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Wissen speichern mit Exzerpten

Egal, ob wir etwas lernen oder Material für Studienarbeiten und Schreibprojekte sammeln wollen: Wissen wartet oft in Form von Texten auf uns. Wissen, das aber wieder verloren gehen oder zu bloßem Ballast verkommen kann, wenn wir es nicht verarbeiten. Eine mögliche Form der Verarbeitung sind Exzerpte. Exzerpieren Sie und ziehen Sie aus Texten heraus, was Sie im Gedächtnis behalten oder für Ihr Schreiben nutzen wollen. So geht’s.

Wir Menschen sind vergesslich. Wissen, das wir gerade noch in Büchern gelesen oder in Seminaren vermittelt bekommen haben, hat sich nach einigen Wochen schon fast wieder in Luft aufgelöst. Mit ein Grund für diesen „Gedächtnisverlust“: Die Tatsache, dass wir dieses Wissen oft gar nicht wirklich aufgenommen haben. Denn es reicht nicht, Wissen nur zu lesen oder zu hören. Wir müssen es uns selbst erarbeiten, um es zu verstehen und im Gedächtnis zu behalten.

Aber auch Informationen, die Sie beispielsweise für eine Studienarbeit oder ein anderes Schreibprojekt recherchieren oder für eine Prüfung sammeln, sind leicht nutzlos aufgetürmter Ballast, wenn Sie sie nur irgendwo horten, ohne sich mit Text und Inhalt auseinandergesetzt zu haben.

Die Lösung: Legen Sie sich ein Exzerpt zu (von lat. exzerpieren = herausziehen). Das heißt, arbeiten Sie die wichtigsten Punkte von Text, Unterrichtsmaterialien, Vortragsmitschrift und so weiter heraus und halten Sie diese schriftlich fest.

Damit machen Sie sich nicht nur die Informationen vertraut und können sie leichter als neues Wissen speichern. Sie können Ihre Exzerpte auch zum Beispiel für Ihre Schreibprojekte als Recherche-Ergebnisse abheften und so jederzeit bequem auf gut vorbereitetes Material zurückgreifen. Oder auch als sinnvoll zusammengestellten Lernstoff leichter lernen.

Und so exzerpieren Sie:

Schritt 1: Gehen Sie gezielt vor.

Gehen Sie gezielt vor: Sammeln Sie nicht wahllos, was Ihnen in die Finger gerät, oder schreiben alles ab, was irgendwie wichtig aussieht. Machen Sie einen Plan. Überlegen Sie, was Sie mit Ihren Exzerpten erreichen wollen bzw. wofür Sie sie benötigen, und reduzieren Sie entsprechend Ihr Material.

Beispiel: Sie wollen ein Skript zum Thema Brainstorming zusammenstellen. Dann haben dort andere Kreativitätstechniken wie Analogie oder Bisoziation nichts zu suchen. Entsprechende Stellen in Ihren Büchern oder Unterlagen können Sie gleich weglassen.

Oder: Sie wollen sich die Unterschiede und Gemeinsamkeiten dieser drei Kreativtechniken einprägen. Dann tun Sie Ihrem Gedächtnis einen Gefallen und halten in Ihren Exzerpten auch nur die Dinge fest, die damit etwas zu tun haben. Alles andere stört lediglich beim Lernen oder belastet unnötig Ihr Gedächtnis, fliegt also raus.

Wenn Sie wissen, wofür Sie exzerpieren, können Sie Ihr Material passgenauer auswählen und sich nur das aus Ihren Unterlagen herausziehen, was Sie auch wirklich brauchen.

Schritt 2: Arbeiten Sie am Text.

Sie werden bessere Exzerpte anfertigen, wenn Sie vorher gründlich mit dem Text gearbeitet haben. Das bewahrt Sie davor, nur stumpf abzuschreiben oder die wirklich wichtigen Punkte zu übersehen.

Lesen Sie also, bevor Sie exzerpieren. Lesen Sie langsam und sorgfältig. Die Zeit des eiligen Überfliegens ist mit der Vorauswahl aus Schritt 1 vorbei. Jetzt geht es darum, den Stein nicht nur auszuwählen, sondern zu behauen.

