Äußerung, die den einen zu einem mitfühlenden “ging mir auch so” veranlasst, könnte beim nächsten latente Schuldgefühle wecken. (Und beide können meilenweit an der ursprünglichen Absicht vorbeigehen.)
- Fehler Nr. 3: Und Sie beziehen in Ihre Rechnung nicht ein, dass Sie mit Ihrem Verhalten das Verhalten des anderen oft erst auslösen. Bis es zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung kommt und Sie in bester Absicht auf genau das Ergebnis hinarbeiten, das Sie eigentlich verhindern wollten.
Gibt es Abhilfe?
Abhilfe ist vielleicht zu viel gesagt, denn dieser Denkfehler ist so verbreitet, dass wir immer wieder in dieselbe Falle tappen – ich durchaus eingeschlossen.
Aber zum einen hilft es, wenn Sie den Denkfehler als solches erkennen. Das heißt, wenn Sie sich klarmachen, dass die Welt, wie wir sie sehen, ein Konstrukt ist. Wir interpretieren nicht nur die Äußerungen und das Verhalten des anderen vor dem Hintergrund unserer eigenen Denkweise. Wir beeinflussen sein Verhalten auch maßgeblich durch unsere eigenen Gedanken und Taten.
Alles steht in Wechselwirkung zueinander und wir basteln an unserer Wirklichkeit munter mit. (Wir “konstruieren” sie.)
Deshalb lautet das erste Rezept, um nicht in unseren Denkfehler zu tappen: Gehen Sie nie davon aus, dass Sie wissen, was der andere denkt. Vergessen Sie nicht, dass Sie selbst es sind, der diesen Mechanismus schmiert und ölt.
Ein zweites Heilmittel klingt ähnlich simpel, hat aber die gleiche Durchschlagskraft: Reden Sie mit dem anderen und geben Sie auch mit eigenen Worten wieder, was er Ihrer Meinung nach über die Sache denkt. Nicht nur in der Ehe-Therapie reagieren die Beteiligten oft fassungslos, wenn sie herausfinden, was der andere wirklich gedacht hat.
Und drittens stimme ich mit einer Geschäftspartnerin überein, die erst kürzlich nach einigem Hin und Her zwischen uns und meinen darauf folgenden offenen Worten meinte: “Ich mag klare Aussagen und deshalb kann ich mit dieser Antwort sehr gut leben.”
Oder anders formuliert: Kommunizieren Sie so eindeutig, offen und von sich ausgehend wie möglich, ohne die vermeintlichen Gedanken des anderen vorwegnehmen zu wollen. Entweder Ihr Gegenüber kommt damit klar oder eben nicht. Aber Sie kommen zumindest beide nicht in Versuchung “zu wissen, was der andere denkt”.
© 2008 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 30.11.08
Literaturtipp: Die Hammer-Geschichte und weitere Denkfehler, mit denen Sie sich unglücklich machen können, finden Sie bei Paul Watzlawick, Anleitung zum Unglücklichksein.
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