Markieren Sie alle Stellen, die Ihnen wichtig erscheinen. Achten Sie dabei vor allem auf Schlüsselwörter, Kernaussagen, Thesen, Argumentationsgänge oder auch das eine oder andere beispielhafte Zitat.

Schreiben Sie diese entweder schon in Stichpunkten heraus (zum Beispiel direkt am Rechner) oder machen Sie sich kleine Randnotizen.

Vergessen Sie auch Ihre Vorüberlegungen nicht. Behalten Sie die Themen, die Sie interessieren, immer im Hinterkopf und „befragen“ Sie Ihren Text auf mögliche Antworten. Das sind dann die Stellen, die fürs Exzerpieren in Frage kommen. Alles andere brauchen Sie auch nicht zu bearbeiten und zu markieren.

Schritt 3: Exzerpieren Sie Ihren Text.

Jetzt ist der große Moment gekommen, Ihr Exzerpt wartet auf Sie.

Fangen Sie mit ein paar bibliografischen Angaben an: Auf welches Buch, Unterlage, Quelle bezieht sich Ihr Exzerpt? Vermerken Sie Autor, Titel, Erscheinungsjahr beziehungsweise Datum und so weiter, dann können Sie Ihr Exzerpt jederzeit zuordnen.

Beachten Sie auch einige Grundregeln für das Exzerpieren:

  • Weichen Sie nicht vom Originaltext ab, verfälschen Sie nicht oder fügen etwas hinzu. Wenn Sie so wollen, ist ein Exzerpt ein Protokoll des Gelesenen und sollte dieses auch so genau wie möglich wiedergeben.
  • Kennzeichnen Sie, was Zitate, Zusammenfassungen, eigene Interpretationen und so weiter sind. (Quellenangaben und Seitenzahlen nicht vergessen.)
  • Benutzen Sie Ihre eigenen Worte, Sprachbilder und Gedanken. So setzen Sie sich aktiv mit dem Text auseinander, können diesen besser verarbeiten und behalten.
  • Schreiben Sie keine Romane, sondern versuchen Sie, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Beschränken Sie sich auf die wichtigsten Gedanken und Inhalte. So können Sie diese für Studienarbeiten, Schreibprojekte und Co. besser weiterverarbeiten oder auch als Prüfungsstoff lernen.
  • Strukturieren Sie Ihre Inhalte möglichst sinnvoll und übersichtlich. Nutzen Sie die Gelegenheit, um einen roten Faden herauszuarbeiten. Umso leichter können Sie auch hier später anknüpfen oder sich den Lernstoff merken.

Und noch ein Tipp: Wenn Ihnen das Exzerpieren trotz vorausgegangener Arbeit am Text (Schritt 2) bei manchen Dokumenten schwerfällt, dann gehen Sie in zwei Stufen vor.

  • Fragen Sie sich bei jedem Abschnitt zuerst: Worum geht es in diesem Abschnitt? Was sind seine Kernaussagen?
  • Und überprüfen Sie ihn dann auf die Themen, die Sie interessieren: Was kann ich davon für mich gebrauchen?

Die Form Ihrer Exzerpte ist übrigens relativ egal.

So können Sie zum Beispiel für jedes einzelne Exzerpt eine Karteikarte anlegen. Das hat den Vorteil, dass Sie diese bei größeren Schreib- oder Studienarbeiten immer neu anordnen und mischen können. (Oder aber – wie Vokabelkarten – aussortieren können, was Sie schon wissen und was Sie noch lernen müssen.)

Oder Sie machen es wie ich und tippen gleich alles in den Rechner. Wenn Sie nicht gerade ein Freund des Zwei-Finger-Such-Systems sind, geht das schneller, und Sie können die einzelnen Textpassagen immer wieder für spätere Texte kopieren und verschieben.

Aber, wie gesagt, machen Sie es so, wie es Ihnen am besten auskommt.

Hauptsache, Sie können Ihr Wissen verarbeiten und behalten. :-)

© 2008 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 20.05.08

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